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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnepflein bis schnepperig (Bd. 15, Sp. 1316 bis 1318)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnepflein, n.
1) als gewöhnliches deminutiv, kleine schnepfe: darüber vergasz er die schnepfen gänzlich und sagte am morgen: ich habe den armen schnepflein das leben geschenkt; auch gegen tiere musz man barmherzig sein! Keller 4, 306.
2) bezeichnung einer besonders kleinen art; vgl. DWB schnepfchen 2, haarschnepfe Behlen 5, 524; schnepfflein, n., rottvogel, m., becfigue, becafico Hulsius dict. 287a; gallinago vel rusticola minor, ein herd schnepff, schnepfflein. Corvinus fons lat. 291b; ficedula, becquefigue Schottel 1406; das schnepflein, ficedula Stieler 1895, s. auch Kramer dict. 2, 631c.
 
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schneppe, f. schnabel, schnabelartiges stück, vgl. DWB schnippe. das wort, mit schnabel und mhd. snaben (schnappen) verwandt, ist erst seit dem 15. jahrh. bezeugt und besonders auf nd. boden üblich, doch auch in mitteld. mundarten sehr verbreitet, daher wol nicht mit Kluge5 333b als lehnwort aus dem nd. zu fassen. die sehr häufigen nebenformen mit i s. unter schnippe. holl. sneb ist dort das gewöhnliche wort für schnabel; snebbe rostrum avis Kilian, daneben neb. diese formen ohne das anlautende s sind im engl. und nord. alleinherrschend: ags. nebb, engl. neb, altnord. nef, dän. næb, schwed. näbb, s. Skeat 389 und unter schnippe; vgl. auch schnabel. im nd. ist snebbe nach Weigand 2, 618 zu 1420 und 1517 belegt; sonst nd. gewöhnlich snibbe bez. snippe. nhd. ist schneppe in den wörterbüchern erst seit Kramer aufgeführt, doch bereits im 16. jahrh. bezeugt, s. unten. die regelmäszige und herrschende form ist schneppe, nur Wachter 1449 schreibt schnebbe. vereinzelt findet sich auch mit weitergehender verschiebung schnepfe (wie schnipfe neben schnippe), so in folgender stelle, wo die bedeutung nicht ganz sicher ist, die aber doch hierher zu gehören scheint und dann den ältesten hd. beleg gibt (vom jahre 1589):

sie (die teufel) hatten forn ein stachlich schnepf (nase?),
gros augen als die kesenepff.
Ringwaldt tr. Eckart K 1a.

in neueren mundarten besonders md., doch auch bairisch die schneppen oder schnepp Schm. 2, 577, schwäb. als masc. schnepp Schmid 473; sonst auch schnäppe, schnäpp geschrieben Schmidt 199. Kehrein 1, 361. Jecht 97b.
bedeutung.
1) schnabel Schm. 2, 577, vgl.schnebbe, nasus; schnebbe, rostrum, quia naso hominis simile; schnebbe, os, quamvis ex contemtu, ut rostrum apud Latinos Wachter 1449.
2) schnabelartiger theil an kleidungsstücken, besonders ein spitz zulaufendes stirnläppchen an der weiblichen haube, wie es besonders gegen ende des 18. jahrh. unter dem kopfzeuge getragen wurde, in unserem jahrhundert noch vielfach an der trauerhaube, von kreppflor und über die ganze stirn reichend, s. Krünitz 147, 501. Jacobsson 4, 27b; die schneppe an einer weiberhaube (visier) punta della cuffia da donna Kramer dict. 2, 631c, so im einzelnen sammet - schneppe, trauer- ò florschneppe ebenda; schnebbe, frontale, in rostrum desinens Wachter 1449; schneppe, von der gleichheit mit einem schnabel, pflegen die weiber allerley, sonderlich auf die stirn herabgehende spitzen zu nennen .. acuminatior pars vittarum muliebrium qua inter oculos frontem ornare solent, frontale Frisch 2, 215b; so noch in neueren mundarten, s. Schm. 2, 577. Reinwald 2, 113a: auf dem kopf schwarzsammetne oder seidne hauben mit einer schneppe fast bis auf die nase und langendigen schleifen. Ludwig 2, 516; nun kam die zeit heran, wo das weibsvolk eine schwarzseidne

[Bd. 15, Sp. 1317]


oder sammetne haube, hinten rund, vorn mit langer schneppe, dazu mit breiten schleifen heimlich von hand zu hand bis zu der ältesten pathe gehn zu lassen pflegt, die dann mit leiser hand der braut das kränzlein von den haaren nimmt und es eben so leise mit der haube vertauscht. 527. — ferner mundartlich
a) schwäb. von einem dreieckig spitz in die stirn auslaufenden haarschnitt, s. Schm. 2, 577. Schmid 473.
b) ferner von einer haube mit drei schnäbeln. ebenda; oder ein stirnband mit einem solchen schwarz oder weiszen schnabelähnlichen stirnläppchen Reinwald 2, 113a.
c) eine ähnliche schnabelförmige, durch fischbein gesteifte spitze vorn am oberkleide der frauen Spiesz 222, schneppentaille Albrecht 204b.
3) schnauze, schnabelförmiger ausgusz an kannen und töpfen Adelung. Albrecht 204b. Hertel sprachsch. 217. Jecht 97b. Kleemann 19c. Liesenberg 199: schneppe, schnepfe an einer kanne, becco d'un boccale Kramer 2, 631c; andere nennen auch an den kannen die schnaupen, schneppen. Frisch 2, 215b.
4) schneppe für schnepfe (auch übertragen für dirne) s. das.
5) in mitteldeutschen mundarten vielfach für 'rand' Schmidt 199. Kehrein 1, 361; äuszerstes ende, rand, spitze Schm. 2, 577: ich sitze auf der schnäpp des stuhls, der bank; setze dich nicht so auf die schnäpp des tisches, er fährt sonst in die höhe; auch sprichwörtlich: der ist auf die schnäpp gestellt (erwischt, angeführt) worden. Spiesz a. a. o.; hierzu wol auch das unter schnepfe 5 angezogene schnepfe Stieler 1895. — Weigand 2, 618 betrachtet diese verwendung als ein besonderes, zu schnappen gehöriges wort.
6) weitere mundartliche verwendungen. a) geschwätziges mädchen, plappermaul Schm. 2, 577. Kehrein 1, 361. b) schnappgalgen Schm. 2, 577, vgl. schnepper 8, b. c) anderswo bedeutet schnäppe eine grube im fahrwege, worin das fuhrwerk beim fahren schnappt: eine schnäppe auf ein stück land machen dasz nicht darüber gefahren werden kann.
 
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schneppen, verb., hess.-fränkische nebenform zu schnippen, vgl. das.; mit den fingern knipsen:

wenn einer mit den fingern schnept
und spöttisch zu jhm annehebt.
Eyering 3, 59.

fränk.-nassauisch schneppen, schnäppen. 1) eine kurze bewegung machen, nicken. 2) vögel mit dem fallkäfig fangen Schm. 2, 577. Kehrein 1, 361; anführen Schmidt 199, auch mit dem bauche schneppen oder schneppbäuchen, vgl. schlägebauchen sp. 338. Schm. a. a. o.
 
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schneppenhaube, f. 1) eine art strohhut, 2) weisze haube Jacobsson 7, 263b. Krünitz 147, 501. vgl. DWB schnepphaube.
 
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schneppenjäger, -mist, s. DWB schnepfenjäger, -mist.
 
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schneppenpfeifer, m. eine art regenpfeifer, charadrius utopiensis Krünitz 147, 501.
 
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schnepper, m. schnappendes werkzeug. von schnappen abgeleitet, sodasz die häufige schreibung schnäpper durchaus berechtigt ist. in der älteren sprache (vor Stieler 1691) nicht bezeugt, vgl. Weigand 2, 612 (mhd. snapper, snepper altercator, elinguis Lexer handwb. 2, 1024, vgl. unten).
1) eine kleinere, leichtere art armbrust, die gegen ende des 16. jh. aufkommt, s. Böheim waffenk. 405, 419 f., 422. Wagenseil Norimb. (1697) 161, s. Schm. 2, 577; schnepper, quatenus derivatur a schnappen, significat .. arcum, quia brachia ejus exploso telo et laxata chorda resiliunt Wachter 1448, nach Adelung wegen des schnappenden lautes der sehne; s. ferner Eggers kriegsl. 1, 101. 2, 684. Jacobsson 1, 251b (s. v. bogen). Krünitz 147, 145. — froschschnepper, ein kleiner degen, s. theil 4, 1, 254 f.
2) bei den chirurgen ein werkzeug zum aderlassen, schröpfeisen, laszeisen, lancette Adelung, phlebotomus Wachter 1448, s. besonders Jacobsson 7, 255—7. Krünitz 147, 145—152. mundartlich s. Klein 2, 134 (bair. pfälz. elsäss.). Frischbier 2, 304a. brem. wb. 4, 879 (schnepper); so auch holl. snepper: nur mit mühe vermochte es die überredungskunst des arztes .. über sie, dasz sie die furcht vor dem stählernen zahn des schneppers überwanden und den fusz ins wasser setzten. Musäus volksm. 1, 60 Hempel; dasz du laufest zu einem bader .. dessen schnepper — stumpf ist wie ein alter klepper. Rückert (1882) 11, 533 (40. makam.); zum schnepper! zum schnepper, herr bursch! das lange schwert ist nicht mehr mode! Ludwig 4, 235 (zu einem badergesellen); so behielt .. sie den schnepper, mit welchem sie unter der hand allen frauen ihrer bekanntschaft ader liesz. Keller 4, 229.
3) von anderen geräten oder gerättheilen.
a) bei huf- und waffenschmieden der sperrkegel, der in der hinterachse befestigt

[Bd. 15, Sp. 1318]


wird und das sperrrad der winde festhält Jacobsson 4, 27b. Krünitz 147, 501.
b) an den blasebälgen der schmiede ein dünnes, vor der mündung der balglinse befestigtes eisen, das die mündung verschlieszt, wenn der balg aufgezogen und mit luft gefüllt wird, damit kein feuer in den balg eingezogen werde Campe. vgl. schnepperlein 1.
c) ein schnappender thürverschlusz, riegel über dem schlosz, wie auch der schlüssel zur öffnung dieses verschlusses. Frischbier 2, 304a.
4) fliegenschnepper, eine art kleiner vögel, besonders die kleine grasmücke, motacilla fidecula Nemnich, s. theil 3, 1788, auch schnepper allein: sed schnäpper etiam est avis quaedam, nomine cynclus, cnipologus, culicilega, alias fliegenschnäpper et fliegenstecher Stieler 1892; schnepper, captator, fliegen-schnepper, captator muscarum, nomen aviculae satis notae Wachter 1451.
5) schnepper als nom. agentis zu schnappen, von personen, der schnappt, schnapphahn, s. DWB schnapper 2, sp. 1173: schnäpper, quoque dicuntur subsessores militares viarum, interceptores praedae et insidiatores, alias schnapphane. Stieler 1893.
6) ebenfalls zu schnappen in der bedeutung 'schwätzer' u. ä., s. DWB schnapper 1. so mhd. snapper, snepper, vgl. oben: elinguis .. stamelenter, hd. eyn snepper, ent sneper (?), eyn weczer, swetzer Dief. 198c, snepper, snapper, klaffer u. s. w. nov. gl. 147a. ähnlich in neuern mundarten, der gern und lebhaft plaudert Jecht 97b, der jedes wort auffängt und verbreitet Kleemann 19c; schwäb. schnäpper, schnäppäpper, m. schnäpperbüchs, f. junge person, die schnell und abgestoszen spricht und vorschnell in worten ist Schmid 472, schnepperbäpp für eine schwatzhafte person Birlinger 400b; schnepper, naseweises frauenzimmer Albrecht 205a.
7) schnepper für schneppe, im hüttenbau die schnauze an den blasebälgen Adelung. Krünitz 147, 502, vgl. indes 3, b.vielleicht steht schnepper auch in folgender stelle für schneppe: die hohen spitzigen teutschen sturmhut, mit den schneppern, die vorn auff und abgehen. Kirchhof milit. discipl. 44.
8) die hessische mundart bietet noch folgende besonderheiten.
a) bezeichnung des kartoffelpfannkuchens Vilmar 362. Pfister 355. b) als fem. die schnepper, der schnappgalgen Vilmar 362. Pfister 263; Vilmar fügt hinzu: 'hurenschneppe, besonders so genannt, weil prostibula an den schnappgalgen vorzugsweise zu kommen pflegten' (?), woraus Schm. 2, 577 die schneppe für schneppgalgen folgert, doch soll hurenschneppe wol die dirne selbst bezeichnen, vgl. Frischbier 2, 303b.
 
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schnepper, adj.: boshaftiger gelächter, schnäppere frevele antwort. Herold Ee 155b.
 
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schnepperbüchse, f. plaudertasche Klein 2, 134, vergl. DWB schnepper 6 und schnapperbüchse.
 
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schnepperer, m. bader, chirurg, zu schnepper 2; vergl. den dichternamen der Schnepperer Hans Rosenplut, Hans Rosenblut der Schnepper, s. fastn. sp. 1077—9, ferner 1530 und nachlese 301 f., wo der name allerdings als 'schwätzer, plauderer' erklärt wird mit bezug auf eine stelle, wo er sich selbst nennt:

also redt Hanns Rosenplut der Schwetzer.
vgl. dazu: Hanns Schnepperer ist er genannt,
ein halber byderbman;
der ihn einn groszen swatzer heiszt,
der tut kein sünde daran. fastn. sp. 1078,

und dazu das sprichwort: wer den snepperer ein grosz swäzer heiszt, der tuet kein sünde daran. Eiselein 553. Simrock sprichw. 9153; doch könnte diese bedeutung auch erst von der ersteren hergeleitet sein, mit bezug auf den bekannten ruf der bader.
 
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schnepperig, adj., auch schnäpperig, schnepprig, schnippisch, naseweis Klein 2, 134. Albrecht 204b, vgl. schneppisch.