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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnellzüngig bis schnepfenfalle (Bd. 15, Sp. 1311 bis 1314)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnellzüngig, adj. mit schneller zunge, rasch sprechend: schnellzüngiger schwätzer.
 
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schnepel, m. fischname, oft auch schnäpel geschrieben; aus dem nd. übernommen, vgl. mnd. snepel, sneppel Schiller-Lübben 4, 273 (die gleichsetzung mit snoppel, polipus weist Krause zurück, ebenda 6, 256a); der name hängt vielleicht mit schneppe, schnebbe, schnabel (s. das.) zusammen und würde dann auf das spitz zulaufende, schnabelartig verlängerte maul dieser fischarten gehen Krause a. a. o. Weigand 2, 618, daher nl. auch neusvisch. im heutigen nd. snepel brem. wb. 4, 888. Schütze 4, 140. Richey 273; snepel, snäpel Dähnert 438a. ten Doornkaat Koolman 3, 243a; snepel, in hd. form schnäpel, schnepel, schneppel Frischbier 2, 301b, als schneppel auch bei Höfer 3, 107 (für Hamburg und Altmark) aufgeführt. in der schriftsprache seit dem 16. jahrh. als schnepel (z. b. Alberus. Coler. Döbel. öcon. lex. Krünitz) oder schnäpel (z. b. Schulze. Siebold. Frisch. Adelung. Campe). die lateinische bezeichnung schwankt, doch ist wol überall derselbe fisch gemeint: salmo lavaretus der schnäpel, schnepel,

[Bd. 15, Sp. 1312]


snepel, weiszfisch Nemnich (ebenso Adelung. Campe). Höfer 3, 107. Krünitz 147, 443 (schnepel und schnäpel). Bloch öcon. naturgesch. d. fische Deutschlands (1782) 1, 163; coregonus lavaretus, gewöhnlich siek Sallmann 27a. Frischbier 2, 301b; coregonus oxyrhynchos Schulz fauna Marchica 522. v. Siebold s. 259 f. (als namensformen und synonyma: schnäpel, schnepel, snepel, elbel, breite äsche, rhemank). Schiller-Lübben 6, 265a; oxyrhynchi Oken 6, 360 (darunter als besondere art salmo-oxyrhynchus schnabel-äsche); schnäpel, ein fisch in der Elbe, von einem kurzen näszgen das an der ober - lippe ist. Frisch 2, 210c; schnepeln sind fast fische wie ein zerthen, werden aber nicht so grosz ... werden zu latein phexini genant. Coler hausb. (1680) 666a; von dem schnepel, oder schnabel genannt. Döbel 4, 78; der coregonus oxyrhynchus, welcher in Norddeutschland unter dem namen 'schnäpel' allgemein gekannt ist, gehört zu jenen wandernden fischen der Ost- und Nordsee, welche, um zu laichen, das meer verlassen, und die flüsse hinaufsteigen. v. Siebold s. 259; vergl. auch öcon. lex.2 2628: et syn gude bückyng edder dröge sneppel, noch vele beter smecket eyn groen heket. quelle bei Schiller-Lübben a. a. o.; der magister sieht in seinem grünen flause blos wie der grüne schnäpel (weiszfisch) oder die kaulquappe aus. J. Paul Titan 1, 105;

das sind nur fischlin fürs gesind,
und für die bursch und gut geselln,
die nicht nach groszer nahrung stelln,
denselben schnepel sind bequem.
Alberus fab. 62a (nr. 19).

nach Adelung heiszt auch der hornfisch, horn- oder nadelhecht, esox bellone, in einigen gegenden schnäpel (in Danzig schneffel Nemnich). — von snepel ist abgeleitet snepelig, witt-snepelig, snepelhaftig, von blasser gesichtsfarbe, snepelhaftig utseen, auch he sütt ut as en snepel de verscheeden will, da die nase des schnepels bleich wird, wenn er sterben will. brem. wb. 4, 888. Schütze 4, 140.
 
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schnepf, m.
1) nebenform zu schnepfe, f. scolopax, vgl. daselbst. besonders in der älteren sprache: ahd. snepho fidecula Graff 6, 851; mhd. snephe Lexer handwb. 2, 1033. mhd. wb. 2, 2, 448b:

der snepfe in deme riede
wil wilde sîn, des mak man selten in gezamen. minnes. 3, 91b Hagen;

ebenso noch nhd. schnepffe, m. becasse Hulsius 287a; gewöhnlich zu schnepf verkürzt: schnepff fidecula Dasyp.; schnäpff (der) fidecula, ein vogel so der feygen geläbt. Maaler 359b; feigenschnäpff (der), feigenvogel, feigenfresser, schnepff, wüstling, fidecula u. s. w. Henisch 1014, 25; gallinago ein schnepff Corvinus fons latin. 291b, schnepf, m. rusticula, gallinago, perdix rustica, eine art von kleinen wilden hünern, welche ihr langer schnabel mit seiner dünnen länge von andern unterscheidet. es sollte daher der namen schnepf völlig ausgeschrieben und ausgesprochen werden, schnepf-huhn .. dann das wort schnepf ist von schnabel. Frisch 2, 215b, dazu als unterarten: wald-schnepf, holz-schnepf, bruch-schnepf, morschnepf, pful-schnepf, grase-schnepf, har-schnepf oder heerschnepf, meer-schnepf ebenda; so noch in oberd. mundarten, s. Adelung. Schm. 2, 578. Höfer 3, 106 f. Hunziker 227. Schöpf 640: von dem rietschnäpffen, oder gröszeren schnäpffen .. von Teütschen wirt er auch vilfaltig genennt ein schnäpff, schnäpffhn, rietschnäpff, oder groszer schnäpff. Gesner vogelb. von Heuszlin 109b; der schnäpff gläbt allein der würmen (lebt von würmern), und berürt gar kein getreid. 110a; der schnepf ist auch eines von dem köstlichen wildpret ... ist fast an der grösze einem rebhun ähnlich. Hohberg 2, 674a, ebenso 3, 2, 324a der pfuhl - schnepffe oder himmelsziege, der haar - schnepff, aber ebenda: die ried-schnepff ist an grösze ... gleich der wald-schnepffe;

der krametsvogel klug unnd weisz,
der bracht daher die beste speisz,
der schnepffe schwer, der schnepffe schwer
der floge allgemach daher. volksl. von 1613 bei
Wackernagel leseb. 2, 230, 35.

auch Göthe scheint schnepfe noch als masc. zu verwenden:

ich habe niemals danach gefragt:
von welchem schnepfen und fasanen,
capaunen und welschenhahnen
ich mein bäuchelchen gemästet.
Göthe 47, 77.


2) in der Schweiz so viel wie schnärf, s. das. Stalder 2, 339.
3) lusernisch snepf haubenschild Zingerle 52a, vgl. DWB schneppe, DWB schnippe.
4) weniger klar ist schnepf in einigen sprichwörtlichen redensarten: sage nur schnepf — so hastu's! Eiselein 553. Simrock

[Bd. 15, Sp. 1313]


sprichw. 9152; gute nacht schnepf, wir wollen ins Tirol. 9153; in Tirol ja, gute nacht, schnepf! du bist auf dem holzwege. Schöpf 640.
 
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schnepfchen, n.
1) eine art spindelwalzen, voluta tringa Campe.
2) hornschnepfe Behlen 5, 524, vgl. schnepflein.
 
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schnepfe, f.
1) ein sumpfvogel, scolopax Nemnich, vgl. Oken 7, 486 ff. Krünitz 147, 443—499. öcon. lex.2 2628 ff. Behlen 5, 524—534. Heppe wohlred. jäger 267. ein wort von unklarer herkunft, vielleicht mit schnappen wurzelverwandt, doch nicht davon abgeleitet wegen der i-formen im engl.; ebensowenig kann es direkt auf schneppe, schnabel zurückgehen (so Noreen urgerm. lautl. 208), da die verschiedenheit der lautstufe des labials widerspricht. vgl. Kluge5 333b. Weigand 2, 618. der name findet sich in allen germanischen sprachen, doch ist dän. sneppe, schwed. snäppa möglicherweise aus dem deutschen entlehnt. isl. (mýri-) snípa Egilsson 589b und norweg. myrsnipa Aasen 518b stellen sich zu den engl. formen snipe und snite, ags. snite (acegia sníte vel wudecocc aceta) Bosworth - Toller 892a, mittelengl. snype und snyte (mundartlich auch snape), vgl. Skeat 569a. im nl.-nd. wechseln i- und e-formen, so mnl. snippe, sneppe: sneppe, ficedula et gallinago, rusticula, scolopax, rustica perdix, vulgò sneppa Kilian, holl. gewöhnlich snip. mnd. snippe, snippel Schiller - Lübben 4, 276b:

daer sijn snippen ende paertrisen
ende veel ander voghel wilt. Reinaert II, 3156;

doch neund. auch sneppe Dähnert 438b. Schamb. 199b. — aus dem deutschen ist das wort auch ins roman. gedrungen: ital. sgneppa, sgnep, auch walachisch neap Diez etym. wb.4 400. im ahd., mhd. und älteren nhd. ist schnepf(e) vielfach masc., s. DWB schnepf 1. vgl. auch Grimm gramm. 3, 363, 550; doch ist wol weniger ein übergang des masc. in das fem. anzunehmen als ein dialektischer unterschied, indem das fem. dem nd.-md. sprachgebiet angehört, dagegen das masc. auf das oberd. beschränkt ist. ahd. snepha, snepfa (nd. sneppe), fidecula Graff 6, 851 (neben seltenerem snepho); mhd. snepfe, m. und f.: fidecula snepho, -a, -e, -er, sneph, snepfe, snepff, rietsnepff, riedschneck, sneppe, snepe, snep, sneeppe, snippe, snyp, sneck o. rch, schnebe Dief. gloss. 233a, snēpha, sneph, gybicz, schnepph, schnepf .. sneppe, snippe nov. gl. 173a; coturnix .. sneppe gl. 154b; gallinago her-, herr-, har-, heerdschnepff gloss. 256c; onocrotalus .. snepha 396b; rusticula riedschnepfe, rietsneppe 504c; vgl. auch Dief.-Wülcker 843. auch im älteren nhd. begegnet noch zuweilen schneppe in diesem sinne: der specht, die schneppe, das rot - kehlichen, die graszmücke .. essen würme. Comenius sprachenth. 255;

zweymal schon drehten umsonst sich fett gemästete hüner,
enten, und langgeschnäbelte schneppen, und puter, ums feuer.
Zachariä d. phaeton 1, 26;

geh nach der küchen hin! dort ziehen schneppen ein,
hier kömt ein ganzes reh, dort ein phasan geflogen.
B. Neukirch 148;

man fährt was eszbar ist, gans, ente, truthahn, schneppe ...
und würste aller art zu ganzen fudern ein.
Wieland 18, 147.

die gewöhnliche form ist indes schnepfe: schnepfe, f. turdus, becasse Schottel 1406; schneppe, et schnepfe, die, perdix rustica, rusticula, accia, acceja Stieler 1895; schnepfe (die, plur. schnepfen ...) perdix rustica, gallinago, fidecula, acceja Steinbach 2, 475; besonders wenn eine schnepffe aufstiebet, und die jungen schnepffe hoch! oder kirro! ruffen; wie fleiszig sehen sie (d. jäger) sich vorwärts und zu beyden seiten um, wo die schnepffe geflogen kommt, da öffters aus übermäsziger hitze mancher vorbey schieszet, auch wohl zwey gegen einander stehende schützen nach einer schnepffe schieszen. Döbel 2, 182b; die gäste holten sich selbst aus dem forste hasen, schnepfen und rebhühner. Keller 1, 16; denn wegen des langen schnabels habe sie die schnepfe für einen jungen storch gehalten. 2, 232; hier sind zwei schnepfen, die ich den augenblick vom jäger gekauft habe. 5, 14;

das huhn im schnellen zuge,
die schnepf' im zickzackfluge
treff' ich mit sicherheit.
W. Bornemann jägerlied.


2) schnepfe steht ferner in sprichwörtlichen redensarten und in bildlicher verwendung.
a) sprichwörter s. unter DWB schnepf 4; weiteres bei Wander 4, 305, z. b.: die schnepfen fliegen nicht gebraten ins maul; wenn es an schnepfen fehlt, musz man krähen speisen u. ähnl.
b) eine sprichwörtliche wendung scheint auch folgender nicht ganz verständlichen stelle zu grunde zu liegen:

ôk wê sik mit dem duvel besleit (einläszt),
dâr an hei gêrn ên snippen veit (fängt),
hei scheidet nicht van eme sunder schaden. Theophilus 431 Hoffmann.

[Bd. 15, Sp. 1314]



c) sonst wird schnepfen fangen von menschen gesagt, vergl. gimpel: ihr wiszt zu gut wie man schnepfen fängt. Göthe 8, 59 (Götz 2, dafür im Gottfr. v. Berl., 42, 75: ihr wiszt nur zu gut wie man männer fängt).
d) jetzt sehr gewöhnlich von dirnen, vielfach in der form schneppe, f. Albrecht 204b, schnepfe Hertel sprachsch. 217, schneppe und schnepfe Weinhold 87a. Frischbier 2, 303b.
3) von anderen thieren, s. DWB schnepfchen und DWB schnepfenfisch.
4) in hüttenwerken ein dreschflegelähnliches werkzeug, womit der aufträger den schlund des hochofens untersucht Jacobsson 4, 27a.
5) schnepfe für schneppe, vgl. das.: sed schnepfe etiam pro curvatione, deflexu et aduncitate ponitur. schnepfe am hut, auricula pilei. an der haube, plica calyptrae. schnepfe am rocke, lacinia stolae, syrma tunicae succinctae Stieler 1895.
 
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schnepfenapfel, m. eine art äpfel, engl. woodcockapple Nemnich.
 
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schnepfenbandwurm, m. taenia filum, der nach Oken 5, 548 in den därmen der schnepfen lebt und der beliebte schnepfendreck ist.
 
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schnepfenbraten, m. braten von einer schnepfe, gebratene schnepfe.
 
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schnepfendreck, m. excrementa ex intestinis assatarum gallinaginum majorum, quae coqui pani illinunt et dominis apponunt. Frisch 2, 215b, vgl. Oken 5, 548. 7, 507. Krünitz 147, 499; geschätzter leckerbissen, daher sprichwörtlich: schnepfendreck ist der beste schleck, schnepfendreck und pasteten sind dem bauer nicht vonnöthen. Wander 4, 305; ich legte in Wien ein hübsches magazin von schnepfendreck an, aber ich setzte nichts ab, aus mangel an schnepfen. J. Paul Titan 2, 93.
 
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schnepfenei, n.:

und dem Wäinämöinen selbst
flossen thränen aus den augen, ...
gröszer noch als schnepfeneier.
Platen 155b.


 
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schnepfenfalle, f. vorrichtung zum fange der schnepfen, s. Döbel 2, 179 f. Behlen 5, 536.