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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schneppenjäger bis schnepphaube (Bd. 15, Sp. 1317 bis 1319)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schneppenjäger, -mist, s. DWB schnepfenjäger, -mist.
 
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schneppenpfeifer, m. eine art regenpfeifer, charadrius utopiensis Krünitz 147, 501.
 
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schnepper, m. schnappendes werkzeug. von schnappen abgeleitet, sodasz die häufige schreibung schnäpper durchaus berechtigt ist. in der älteren sprache (vor Stieler 1691) nicht bezeugt, vgl. Weigand 2, 612 (mhd. snapper, snepper altercator, elinguis Lexer handwb. 2, 1024, vgl. unten).
1) eine kleinere, leichtere art armbrust, die gegen ende des 16. jh. aufkommt, s. Böheim waffenk. 405, 419 f., 422. Wagenseil Norimb. (1697) 161, s. Schm. 2, 577; schnepper, quatenus derivatur a schnappen, significat .. arcum, quia brachia ejus exploso telo et laxata chorda resiliunt Wachter 1448, nach Adelung wegen des schnappenden lautes der sehne; s. ferner Eggers kriegsl. 1, 101. 2, 684. Jacobsson 1, 251b (s. v. bogen). Krünitz 147, 145. — froschschnepper, ein kleiner degen, s. theil 4, 1, 254 f.
2) bei den chirurgen ein werkzeug zum aderlassen, schröpfeisen, laszeisen, lancette Adelung, phlebotomus Wachter 1448, s. besonders Jacobsson 7, 255—7. Krünitz 147, 145—152. mundartlich s. Klein 2, 134 (bair. pfälz. elsäss.). Frischbier 2, 304a. brem. wb. 4, 879 (schnepper); so auch holl. snepper: nur mit mühe vermochte es die überredungskunst des arztes .. über sie, dasz sie die furcht vor dem stählernen zahn des schneppers überwanden und den fusz ins wasser setzten. Musäus volksm. 1, 60 Hempel; dasz du laufest zu einem bader .. dessen schnepper — stumpf ist wie ein alter klepper. Rückert (1882) 11, 533 (40. makam.); zum schnepper! zum schnepper, herr bursch! das lange schwert ist nicht mehr mode! Ludwig 4, 235 (zu einem badergesellen); so behielt .. sie den schnepper, mit welchem sie unter der hand allen frauen ihrer bekanntschaft ader liesz. Keller 4, 229.
3) von anderen geräten oder gerättheilen.
a) bei huf- und waffenschmieden der sperrkegel, der in der hinterachse befestigt

[Bd. 15, Sp. 1318]


wird und das sperrrad der winde festhält Jacobsson 4, 27b. Krünitz 147, 501.
b) an den blasebälgen der schmiede ein dünnes, vor der mündung der balglinse befestigtes eisen, das die mündung verschlieszt, wenn der balg aufgezogen und mit luft gefüllt wird, damit kein feuer in den balg eingezogen werde Campe. vgl. schnepperlein 1.
c) ein schnappender thürverschlusz, riegel über dem schlosz, wie auch der schlüssel zur öffnung dieses verschlusses. Frischbier 2, 304a.
4) fliegenschnepper, eine art kleiner vögel, besonders die kleine grasmücke, motacilla fidecula Nemnich, s. theil 3, 1788, auch schnepper allein: sed schnäpper etiam est avis quaedam, nomine cynclus, cnipologus, culicilega, alias fliegenschnäpper et fliegenstecher Stieler 1892; schnepper, captator, fliegen-schnepper, captator muscarum, nomen aviculae satis notae Wachter 1451.
5) schnepper als nom. agentis zu schnappen, von personen, der schnappt, schnapphahn, s. DWB schnapper 2, sp. 1173: schnäpper, quoque dicuntur subsessores militares viarum, interceptores praedae et insidiatores, alias schnapphane. Stieler 1893.
6) ebenfalls zu schnappen in der bedeutung 'schwätzer' u. ä., s. DWB schnapper 1. so mhd. snapper, snepper, vgl. oben: elinguis .. stamelenter, hd. eyn snepper, ent sneper (?), eyn weczer, swetzer Dief. 198c, snepper, snapper, klaffer u. s. w. nov. gl. 147a. ähnlich in neuern mundarten, der gern und lebhaft plaudert Jecht 97b, der jedes wort auffängt und verbreitet Kleemann 19c; schwäb. schnäpper, schnäppäpper, m. schnäpperbüchs, f. junge person, die schnell und abgestoszen spricht und vorschnell in worten ist Schmid 472, schnepperbäpp für eine schwatzhafte person Birlinger 400b; schnepper, naseweises frauenzimmer Albrecht 205a.
7) schnepper für schneppe, im hüttenbau die schnauze an den blasebälgen Adelung. Krünitz 147, 502, vgl. indes 3, b.vielleicht steht schnepper auch in folgender stelle für schneppe: die hohen spitzigen teutschen sturmhut, mit den schneppern, die vorn auff und abgehen. Kirchhof milit. discipl. 44.
8) die hessische mundart bietet noch folgende besonderheiten.
a) bezeichnung des kartoffelpfannkuchens Vilmar 362. Pfister 355. b) als fem. die schnepper, der schnappgalgen Vilmar 362. Pfister 263; Vilmar fügt hinzu: 'hurenschneppe, besonders so genannt, weil prostibula an den schnappgalgen vorzugsweise zu kommen pflegten' (?), woraus Schm. 2, 577 die schneppe für schneppgalgen folgert, doch soll hurenschneppe wol die dirne selbst bezeichnen, vgl. Frischbier 2, 303b.
 
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schnepper, adj.: boshaftiger gelächter, schnäppere frevele antwort. Herold Ee 155b.
 
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schnepperbüchse, f. plaudertasche Klein 2, 134, vergl. DWB schnepper 6 und schnapperbüchse.
 
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schnepperer, m. bader, chirurg, zu schnepper 2; vergl. den dichternamen der Schnepperer Hans Rosenplut, Hans Rosenblut der Schnepper, s. fastn. sp. 1077—9, ferner 1530 und nachlese 301 f., wo der name allerdings als 'schwätzer, plauderer' erklärt wird mit bezug auf eine stelle, wo er sich selbst nennt:

also redt Hanns Rosenplut der Schwetzer.
vgl. dazu: Hanns Schnepperer ist er genannt,
ein halber byderbman;
der ihn einn groszen swatzer heiszt,
der tut kein sünde daran. fastn. sp. 1078,

und dazu das sprichwort: wer den snepperer ein grosz swäzer heiszt, der tuet kein sünde daran. Eiselein 553. Simrock sprichw. 9153; doch könnte diese bedeutung auch erst von der ersteren hergeleitet sein, mit bezug auf den bekannten ruf der bader.
 
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schnepperig, adj., auch schnäpperig, schnepprig, schnippisch, naseweis Klein 2, 134. Albrecht 204b, vgl. schneppisch.
 
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schnepperlein, n. , demin. zu schnepper.
1) dasselbe wie schnepper 3, b. Jacobsson 4, 27b. Krünitz 147, 502.
2) schnäpperling, m., schnäpperlein, n., balestrina, it. balestrino, saepolla, mit einem schnäpperling ò schnäpperlein schieszen, tirare con una balestrina Kramer dict. 2, 619a.
3) zunge?: es steht jhr das schnepperlein nicht stille wie am treibblasbalck das tusel. quelle bei Wander 4, 305.
4) schwätzer(in):

was danttet dises schnepperlin?
gib du jm eins uffs klepperlin!
Birck Sus. b 2a (Schweizer. schausp. 2, 30).


5) schnepperlein, forniculae Agricola bergwerkb. reg. —?.
 
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schneppern, verb.
1) schwatzen, vgl. DWB schnappern sp. 1173. Schm. 2, 578. Kehrein 1, 361. Pfister 263: daher endstund viel disputierens, schwetzens und hetzens, tadern und schnaderns, kleppern und schnepperen. Wackernagel leseb. 3, 1, 609, 12.

[Bd. 15, Sp. 1319]



2) schnappend schlieszen: die thür schneppert gut, fällt schnappend ins schlosz; es hat geschneppert, hat gut gepaszt Frischbier 2, 304a. 3) beschlafen, s. Schm. 2, 578.
 
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schneppertasche, f., vgl. schnepperbüchse:

wer soll die windeln wäschen?
die alten schneppertäschen. wunderhorn. 2, 585 Boxberger.


 
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schnepphaube, f. haube mit einer schneppe (s. das. 2) Campe, cuffia da punta ò punta Kramer 2, 631c, vgl. DWB schneppenhaube.