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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schneiderarbeit bis schneiderelle (Bd. 15, Sp. 1271 bis 1272)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schneiderarbeit, f. arbeit, welche die schneider zu verfertigen pflegen Campe; mit rücksicht auf die sitzende lebensweise, opera sedentaria Stieler 47.
 
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schneiderauge, n. offener kasten der schneider unter ihrer werkstatt; vgl. (nachträglich zu auge 20, theil 1, 799): sie (die schneider) pflegen unter dem tisch einen kasten oder korb zu haben, den sie das auge nennen; dahinein werfen sie die tuchreste und wenn sie darum angegangen werden, so geben sie zur antwort, es wäre kaum so viel übrig geblieben, als womit man ein auge vollmachen oder bedecken könne; meinen aber damit ihren korb, nicht ihr auge. Butzbach wanderbüchl. 123; hey, du schalck, solt ich so manchs mal ein schämel nach dir geworffen haben, als offt du zevil geren geschnitten und ins aug geschoben hast, ich hette weder stül noch bänck mer im himmel. Wickram rollw. 187 Kurz; s. DWB schneiderhölle.
 
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schneiderberuf, m.: dabei wolle er seinen verbindlichkeiten nachkommen .. und seinem schneiderberufe sich aufs neue und mit mehr umsicht und glück widmen. G. Keller 5, 35.
 
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schneiderblut, n. blut, trieb, wie ein schneider hat; im kehrreim:

lustig blut, schneiderblut.
Schade handwerkerl. 181.


 
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schneiderblütchen, n., dimin. zum vorigen: (er begann) unwillkürlich, etwas gesuchter zu sprechen, und mischte allerhand polnische brocken in die rede, kurz, das schneiderblütchen fing in der nähe des frauenzimmers an seine sprünge zu machen und seinen reiter davon zu tragen. G. Keller 5, 26.
 
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schneiderbock, schneidersbock, m.
1) eine art gestell, auf dem die schneider sitzen, bildlich: ey dasz man jn nicht .. auff seinen nigrinischen schneiderbock setzet, jhme nadeln under das gesesz steckt. Fischart bienenk. 145b.
2) spottname der schneider Albrecht 204b. Hügel 142b. Spiesz 222; vgl. schneider 2, a.
 
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schneiderbursch, schneiderbursche, m. in älterer sprache auch schneidersbursch, sartor junior Stieler 135; schneidergesell, bursche oder lehrling eines schneiders Campe.
 
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schneiderchen, n. , dimin. von schneider.
1) kleiner schneider, in spöttischem sinne.
2) niederd. schniederke, bei Aurich name des wasserskorpions, wasserläufer, nepa cinerea; vgl. DWB schneiderin 2. bei Leer der taumelkäfer, gyrimus natator; auch name des hummers wegen seiner scheren. Stürenburg 228b.
 
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schneidercourage, f.
1) verzagtheit, angst; österreich. schnaidakuaraschi Castelli 247; die schneiderkurasch haben, keinen mut haben Hügel 142b. Albrecht 204b. überschrift mehrerer gedichte, z. b. Göthe 2, 277. Schade handwerkerl. 251.
2) name einer ansteckenden krankheit, krätze Hügel 142b. Albrecht 204b. Frischbier 2, 303a; niederd. snyder - courage Richey 273. Woeste 246a; in dieser bedeutung auf miszverständlicher auffassung und umbildung der ursprünglichen niederd. form beruhend. vgl. mndl. krauwagie, prurigo, pruritus, scalpurigo, scabies, petigo Kilian, zum verbum krauwen, fricare, scabere, scalpere, radere unguibus. ebenda; ebenso noch mnd. snieder-krauwasie, krauwaasje, daraus -kurasie. brem. wb. 2, 865: snider-kurasse Dähnert 438b; vgl. unter courage oben theil 2, 637. eine andere volksthümliche bezeichnung derselben krankheit ist schneider-kurzweil, s. d.
3) in Westfalen bohnensuppe Woeste 246a.
 
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schneiderei, f.
1) die thätigkeit eines schneiders im weitesten sinne; in manchen zusammensetzungen, wie bei schneider 1 (s. d.): aufschneiderey, gloriatio, ostentatio Stieler 1901, jactatio Frisch 2, 214b; beutelschneiderey, artes furum Steinbach 2, 477; form-, stein-, stempel-, schwein-schneiderei Campe.
2) im engeren sinne,
a) das handwerk, gewerbe des schneiders, kleidermachers, die schneiderey, artificium, opus Stieler 1901, artificium sartorium Steinbach 2, 477; die schneiderei erlernen, verstehen, treiben Campe: mehr als einer wollte gesehen haben, wie die starke frau .. ihm die höslein mit der linken straff gezogen, während ihre rechte die festigkeit eines spanischen rohres an dem theil gemessen hätte, auf dessen ausdauer bei der schneiderei so viel ankommt. Ludwig 2, 12;

[Bd. 15, Sp. 1272]


ein liedlein wir jetzt singen
zu lob der schneiderei.
Schade handwerkerl. 65;

die schöne Gulpenheh bedarf nur eines blickes,
den umfang und gehalt des angebotnen glückes,
und wie es sich zur schneiderey
des armen Hann verhält, zu sehen.
Wieland 18, 288.


b) in älterer sprache auch örtlich, schneiderwerkstatt: schneiderey, taberna sartorum Stieler 1901.
c) obscön: zu N. N. inn einer namhafften stadt, ist deszgleichen vor das thor ein kauffmann uff die schneiderey gangen, auch eine seinem begehren nach antroffen. Maynhincklers sack (1612) nr. 64.
 
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schneiderelle, f. ulna sartorum Stieler 374, als zeichen des schneiderhandwerks öfter in spöttischem sinne gebraucht:

o nehmet doch die schneiderelle,
guckt in der küche in den topf!
Eichendorff 2, 93.

auch übertragen als schimpfwort von einem dürren menschen: hätt' ich nur odem, zu nennen, was dir gleicht! — du schneiderelle, du degenfutteral, du erbärmliches rapier. Shakesp. Heinrich IV. 1. theil 2, 4.