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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schneidern bis schneiderschild (Bd. 15, Sp. 1275 bis 1276)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schneidern, verb. schneiderarbeit verfertigen, sartoris opificium exercere Frisch 2, 214b; sich durch schneidern seinen unterhalt verdienen, den ganzen tag schneidern. Campe; schweiz. schnidere Seiler 260a, niederd. snidern Schambach 199b; schneidern gehen, in die häuser gehen, um dort die kleidung der kunden anzufertigen, nach dem heutigen sprachgebrauch vorzugsweise von schneiderinnen gesagt. Frischbier 2, 303b, niederd. ut sniedern gaan Schütze 4, 142; schneidern auch als schneider arbeiten ohne das meisterrecht zu besitzen Frischbier 2, 303b; landschaftlich mit veränderter auffassung, schneiderarbeit machen lassen, z. b. er schneidert bei mir, er läszt bei mir seine kleidung anfertigen, ich bin sein schneider Schmid 474. — die schriftsprache verwendet schneidern im oben angegebenen handwerklichen sinne; eigentlich, ohne object: lustige vorfälle, welche sich in den dörfern ereignet, wo meister und geselle geschneidert hatten. G. Keller 1, 357; mit object: selbst dieser Ferdinand ist ihnen (den Spaniern) zu liberal; sie halten sich an seinen bruder, der, während er in Frankreich gefangen gehalten wurde, am stickrahmen sasz und damenanzüge schneiderte. Lenau ged. aus d. nachlasz (1841) 59. bildlich: er (Kotzebue) kennt als garkoch seinen profit und seine gäste — und schneidert und näht nach herzenslust, mit fleisziger benutzung alter lappen und

[Bd. 15, Sp. 1276]


flicken, und dreymaligem umwesenden der röcke. deutsches museum 3, 80;

sein (Bodmers) affe schneidert schon ein ontologisch kleid
dem zärtlichen geschmack zur mascaradenzeit.
Lessing 1, 182;

sie ist vielleicht dieselbe Tibetanerin,
von welcher neulich mitgetheilt ein reisender,
dasz sie die künftige heldin eines trauerspiels
des dichters wäre, der die Schuld geschneidert hat.
Platen 274.

unpersönlich: der schneider, sagt ihr? wahrhaftig, da kommt ihr mir recht! beym element! es schneidert sich nichts. Wieland 11, 236. vgl. auch zurecht-, zusammenschneidern.
 
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schneidernadel, f. dreikantige nadel, deren sich die schneider bedienen Campe, acus Corvinus fons lat. 6b. Jacobsson 4, 22b. s. das folgende.
 
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schneiderpfriem, m. subula: schneiderspfriem Stieler 1450; auch schneiderspfrieme, -pfriemen als masc. und fem., vgl. theil 7, 1793.
 
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schneiderpletz, m. schneiderlappen, schneiderfleck (s. d.); übertragen, schwäb., nudeln in platter, breiter form Schmid 474.
 
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schneiderrechnung, f. rechnung des schneiders über die von ihm verfertigte arbeit. Campe.
 
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schneiderritt, m. bildlich: einen schneiderritt machen, unverrichteter sache abziehen. Schöpf 548.
 
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schneiderrolle, f. urkunde, welche die satzungen der schneiderinnung enthielt, s. Weinhold deutsche frauen2 1, 191.
 
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schneiderschenke, f. herberge der schneider; scherzhaft als name eines brunnens in Leipzig. Albrecht 204b.
 
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schneiderschere, f. eine grosze, starke schere, womit die schneider die kleidungsstücke zuschneiden. Jacobsson 4, 22b, mhd. snîderschære, forfex, sniderschere, schniderschere Dief. 242c, schneyderschär Maaler 359d, schneider - scheer, forfex major quo sartores utuntur Frisch 2, 214c;

dar an (an dem banner) ich wainn daʒ gemalet war
mit einem spul ein sneyderschär.
Wittenweiler ring 51c, 36.


 
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schneiderscherz, m. scherz, wie ihn ein schneider macht; übertragen, in bezug auf das zustutzen und künstliche beschneiden von bäumen und hecken:

von der scheere fallen blätter,
fallen blüthen, welch ein schmerz!
Asmus, unser lieber vetter,
nennt es puren schneiderscherz.
Göthe 3, 59.

von der umformung und entstellung der volkslieder:

purer puter schneiderscherz
und trägt der scheere spur
— nichts mehr vom groszen vollen herz
der tönenden natur.
Herder 25, 333 Suphan.


 
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schneiderschild, n. aushängeschild an einem schneiderladen:

mit farben angethan, der krantz hängt übergüld,
als wie vors schneiders hausz das bunte schneider-schild.
Rachel sat. 110.