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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnepfe bis schnepfenflucht (Bd. 15, Sp. 1313 bis 1314)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnepfe, f.
1) ein sumpfvogel, scolopax Nemnich, vgl. Oken 7, 486 ff. Krünitz 147, 443—499. öcon. lex.2 2628 ff. Behlen 5, 524—534. Heppe wohlred. jäger 267. ein wort von unklarer herkunft, vielleicht mit schnappen wurzelverwandt, doch nicht davon abgeleitet wegen der i-formen im engl.; ebensowenig kann es direkt auf schneppe, schnabel zurückgehen (so Noreen urgerm. lautl. 208), da die verschiedenheit der lautstufe des labials widerspricht. vgl. Kluge5 333b. Weigand 2, 618. der name findet sich in allen germanischen sprachen, doch ist dän. sneppe, schwed. snäppa möglicherweise aus dem deutschen entlehnt. isl. (mýri-) snípa Egilsson 589b und norweg. myrsnipa Aasen 518b stellen sich zu den engl. formen snipe und snite, ags. snite (acegia sníte vel wudecocc aceta) Bosworth - Toller 892a, mittelengl. snype und snyte (mundartlich auch snape), vgl. Skeat 569a. im nl.-nd. wechseln i- und e-formen, so mnl. snippe, sneppe: sneppe, ficedula et gallinago, rusticula, scolopax, rustica perdix, vulgò sneppa Kilian, holl. gewöhnlich snip. mnd. snippe, snippel Schiller - Lübben 4, 276b:

daer sijn snippen ende paertrisen
ende veel ander voghel wilt. Reinaert II, 3156;

doch neund. auch sneppe Dähnert 438b. Schamb. 199b. — aus dem deutschen ist das wort auch ins roman. gedrungen: ital. sgneppa, sgnep, auch walachisch neap Diez etym. wb.4 400. im ahd., mhd. und älteren nhd. ist schnepf(e) vielfach masc., s. DWB schnepf 1. vgl. auch Grimm gramm. 3, 363, 550; doch ist wol weniger ein übergang des masc. in das fem. anzunehmen als ein dialektischer unterschied, indem das fem. dem nd.-md. sprachgebiet angehört, dagegen das masc. auf das oberd. beschränkt ist. ahd. snepha, snepfa (nd. sneppe), fidecula Graff 6, 851 (neben seltenerem snepho); mhd. snepfe, m. und f.: fidecula snepho, -a, -e, -er, sneph, snepfe, snepff, rietsnepff, riedschneck, sneppe, snepe, snep, sneeppe, snippe, snyp, sneck o. rch, schnebe Dief. gloss. 233a, snēpha, sneph, gybicz, schnepph, schnepf .. sneppe, snippe nov. gl. 173a; coturnix .. sneppe gl. 154b; gallinago her-, herr-, har-, heerdschnepff gloss. 256c; onocrotalus .. snepha 396b; rusticula riedschnepfe, rietsneppe 504c; vgl. auch Dief.-Wülcker 843. auch im älteren nhd. begegnet noch zuweilen schneppe in diesem sinne: der specht, die schneppe, das rot - kehlichen, die graszmücke .. essen würme. Comenius sprachenth. 255;

zweymal schon drehten umsonst sich fett gemästete hüner,
enten, und langgeschnäbelte schneppen, und puter, ums feuer.
Zachariä d. phaeton 1, 26;

geh nach der küchen hin! dort ziehen schneppen ein,
hier kömt ein ganzes reh, dort ein phasan geflogen.
B. Neukirch 148;

man fährt was eszbar ist, gans, ente, truthahn, schneppe ...
und würste aller art zu ganzen fudern ein.
Wieland 18, 147.

die gewöhnliche form ist indes schnepfe: schnepfe, f. turdus, becasse Schottel 1406; schneppe, et schnepfe, die, perdix rustica, rusticula, accia, acceja Stieler 1895; schnepfe (die, plur. schnepfen ...) perdix rustica, gallinago, fidecula, acceja Steinbach 2, 475; besonders wenn eine schnepffe aufstiebet, und die jungen schnepffe hoch! oder kirro! ruffen; wie fleiszig sehen sie (d. jäger) sich vorwärts und zu beyden seiten um, wo die schnepffe geflogen kommt, da öffters aus übermäsziger hitze mancher vorbey schieszet, auch wohl zwey gegen einander stehende schützen nach einer schnepffe schieszen. Döbel 2, 182b; die gäste holten sich selbst aus dem forste hasen, schnepfen und rebhühner. Keller 1, 16; denn wegen des langen schnabels habe sie die schnepfe für einen jungen storch gehalten. 2, 232; hier sind zwei schnepfen, die ich den augenblick vom jäger gekauft habe. 5, 14;

das huhn im schnellen zuge,
die schnepf' im zickzackfluge
treff' ich mit sicherheit.
W. Bornemann jägerlied.


2) schnepfe steht ferner in sprichwörtlichen redensarten und in bildlicher verwendung.
a) sprichwörter s. unter DWB schnepf 4; weiteres bei Wander 4, 305, z. b.: die schnepfen fliegen nicht gebraten ins maul; wenn es an schnepfen fehlt, musz man krähen speisen u. ähnl.
b) eine sprichwörtliche wendung scheint auch folgender nicht ganz verständlichen stelle zu grunde zu liegen:

ôk wê sik mit dem duvel besleit (einläszt),
dâr an hei gêrn ên snippen veit (fängt),
hei scheidet nicht van eme sunder schaden. Theophilus 431 Hoffmann.

[Bd. 15, Sp. 1314]



c) sonst wird schnepfen fangen von menschen gesagt, vergl. gimpel: ihr wiszt zu gut wie man schnepfen fängt. Göthe 8, 59 (Götz 2, dafür im Gottfr. v. Berl., 42, 75: ihr wiszt nur zu gut wie man männer fängt).
d) jetzt sehr gewöhnlich von dirnen, vielfach in der form schneppe, f. Albrecht 204b, schnepfe Hertel sprachsch. 217, schneppe und schnepfe Weinhold 87a. Frischbier 2, 303b.
3) von anderen thieren, s. DWB schnepfchen und DWB schnepfenfisch.
4) in hüttenwerken ein dreschflegelähnliches werkzeug, womit der aufträger den schlund des hochofens untersucht Jacobsson 4, 27a.
5) schnepfe für schneppe, vgl. das.: sed schnepfe etiam pro curvatione, deflexu et aduncitate ponitur. schnepfe am hut, auricula pilei. an der haube, plica calyptrae. schnepfe am rocke, lacinia stolae, syrma tunicae succinctae Stieler 1895.
 
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schnepfenapfel, m. eine art äpfel, engl. woodcockapple Nemnich.
 
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schnepfenbandwurm, m. taenia filum, der nach Oken 5, 548 in den därmen der schnepfen lebt und der beliebte schnepfendreck ist.
 
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schnepfenbraten, m. braten von einer schnepfe, gebratene schnepfe.
 
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schnepfendreck, m. excrementa ex intestinis assatarum gallinaginum majorum, quae coqui pani illinunt et dominis apponunt. Frisch 2, 215b, vgl. Oken 5, 548. 7, 507. Krünitz 147, 499; geschätzter leckerbissen, daher sprichwörtlich: schnepfendreck ist der beste schleck, schnepfendreck und pasteten sind dem bauer nicht vonnöthen. Wander 4, 305; ich legte in Wien ein hübsches magazin von schnepfendreck an, aber ich setzte nichts ab, aus mangel an schnepfen. J. Paul Titan 2, 93.
 
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schnepfenei, n.:

und dem Wäinämöinen selbst
flossen thränen aus den augen, ...
gröszer noch als schnepfeneier.
Platen 155b.


 
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schnepfenfalle, f. vorrichtung zum fange der schnepfen, s. Döbel 2, 179 f. Behlen 5, 536.
 
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schnepfenfang, m. das fangen der schnepfen, sowie der ort, wo sie gefangen werden, oder die vorrichtung dazu, s. Döbel 2, 177—183. Heppe wohlr. jäger 267b f. Jacobsson 3, 27. Krünitz 147, 499. Behlen 5, 534—37: es ist dieses eine recht gute invention vom schnepffen-fange, auch nützlich, dasz man viele schnepffen damit fangen kan. Döbel 2, 179b.
 
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schnepfenfisch, m., oder meerschnepfe, ein fisch im mittelländischen meere, mit einem schnabelähnlichen maule, centriscus, besonders centriscus scolopax Nemnich. Oken 6, 99. Krünitz 147, 499 f. vgl. auch DWB schnepffisch.
 
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schnepfenfliege, f. eine art kleiner fliegen mit langem, gebogenem saugrüssel, auch tanzfliege, tanzende mücke, empis Nemnich. Oken 5, 821 f. Krünitz 147, 500.
 
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schnepfenflucht, f. ort, wo schnepfen fliegen?: so gaben diejenigen, welche jetzt schnepfenfluchten besitzen, und zur jagd nicht berechtiget sind, jährlich dem besitzer der advocatie zwey schnepfen zur urkunde. Möser patr. phant. 2, 481.