Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schniffen bis schnipp (Bd. 15, Sp. 1332 bis 1333)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schniffen, s. schnipfen bez. schnippen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schniffler, m. critiqueur Rondeau 507, ferner Kramer 2, 632b und Stieler 1897, s. schniffeln und schnüffler:

was lermes, was geschwirres
von aufruhrschniffelei?
was will der schnifler wirres
und heiseres geschrei?
Voss 5, 267 ('die anschwärzer').

in der gaunersprache bezeichnet schniffler (auch schniffling) den schnupftaback Avé-Lallemant 4, 602, ebenso in der 'jenischen' sprache Wiens der schnifla Castelli 281.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schniffling, m. in der gaunersprache, die nase; dazu schnifflingsbüchs, die schnupftabaksdose Avé-Lallemant 4, 602. vgl. schniffler.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnill, f.: ind do hei bi sinen heren quam in dat arburst spiene, do bestrich hei de snil mit fenine: dat was also stark ind quait, hed hei de snil angetast, so moist hei zoborsten sin ind zerstunt doit geweist sin. d. städtechron. 13, 66, 3 f. (im glossar als 'schneller, drücker' erklärt).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnipf- vgl. schnipp-.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnipf , m. n.?
1) abgefallenes stück, abfall, kleinigkeit, bischen, schlückchen Schm. 2, 578; nd. snippe, snip schnipfel, brocken, kleines stück land ten Doornkaat Koolman 3, 245a; thür. schnipp Hertel sprachsch. 218; auch hochd. wird dafür schnip(p) geschrieben, s. die belege. besonders in der redensart nicht ein(en) schnipf um etwas geben oder werth sein, gar nichts, nicht das geringste, im 16. jh.: den also sprechen si: Sachssen mues uns das evangelium beschutzen unnd sy geben nit ein schnipff umb den kaiser und sein Spaynnier. Weim. urk. von 1550 bei Dief.-Wülcker 843; der künig von Frankreich .. gäb nit ein schnipf umb den kaiser. Aventin chron. 1, 485, 20; ie zu weilen zaigt er (Merbod) sich an als ain glid des römischen reichs und undertan des römischen kaisers, zu zeiten als ainen obern und der weder umb kaiser noch umb das ganz römisch reich nit ain schnip gäb. 595, 24; du magst aber wissen, dasz ich nit ein schnipff auff dich, und dein unnütz schwaderwerck gebe. Ayrer proc. 721 (2, 12); er ist nicht einen schnüpf werth. quelle bei Wander 4, 306.
2) hierher gehört auch vielleicht die wendung in einem schnipf oder schnipp, in einem nu, augenblick, wenn diese nicht von der interjection schnipp abzuleiten ist, s. das.:

(frau Sorge,) die inn eym schnipff verschwund.
H. Sachs 1, 393b;

da wachsen die kifferbeis resch,
offt in eim schnipp und augenblick,
wachsen sie mir so hoch und dick. 5, 378c.


3) thüringisch schnipf halsleiden der vögel, pips Hertel 41 und sprachschatz 218. ebenso nd. snip Schambach 200a. so schon mnd., glossiert mit 'pituita, est pestis pulli' Schiller-Lübben 4, 276b, vgl.: pituita .. der pfypsz von den hueneren .. pfifig, m. vel schnupff, f. .. snuppe, schnupf, schnup Dief. gloss. 439a demnach ist wol zusammenhang mit schnupfen anzunehmen.
4) für andere bedeutungen vgl. schnipp und schnippe.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnipfe, f. schnabelartiger ausgusz an einem gefäsz, tülle, vgl. DWB schneppe:

zur linken eine kann', an der die schnipfe trieft.
Rückert Hamasa 2, 147.

[Bd. 15, Sp. 1333]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnipfel, schnipfeln, s. schnippel, schnippeln.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnipfen, verb. , oberdeutsche nebenform zu schnippen, vgl. daselbst. da auszer dem verbreitungsgebiet auch die bedeutungen beider wörter meist gesondert sind, so empfiehlt sich getrennte behandlung.
1) ahd. mhd. in der bedeutung 'das haupt senken', vgl. Graff 6, 851. mhd. wb. 2, 2, 448a. Lexer handwb. 1, 920: tô snifta nider daʒ sus erstouta gezuâhte. Notker 1, 12, 30 Piper (Boeth. 1, 4: deiecit humi mestior vultum);

zehant vür mich gesnipfte ich
und saʒ verdâht als ein man,
der weder sin noch rede kan.
Konrad v. Würzburg troj. krieg 41906.


2) in neueren oberdeutschen mundarten, selten im sinne von schnippen, in kleine stückchen schneiden Schmeller 2, 578, vgl. Wachter 1453. hierher wol auch:

er (der pfahlmann) schnipft mit der feuersteinsäge
ein hirschhorn und summelt sein lied.
Scheffel gaudeamus 29.


3) gewöhnlich in zwei andern verwendungen, die auf das oberdeutsche beschränkt sind.
a) mit einer schnellen bewegung etwas wegschnappen, entwenden, listig stehlen; so bair.-österr. Schm. 2, 578. Klein 2, 135 (Österreich). Höfer 3, 107 f. Castelli 249. Hügel 143a. Schöpf 640, schwäb. dafür schniffen Schmid 474. Schm. 2, 573 und Klein 2, 135 (Augsburg); auch nassauisch als schniffen, schniefen, schnuffen Kehrein 1, 362. vgl. auch schnipsen.
b) mit kurzen zügen trinken, nippen Schm. 2, 578. Schöpf 640.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnipfer, m., zu schnipfen 3, 1) dieb Schmeller 2, 578. Castelli 249. Hügel 143a, 2) kleiner schluck im trinken Schm. a. a. o.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnipp, interj.
1) eine schnelle, momentane, knipsende bewegung malend, vgl. schnips Campe. im ablaut zu schnapp gebildet, aber ein feineres geräusch andeutend; auch mit schnapp zusammengestellt, so um das ausgleiten mit den füszen anzudeuten:

tripp! trapp!
schnipp! schnapp!
ft fall i wiedar in allalängs nieda.
Hartmann volksschauspiele s. 254, 28.


2) auch substantiviert als masc. von einer solchen bewegung oder dem begleitenden geräusch Campe, vergl. schnippchen. — personificiert:

der fiert Schnipp und der finft haist Schnapp. fastn. sp. 337, 21.


3) ostfriesisch begegnet auch ein adjectiv snip spitz, scharf, dünn, mager, scharf, stechend, bissig ten Doornkaat Koolman 3, 245a; dagegen bei Stürenburg 229a schnipp, schnippsk naseweis, vgl. schnippisch.
4) vgl. schnipf (1. 2).
5) zipfel, spitze, s. DWB schnippe.
6) andere bedeutungen beschränken sich auf mitteldeutsche mundarten.
a) schnipp, schnipchen, schnipsel, n., im östlichen Hessen und im fuldaischen eine art schmierkäse Vilmar 363.
b) nassauisch schnepp, schnäpp, schnipp, f., schnippchen, schnepper ein geschwätziges mädchen Kehrein 1, 361. vergl. DWB schneppe 6, b.
c) thüringisch schnipp, m. grün-sieben im kartenspiel Hertel sprachschatz 218.
d) ferner ein geflecktes thier, pferd oder kuh mit schmaler blässe, taube mit roten oder schwarzen flecken. ebenda.