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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnickern bis schniegeln (Bd. 15, Sp. 1328 bis 1331)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnickern, verb.
1) iterativ zu schnicken, intransitiv, in die höhe springen, so thür. neben schnickeln Hertel sprachsch. 217; vom aufspringen der fische im wasser, in Leipzig neben schnippeln Albrecht 205a; transitiv, im nassauischen für gewöhnliches schlickern (kot um sich werfen; schleudern, schlenkern) Kehrein 1, 362.
2) schallwort, vom schnellen, abgesetzten gezwitscher kleiner vögel oder einem halblauten, verbissenen lachen Campe; behaglich lachen Albrecht a. a. o.
3) aus spielerei mit einem messer schneiden, schnitzeln, so nd. snickern Danneil 199b; in Esthland schnickern schnitzeln, unnütz schneiden, die cour schneiden Sallmann 11. wol entstanden aus dem gleichbedeutenden snitkern und eine deminutivbez. iterativbildung zu schneiden. vergl. schnickermesser, schnittcher.
 
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schnicklich, adj.: er thut euch doch so zierlich und schnicklich wie von zucker. Mörike maler Nolten 178.
 
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schnickschnack, m. leeres, wortreiches, einfältiges geschwätz. norddeutsches wort, dem nd. snicksnack entsprechend, s. brem. wb. 4, 878. Dähnert 438b. Stürenburg 229a. ten Doornkaat Koolman 3, 244b. Mi 82b, in Liv- und Esthland schnickschnack Hupel 210. es ist eine reduplicierte bildung zu schnack, wobei der vocal abgelautet ist, wie auch sonst in ähnlichen bildungen, vergl. klingklang, zickzack, pinkepank, ritschratsch u. s. w. nd. snik, seufzer, schluchzen (s. schnick 3) ist nicht

[Bd. 15, Sp. 1329]


darin zu suchen, schnick 2 aber ist wol erst aus der zusammensetzung losgelöst, die auch in schnick und schnack zerlegt wird. das westfäl. snicksnack zeigt abweichende bedeutungen, denen dieselbe schallbezeichnung zu grunde liegt: 'variierendes schnacken mit der peitsche', sowie im rätsel für 'schwanz', auszerdem snick un snack, alles Woeste 246a. in hochd. mundarten nur ganz vereinzelt bezeugt, so aus der Pfalz Klein 2, 135, und aus Ungarn Schröer 203b. in der nhd. schriftsprache erst seit mitte des 18. jahrh. (Lessing u. s. w.), vgl. Weigand 2, 619: denken sie, dasz es schicklich ist, mit ihnen hier in dem vorgemache einen elenden schnickschnack zu halten? Lessing 2, 165 (Em. Galotti 4, 3); den vorigen schnickschnack (gerede, klatsch) musz er also nur um etwas zu erzählen angebracht haben. Eva König bei Lessing 13, 416; findet man mehr gewäsch im schnickschnack der heringsweiber als in den öffentlichen disputirstunden der herrn von dieser profession? Bode Montaigne 5, 361; doch was geht mich aller dieser schnickschnack an! Thümmel reise 1, 212; das schwarze genie .. thät seinen mund auf und las, nach einem kurzen vorangeschickten schnickschnack, was wer lust hat hier ebenfalls lesen kann. Siegfr. v. Lindenb.4 2, 232; der lesepöbel, der die nase beim schnickschnack der Orsina rümpfte. Bürger briefe 1, 130; doch wenn du mich um dieses schnickschnacks aus der hölle gerufen hast, so lasz mich immer wieder abziehen. ich kenne schon lange eure kunst über das zu schwatzen, wovon ihr nichts wiszt. Klinger 3, 50; sie sagten: 'man müsse das publikum nicht verwöhnen — man werde nicht so viel neue stücke finden' ... und was dergleichen schnickschnack mehr war. Geiser Kotzebue (1802) 214;

die dame, die, beym thee ..
bald ihr petit nez retroussé
beym schnickschnack der Orsina rümpfet.
Gotter 1, 113;

wo nicht: singst du vielleicht dem ohr
der damen an den toiletten ..
in feinen, reinen, kleinen, netten
gesängen, braven schnikschnak vor.
Göckingk 1, 219;

von dem inhalte des geschwätzes: das wehethun der kinder ist ein schnickschnack, den die wehemütter erfunden haben, um sich immer einen kleinen verdienst zu verschaffen. Salzmann Conrad Kiefer (1796) 33; daher abweisend das ist schnickschnack, dummes gerede, unsinn, oder auch blosz schnickschnack!: Bellmann. was bestehet darin für eine ehre, seinen mitmenschen so zu behandeln. Rambold. schnik — schnak! der deutsche student 11; 'schnickschnack'! rief der junker, und stampfte vor zorn mit dem fusze. wischewäsche, schulmeister! verfluchtes wischewäsche! Siegfr. v. Lindenb.4 1, 91; dummer schnickschnack! Kotzebue dram. spiele 2, 336; das ist alles schnickschnack. Heyse kinder der welt13 2, 37;

schnickschnack! versetzte der papa;
wer pfuschern will, macht salbe.
Overbeck ged. 82;

schnickschnack ist das, du schalk!
Mörike 3, 176.

übertragen auf die salbadernde versammlung: 'ihr konsistorien, sagte der offizier, bleibt doch bei gott ein ganzer, wahrer, diffiziler, nichts nütziger, langweiliger schnickschnack, der mich ordentlich revoltiert; wie stecht ihr ab gegen einen feldprediger!' J. Paul flegelj. 2, 22. auch sonst in übertragener verwendung: nun, wie ich bei ihr eintrete, sitzt Heinrich der unbefriedigte an ihrem klavier und demonstrirt ihr seinen contrapunktischen schnickschnack vor. Heyse kinder der welt13 1, 260; die arbeit des herrn Unzer ist eingelegte arbeit, mit ihrem chinesischen schnickschnack (krimskrams) auf theebretten und toilettkästchen wohl zu gebrauchen. Göthe 33, 62; die schneeberge aber schauten wie bleiche schatten in den see herunter ... der industriöse schnickschnack, das kleinliche und unruhige der bauart hingegen verschwand in der dunkelheit. Keller 6, 264. — für schnickschnack gebraucht Göthe die noch ausdrucksvollere, erweiterte bildung schneckeschnickeschnack:

seht da kommt der dudelsack!
es ist die seifenblase.
hört den schneckeschnickeschnack
durch seine stumpfe nase. 12, 224 (walpurgisnachtstraum).

vgl. auch beschnickschnacken theil 1, 1589.
 
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schnieben, verb. die luft hörbar durch die nase ein- und ausziehen. alte nebenform zu dem gleichbedeutenden schnauben (vgl. daselbst), mit demselben nebeneinander von au und ie bez. û : io, das sich auch sonst im präsens der u-reihe findet (vgl. z. b. kriechen und krauchen, schliefen gegen nd. ags. slûpan

[Bd. 15, Sp. 1330]


u. s. w.). in der ältern sprache nicht belegt, erst nhd. bei Schottel 1406: schnieben, spirare, athem holen, est anomalum, ich schnob, geschnoben; ferner: schneuben, et schnieben, aliâ dialectô id. est quod schnauben, et schnaufen, habetque in praeter. ich schnob, ich schnöbe, partic. geschnoben, spiritum difficilius reddere, graviter spirare, stertere. it. fremere, circumstrepere, cum anhelitu conari, sudare, vires laborando terere Stieler 1896; ich habe geschnoben, praes. ich schniebe, spiro, respiro, spiritum duco, secund. du schneubst, tert. er schneubt, imperf. ich schnob Steinbach 2, 481; bei Abelung als veraltet bezeichnet; wenn er und Campe zugleich einen bedeutungsunterschied aufstellen, derart dasz schnieben ein feineres und gelinderes geräusch bezeichne als schnauben, so ist das wol eine künstliche, auf den klang der wörter gegründete scheidung. in der litteratursprache scheint schnieben nur im ältern schlesischen (etwa 1650—1750) eingedrungen zu sein:

wenn einer weidlich schnarcht und mit der nase schnäubet.
das starke schnieben zeigt ein herrliche natur.
Scherffer Grobian. (1640) 10;

das hertze klopffet, biebet,
der rache nach lufft schniebet.
Büttner Quäckbrun (1662) s. 114, bei
Frommann 4, 184.

ferner erschnieben:

diesz wünschen Amor hat der liebes-götz erschniebt (gewittert)
und sprach: was zweifelst du? lieb, wilt du seyn geliebt.
Scherffer Hugo (1662) 209 bei
Drechsler Wencel Scherffer s. 236.

auch in der schreibung schnüben, von dem tiefen ruhigen atmen im schlafe: hierzu schwieg das frauenzimmer stille und fing an zu schnüben, so dasz Elbenstein nicht wuste, ob es ein würcklicher, oder verstellter schlaf bey ihr war. cavalier im irrg. 212. schneuben bei Stieler (s. oben) ist entweder aus der 2. 3. sing. schneubst, schneubt erschlossen oder umgelautet aus schnauben. die formen mit eu, äu, sowie das präteritum schnob s. unter schnauben. vgl. zum ganzen Weigand 2, 619. — jetzt lebt das wort noch in mitteldeutschen mundarten fort, so hessisch, s. Kehrein 1, 362 (atmen, ein wenig schnauben) Pfister 264, thüringisch Hertel sprachsch. 218, altenburgisch Pasch 100 (einen laut von sich geben), preuszisch schnîben, schnîfen neben schnûwen, (tabak) schnupfen Frischbier 2, 309b. Schemionek 36, daneben schnîwen, schnîben, schnîfen, mit pfeifendem tone atmen, schnaufen Frischbier 2, 306b, dazu schnîwe, schnîbe, schnîfe, f. schnupfen, rotzkrankheit der pferde ebenda, die schniebe Schemionek 36, und schnîwig, schnîbig, schnîfig verschnupft, rotzig Frischbier 2, 306b. gehört auch siebenbürgisch schniewen, miszraten Haltrich 22a hierher?
 
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schnieber, m. 1) einer der schniebt Campe. 2) ein groschen, zusammengezogen aus Schneeberger. Schneeberger, grossus argenteus, dictus ab oppido Schneeberg, ubi primum cusus, unde rusticis nostratibus, quilibet grossus ein schnieber, etiamnum appellatur Stieler 161. vgl. Frisch 2, 215c. Scherz-Oberlin 1425. Campe. Rinckart eislebisch-mansf. jubel-com. (1618) 20 hat nach Jecht 98a schniebger.
 
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schniede, f. schnitzel:

laszt mir nur reichen, was da ist,
und seien's schnitzel und schnieden.
Rückert (1882) 11, 311 (Makam. 12),

dazu in der anm.: (der leser wird sich begnügen) mit den provinziellen schnieden statt schnittchen oder schnitzeln.
 
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schniedel, m. bei den köhlern die zweite reihe scheite in einem kohlenmeiler Adelung.ein älteres snidel belegt Scherz-Oberlin 1515 aus einer schrift 'de Leronis Belial contra Christum' s. 46: din silber ist dir zu snidel worden (Jes. 1, 22: argentum tuum versum est in scoriam).
 
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schniefeln, verb., s. schniffeln.
 
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schniegel, m.
1) schnecke:

so krümmet er sich wie ein igel,
kroch in einander wie ein schniegel.
Rollenhagen froschm. Cc 6a.

sonst im deutschen in diesem sinne nicht bekannt, vergl. indes altn. snigill, schwed. snigel, dän. snegl.
2) der dompfaff oder gimpel, loxia pyrrhula Nemnich: vom gümpel, blut-fincken, thumpfaffen, rothschlegel, oder auch schnigel genannt. Döbel 1, 56; vergl. auch Heppe wohlred. jäger 151a.
3) mundartlich auch für 'putz, schmuck', so schon bei Wachter 1453 für den Meisznischen dialekt bezeugt.
4) der sich viel putzt, stutzer, geck:

dasz wann ein solcher schniegel
sich itzt verliebt in spiegel
sieht wie ein gelber diegel. polit. colica 310.

[Bd. 15, Sp. 1331]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schniegelfleckchen, n.: schniegel-fleckgen ist eine spitzfindige benennung desjenigen frauenzimmers, so den gantzen tag vor dem spiegel stehet, sich aus selbst-liebe darinnen unaufhörlich betrachtet und hier und dar etwas an sich zu zupffen und auszubessern suchet. s. Schultz alltagsleben s. 91, vgl. Weigand 2, 619.
 
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schniegeln, verb. übertrieben sorgfältig und zierlich, stutzerhaft putzen. das wort ist in den ältern dialekten nicht bezeugt und daher eine sichere etymologie nicht zu geben; es stammt wol, wie schniegel, aus dem obersächsischen dialekt, vgl. Wachter 1453. Weigand 2, 619. belegt seit dem 17. jahrh., s. Gombert beitr. 2, 15. von den wörterbüchern verzeichnet es zuerst Steinbach 2, 476 in der eingeengten bedeutung 'kämmen': ich schniegele (putze scil. die haare) como. s. auch Kluge5 333b. Albrecht 205a: lieszen uns also alle beyde heraus schniegeln und putzen, wie man sagt, (wie) die ochsen. Felsenburg 4, 416;

es sind nur etwann funfftzig jahr,
dasz bey uns jungen leuten
kein solch geziere war,
als wie sich jetzt die mädgen schniegeln.
Menantes allern. art 371;

besonders im particip: geschniegelt, comtus Steinbach a. a. o.; auch war die bekleidung für den geschniegelten alten Niederländer allzu nachlässig. Arnim kronenw. 1, 368; eine nette geschniegelte person. Nicolai Sebaldus 2, 137; gar mancher ist schön und geschniegelt und beträgt sich doch kaum wie ein mensch. Eichendorff2 6, 466 (Lucanor 19); Robespierre selbst ist ebenfalls auf dem bilde zu sehen, auffallend durch seine sorgfältige toilette und sein geschniegeltes wesen. H. Heine 4, 36 Elster; übertragen: der mann (Börne), der sich in seiner anständigen, geschniegelten schreibart immer selbst inspizierte und kontrollierte. 7, 72; gern in verbindung mit dem reimwort gebügelt: er ist immer geschniegelt und gebügelt. Albrecht 205a; nur kein damaliges geschniegeltes, gebügeltes, ganz in schönpflästerchen gekleidetes Leipziger subjekt sollen sie mir verschreiben, nicht einmal den vorigen Gellert selber. J. Paul Levana 2, 25.