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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schneikerei bis schneizen (Bd. 15, Sp. 1284 bis 1286)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schneikerei, f. wiederholtes schnobern, genäschiges spüren, für schneukerei: und gat recht der schneikery nach. Keisersberg brösaml. 1, 41a.
 
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schneikericht, adj. gern schneikend, spürend: zu dem ersten so ist ein mensch versumlich, hinlessig, so wirt es darnach schneikerecht, usschweifig. Keisersberg brös. 1, 41a; mundartlich sonst schneickisch, schnäuggisch Stalder 2, 342; schwäb. schneickig leckerhaft Schmid 474; schnaickig, schnaicklich, naschhaft, heikel Schm.2 2, 566.
 
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schneikern, verb. frequentativ zu schneiken: etwan würft sy die gunkel hinweg, und lauft darafter schneikern. Keisersberg spinn. b 6b.

[Bd. 15, Sp. 1285]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schneise, f. zweig, rute, zum anreihen gebraucht; altes gemeingermanisches wort, nicht überall bezeugt, und ohne anknüpfung an urverwandte sprachen. die ursprüngliche bedeutung des langen dünnen astes tritt in ags. snâs, snæs, spiesz, bratspiesz, altnord. sneis speiler, spreizholz, isländ. sneis, ramus arboris, paxillus Biörn Haldarson 2, 305b, zu tage; verwendet zum aneinanderreihen erlegter kleiner thiere in jagd oder fischerei, oder von früchten, auch für das räuchern von fleischstücken im schornstein; noch bair.: die schnaisen, baumreis, wiede, stäbchen, strohband, schnur, faden und dergl., woran mehrere gleichartige dinge zum verkauf oder gebrauch befestigt oder aufgereiht sind; schneise zwibeln Schmeller2 2, 583; schon in alter sprache als maszbestimmung auftretend; mittellat. VI snesas anguillarum, III escnasas nonougarum, quinque sneise piscium recentium qui vocantur albelle. ebenda; 24 snesas anguillarum du Cange 7, 502b; ähnlich mnd. snese Schiller-Lübben 4, 273a; die zahl der eine schneise ausmachenden gegenstände schwankt, nl. snees, vicenarius, viginti Kilian; niederd. snese, eine stiege, eine zahl von zwanzig. brem. wb. 4, 888; dän. schwed. snes, stiege, zahl von zwanzig; gegen nd.: siewen is ne snaise vull Woeste 245a; mhd. sneise schnur perlen Lexer handwb. 2, 1028; in weiterer und allgemeinerer bedeutung reihe, gröszere anzahl überhaupt: vorgenanter Sigengast, do sein geporn freund, sein tochter, sein enckel gepunden und gefangen vor dem sigwagen gefüert wurden, schaut er auch zue, trat auch in der schnais und sigskirchfart des römischen volks, doch mit groszen besundern êren, herein. Aventin chron. 1, 739, 28; am gestatten .. der Donau, sasz es, stuends, lags voller volks, weib und man, reich und arm, im harnesch, mit wer und plosz und ân wer ain lange schnais an ainer zeil nacheinander. 1058, 15; noch jetzt im bair. sprachgebiete von leuten, rossen, bäumen Schm. a. a. o.; in Kärnthen schnâse, schnoasen reihe, eine anzahl dinge in gerader linie Lexer 223.
 
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schneisze, f.
1) durchhieb durch den wald; entsprechend niederd. snête neben snete und snese ein (zum behuf des vogelfanges) durch das buschholz hindurch ausgeschnittener oder ausgehauener weg Schambach 199b; hess. schnaise durchhieb durch den wald Pfister nachtr. 206 f., wofür Vilmar 361 als ältere niederd. form schnede beibringt; am Unterharz schnaise, ausgehauener waldweg, offene, gerade strecke im walde, feuerlinie Liesenberg Stieger mundart 198; über ein verhältnis des worts zum verbum schneiden, das angenommen werden musz, da auch die form schneite, durch den wald gehauener weg, durchstich (mhd. wb. 2, 2, 442b) begegnet, und eine etwaige vermischung mit dem vorigen schneise fehlt es an klarheit.
2) schlinge zum vogelfang: schneisze oder schleife, aus drei pferdehaar gemacht und in einen bügel gebunden, solcher bügel mit drey schneiszen heiszet eine dohne. Schottel 1406; schneise, vogelfang in den büschen mit schlingen, als hessisch Frisch 2, 214b; dafür mit derselben bedeutung: schneide, schnaide, vulg. schnaat, im sächsischen und benachbarten gegenden, aucupium in fruticibus, in kleinen bögen an den bäumen mit schlingen oder donen, sprengeln, lauff-schlingen auf der erden, u. d. g. ebenda; schneiszen, neben schneiden, schneideln, schnaten Adelung; die mäschen, schleiffen oder schneiszen, wie sie von etlichen genennet werden, gehen alsobald an, wann die vögelbeer zeitig werden. Hohberg 2, 714a.
 
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schneiszenbeere, f. die vogelbeere, sorbus aucuparia: schneisenbeere Nemnich wb.
 
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schneiteler, schneitler, m. der bäume schneitelt; vgl. DWB schneideler, sp. 1250. dazu das fem. schneitlerin: (die göttin) Puta, die saubere schneitlerin, die solte ihnen glück und seegen geben, damit das reinigen und auszschneitlen an den bäumen glücklich von statten gieng. anm. weiszh. lustg. 9.
 
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schneiteln, verb. den bäumen kunstgemäsz seitenäste abnehmen, frequentativ zu folgendem schneiten, vgl. auch schneideln sp. 1250, schnatten sp. 1194 und aufschneiteln, ausschneiteln theil 1, 728. 958: abramescere, sneyteln, die zelgen besneyden Dief. 4b; einen baum schneidelen, sive schneitelen, arborem interputare Stieler 1902; weyden werden abgehawen, geschneitelt, gestümmelt. Daniel Schaller theol. heroldt (1604) 213; die weyden vor die hand nehmen, selbige zu schneittlen, zu schleyszen oder schlitzen. Zachers zeitschr. 17, 447;

in freyer luft die bäume singend schneiteln.
Overbeck Virg. 19;

Falerner reben schneitele der, dem es
Fortuna gab!
Stolberg 15, 325

(premant Calena falce, quibus dedit
Fortuna, vitem. Horat. Od. 1, 31);

[Bd. 15, Sp. 1286]


übertragen: schneiteln etiam metaphor. dicitur pro: bonis exuere. er hat mich stattlich geschneitelt, omnia mea commoda fregit, abrasit me opibus Stieler 1902.
 
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schneitelung, f. handlung des schneitelns (vgl. schneidelung): schneitelung der bäume, putatio arborum Sethi Calvisii thesaurus (1666) 30.
 
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schneiten, verb. den bäumen kunstgemäsz seitenäste abnehmen; bildung zum starken verbum schneiden mit grammatischem wechsel, ahd. sneitôn, gasneitôn (Graff 6, 844), mhd. sneiten; auch mit schneiden vermischt und so geschrieben, vgl. oben sp. 1252: putare schnaitten Dief. 474b; vergl. auch ausschneiten theil 1, 958; und hiesz einen hohen baum schnaitten und in (einen verräter) darauf zihen und allein da henken über die andern. d. städtechron. 3, 151, 14; alle die, so zaunring wellen machen, sollen die poschen nit umbhauen, sonder schon abhauen und schnaiten und die öst haimbtragen. tirol. weisth. 1, 130, 2; ein gleiches hat sich zwar fir sich selbst auch zu verstehn von dem paum schnaiten, doch wird denen nachperen im fall der noth .. zuegestanden, mit verschonung der scheneren stämmen, die dickere poschen unden her gegen den poden etwas zu schnaiten. 266, 14; pelzen, umbsetzen, mäen, schnaiten. Aventin chron. 1, 120, 10; die gartenbäum werden offtermals unvorsichtig gestümmelt und geschneittet. Hohberg 1, 420a; denen drey hauptästen werden die nächsten schöszlinge weggeschneittet. 2, 414a;

dieweil es in blüender jugend
aufwuchs wie ein ungschnayter paum.
H. Sachs fastn. sp. 2, viii.

bair. schnaiten, behauen, beschneiden eine hecke, einen weinstock, einen baum, auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann- oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm.2 2, 584; schweiz. schneiten, bäume, hecken beschneiden, tannenreisig, stroh zu häckerling schneiden, bildlich auch im schnellen gehen sich von einer seite zur andern drehen, oder mit vorgebogenem leibe die arme hin und her längen lassen Stalder 2, 342.
 
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schneizen, verb., wie schneiten, und iterativbildung dazu: die fruchtbare bäum soll er säubern, schneitzen, behawen und umbhawen, im abnemmenden mon, auff das sie noch mer tragen. Sebiz 48; alsbald sie inn den forst kamen, und jm die roszbremen ein schlacht lifferten, und dapfer den sturm anlieffen, zog er seinen schwantz von leder, scharmützelt mit jhnen, schnitzelt und schneitzet jnen so gewaltig, dasz er den gantzen wald, alle bäum, stock und stauden, das hoch und nider gehöltz .. niderschlug. Garg. 147a;

ze unrechter zit schniden und schnaizen. teufels netz 11243.