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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnepfenstrich bis schneppenjäger (Bd. 15, Sp. 1315 bis 1317)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnepfenstrich, m.
1) das streichen oder ziehen der schnepfen im frühlinge und herbste, auch morgens und abends, vgl. DWB schnepfenzug Behlen 5, 540: von der auerhahn-balz bis zum zweyten schnepfenstrich und von da bis zur rabenhütte war .. alles .. (in dem jagdgedicht) leicht und scherzhaft, oft ironisch dargestellt. Göthe 22, 82; unter den waldschlägen, durchgehauen und mäszig dicht und hoch bewachsenen laub- oder nadelholzsäumen wählt sich der jäger denjenigen theil, wo der schnepfenstrich der beste ist. v. Thüngen weidm. pract. 213.
2) die frühlings- oder herbstzeit, in der die schnepfen streichen Behlen a. a. o.
3) übertragen (vergl. DWB schnepfe 2, d), das umherstreichen der feilen dirnen Weinhold 87a, das umherschweifen junger menschen, um liebschaften anzuknüpfen Spiesz 222, auch die gassen, wo die dirnen umherstreichen Castelli 248; auf den schnepfenstrich gehen, den in der dämmerung herumschwärmenden dirnen nachjagen Schm. 2, 578; schweiz. uf e schnepfestrich go Hunziker 227; aber de schnepfestrich ne (nehmen), sich aus dem staube machen. ebenda.
 
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schnepfenzeit, f. tempo, stagione delle beccaccie Kramer dict. 2, 631b, zeit, wo die schnepfen streichen und gefangen oder geschossen werden.
 
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schnepfenzug, m.
1) das ziehen der schnepfen, sowol ihre ankunft im frühling und abzug im herbste, wie auch ihr

[Bd. 15, Sp. 1316]


streichen aus dem holze zu felde, vgl. schnepfenstrich Adelung. Jacobsson 4, 27b. Krünitz 147, 501. Behlen 5, 540.
2) eine schaar in gesellschaft ziehender schnepfen Adelung. Krünitz a. a. o.: hierauf siehet man nun einen ort aus, wo ein guter schnepffen-zug gehet, indem die schnepffen des abends aus den höltzern nach der grünen saat heraus, theils auch des morgens wieder zurück ins holtz fallen. Döbel 2, 177a.
3) übertragen, wie schnepfenstrich 3 und schnepfenjagd: er geht auf den schnepfenzug. Wander 4, 305.
 
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schnepffisch, m. eine art hechte, esox hepsetus Krünitz 147, 501; Nemnich schreibt schnepfisch, holl. snipvisch; Campe hat schneppfisch, esox bellone, vgl. DWB schnepel.
 
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schnepfhoch, interj.: tire haut, oder schnepfhoch, ist der zuruf auf dem schnepfen- und hühnerschieszen, wenn vor einem etwas aufsteiget, damit die entfernten jäger wissen, dasz etwas da seye oder komme, und obacht haben. Heppe wohlr. jäg. 295b. vgl. Jacobsson 2, 98a (giro, tiro, schnepfhoch).
 
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schnepfhuhn, n., auch schnepphuhn, name der schnepfe, scolapax Nemnich, namentlich der gröszeren wald- oder holzschnepfen, die den wilden hühnern nicht unähnlich sind Adelung. Krünitz 147, 501.
 
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schnepflein, n.
1) als gewöhnliches deminutiv, kleine schnepfe: darüber vergasz er die schnepfen gänzlich und sagte am morgen: ich habe den armen schnepflein das leben geschenkt; auch gegen tiere musz man barmherzig sein! Keller 4, 306.
2) bezeichnung einer besonders kleinen art; vgl. DWB schnepfchen 2, haarschnepfe Behlen 5, 524; schnepfflein, n., rottvogel, m., becfigue, becafico Hulsius dict. 287a; gallinago vel rusticola minor, ein herd schnepff, schnepfflein. Corvinus fons lat. 291b; ficedula, becquefigue Schottel 1406; das schnepflein, ficedula Stieler 1895, s. auch Kramer dict. 2, 631c.
 
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schneppe, f. schnabel, schnabelartiges stück, vgl. DWB schnippe. das wort, mit schnabel und mhd. snaben (schnappen) verwandt, ist erst seit dem 15. jahrh. bezeugt und besonders auf nd. boden üblich, doch auch in mitteld. mundarten sehr verbreitet, daher wol nicht mit Kluge5 333b als lehnwort aus dem nd. zu fassen. die sehr häufigen nebenformen mit i s. unter schnippe. holl. sneb ist dort das gewöhnliche wort für schnabel; snebbe rostrum avis Kilian, daneben neb. diese formen ohne das anlautende s sind im engl. und nord. alleinherrschend: ags. nebb, engl. neb, altnord. nef, dän. næb, schwed. näbb, s. Skeat 389 und unter schnippe; vgl. auch schnabel. im nd. ist snebbe nach Weigand 2, 618 zu 1420 und 1517 belegt; sonst nd. gewöhnlich snibbe bez. snippe. nhd. ist schneppe in den wörterbüchern erst seit Kramer aufgeführt, doch bereits im 16. jahrh. bezeugt, s. unten. die regelmäszige und herrschende form ist schneppe, nur Wachter 1449 schreibt schnebbe. vereinzelt findet sich auch mit weitergehender verschiebung schnepfe (wie schnipfe neben schnippe), so in folgender stelle, wo die bedeutung nicht ganz sicher ist, die aber doch hierher zu gehören scheint und dann den ältesten hd. beleg gibt (vom jahre 1589):

sie (die teufel) hatten forn ein stachlich schnepf (nase?),
gros augen als die kesenepff.
Ringwaldt tr. Eckart K 1a.

in neueren mundarten besonders md., doch auch bairisch die schneppen oder schnepp Schm. 2, 577, schwäb. als masc. schnepp Schmid 473; sonst auch schnäppe, schnäpp geschrieben Schmidt 199. Kehrein 1, 361. Jecht 97b.
bedeutung.
1) schnabel Schm. 2, 577, vgl.schnebbe, nasus; schnebbe, rostrum, quia naso hominis simile; schnebbe, os, quamvis ex contemtu, ut rostrum apud Latinos Wachter 1449.
2) schnabelartiger theil an kleidungsstücken, besonders ein spitz zulaufendes stirnläppchen an der weiblichen haube, wie es besonders gegen ende des 18. jahrh. unter dem kopfzeuge getragen wurde, in unserem jahrhundert noch vielfach an der trauerhaube, von kreppflor und über die ganze stirn reichend, s. Krünitz 147, 501. Jacobsson 4, 27b; die schneppe an einer weiberhaube (visier) punta della cuffia da donna Kramer dict. 2, 631c, so im einzelnen sammet - schneppe, trauer- ò florschneppe ebenda; schnebbe, frontale, in rostrum desinens Wachter 1449; schneppe, von der gleichheit mit einem schnabel, pflegen die weiber allerley, sonderlich auf die stirn herabgehende spitzen zu nennen .. acuminatior pars vittarum muliebrium qua inter oculos frontem ornare solent, frontale Frisch 2, 215b; so noch in neueren mundarten, s. Schm. 2, 577. Reinwald 2, 113a: auf dem kopf schwarzsammetne oder seidne hauben mit einer schneppe fast bis auf die nase und langendigen schleifen. Ludwig 2, 516; nun kam die zeit heran, wo das weibsvolk eine schwarzseidne

[Bd. 15, Sp. 1317]


oder sammetne haube, hinten rund, vorn mit langer schneppe, dazu mit breiten schleifen heimlich von hand zu hand bis zu der ältesten pathe gehn zu lassen pflegt, die dann mit leiser hand der braut das kränzlein von den haaren nimmt und es eben so leise mit der haube vertauscht. 527. — ferner mundartlich
a) schwäb. von einem dreieckig spitz in die stirn auslaufenden haarschnitt, s. Schm. 2, 577. Schmid 473.
b) ferner von einer haube mit drei schnäbeln. ebenda; oder ein stirnband mit einem solchen schwarz oder weiszen schnabelähnlichen stirnläppchen Reinwald 2, 113a.
c) eine ähnliche schnabelförmige, durch fischbein gesteifte spitze vorn am oberkleide der frauen Spiesz 222, schneppentaille Albrecht 204b.
3) schnauze, schnabelförmiger ausgusz an kannen und töpfen Adelung. Albrecht 204b. Hertel sprachsch. 217. Jecht 97b. Kleemann 19c. Liesenberg 199: schneppe, schnepfe an einer kanne, becco d'un boccale Kramer 2, 631c; andere nennen auch an den kannen die schnaupen, schneppen. Frisch 2, 215b.
4) schneppe für schnepfe (auch übertragen für dirne) s. das.
5) in mitteldeutschen mundarten vielfach für 'rand' Schmidt 199. Kehrein 1, 361; äuszerstes ende, rand, spitze Schm. 2, 577: ich sitze auf der schnäpp des stuhls, der bank; setze dich nicht so auf die schnäpp des tisches, er fährt sonst in die höhe; auch sprichwörtlich: der ist auf die schnäpp gestellt (erwischt, angeführt) worden. Spiesz a. a. o.; hierzu wol auch das unter schnepfe 5 angezogene schnepfe Stieler 1895. — Weigand 2, 618 betrachtet diese verwendung als ein besonderes, zu schnappen gehöriges wort.
6) weitere mundartliche verwendungen. a) geschwätziges mädchen, plappermaul Schm. 2, 577. Kehrein 1, 361. b) schnappgalgen Schm. 2, 577, vgl. schnepper 8, b. c) anderswo bedeutet schnäppe eine grube im fahrwege, worin das fuhrwerk beim fahren schnappt: eine schnäppe auf ein stück land machen dasz nicht darüber gefahren werden kann.
 
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schneppen, verb., hess.-fränkische nebenform zu schnippen, vgl. das.; mit den fingern knipsen:

wenn einer mit den fingern schnept
und spöttisch zu jhm annehebt.
Eyering 3, 59.

fränk.-nassauisch schneppen, schnäppen. 1) eine kurze bewegung machen, nicken. 2) vögel mit dem fallkäfig fangen Schm. 2, 577. Kehrein 1, 361; anführen Schmidt 199, auch mit dem bauche schneppen oder schneppbäuchen, vgl. schlägebauchen sp. 338. Schm. a. a. o.
 
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schneppenhaube, f. 1) eine art strohhut, 2) weisze haube Jacobsson 7, 263b. Krünitz 147, 501. vgl. DWB schnepphaube.
 
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schneppenjäger, -mist, s. DWB schnepfenjäger, -mist.