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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schneide bis schneidebolzen (Bd. 15, Sp. 1248 bis 1249)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schneide, f. incisio, der durch eine schneide hervorgebrachte einschnitt; von dem vorigen verschiedenes wort.
1) ahd. sneida, snaida Graff 6, 844; vgl. per semitam quae nominatur isneida a. a. o.; ursprünglich wol einen an bäumen angebrachten einschnitt bezeichnend, wodurch die wege im walde kenntlich gemacht wurden, dann den weg selbst; mhd. sneite mhd. wörterb. 2, 2, 442b, durch den wald gehauener weg, durchstich Lexer 2, 1028; häufig in ortsnamen: schneid, eine endung vor alters, da angehauene und durch schneiden bemerkte bäume gestanden, olim incisio arborum, et via ita facta et signata Frisch 2, 214b. Scherz 1425; vgl. die ortsnamen Albuvinessneitta, Albwinessneida, supra Richgeressneitten Kehrein sammlung alt- u. mitteld. wörter 57a. Frisch a. a. o.; schnait, name eines waldes Birlinger 400a; snait, name einer ortschaft Schm. cimbr. wb. 233b, s. Förstemann ortsnamen 1353. im hessischen früher schnede, wofür jetzt schneise (s. d.) gebraucht wird Vilmar 361:

da vindest du ain pchen,
darunder solt du schen
durch den hag ain newe schnaitt,
die ist schmal und nit praitt.
Hätzlerin 2, 14, 261.

da solche an bäumen angebrachte einschnitte zur abgrenzung des grundbesitzes dienten, so ergab sich die bedeutung 'grenze, grenzscheide'; sneyde, limitationes silvarum Kehrein a. a. o. 26a; mnd. snede, grenze, grenzzeichen Schiller-Lübben 4, 270a; nd. snede, sneë brem. wb. 4, 890, snêd Woeste 246a, mischform schnede, limes, terminus Stieler 1903. zur bezeichnung der grenze dienten bestimmte zeichen, vgl. snede-, snêtbôm Schiller-Lübben 4, 269b. 271a, snede-, snêtstên 4, 272a, snedweg Schambach 199b: die schnait begehen Adelung; se togen de sneide Grimm rechtsalterth. 546; dat holt, dat bynnen der snede unde more unde dem velde lyt. quelle bei Schiller-Lübben 4, 271a. vgl. auch schnat, schnatte 3.
2) schnaid, der einschnitt des visiers am büchsenlauf Sartorius 181.
3) schneid in Baiern vagina muliebris; bei der schneid sein Schm. 2, 571. 572, vgl. oben erstes schneide 2, d:

du scholt uns nicht versweygen,
mocht sey es derleyden? (was ihr in der brautnacht widerfuhr)
gevelts dir an der sneiden?
Wittenweiler ring 43c, 17.


4) in passivem sinne:
a) das abgeschnittene, die beim schneiden entstehenden oder abfallenden theile, namentlich als ausdruck der gärtnerei und forstwirtschaft, altengl. snd Bosworth-Toller 890b, altnord. sneið Cleasby-Vigfusson 574a, ahd. âsneita, sarmenta, surculum Graff 6, 844, mhd. gesneite n., abesneite f., ramentum, quisquiliae mhd. wörterb. 2, 2, 443a, nhd. mundartlich schneiten, plur., der abfall von den bäumen Höffr 3, 104, schneid, schnäd, das von bäumen abgehauene und zum reisigmachen bereit gelegte holz Reinwald 2, 113. daneben erscheint in einigen mundarten die form schneisze, s. d., vgl. auch DWB schnat, DWB schnatte 2.
b) in der jägersprache sprenkel, dohnen. der bedeutungsübergang ist wol so zu erklären, dasz die von den bäumen abgeschnittenen dünnen zweige, schneiden, die den wesentlichsten bestandtheil der fangvorrichtung bilden, dieser ihren namen gegeben haben. schneude neben schneisze, avium captura Stieler 1904; schneide, schnaide, in Sachsen und benachbarten gegenden aucupium in fruticibus Frisch 2, 214b. Scherz 1425; sächsisch

[Bd. 15, Sp. 1249]


schneiten, schneisen plur., dohnen Höfer 3, 103. eine ganze reihe solcher aufgestellter dohnen heiszt geschneide Adelung; schneide auch den waldweg bezeichnend, der zum aufhängen der dohnen dient, hessisch schnede, schneise Vilmar 361, schnaid, schnäd, ausgehauener waldweg zum vogelfang Reinwald 2, 113, niederd. snête, snëte, snëse Schambach 199b. vergl. DWB schnat, DWB schnatte 4.
 
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schneidebank, schneidbank, f.
1) beim böttcher und stellmacher eine bank, worauf das holz bei der bearbeitung mit dem schneidemesser festgehalten wird Jacobsson 4, 18b. 19a, thür. schnîtbânk Frommann 6, 517.
2) bei der bereitung der gaze ein werkzeug, worauf die losen fäden der geblümten gaze abgeschnitten werden Jacobsson 4, 18b.
3) der mit erhöhtem rande versehene tisch des lichtziehers, worauf der talg zerschnitten wird, auch stückelbank Jacobsson a. a. o.
4) eine vorrichtung zum futterschneiden, schneidelade, niederd. snîbank Woeste 246a.
 
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schneidebankskopf, schneidbankskopf, m., schniebankskopf, ein an dem beweglichen hebel der schneidebank befestigter unförmlicher klotz; dann übertragen auf einen unförmlichen menschenkopf. Sartorius 112.
 
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schneidebaum, m. grenzbaum, s. das zweite schneide 2, mnd. snât-, snede-, snêtbôm Schiller-Lübben 4, 269b. 271b; dar eyn appelbom stund und was ein snedeboem .. uppe de groten boken, de eyn snedeboem ys. quelle ebenda. anders schneidbaum, s. d.
 
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schneideblech, n. beim hutmacher eine platte aus eisenblech, welche bei der filzbereitung zum lostrennen der haare von den fellen dient. Karmarsch-Heeren3 4, 436.
 
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schneideblock, m., mnd. snideblok, snideklik, ein block, der zu dielen zerschnitten wird Lübben mnd. handwb. 360a.
 
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schneidebock, m. schragen, ligna lingulata Stieler 1912; bei holzarbeitern ein gestell, das zur unterlage des zu bearbeitenden holzes dient, auch sägebock.
 
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schneideboden, schneidboden,m., niederdeutsch snîboden n., der boden, worauf der häcksel geschnitten wird Schambach 199b, vgl. westf. snîdbüen n. Woeste 246a.
 
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schneidebohne, schneidbohne, f., auch schnittbohne, phaseolus vulgaris, in Norddeutschland Pritzel-Jessen 271b.
 
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schneidebohrer, schneidbohrer, m., eine art bohrer mit scharfen schneiden zur bearbeitung harter körper Adelung; besonders bei der herstellung von schrauben, gewindebohrer, mutterbohrer Karmarsch-Heeren3 7, 774.
 
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schneidebolzen, m. im mittelalter bolzen, die entweder mit breiten halbmondförmigen eisen versehen waren und bei der jagd auf hochwild gebraucht wurden, oder leichte bolzen, die vorzugsweise zur entenjagd dienten. Böheim waffenkunde 428.