Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schneuzling bis schnicker (Bd. 15, Sp. 1326 bis 1328)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schneuzling, m. in der gaunersprache schneitzling oder schnäuzling, die nase; dazu schneitzlingsschneiche, schnupftuch; schneitzlingsfinche, schnupftabaksdose Avé-Lallemant 4, 602.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schneuzschere, f. lichtschere, lichtputze: schneutz-schär, f. smoccatoio, smoccolatoio, smoccatore etc. Kramer dict. 2, 632a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schneuztuch, n. schnupftuch, taschentuch: nasitergium, naesen- vel snuczeduch, rotztuch Dief. gloss. 375c; sabanum ... snuyt doeck i. facitergium. nov. gloss. 323a; muccinium, vgl. Dief.-Wülcker 843; cimbr. sneutztuch cimbr. wb. 233b; vgl. DWB schneuzeltuch, dafür ferner: schneutz-fatscheinlein, schneutzfatzenet, schneutz-tüchlein, n., moccicchino, fazzuolo, fazzuoletto, pezzuolo da naso Kramer dict. 2, 632a; bair. der schneuzhadern Schm. 2, 591.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schneuzung, f., et das schneuzen, sive ausschneuzung, emunctio, purgatio narium, exceptio pituitae Stieler 1907.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnibbe, f., s. schnippe und schneppe.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnichse, f. im schlesischen schnauze eines hundes:

kanst ihm dein fettes maul an seine schnichse recken.
Scherffer Grobian. 131, s.
Frommann 4, 184.
Drechsler Wencel Scherffer s. 236;

dazu geschnichst, mit einer schnauze versehen (vgl. ebenda):

der dreygeschnichste hund (Cerberus), der heszlich heult und girrt.
Scherffer ged. 441.

auch ungarisch schnicks, f. maul, schnauze; halt di schnicks Schröer nachtr. 288b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnick, m.
1) die einzelne schnickende bewegung Campe. Weigand 2, 619 (erst gegen 1800). vgl. schnicken.
2) gerede, gewäsch, geplauder. im ablaut zu schnack gebildet und fast nur in verbindung mit demselben gebraucht, vgl. das.; die feste zusammensetzung schnickschnack siehe besonders. zuweilen dafür schnick und schnack; personificiert:

verbreite du vor Hack und Mack
den duft der besten thaten!
kaum wird frau Schnick und kaum herr Schnack
ihn merken und verrathen.
Bürger 64b.

[Bd. 15, Sp. 1327]


Sanders 3, 983b belegt schnick und schnack aus Langbein 2, 224. 1, 81. Dähnert 438b führt an snikk, snikk-snakk.
3) holl. snik, schluchzer, seufzer: snick, respiratio, respiratus, anhelitus: suspirium, suspiratus; snick, snack, singultus Kilian. dazu stellt Strodtmann 219 die nd. redensart de sake krigt en snick, es geht unglücklich.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnick(e), f.
1) ein kurzes rundes, nur in der Nordsee gebräuchliches fahrzeug zum austern- und fischfange, das gewöhnlich nur mit sprietsegel fährt, zuweilen auch mit gaffelsegel, dann gaffelschnick genannt. die schreibung schwankt: schnick Jacobsson 7, 263b, schnigge Campe, schnigge oder schnick Bobrik 608a. das wort stammt aus dem niederdeutschen, s. mnd. snicke kleines (kriegs)schiff Schiller-Lübben 4, 274a; ebenso nl. snicke vel schuyte, scapha Kilian; nnd. snikke Dähnert 438b, snikk brem. wb. 4, 893, snikke, snik ten Doornkaat Koolman 3, 244b, schnikk Stürenburg 229a; ebenso auch in der sprache der andern Nordseeanwohner, holl. dän. snik, engl. schwed. snick. vgl. ferner schnecke und schnacke. glossen: acatium, eyn snicke Dief. nov. gloss. 5a (lat.-nd. wb. von 1417); celox snelle schiff .. jageschip, pinke, snicke gloss. 111a (gloss. Saxon.); eyn snicke. nov. gloss. 83b; navicula .. snicke. gloss. 376b (gloss. saxon.-lat. von 1425); propato, snicke (navis). nov. gloss. 306af. belege aus der literatur, besonders nd.: wy van Lübeke scolen uthmaken 6 kogghen unde 6 snikken eder schüten mit 600 mannen gewapent. hans. urk. von 1361 im brem. wb. 4, 893; by dersulven tyd hadden de van Lubeke tein grote kocghen unde veer snicken in deme nortsunde unde orlogheden mit den van Schonore. Lüb. chron. 1, 234 bei Schiller-Lübben 4, 274b; auch kölnisch: so quamen der junker van Cleve ind sine gesellen uis dem bolwerke von Moelenheim varen in zwen snicken gewapender haint den Rin up. d. städtechr. 12, 357, 12; darna uber 8 dage voere der junchere van Cleve mit drin snikken an dat schif, ind wolt dat schif nemen. 13, 104, 27. in Norddeutschland auch in die hd. schriftsprache eingedrungen: und zu jeglichem schiffe solten sein zwo schnicken oder eine schute und eine schnicke. Schütz beschreib. der lande Preuszen 93a.
2) für schnecke, s. schnigge.
3) schlesisch schnicke, penis Weinhold 87a. in diesem sinne steht bair. der schnickel Schm. 2, 567, das im schwäbischen auszerdem auch für einen langen rüssel oder einen langen, hageren menschen steht Schmid 474.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnickeln, verb. iterativbildung zu schnicken, vgl. das., so thüring. schnickeln (schnekle), eine kurze bewegung mit dem finger machen; auch 'in die höhe springen' Hertel sprachsch. 217; westfäl. snickeln, gelinde klatschen mit der peitsche Woeste 246a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnicken, verb. eine schnelle bewegung ausführen, schluchzen, ersticken. das wort wird nhd. erst von Adelung verzeichnet (ein bei Wachter 1452 aufgeführtes schnicken, reptare, ist wol nur aus ags. snîcan entnommen), älter und weiter verbreitet auf nd.-nl. gebiete. doch ist an entlehnung nicht zu denken wegen der verbreitung in hd. mundarten und des durchgehenden bedeutungsunterschiedes zwischen dem hd. und dem nd. worte. es empfiehlt sich daher beide zu trennen. vgl. Weigand 2, 619.
1) das hd. schnicken bezeichnet eine schnelle bewegung mit den fingern, beinen u. a., und zwar
a) transitiv, so z. b. die vögel schnicken das wasser, schlagen mit dem schnabel, hinein, dasz es umherspritzt Campe, oder schnicken die körner umher, schnellen sie mit dem schnabel fort Adelung; mit den nassen fingern tropfen ins gesicht schnicken. Campe; bair. (in Aschaffenburg) etwas fort, in die höhe, hin, her schnicken, schnellen Schm. 2, 567; ebenso rheinisch Kehrein 1, 362, thüringisch, mit den füszen oder händen wegstoszen, vgl. DWB entschnicken, theil 3, 610.
b) intransitiv: die feldhühner schnicken mit den schwänzen, wenn sie dieselben auf und nieder bewegen, wofür auch schnippen gesagt wird Adelung; so besonders thüring. die pferde schnicken, wenn sie den reiter absetzen wollen; nach Hertel sprachsch. 217: di pfêr schniken, nicken lebhaft mit dem kopfe; auch von kindern, die auf dem arme getragen werden, hinunterstürzen: las di klaine nich erunger schnik. ebenda. Reinwald 1, 146.
2) das nd.-nl. snicken (bei Schütze 4, 144), wozu sich auch engl. snick up stellt, im ablaut zu mnd. mnl. snukken, s. Franck 918, zeigt die beiden bedeutungen 'schluchzen' und 'ersticken', die wol aus 1 abgeleitet sind und auf das krampfhafte zucken, die ruckweise bewegung des kehlkopfes gehen.
a) schluchzen, so gewöhnlich im holl., ferner brem. und ostfries., s. brem. wb. 4, 893. Stürenburg 229a. ten Doornkaat

[Bd. 15, Sp. 1328]


Koolman 3, 244b; snicken, hicken, singultire Kilian. in Esthland auch hd. schnicken, schnucken, schluchzen, den schlucken haben Sallmann 27a.
b) ersticken, suffocari, in Hamburg und Holstein: dar schull man van snikken; he fritt, dat he snikken mugt, auch sick snicken. brem. wb. 4, 893. Richey 274. Schütze 4, 274. Campe. auch im binnenlande, meist als versnicken, den atem verlieren Frommann 6, 294.
c) holl. überhaupt vom atmen: snicken, respirare, recipere anhelitum, spiritum ducere, animam attrahere Kilian; daher wol auch übertragen, nach etwas schmachten, sich sehnen, so schon bei Vondel, s. Oudemans bijdragen 6, 390.
3) schles. schnicken, supprimere aliquam, gehört nicht hierher, sondern ist ableitung von schnicke, s. das. 3. Weinhold 87a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnicker, adj. schlank, zierlich, reinlich, sauber, munter. norddeutsches wort, in nd. mundarten als snicker oder snigger: osnabr. snögger, dünn von leibe Strodtmann 219 (neben snigger, snikker 378a); hamb. snigger, munter, frisch, eene sniggere deern, he süht noch snigger uth. Richey 273; snigger brem. wb. 4, 892. Schütze 4, 144; ostfries. snig(ge), snüg(ge), snigger, snügger, snikker, glatt, blank, sauber, hübsch, zierlich; flink, gewandt, geschickt, klug. ten Doornkaat Koolman 3, 244a; snicker, snecker, reinlich, sauber Schambach 200a; altmärk. snick'r, klar und rein, meist bildlich: ''n snick'r dîrn bedeutet ein mädchen von gesunder gesichtsfarbe, reiner haut, das sich rein, klar und nett anzieht und eine gute körperhaltung hat' Danneil 199b; snicker, reinlich und nett im anzuge Frommann 5, 294 (Fallersleben); in Lippe dafür schnick 6, 480; pommerisch schnügger Dähnert 440a; preusz. schnigger, hurtig, munter, lebhaft, schnell, schlank; nett, schön Frischbier 2, 305a. vereinzelt begegnen entsprechungen auch in hd. mundarten, so schwäbisch schnäderig, schnäger, schnäckerig, hager, schmalen angesichts, dünnleibig, schnack, m. langer, hagerer mensch Schmid 472 f.; schnack, gerade, aufrecht, in Aachen Müller-Weitz 216. — in niederd. litteratur erst in neuerer zeit:

ey, kieckeis, wat het düt, dei hüser sünt van linnen,
un schnicker fruens-volck is ohk darinn tau finnen. quelle vom j. 1732 bei
Firmenich 1, 204a;

een kleensmidt de haar een sniggere deeren. quelle vom j. 1791 bei
Frommann 6, 138, 9;

wo sik de sniggere deern utflijede! wo se den kopp dreit!
Voss 2, 168 (de geldhapers 162).

von diesem ist schnicker auch in die hochd. litteratursprache herübergenommen:

und duftet als balsam
kräftig bei festlichen mahlen im schnickern haare der gäste. bei
Campe.

eine sichere etymologie läszt sich nicht geben; vergleichbare worte aus den verwandten sprachen bringt ten Doornkaat Koolman in menge bei.