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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schneidezeug bis schneidigkeit (Bd. 15, Sp. 1279 bis 1280)
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[Bd. 15, Sp. 1279]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schneidezeug, schneidzeug, n. bei den handwerkern geräte verschiedener art, die zum schneiden dienen; so werkzeug des drechslers und metallarbeiters, womit die schrauben geschnitten werden, auch schneideeisen (s. d.) genannt. Eggers kriegsl. 2, 832; ferner die schneidescheibe (s. d.) des uhrmachers zum schneiden der räder; in papiermühlen die maschinen, mit denen die lumpen zerschnitten werden Jacobsson 4, 24a; grabeisen, schroteisen, schneidzeug Corvinus fons lat. 101b. ein sehr guter, reiner stahl, der bei der herstellung von sensen nur für die eigentliche schneide gebraucht wird Scheuchenstuel 216; gerät des steinschneiders: schöne zencklein .., die der wind poliert und abeckt, das sie jr rechte abtheilung und gleiche seiten .. haben, wie die edlen gesteine, als het sie Bezaleel an seinem schneidzeug, mit schmirgel unnd demant pulver abgezogen. Mathesius Sar. 33a; der töpffer hat seine scheibe, .. wie der steinschneider sein schneidzeug und redlein hat. 196b.
 
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schneidezirkel, schneidzirkel, m. zirkel, dessen einer schenkel mit einer schneide versehen ist, so dasz man damit einschneiden und das abgezirkelte abtrennen kann Campe; namentlich gebraucht, um blech damit auszuschneiden Karmarsch-Heeren3 1, 543.
 
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schneidflamme, f. bezeichnung für schienen von sehr gutem stahl, aus denen die schneiden der sensen gefertigt werden Karmarsch-Heeren3 7, 775.
 
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schneidflatterer, m. desmodus, fledermaus Leunis synopsis der naturgesch. des thierreichs2 § 84, 5.
 
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schneidhaft, adj. sartorius, scissilis, fissilis, sculptilis, acutus, acer Stieler 1901.
 
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schneidhammel, m. in der gaunersprache die schere Avé-Lallemant 4, 602.
 
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schneidhammer, m. im bergbau die doppelkeilhaue Veith 424.
 
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schneidhans, m. in der gaunersprache schere jeder art Avé-Lallemant 4, 602.
 
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schneidhaus, n. in älterer sprache ein haus, in dem operationen an kranken vollzogen wurden: ein aignes schneidthaus (wurde) .. aufgericht, darein allein die brechhaften leut an allerley brüchen curiert auch die am stain geschnitten worden. quelle bei Schm. 2, 571.
 
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schneidig, adj. und adv. mit schneide versehen; mhd. snîdec, snîdic; hochdeutsch ableitung vom ersten fem. schneide (s. d., sp. 1245), doch zeigt die mhd. form sneidec, sneitec sich als ableitung vom zweiten schneide (sp. 1248); niederd. ein ähnliches verhältnis; mnd. sneidich, snedich, adv. sneideliken, sneidigen Schiller-Lübben 4, 272a; neuniederd. sneidig Richey 273, sniedig Schütze 4, 143. eine form schneidicht ist wenig bezeugt: schneidicht neben schneidig Stieler 1901.
bedeutung und gebrauch.
1) in activem sinne.
a) eigentlich eine schneide, schärfe habend, von waffen oder schneidenden geräten: schneidig acutus, acer Stieler 1901; schneidig acutus Steinbach 2, 477;

Tristan unde Lifrenîs,
die helde manlîch unde wert,
ir scharfen snîdegen swert
zucten von den sîten.
H. v. Freiberg Trist. 6212;

durch reichen helm und panzer hart
es (das schwert) schneidig hieb und drang.
Herder 25, 484 Suphan;

was spielt ihr mit dingen,
die schneidig und spitz? wunderh. 1, 65 Boxberger.

häufig in zusammensetzungen: einschneidiger degen machaera cum dorso, ein sweyschneidig schwert gladius anceps, scharfschneidicht exacutus Stieler 1901; scharffschneidig cultellatus, peracutus Steinbach 2, 477; ein zweischneidig schwert. richter 3, 16; mit dreischneidigem pfeil treffen. Voss Ilias 5, 393; in der bedeutung spitz:

der snabel ist im sneidic. Tundalus 53, 10.

bildlich:

die selbe minne treit vil strâle snîdich
die die hertze gar verhowent. jüng. Titurel 3969.


b) übertragen von dem, was einer schneide ähnlich ist: bair. e schneidigs ros, ein pferd mit scharfer rückenkante Schm. 2, 572.
c) von dingen, die eine dem schneiden ähnliche wirkung hervorbringen, z. b. von herben oder scharfen getränken, wein und dergl. Castelli 247:

hurtâ, geselle, daʒ ist wîn,
den wir sehen vür uns tragen! ...
er ist snîdec linde klar! Seifr. Helbling 13, 107.

von starker kälte: 'n sneidigen kolde ten Doornkaat Koolman 3, 242b; von scharf klingenden tönen:

die sehne schnellt er nun mit macht;
laut, wie der harfe höchste saite,
erklang der schneid'ge ton ins weite.
Kinkel Otto der schütz (1877) 22.

[Bd. 15, Sp. 1280]



d) in bezug auf seelisches vermögen; so von scharfem, eindringendem verstand: een sneidigen kopp Richey 273. brem. wb. 4, 887; hê hed'n sneidigen ferstand. ten Doornkaat Koolman 3, 242b; daher geradezu schlau, listig, verschlagen auch in schlechtem sinne Schiller-Lübben 4, 272a; adv. niederd. sneidigen, sneideliken, auf listige, schlaue weise 272b; astutus, sneydich, snedych Dief. 57a; vgl. dän. snedig in gleicher bedeutung, und die mhd. verwandten formen sneitig astutus Lexer mhd. handwb. 2, 1028; snytig versutus Dief. nov. gloss. 379b: de bose gheist is bauen mate sneydich. quelle bei Schiller-Lübben 4, 272a; de slanghe was sneydigher wen alle de derte der erden. ebenda; alsus is dyt boek .. van den logeneren unde bedregers, de myt loszheyt mannygen schenden, so hyr na wert ghesecht van deme sneydygen lystygen vosse. Reinke de vos, 2. vorrede; auch in der bedeutung mutig, entschlossen, rasch und kräftig im handeln; in dieser bedeutung früher gebraucht und weiter verbreitet als das entsprechende subst. schneid, s. d. und das erste schneide 2, c: sneidig in wesen un wôrden. ten Doornkaat Koolman 3, 242b; der director der genossenschaft, h. Feierabend, ein einfacher, aber auszerordentlich tüchtiger arbeiter und nebenbei ein schneidiger, gewandter redner. Frankfurter journal 1872; da wird darauflosbefohlen, schneidig die reifliche überlegung durchhauen, durch die schneidige that das ereignisz erzwungen. gegenwart bd. 35, 389a.
e) von der vorigen bedeutung auf äuszere eigenschaften übertragen, von schnellen, kräftigen, mit nachdruck ausgeführten bewegungen:

er schwinget so schneidig sein blitzendes schwert.
Arndt (1860) 280.

ähnlich: een sneidigen gang. brem. wb. 4, 887. Schütze 4, 143; schneidig lopen. Stürenburg 228b. von thieren: ein schneidiges pferd. Schm. 2, 572. Hügel 142b. von dingen, die sich bewegen: dat schipp geit sneidig fort, es segelt scharf. Richey 273; daher auch schlank, zierlich, wolgebaut, gegenüber dem dicken und plumpen, besonders im niederd. een sneidigen vent; een sneidigen boom, ein schlank gewachsener baum. brem. wb. 4, 887. von der kleidung, anschlieszend: dat tüg sit em sneidig, die kleidung sitzt ihm knapp, nicht weit und schlotterig. ebenda.
2) in passivem sinne, was sich schneiden läszt, prägnant was sich leicht schneiden läszt: schneidig, das sich gern schneiden und hauen läszt, sectile. Calepinus dict. septem linguarum 1392. besonders im bergbau von einem gestein: schneidig, im bergwesen, heist ein gestein, welches leicht zu gewinnen, terra metallica quae laborem fossoris non difficilem facit. Frisch 2, 214c; in gleicher bedeutung noch jetzt schneidig, geschneidig neben schnätig, schneidig, gebrech. Veith 230. 424; gegensatz: unzerschneidig atomos Dasyp., jetzt unschneidig, von festem gestein Veith 514. in der bedeutung schnittreif, reif zum ernten, von korn und dgl. ist schneidig auf die ältere sprache beschränkt; schnidig, zeitig, messis Dief. 359a; dafür ist heute in einigen mundarten die verwandte bildung schnittig im gebrauch Schöpf 641. Schütze 4, 140.
 
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schneidigkeit, f. zum vorhergehenden gehörig, doch in der bedeutung eingeschränkt.
1) vorwiegend niederd. sneidicheit, snedicheit geschicklichkeit, klugheit, auch in schlechtem sinne list, schlauheit Schiller-Lübben 4, 272b; ebenso dän. snedighet verschmitztheit. vgl. DWB schneidig 1, d;

wente ik wyl al dar na rynghen,
dat ik en sneydecheit wil leren,
dat se mi de wedder vorkeren
de unsen willen hadden dan
unde unser lere sint ave stan. Redentiner ostersp. 1238 Schröder.


2) in anlehnung an schneidig 1, d in moderner sprache, entschlossenheit, mut, thatkraft: trefflich, wenn neben wägender vernunft, verantwortungsgefühl und begeisterungsfähiger menschlichkeit auch schneller entschlusz, körperliche selbstzucht, kühne thatkraft, helläugiger lebensmuth, mannhaftes einstehen einherschreiten, was alles man eigentlich unter schneidigkeit verstehen sollte. gegenwart bd. 35, 389a.