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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schneiderlich bis schneidern (Bd. 15, Sp. 1275)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schneiderlich, adj. adv. nach art eines schneiders, wie schneiderhaft meist in verächtlichem sinne gebraucht.
 
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schneiderlied, n.: wie ich später erfuhr, hatte Bellin herrn Sterzing .. gebeten, eins von seinen schönen schneiderliedern sauber abgeschrieben bereit zu halten. Ludwig 2, 444.
 
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schneiderlohn, m. n. lohn, bezahlung des schneiders: fur claider, fur schuh, fur schneiderlun und sünst fur allerlai. Tucher haushaltb. 140.
 
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schneidermädchen, n.:

er (der liebesgo't) sieht stolz um sich her, wie seine pfeile fliegen,
wie helden untergehn, und tänzerinnen siegen;
wie der bestrickte graf das schneidermädchen liebt,
und wie der fräulein herz dem schreiber sich ergiebt.
Zachariä renommist 2, 99.


 
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schneidermamsell, f. mädchen, welches in familien schneidern geht. Albrecht 204b; auch als scheltwort gebraucht.
 
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schneidermäszig, adv. nach art eines schneiders, besonders in spöttischem sinne: Serlo lobte besonders an ihm (dem darsteller des geistes im Hamlet), dasz er nicht so schneidermäszig gejammert .. habe. Göthe 19, 210.
 
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schneidermäuslein, n. name des schneidermuskels (s. d.). Adelung.
 
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schneidermeister, m. der das schneiderhandwerk selbständig betreibt: wir die snydermeistere der statt zu Landaue haben .. unser gezunffte ingesiegel gehenckt an diesen brieff. Mone zeitschr. 13, 165; es sol kein snidermeister cleider tragen, die zweyerley varben sind. 304; die ganzen vierzehn tage her, dasz ich ihn (den staar) habe, .. gab er nicht einen laut von sich, so schwer fiel es dem burschen, den umgang seines frühern herrn, des krummen schneidermeisters, .. zu vergessen. Mörike 3, 139;

ein snîdermeister muoste bî in dinne sîn. Lohengr. 2395.


 
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schneidermetze, f. die wasserjungfer, libellula Nemnich 3, 516; vgl. schneider 3, h.
 
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schneidermuskel, m. muskel, durch den das schienbein nach innen gebeugt wird, so genannt, weil er besonders den schneidern beim unterschlagen der beine dient, musculus sartorius Nemnich 3, 1225. Campe; vgl. auch schneidermäuslein.
 
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schneidern, verb. schneiderarbeit verfertigen, sartoris opificium exercere Frisch 2, 214b; sich durch schneidern seinen unterhalt verdienen, den ganzen tag schneidern. Campe; schweiz. schnidere Seiler 260a, niederd. snidern Schambach 199b; schneidern gehen, in die häuser gehen, um dort die kleidung der kunden anzufertigen, nach dem heutigen sprachgebrauch vorzugsweise von schneiderinnen gesagt. Frischbier 2, 303b, niederd. ut sniedern gaan Schütze 4, 142; schneidern auch als schneider arbeiten ohne das meisterrecht zu besitzen Frischbier 2, 303b; landschaftlich mit veränderter auffassung, schneiderarbeit machen lassen, z. b. er schneidert bei mir, er läszt bei mir seine kleidung anfertigen, ich bin sein schneider Schmid 474. — die schriftsprache verwendet schneidern im oben angegebenen handwerklichen sinne; eigentlich, ohne object: lustige vorfälle, welche sich in den dörfern ereignet, wo meister und geselle geschneidert hatten. G. Keller 1, 357; mit object: selbst dieser Ferdinand ist ihnen (den Spaniern) zu liberal; sie halten sich an seinen bruder, der, während er in Frankreich gefangen gehalten wurde, am stickrahmen sasz und damenanzüge schneiderte. Lenau ged. aus d. nachlasz (1841) 59. bildlich: er (Kotzebue) kennt als garkoch seinen profit und seine gäste — und schneidert und näht nach herzenslust, mit fleisziger benutzung alter lappen und

[Bd. 15, Sp. 1276]


flicken, und dreymaligem umwesenden der röcke. deutsches museum 3, 80;

sein (Bodmers) affe schneidert schon ein ontologisch kleid
dem zärtlichen geschmack zur mascaradenzeit.
Lessing 1, 182;

sie ist vielleicht dieselbe Tibetanerin,
von welcher neulich mitgetheilt ein reisender,
dasz sie die künftige heldin eines trauerspiels
des dichters wäre, der die Schuld geschneidert hat.
Platen 274.

unpersönlich: der schneider, sagt ihr? wahrhaftig, da kommt ihr mir recht! beym element! es schneidert sich nichts. Wieland 11, 236. vgl. auch zurecht-, zusammenschneidern.