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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnepfenjagd bis schnepfenstrich (Bd. 15, Sp. 1314 bis 1315)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnepfenjagd, f. jagd auf schnepfen: schnepfenjagd oder schnepfenschieszen, ist eine angenehme jagdlust, welche

[Bd. 15, Sp. 1315]


im frühjahr und zur herbstzeit vorgenommen wird. Heppe wohlr. jäger 268a, vgl. Jacobsson 4, 27b. Krünitz 147, 500. Behlen 5, 537—540. übertragen: auf die schnepfenjagd gehen. Wander 4, 305, zu schnepfe 2, d, vgl. DWB schnepfenstrich, -zug.
 
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schnepfenjäger, m. der auf schnepfen jagd macht; übertragen, hurenjäger (schnepfe 2, d):

wie man im todtenreich die titel nicht mehr kennet,
und nicht mehr gnädger herr den schneppenjäger nennet.
Zachariä verwandl. 4, 114.


 
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schnepfenkopf, m.
1) kopf einer schnepfe Campe:

so klappt rings um ihn her der teig in die höhe, und schlägt
sich über ihm zu, und wird zur ungeheursten pastete,
aus welcher, wie ein schnepfenkopf,
bis an die schulter der arme tropf
herauskuckt. Siegfried von Lindenberg4 2, 289.


2) bezeichnung von schneckenarten.
a) einige arten der stachelschnecke, murex, nämlich
α) murex brandaris, der gezackte schnepfenkopf, die herkuleskeule, nagelschnecke.
β) murex cornutus, der gezackte schnepfenkopf, stachel- oder nagelschnecke. Nemnich. Krünitz 147, 500.
γ) murex haustellum, der schöpfer, schnepfenkopf, schnepfenschnabel, storchschnabel, löffel. Nemnich.
b) eine art rollen- oder walzenschnecken, voluta ceramica Nemnich.
3) in der anatomie eine erhabenheit an der unteren fläche der vorsteherdrüse, auch bratspiesz oder samenhügel genannt, caput gallinaginis, veru montanum, colliculus seminalis Meckel 4, 554.
 
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schnepfenkoth, m., dass. wie schnepfendreck Krünitz 147, 500.
 
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schnepfenmist, m., dasselbe wie schnepfendreck, dafür schneppenmist:

gemach, gemach mein freund! ich schelt und tadle nicht,
dasz sich ein kranker mund nach seinem magen richt;
dasz man, da die natur schon im verderben stecket,
den sterbenden geschmack durch schneppenmist erwecket.
B. Neukirch ged. 109.


 
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schnepfenpastete, f.: für deine pohlnische brühe lasz ich der gnädigen frau ihre genudelten gänse und schnepfenpasteten von herzen gern. Siegfr. v. Lindenb.4 1, 55; so viel dazu gehört, eine schnepfen-pastete anzuschneiden. Fr. Müller 2, 125.
 
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schnepfenpfeife, f. messingene pfeife, womit man den ruf der schnepfenweibchen nachahmt, um die hähne anzulocken Behlen 5, 540. vgl. Döbel 1, 74. 2, 121.
 
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schnepfenschieszen, n.: wer ein liebhaber vom schieszen ist, und sich die gedult nicht nehmen will, zeuge zu machen, und zu stellen, .. für denjenigen ist das schnepffen-schieszen. Döbel 2, 182a. vgl. DWB schnepfenjagd.
 
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schnepfenschnabel, m. 1) schnabel einer schnepfe Campe. 2) name einiger stachelschneckenarten, die auch schnepfenkopf heiszen, murex cornutus und haustellum Nemnich. Krünitz 147, 500.
 
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schnepfenstosz, m. eine art des schnepfenfanges, wobei klebegarne vor die hölzer gestellt werden, damit die schnepfen beim ein- und ausstreichen daran stoszen und sich fangen Krünitz 147, 501, vgl. Heppe wohlr. j. 288. Jacobsson 4, 27b. Behlen 5, 540.
 
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schnepfenstrich, m.
1) das streichen oder ziehen der schnepfen im frühlinge und herbste, auch morgens und abends, vgl. DWB schnepfenzug Behlen 5, 540: von der auerhahn-balz bis zum zweyten schnepfenstrich und von da bis zur rabenhütte war .. alles .. (in dem jagdgedicht) leicht und scherzhaft, oft ironisch dargestellt. Göthe 22, 82; unter den waldschlägen, durchgehauen und mäszig dicht und hoch bewachsenen laub- oder nadelholzsäumen wählt sich der jäger denjenigen theil, wo der schnepfenstrich der beste ist. v. Thüngen weidm. pract. 213.
2) die frühlings- oder herbstzeit, in der die schnepfen streichen Behlen a. a. o.
3) übertragen (vergl. DWB schnepfe 2, d), das umherstreichen der feilen dirnen Weinhold 87a, das umherschweifen junger menschen, um liebschaften anzuknüpfen Spiesz 222, auch die gassen, wo die dirnen umherstreichen Castelli 248; auf den schnepfenstrich gehen, den in der dämmerung herumschwärmenden dirnen nachjagen Schm. 2, 578; schweiz. uf e schnepfestrich go Hunziker 227; aber de schnepfestrich ne (nehmen), sich aus dem staube machen. ebenda.