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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnieben bis schniepeln (Bd. 15, Sp. 1329 bis 1331)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnieben, verb. die luft hörbar durch die nase ein- und ausziehen. alte nebenform zu dem gleichbedeutenden schnauben (vgl. daselbst), mit demselben nebeneinander von au und ie bez. û : io, das sich auch sonst im präsens der u-reihe findet (vgl. z. b. kriechen und krauchen, schliefen gegen nd. ags. slûpan

[Bd. 15, Sp. 1330]


u. s. w.). in der ältern sprache nicht belegt, erst nhd. bei Schottel 1406: schnieben, spirare, athem holen, est anomalum, ich schnob, geschnoben; ferner: schneuben, et schnieben, aliâ dialectô id. est quod schnauben, et schnaufen, habetque in praeter. ich schnob, ich schnöbe, partic. geschnoben, spiritum difficilius reddere, graviter spirare, stertere. it. fremere, circumstrepere, cum anhelitu conari, sudare, vires laborando terere Stieler 1896; ich habe geschnoben, praes. ich schniebe, spiro, respiro, spiritum duco, secund. du schneubst, tert. er schneubt, imperf. ich schnob Steinbach 2, 481; bei Abelung als veraltet bezeichnet; wenn er und Campe zugleich einen bedeutungsunterschied aufstellen, derart dasz schnieben ein feineres und gelinderes geräusch bezeichne als schnauben, so ist das wol eine künstliche, auf den klang der wörter gegründete scheidung. in der litteratursprache scheint schnieben nur im ältern schlesischen (etwa 1650—1750) eingedrungen zu sein:

wenn einer weidlich schnarcht und mit der nase schnäubet.
das starke schnieben zeigt ein herrliche natur.
Scherffer Grobian. (1640) 10;

das hertze klopffet, biebet,
der rache nach lufft schniebet.
Büttner Quäckbrun (1662) s. 114, bei
Frommann 4, 184.

ferner erschnieben:

diesz wünschen Amor hat der liebes-götz erschniebt (gewittert)
und sprach: was zweifelst du? lieb, wilt du seyn geliebt.
Scherffer Hugo (1662) 209 bei
Drechsler Wencel Scherffer s. 236.

auch in der schreibung schnüben, von dem tiefen ruhigen atmen im schlafe: hierzu schwieg das frauenzimmer stille und fing an zu schnüben, so dasz Elbenstein nicht wuste, ob es ein würcklicher, oder verstellter schlaf bey ihr war. cavalier im irrg. 212. schneuben bei Stieler (s. oben) ist entweder aus der 2. 3. sing. schneubst, schneubt erschlossen oder umgelautet aus schnauben. die formen mit eu, äu, sowie das präteritum schnob s. unter schnauben. vgl. zum ganzen Weigand 2, 619. — jetzt lebt das wort noch in mitteldeutschen mundarten fort, so hessisch, s. Kehrein 1, 362 (atmen, ein wenig schnauben) Pfister 264, thüringisch Hertel sprachsch. 218, altenburgisch Pasch 100 (einen laut von sich geben), preuszisch schnîben, schnîfen neben schnûwen, (tabak) schnupfen Frischbier 2, 309b. Schemionek 36, daneben schnîwen, schnîben, schnîfen, mit pfeifendem tone atmen, schnaufen Frischbier 2, 306b, dazu schnîwe, schnîbe, schnîfe, f. schnupfen, rotzkrankheit der pferde ebenda, die schniebe Schemionek 36, und schnîwig, schnîbig, schnîfig verschnupft, rotzig Frischbier 2, 306b. gehört auch siebenbürgisch schniewen, miszraten Haltrich 22a hierher?
 
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schnieber, m. 1) einer der schniebt Campe. 2) ein groschen, zusammengezogen aus Schneeberger. Schneeberger, grossus argenteus, dictus ab oppido Schneeberg, ubi primum cusus, unde rusticis nostratibus, quilibet grossus ein schnieber, etiamnum appellatur Stieler 161. vgl. Frisch 2, 215c. Scherz-Oberlin 1425. Campe. Rinckart eislebisch-mansf. jubel-com. (1618) 20 hat nach Jecht 98a schniebger.
 
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schniede, f. schnitzel:

laszt mir nur reichen, was da ist,
und seien's schnitzel und schnieden.
Rückert (1882) 11, 311 (Makam. 12),

dazu in der anm.: (der leser wird sich begnügen) mit den provinziellen schnieden statt schnittchen oder schnitzeln.
 
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schniedel, m. bei den köhlern die zweite reihe scheite in einem kohlenmeiler Adelung.ein älteres snidel belegt Scherz-Oberlin 1515 aus einer schrift 'de Leronis Belial contra Christum' s. 46: din silber ist dir zu snidel worden (Jes. 1, 22: argentum tuum versum est in scoriam).
 
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schniefeln, verb., s. schniffeln.
 
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schniegel, m.
1) schnecke:

so krümmet er sich wie ein igel,
kroch in einander wie ein schniegel.
Rollenhagen froschm. Cc 6a.

sonst im deutschen in diesem sinne nicht bekannt, vergl. indes altn. snigill, schwed. snigel, dän. snegl.
2) der dompfaff oder gimpel, loxia pyrrhula Nemnich: vom gümpel, blut-fincken, thumpfaffen, rothschlegel, oder auch schnigel genannt. Döbel 1, 56; vergl. auch Heppe wohlred. jäger 151a.
3) mundartlich auch für 'putz, schmuck', so schon bei Wachter 1453 für den Meisznischen dialekt bezeugt.
4) der sich viel putzt, stutzer, geck:

dasz wann ein solcher schniegel
sich itzt verliebt in spiegel
sieht wie ein gelber diegel. polit. colica 310.

[Bd. 15, Sp. 1331]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schniegelfleckchen, n.: schniegel-fleckgen ist eine spitzfindige benennung desjenigen frauenzimmers, so den gantzen tag vor dem spiegel stehet, sich aus selbst-liebe darinnen unaufhörlich betrachtet und hier und dar etwas an sich zu zupffen und auszubessern suchet. s. Schultz alltagsleben s. 91, vgl. Weigand 2, 619.
 
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schniegeln, verb. übertrieben sorgfältig und zierlich, stutzerhaft putzen. das wort ist in den ältern dialekten nicht bezeugt und daher eine sichere etymologie nicht zu geben; es stammt wol, wie schniegel, aus dem obersächsischen dialekt, vgl. Wachter 1453. Weigand 2, 619. belegt seit dem 17. jahrh., s. Gombert beitr. 2, 15. von den wörterbüchern verzeichnet es zuerst Steinbach 2, 476 in der eingeengten bedeutung 'kämmen': ich schniegele (putze scil. die haare) como. s. auch Kluge5 333b. Albrecht 205a: lieszen uns also alle beyde heraus schniegeln und putzen, wie man sagt, (wie) die ochsen. Felsenburg 4, 416;

es sind nur etwann funfftzig jahr,
dasz bey uns jungen leuten
kein solch geziere war,
als wie sich jetzt die mädgen schniegeln.
Menantes allern. art 371;

besonders im particip: geschniegelt, comtus Steinbach a. a. o.; auch war die bekleidung für den geschniegelten alten Niederländer allzu nachlässig. Arnim kronenw. 1, 368; eine nette geschniegelte person. Nicolai Sebaldus 2, 137; gar mancher ist schön und geschniegelt und beträgt sich doch kaum wie ein mensch. Eichendorff2 6, 466 (Lucanor 19); Robespierre selbst ist ebenfalls auf dem bilde zu sehen, auffallend durch seine sorgfältige toilette und sein geschniegeltes wesen. H. Heine 4, 36 Elster; übertragen: der mann (Börne), der sich in seiner anständigen, geschniegelten schreibart immer selbst inspizierte und kontrollierte. 7, 72; gern in verbindung mit dem reimwort gebügelt: er ist immer geschniegelt und gebügelt. Albrecht 205a; nur kein damaliges geschniegeltes, gebügeltes, ganz in schönpflästerchen gekleidetes Leipziger subjekt sollen sie mir verschreiben, nicht einmal den vorigen Gellert selber. J. Paul Levana 2, 25.
 
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schniepe, f.
1) am untern Main und Rhein, stirnband, schmaler streif, rand Schm. 2, 578, der auf ahd. snuaba, vitta Graff 6, 838 verweist.
2) nach Kehrein 1, 362 dagegen ein spitz zulaufendes stück am brusttheil eines frauenkleides, zu nd. schnibbe, s. schnippe.
3) unklar in folgender stelle, wo es von einer schlachtordnung gesagt wird:

hinden und vornen eingezogn,
auch mit einer schniepen gebogn.
Fronsperger kriegsb. 3, 76b.


 
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schniepel, m. in mundartlicher und besonders burschikoser redeweise.
1) frack, leibrock, vielleicht von den spitz zulaufenden schöszen, vgl. DWB schniepe, DWB schnippe, DWB schnippel, s. Kluge stud. sprache 123a (belegt 1831). Albrecht 205a. Schuller 59. Hertel sprachsch. 218. Jecht 98a. Frischbier 2, 305a, schnippel Schm. 2, 578. Kehrein 1, 363, nd. snipel ten Doornkaat Koolman 3, 245a. Mi 83a. wol von schnippe abgeleitet, sodasz die schreibung schnippel eigentlich die richtige ist.
2) dann auch: stutzer, elegant, eleganter ladenschwengel; s. Kluge a. a. o. Albrecht a. a. o. Schuller a. a. o.: er (der Italiener) spielte den paino, was wir bei uns den schniepel nennen würden. Gaudy ausgew. erz. 73.
 
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schniepeln, verb. den frack anziehen, sich festlich kleiden, fein angezogen sein, vgl. DWB schniepel 1. Kluge stud. sprache 123a. Frischbier 2, 305a.