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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schneller bis schnellerung (Bd. 15, Sp. 1300 bis 1303)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schneller, m. der schnellt, mhd. sneller Lexer mhd. handwb. 2, 1032.
1) persönlich.
a) sneller, pharetratus (wol 'bogenschütze') Dief. 225b (von 1482). ähnlich in lanzenschneller Voss Ov. 2, 266.
b) im älteren artilleriewesen: item die schneller sollen auch unter jhnen haben einen vorgeher, den man die (sc. der, den?) schneller zeugmeister nennt, der hat unter jhm acht personen, die werden die schneller genannt, deren ampt und befelch ist, dasz sie die groszen stück büchssen von einem wagen auff den andern heben, auch die büchssen, so es not ist, helffen schmieren, die zeug und ander munition helffen auff und abladen. Fronsperger kriegsb. 1 (1578), 88a, qui tormenta post usum recolligit reficitque. voc. von 1618 bei Schm.2 2, 576, ol. machinator tormentorum bellicorum Frisch 2, 215a (mit verweisung auf die stelle Fronspergers). Jacobsson 7, 263b. die bezeichnung bezieht sich augenscheinlich auf stoszendes, schiebendes bewegen der lasten. auch in der folgenden stelle scheint

[Bd. 15, Sp. 1301]


sie vorzuliegen: zu sampt jhren feldzeugmeistern, schantzmeistern, zeugwarten, wagenburgmeistern, pulverhütern, zeugdienern, schnellern. Garg. 201a. ähnlich heiszen schneller landschaftlich bestellte leute, die den fuhrleuten beim bepacken der güterwagen helfen, so in Nürnberg Schm.2 2, 576, in Tirol Schöpf 640. lendschneller sind dort die, die an der lend, dem landungsplatz, von den schiffen, flöszen waaren ab- oder aufladen. ebenda. hierher gehört vielleicht die folgende stelle: hauszknecht, koler, roller, keller, schneller Fischart groszm. 78 (12 neudr.).
c) bursche, der beim fahren hinten auf dem wagen steht, um ihn bei gefahr des umfallens auf die entgegengesetzte seite zu schnellen Schm.2 2, 576.
d) wagenschneller, wol betrügerischer verkäufer, der die wage schnellt, durch einen stosz zu falschem anzeigen bringt: wagenschneller, elenschmeler, diebische becken. Fischart groszmutter 88.
e) im allgemeineren sinne von 'betrüger, preller', circumscriptor, falsarius, doli machinator, sycophanta Stieler 1890. vgl. DWB schnellen I, 1, b, α, ββ.
f) talitro percutiens Stieler 1890. vgl. DWB schnellen I, 1, b, γ. von hier oder von e aus vielleicht freier wie 'gaukler, fingerfertiger zauberer oder spieler': pfeiffer, sprecher, fidlär und singär, lautnär, snellner, loterpfaffen, gärndler und spekchlötter, pürczlär, gaugklär, springer et omnes tales plebanus absolvit. quelle bei Schm.2 2, 576.
2) als bezeichnung eines schnellen pferdes, rennpferdes, sneller, alipes. quelle von 1420 bei Lexer mhd. handwb. 2, 1032. vergl. DWB schnellen III, 1 und 2.
3) von dingen, besonders von geräten, meist nach schnellen I, 1 oder III, 1.
a) gerät, mit dem einer geschnellt, geprellt wird, furca excussoria cum corbe, poenae genus Scherz-Oberlin 1425. Schm.2 2, 575. vgl. DWB korb II, 4, b oben th. 5, 1803 und schnellen I, 1, b, α, αα: auff die zeitt macht man den becken schneller über die lachen bey sant Ulrich: welcher nit recht prot bch von zuig oder von gewicht, den liesz man in ain korb vallen in die lachen und erschnit im sein prot dar z. d. städtechron. 4, 324, 5 (Augsburg, von 1442); man hett hie den becken ainen schneller gemacht vor sant Ulrich über die lachen, und welcher peck z ring pachen hett, den satzt man in ainen korb und fiel da in die lachen. 22, 81, 12 (vom gleichen ort und jahr); es war diser zeit der brauch zu Regenspurg (wie bei meinen zeiten zu Wien in Österreich), wen ain peck zu clain prot puech, straft man in, setzt in auf ein sneller, lies in in ain pfützen oder kotlacken fallen. Aventin 2, 443, 22 Lexer; dem (felddiebstahl) nun zu begegnen ist unser ernstlicher bevelch, dasz unser amptleüt auff jungs, unnutz, diebisch gesind, ein fleiszig aufmercken haben lassen, und wa etliche derselben betreten, mit der straf so etwan geweszt, als setzen in ein korb oder schneller, und in ein wasser herabfallen ... strafen lassen. quelle von 1552 bei Birlingfr volksth. aus Schwaben 2, 231, 253. wiederholt in einer quelle von 1621. 232, 254.
b) der gak (kak), das narrenheuslein, catasta clathrata, gyrgatus Stieler 1905. vgl. DWB kak 2, theil 5, 48.
c) dasselbe wie schnellbank Stieler 1905. Adelung.
d) schlagbaum, fallgatter, bewegliche schranke Schm.2 2, 576 (Nürnberg): auch wart esz bestalt mit unsers hern rex marscholk, das er und sein untermarschalk und ander rex diener bey der thur, da rex eingelassen wart, und bei den snellern fur dem thor warten und niemant einlieszen, dann die erbergen mit wenig dienern. d. städtechr. 3, 366, 2 (Nürnberg, 1440); also waren die schneller verspert, und die unsern musten abvallen und zu fusz durch die schrancken chomen. 2, 217, 3 (Nürnberg, 1450); item so waren bei ieder reiden 10 schützen bestelt, die alle tag dabei musten sein und warten, und die auf und zu musten thun die reiden oder schneller. 274, 17; nun auch am pfintztag früe vor des wirdigen heiltumbs weisung tag, so soll der stat paumeister bestellen und under alle thore innen und auszen an alle schneller zugseil geben und doran machen lassen. Tucher baumeisterb. 130, 36; so ist in dem nechst vergangen Nuremberger krieg oder reis ein lantwer mit schrancken auff peden seitten umb die stat gemacht worden und dabei an den stroszen, so durch dieselben lantwer gingen, hüt- oder wachheuslein und gatter oder schneller darvor gemacht, die man versperren mocht. 210, 23; die gruben, dorein die sneller hinten gen. 296, 16; da slug der zollner oder die wachter den sneller für und

[Bd. 15, Sp. 1302]


behielt sie in der mausvallen. d. städtechron. 11, 563, 23 (Nürnberg, 1491). schlagbaum gegen vogeldiebe Heppe wohlred. jäger 266b.
e) sich an d anschlieszend, vectis portarum. voc. von 1618 bei Schm.2 2, 576, obex, pessulus, fibula, uncus, hamus Stieler 1890.
f) beim vogelfang übliche einrichtung, schneller an dem sprenkel, ligula Stieler 1905. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 631a, bügel oder bogen, die zu den aufschlägen in den vogelschneiszen gebraucht werden Jacobsson 4, 25a, spannholz der netze am vogelherd, aufschlag Kehrein weidmannsspr. 35, auch sprenkel im sinne von 'schnellfalle' Heppe wohlr. jäger 44b: (niemand soll im reichswalde vogelherde haben und) darjnn keinerley strick, schrentz, poglein, vallen, sneller oder dergleichen legen. Nürnb. polizeiordn. 313; die wände (des vogelherds) wurden mit gewichten aufgezogen oder aufgeschnellt, und mit schnellern herunter gehalten und gestellt, dasz sie auch fast wie ein schneller an der büchse abzuziehen waren. Döbel jägerpract. 2, 218a; und weil auch der länge wegen die wände (des vogelherds) sich desto leichter rucken, wenn schwipp-stöcke und schneller daran gemacht würden; so will ich hier eine invention angeben, wie sie auf diese art auch leichte zu machen und zu rücken seyn. 3, 170a.
g) der abzug an einer schuszwaffe, die vorrichtung zum abdrücken, schneller an der büchse, sive büchsenschneller, ligula Stieler 1905. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 631a, abdruck Heppe wohlred. jäger 266b, an dem schlosse eines feuergewehrs der theil, der den hahn bei der geringsten berührung abschnappen läszt Adelung. Jacobsson 4, 25a, die in einem feinen draht bestehende vorrichtung zum abfeuern am stutzengewehr Schöpf 640. auch der stecher Adelung, eine feder im büchsen-schlosz, welche den hahnen auf einen punct bringt, dasz er leichtlich kan abgedrückt werden. Frisch 2, 215a: niemand nimt sein schönes rohr in die hand, dasz er nicht zum wenigsten den schneller daran stechen und wieder loszziehen solte. Riemer polit. stockf. 49. vgl. auch die unter f angeführte stelle Döbel jägerpract. 2, 218a. bildlich: dat is mit 'nen dubbelten sneller, das ist so künstlich gemacht, dasz es im gebrauche nicht versagen kann Dähnert 438a.
h) in der gaunersprache die ganze schuszwaffe Avé-Lallemant gaunerth. 4, 602. vgl. DWB schnellen I, 1, a, δ.
i) vorrichtung am haspel, die durch schnellen, einschnappen eines zahnrades, die zahl der haspelumdrehungen anzeigt Hunziker 227, auch ein haspel mit solcher vorrichtung Schm.2 2, 576. daher dann die zahl der umdrehungen des haspels bis zum jedesmaligen einschnappen des schnellers als garnmasz, ein gebinde von 800 haspelumdrehungen (1600 ellen) Hunziker 227, von 1000 Tobler 395a, von 400 fäden Schmid 474, von 240 Schm.2 2, 576. ein gesetzlich giltiger Augsburger weberschneller muszte 700 fäden haben Birlinger 400b: ich bringe aber nicht mehr als 12 schneller heraus. Schillers mutter 135 Müller; man nennt nun die zahl von tausend umgängen (des haspels) einen schneller, nach deren gewicht die verschiedene feine des garns gerechnet wird. Göthe 23, 55; die schlanke fleiszige spinnerin behauptete 4 auch 5 schneller, das wären 5000 umgänge, also 8 bis 9000 ellen garn täglich am rad zu spinnen. ebenda. einer quelle von 1784 zu folge werden von jeder (genesenen) kindbetterin 6 kr. und 1 schneller geopfert. Birlinger 229b.
k) ein kleines bewegliches klötzchen an der lade des webstuhls zum treiben der schnellschütze, treiber, vogel Karmarsch-Heeren3 7, 777.
l) bei den flöszern ein seil von 2 zoll im umkreise, bestimmt, mehrere kuppel von hölzern an einander zu machen Behlen 5, 524.
m) aderlaszschnäpper Stalder 2, 343.
n) marmor - oder lettenkügelchen, wie sie von der spielenden jugend in grübchen geschnellt werden Schmid 474. vgl. DWB schnellen I, 1, a, γ.
o) bóneschneller, elastisches stäbchen, womit die kinder beim grübchenspiel die bohnen fortschnellen Hunziker 227.
p) fadenförmiger körper an den lebermoosen, der die samen fortschnellt Campe.
q) harnschneller, samenschneller, bezeichnung von muskeln.
r) penis Hertel thür. sprachsch. 217:

hie ent sich der preller
und ist geheiszen der sneller,
der da hanget alleyne
da nyden bey dem beyne.
Keller erzähl. 411, 14.


4) schnellende bewegung, besonders
a) ein schlag mit den fingern, schnippchen, talitrum Schottel 1406. Stieler 1890. 1905; schneller auf die nase, auf die stirn Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 631a, mit einem finger Frisch 2, 215a, nasenschneller

[Bd. 15, Sp. 1303]


Stieler 1905. Wachter 1451. s. DWB schnellen I, 1, b, γ: einem einen schneller geben, dar' un frignoccolo ad uno Kramer 631a; einen schneller thun, far, dar' uno scatto. ebenda; etwas mit einem schneller zerbrechen, nervo digiti conctracto et relaxato conterere aliquid Frisch 2, 215a. auch ein kurzer schlag, stosz überhaupt Hügel 142b: ich habe immer gedacht eine einzige blume müsse all' dies beschämen, und ein einziger maikäfer müsse durch einen schneller, den er einem philosophen an die nase giebt, sein ganzes system umpurzeln. Bettine briefe 1, 329.
b) in der musik ein kurzer vorschlag Jacobsson 7, 263b.
c) weidmännisch ein ruck mit der leine oder dem hängeseil Heppe wohlred. jäger 266b. Kehrein weidmannsspr. 262. vergl. DWB schnellen I, 1, b, β.
d) unsinnlich, list, schnäller, fallacia, machina, fabrica, palpum, sycophantia, glaucoma, stragula et decipula, omnisque dolus et ludificatio Stieler 1890: es fällt mir ein schneller ein. Lessing 1, 553; einem einen schneller machen, einen streich, possen spielen: nun hätte ich mich auf dessen worte über alles verlassen, aber hören sie, was er mir vor einen curieusen schneller machte. Darbennime 338. auch im sinne von possen, lustige geschichte, schnurre: die compagnie lachte über diesen schneller recht hertzlich. 302.
5) als pflanzen- und thiername.
a) die klatschrose, kornrose, papaver rhoeus Pritzel - Jessen 264a (Augsburg), grindmagen, klapperrosen, kornblum, schneller, papaver rubrum, μήκων ῥοίας, papaver erraticum Henisch 1746, 36.
b) der schwarze ackerkümmel, auch kornrose genannt, lychnis githago. quelle von 1521 bei Pritzel-Jessen 225b.
c) eine käferart, species von elater Hunziker 227, wegen der schnellenden bewegung.
 
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schnellerchen, n., dimin. zum vorigen, in Leipzig bezeichnung der grünen samenknöllchen der kartoffel, weil sie an eine spitze gerte gesteckt und fortgeschnellt werden Albrecht 204b. vgl. DWB schneller 3, n.
 
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schnellergehäuse, n. an den kugelbüchsen das gehäuse, in dem sich der schneller, stecher befindet Adelung (unter schneller). vgl. DWB schneller 3, g.
 
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schnellerhaken, m. haken am schneller des vogelstellers. vgl. DWB schneller 3, f: die gedachten schnellerhaken schlägt man oben auch an den forder-stäben dicht dran ein. Döbel jägerpract. 3, 171a.
 
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schnellerkäfe, f. bei Oken 3, 1724 heiszt so die gattung guilandina der cassien. vgl. DWB schneller 4, a und b.
 
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schnellerkugel, f., s. DWB schnellkugel.
 
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schnellermarkt, m.: dasz bey theils städt und märkten vor alters gewisse wochen- und schnellermärckt, auch traidtschrannen gewesen, aber seit den kriegszeiten von denen landsunterthanen nit mehr gebaut worden. quelle von 1748 bei Schm.2 2, 576. dort auf schneller als garnmasz (s. dieses 3, i) bezogen.
 
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schnellern, verb., weiterbildung zu schnellen. 1) transitiv, im sinne von I, b, γ schnelleren, talitris nasum, frontem, etc. ferire. Stieler 1890. 2) reflexiv, im sinne von II, b in sich verschnellern.
 
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schnellerofen, m. ein zum kalkbrennen dienender trichterförmiger ofen, trichterofen. Karmarsch-Heeren3 2, 202.
 
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schnellerschleife, f. bezeichnung verschiedener arten von vogelschlingen Behlen 5, 524. vgl. DWB schneller 3, f.
 
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schnellerung, f. zu schnellern, beschleunigung Frischbier 2, 303b, gewöhnlich verschnellerung. s. DWB schnellern 2.