Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schneidergeschäft bis schneiderhölle (Bd. 15, Sp. 1272 bis 1273)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schneidergeschäft, n. 1) gewerbe, thätigkeit eines schneiders. 2) laden, in welchem mit schneiderwaaren gehandelt wird; s. DWB schneidergadem, -laden.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schneidergesell, m. sartor junior Stieler 2004, sodalis magistri in opificio sartorio Frisch 2, 214c: damen schicken ihren schmuck, schneidergesellen erbieten sich umsonst uniformen zu machen. briefw. zwischen Varnhagen u. Rahel 3, 11;

he he du schneidergsell!
Schade handwerkerl. 270;

er (der schneider) hupft und springet unverzagt,
lacht sich den buckel voll,
sprang eilends aus der höll
und blieb ein schneidergsell. 272.

[Bd. 15, Sp. 1273]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schneidergewerk, n. schneiderzunft, -innung. Campe. s. das folgende.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schneidergilde, f. dasselbe.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schneiderhaft, adj. in der weise eines schneiders, meist in spöttischem sinne:

und lächelnd zeigt ein bild er (der maler) vor;
zwar schien es allzu jämmerlich,
ganz seelenloos und matt und trüb,
in greller aufgeblasenheit
ein schneiderhaft armsünderwesen.
Varnhagen v. Ense denkwürdigk. 2, 534.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schneiderhand, schneidershand, f.: ich habe schon alle die schneidershände sich regen geheiszen, mir den köstlichen freiherrnsrock zu bereiten. Chamisso 5, 149.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schneiderhandwerk, n. gewerbe des schneiders, opificium sartorium Frisch 2, 214c: das schneiderhandwerck erstechen, non acias (einfädelfaden, zum nähen und heften) relinquere, d. h. das arbeitsstück ganz vollenden, so dasz kein faden darin zurückbleibt. Corvinus fons lat. (1660) 7a; so haben wir die meistere snyder hantwerks der statt Meintz .. unser gezunffte ingesiegel gehenckt an diesen brieff. Mone zeitschr. f. d. gesch. des Oberrheins 13, 164; ein neuw meisterstück desz schneider handwercks. Kirchhof wendunm. 1, 232 Österley; der schneider ... widerlegung auff eine ... läster schrifft und injurien, ... welche ein ungenannter ... fatz- und stocknarr ... einem er. schneiderhandwerck zu lauterm unverschuldetem despect, neid und verachtung ... auszsprengen lassen. Schade handwerkerl. 68;

im ganzen teutsch und welschen land
ists schneiderhandwerk wol bekannt. 69.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schneiderhans, m. volksthümliche und meist spöttisch gebrauchte bezeichnung der schneider; s. DWB schneiderjohann.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schneiderhaus, n.: sartrina, schneider gaden vel hausz Dief. nov. gloss. 327b; allew leythawser, und allew padhawser, und allew sneyderhawser, und allew schuesterhawser. weisth. 3, 695; vergl.:

mit farben angethan, der krantz hängt übergüld,
als wie vors schneiders hausz das bunte schneider-schild.
Rachel sat. 110.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schneiderherberge, f. ort, wo die schneider einkehren und zusammenkommen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schneiderhölle, f.
1) wie schneiderauge, s. d.: der alte sünder (ein schneider) hatte sich an gewissen tractätchen in angst und desperation gelesen und zumal die lehre von den ewigen höllenstrafen sich zu gemüte gezogen, da er sich bewuszt sein mochte, mit seiner schneiderhölle schon hienieden einen allzu sündhaften misbrauch getrieben zu haben. Heyse rom. der stiftsdame 16.
2) übertragen: das folgende buch ist demnach der treue auszug aus den 40 bruckstücklichen bänden des christen Judas und meiner jünger, und das dorf Heiligengut hebt sich zu einer biographischen schneiderhölle, voll zugeworfener papierabschnitzel. J. Paul leben Fibels 11; die schneiderhölle von depeschen. 138.