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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schneezette bis schneide (Bd. 15, Sp. 1245 bis 1248)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schneezette, f. die zettenart chiococca racemosa Oken 3, 851.
 
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schneffel, m. der fisch esox bellone, in Danzig Nemnich 2, 1533.
 
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schnegel, s. DWB schnägel.
 
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schneid, m. thatkraft, entschlossenheit im handeln, junge norddeutsche umbildung des bair. fem. schneid (s. erstes schneide 2, c): ein krieg ... wird auch mit vollem schneid und vielleicht siegreich geführt werden. Bismarck reden 16, 174; gerade weil uns Deutschen der rechte schneid so ungemein nöthig ist, dürfen wir ihn nicht durch massenhafte verfälschung im preise sinken lassen. gegenwart bd. 35, 389a.
 
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schneidarzt, m. in älterer sprache chirurg, der brüche, stein und gries operierte. Schm. 2, 571.
 
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schneidbacke, f. schraubenbacke, bezeichnung von eisenstücken, welche gewöhnlich zu zweien in die schneidekluppe (s. d.) eingespannt werden und vermittelst der an ihnen angebrachten gewinde zum einschneiden von schraubengängen dienen. Karmarsch-Heeren3 8, 13.
 
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schneidbar, adj. im weiteren sinne das, was durch schneidende geräte zertheilt werden kann; in eingeschränkter bedeutung von solchen gegenständen, die eine reine theilung oder bearbeitung nur durch gezogenen schnitt zulassen, z. b. kork. Karmarsch-Heeren3 7, 775.
 
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schneidbaum, m. baum zum zerschneiden oder zersägen, sägebaum: auch mag ain ieder hauen fünfzig schneid-pom für ain zal. tirol. weisth. 3, 377, 7; anders schneidebaum, s. d.
 
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schneiddiamant, m. diamant zum zerschneiden des glases. Karmarsch-Heeren3 4, 41.
 
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schneide, f. acies, mhd. snîde, vereinzelt snîte:

sô grîfe ich, dâ mir ist bekant,
ein swert von vollenkomener snîte (: strîte). minnes. 3, 165b Hagen;

ebenso nhd. bei Luther: wenn ein eisen .. an der schneiten ungeschlieffen bleibet, mus mans mit macht wider scherffen. pred. Sal. 10, 10, vergl. weitere belege unter 1, a, sonst herrscht durchweg d, im süden meist mit abfall des auslautenden e schneid Schmeller 2, 571. Schmid 474; schweiz. plur. schneidi, schnydi Stalder 2, 342, dimin. schnidle Hunziker 228, schnîd Tobler 395b, kärnt. schneid, schneide, dimin. schneidl Lexer 223, tirol. schneid Schöpf 639, österr. schnaid Castelli 247, snaid, masc. il fendente Schmeller cimbr. wb. 233b. im niederd. sind die dem hochd. entsprechenden formen mit dem stammvocal î nur vereinzelt zu belegen: snide Dähnert 438a, snîd Danneil 199b, vielleicht auch snid Mi 82b. im übrigen weist das niederd. solche bildungen auf, die lautlich dem hochd. masc. schnitt oder fem. schnitte, in ihrer verwendung aber auch dem hochd. schneide entsprechen; soweit daher nicht der gebrauch als masc. oder fem. eine möglichkeit zur scheidung bietet, läszt sich nur aus dem zusammenhang der rede erkennen, welches wort im einzelnen falle vorliegt. während im mndl. noch snijde neben snede, acies Kilian 2, 602b. 603b vorhanden ist, kennt das mnd. nur snede, masc. und fem. Schiller-Lübben 4, 270a; ebenso später nur snede, sneë als masc. brem. wörterb. 4, 890. 891; z. b. dat mest het den snee verlaren. a. a. o.; snede, snäde, snê, snâ ten Doornkaat Koolman 3, 242c. dasz diese formen erst aus dem nhd. schneide durch vereinfachung des diphthongs ei zu ê entstanden seien, ist nicht anzunehmen, da schon im mnd. snede als masc. und fem. und in der bedeutung 'schnitt', 'schnitte' und 'schneide' durchaus feststeht, s. Schiller-Lübben a. a. o.; vielmehr beweist die westf. form snied masc. = hochd. 'schnitt' und 'schneide' Woeste 246a, durch den laut ie = hochd. i, dasz das

[Bd. 15, Sp. 1246]


niederd. verarmung und einbusze an formen erlitten hat, dergestalt, dasz mehrere bedeutungen auf eine form übertragen wurden. bedeutung und gebrauch.
1) concret,
a) im eigentlichen sinne der scharfe theil von werkzeugen, geräten, waffen und dergl.: schneide, schärpffe, spitz, acies, schneid wetzen, exterere aciem, das zwo schneiden hat, bipennis Dasyp.; die schneyden oder scherpffe an eim eysen oder mässer, acies Maaler 359d; schneide, acies, acumen, acies cultri curvata, wenn sich die schneide am messer umbgeleget hat, serrata, wann lücken und scharten drinnen sind. Corvinus fons lat. (1660) 5b; umgelegte schneide, inclinata, hebetata acies, verrostete schneide, rubigine exesa, aeruginosa, lückichte schneide. Stieler 1900; die schneide des messers, des degens und andrer gewehre, im gegensatz des rückens. Frisch 2, 213b; auch soll ein paumeister sein abred haben mit einem schleiffer irgen in der stat, .. der do die gesellen fürder vor andern leuten und in gut schneiden mach. Tucher baumeisterb. 112, 23; (er) slug in auch mit dem schrotholtzpeihel mit der sneiden an das haubt. d. städtechron. 11, 637, 24; die schneiten an den sensen, und hawen und gabbeln und beilen waren abgeerbeitet, und die stachel stumpff worden. 1 Sam. 13, 21; weswegen auch ein hirschfänger nicht zwey schneiden, wie ein degen, haben musz, damit man sich bey dem sauenabfangen vor denen daran gepackten hunden in acht nehmen könne. Döbel jägerpract. 3, 108a; wenn er (der lehrjunge) .. das scheermesser am rücken abzog, anstatt die schneide. Hebel 2, 148;

ouh heter umbe di sîten
ein swert von gûter snîten.
Lamprecht Alex. 1251;

des starken gêres snîdeal durch den schilt gebrach. Nib. 431, 1;

swer wetzet sîn meʒʒer, wiʒʒet daʒ,
daʒ er snîdt ein wîle baʒ
unz im diu snîde vellet gar. w. gast 8077;

ûf in sluoc er sîn edel swert
mit creften und mit nîde,
daʒ in diu scharpfiu snîde
von sîme lebetagen schiet. troj. krieg 39828;

er (der jüngling) reiszt den degen aus der scheide,
und — o was kann verwegner seyn!
kurz, er besieht die spitz und schneide,
und steckt ihn langsam wieder ein.
Gellert 1, 31;

was für eine schere
hat keine schneid? ...
die schwarze lichtputzscher
hat keine schneid. wunderhorn 2, 266 Boxberger.


b) ausgedehnt auf die ganze klinge oder das werkzeug selbst: Ehud .. nam das schwert von seiner rechten hüfft, und stiesz im in seinen bauch, das auch das hefft der schneiten nach hinein fur. richter 3, 22; mir bangt vor der blizenden schneide. Schiller räuber 5, 2 schauspiel;

schnell fertig ist die jugend mit dem wort,
das schwer sich handhabt, wie des messers schneide. Wallensteins tod 2, 2;

als du (der dolch) dort noch flimmernd hingst,
schien von deiner blut'gen schneide
auszugehn ein glühend licht.
Grillparzer 3, 89.

so namentlich in festen verbindungen, zur bezeichnung der kampfesweise:

so komb ein anderer her jetzundt
und kempff mit mir ausz langer schneiden!
Ayrer 2058, 27 Keller;

das werd wir in die leng nicht leidn,
uns des erwehrn mit der schneidn. 2614, 10 Keller;

die einen wittern heimlich einverständnisz
mit eurer majestät betrauten räthen
und meinen, wenn das fremde heer im land,
werd' es die schneide kehren gegen uns.
Grillparzer 8, 79.


c) übertragen
α) von schneideähnlichen sinnlichen dingen, scharfen kanten an felsen und gebirgen; namentlich im süden in der form die schneid, der schmale rücken eines berges, grat. Schöpf 639: von gemelten thurngraben gerad hinauf das Kranzhorn, oben auf das wegschaid, von dannen auf der schneiden und höche auf das Rabenegg. tirol. weisth. 1, 34, 15. weiter zum begriff der grenze, scheidelinie entwickelt und auf unsinnliche dinge übertragen: meisterstücke .. sind viele Shakespearische monologe, wo eine ganze welt von vergangenheit und zukunft auf der schmalen schneide der gegenwart zusammengedrängt sind. Ludwig 5, 464; wenn ich dem reichskanzler für etwas danke, so ist es dafür, dasz ihm die bewahrung der neutralität gelungen, zu einer zeit als wir schon auf der schneide standen. Augsb. allgem. zeitung 1871;

die einen freuet nichts, es sei
denn schon vorüber und vorbei.
die andern tanzen auf der schneid
der gegenwart.
Ludwig 3, 637.

[Bd. 15, Sp. 1247]


in der botanik der scharfe rand, welcher durch zusammenstoszende flächen entsteht, z. b. an stengeln. Behlen 5, 521. beim schiffsbau in älterer sprache der zwischen dem geländer und den brusthölzern gelegene theil des schiffes, franz. aiguille de l'èperon. Eggers kriegslex. 1, 46. in der anatomie der nach oben und auszen liegende rand des keilförmigen beines. Campe. auch von andern ähnlich gestalteten theilen des menschlichen körpers: seine nase lief, ihre schneide und ihren wurzeleinschnitt abgezogen, griechisch-gerade nieder. J. Paul Hesp. 3, 155.
β) aus der verwendung von schneide für das ganze gerät (s. oben b) leiten sich mehrere besondere bedeutungen her: schneide als name einer pflanze, schoenus mariscus Pritzel-Jessen 365b. schneide, auch siedeschneide, straminis concisorium Steinbach 2, 477; in der gaunersprache die schere Avé-Lallemant 4, 602. in der jägersprache bezeichnet schneid neben gewäff, gewerf, gewehr u. a. ausdrücken die unteren langen zähne einer sau, mit denen sie um sich schlägt; ferner auch die zähne der raubthiere Heppe 148; in der Schweiz schnîd, ein böses schneidendes maul Tobler 395b.
γ) übertragen, von unsinnlichen dingen; so häufig von der schneide des todes: die sünde ist des todtes stachel oder schneitte. Luther 3, 209a; wo nicht sünde were im gewissen, da kündte der tod nichts thun, weder stechen noch hawen, weder würgen noch martern, hette weder spitzen noch schneitten. 222b; eine eiskalte schneide, wie von der todessichel, drückte sich durch das warme gehirn. J. Paul Titan 1, 189;

der lebinde tôt siu suochet
mit sîner scharpfen sniden.
H. v. Langenstein Martina 204b, 29.

ähnliche fälle: das schwert aber das wort gottes nimpt er, und gibt für nicht mit der scheiden (das ist) mit dem buchstaben, sondern mit der schneiden, das ist, mit dem geistlichen verstand zu hawen. Luther 1, 367b; man mus bekennen, das .. sowohl .. Deutsche als Ungarn, Böhmen, Mährer .. und andere zungen . keines besseren schleiffsteines, die schneide ihres verstandes daran zu schärffen, bedörfften. Butschky Pathmos 183; wie tief ging jetzt nicht vor dem unendlichen ewigkeit-antlitz der nacht die schneide des gedankens in Fixleins warme seele. J. Paul Qu. Fixlein 130; o wenn einmal die schneide des hoftons blutig über die adern deiner brust wegzöge. Hesperus 1, 84; was soll ich die schneide meiner sehnsucht schärfen durch die aufzählung und schilderung der blicke, die bald boten wurden eines süszen verständnisses. Ludwig 2, 422;

es schînet wol daʒ versliʒʒen ist
dînes sinnes snîde gar. w. gast 8107;

swer sich verlæʒet an gewin,
der wetzet sô harte sînen sin
mit girescheit nâch dem guote
daʒ im diu snîde an sînem muote
wirt abe gesliffen sêre. 8082.

im vergleich von menschen:

eines doppelschneidigen schwertes
beide schneiden seid ihr beiden.
Rückert (1882) 4, 82;

zwölftausend recken, frisch von kraft und scharf von schneide. 12, 143.

sprichwörtliche wendungen: nicht mit der schneide, sondern mit der scheide hauen. Seb. Franck sprichw. 1, 99b; die schneide ist jhm in die finger gangen. Schottel 1118b.
2) abstract.
a) in eigentlicher bedeutung: schärfe, die fähigkeit, das vermögen zu schneiden: das messer hat die schneide verloren, hat keine schneide mehr, ist stumpf. Campe.
b) übertragen auf andere dinge; so besonders im süden von getränken, die einen scharfen geschmack besitzen, wie essig, bier, wein u. dergl. Schöpf 639. Schmid 474. Hügel 142b, vgl. auch schneidel 1, b. in ähnlicher weise sagt man: der mülstain hat kain schneid, ist abgerieben; der bachofen hat nicht genueg schneid, braucht mehr hitze Schm. 2, 571; das hat doch eine andre schneid! Euphorion 1, 134.
c) in bezug auf seelisches vermögen, mut, kraft, entschlossenheit: schneid haben; gê her, wennst e schneid hast, wenn du das herz hast. Schm. 2, 571;

koa madl hot an glust zun tonz,
koa bua a schneid zun schmeisn.
Schöpf 639;

auch in der bedeutung 'freude', 'lust': wan an's lebn no recht gfreut, is a gsangl a schneid; a gwinst, wan ma's glück hat, dös is halt a schnaid. quelle bei Schm. 2, 572. mit abhängigem infinitiv: schneid haben etwas zu thun, oder mit richtungsbestimmung: e schneid habm auf etwas, sich daran getrauen,

[Bd. 15, Sp. 1248]


darauf gespannt, begierig sein: hab auf an tanz a schnaid. Schm. a. a. o.; dorauf hot r a schnaid, darauf hat er es abgesehen. Sartorius 181; do derzu hatt ich aach kah schneid. Streff des burschen heimkehr (1837) 96. in beziehung auf eine person: auf di' hab i scho lang e schneid, mit dir anzubinden habe ich schon längst gewünscht. Schm. a. a. o. in dieser verwendung wurde das wort in der süddeutschen form schneid zunächst den norddeutschen truppen während des krieges 1870/71 bekannt und weiterhin im ganzen norden gebräuchlich, da aber die form nicht verstanden wurde, als verbalsubstantiv zum verbum schneiden aufgefaszt und zum masc. umgebildet; s. oben bei schneid.
d) schneid in Baiern die zeugungsfähigkeit, schneid haben; auch wol der genusz selbst: schneid haben bey ainer. Schm. 2, 571. 572. dafür auch mit veränderter auffassung bei der schneid sein, vgl. zweites schneide 3.
e) der schweiz. plur. schneidi, schnydi, nachwehen der kindbetterinnen Stalder 2, 342, auch schnidi, der augenblick des geburtsactes, wenn das kind in die öffnung des schlosses dringt Hunziker 228, lehnt sich hinsichtlich seiner bedeutung an den entsprechenden sinn des verbums schneiden an; s. d. II, 4, a.
 
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schneide, f. incisio, der durch eine schneide hervorgebrachte einschnitt; von dem vorigen verschiedenes wort.
1) ahd. sneida, snaida Graff 6, 844; vgl. per semitam quae nominatur isneida a. a. o.; ursprünglich wol einen an bäumen angebrachten einschnitt bezeichnend, wodurch die wege im walde kenntlich gemacht wurden, dann den weg selbst; mhd. sneite mhd. wörterb. 2, 2, 442b, durch den wald gehauener weg, durchstich Lexer 2, 1028; häufig in ortsnamen: schneid, eine endung vor alters, da angehauene und durch schneiden bemerkte bäume gestanden, olim incisio arborum, et via ita facta et signata Frisch 2, 214b. Scherz 1425; vgl. die ortsnamen Albuvinessneitta, Albwinessneida, supra Richgeressneitten Kehrein sammlung alt- u. mitteld. wörter 57a. Frisch a. a. o.; schnait, name eines waldes Birlinger 400a; snait, name einer ortschaft Schm. cimbr. wb. 233b, s. Förstemann ortsnamen 1353. im hessischen früher schnede, wofür jetzt schneise (s. d.) gebraucht wird Vilmar 361:

da vindest du ain pchen,
darunder solt du schen
durch den hag ain newe schnaitt,
die ist schmal und nit praitt.
Hätzlerin 2, 14, 261.

da solche an bäumen angebrachte einschnitte zur abgrenzung des grundbesitzes dienten, so ergab sich die bedeutung 'grenze, grenzscheide'; sneyde, limitationes silvarum Kehrein a. a. o. 26a; mnd. snede, grenze, grenzzeichen Schiller-Lübben 4, 270a; nd. snede, sneë brem. wb. 4, 890, snêd Woeste 246a, mischform schnede, limes, terminus Stieler 1903. zur bezeichnung der grenze dienten bestimmte zeichen, vgl. snede-, snêtbôm Schiller-Lübben 4, 269b. 271a, snede-, snêtstên 4, 272a, snedweg Schambach 199b: die schnait begehen Adelung; se togen de sneide Grimm rechtsalterth. 546; dat holt, dat bynnen der snede unde more unde dem velde lyt. quelle bei Schiller-Lübben 4, 271a. vgl. auch schnat, schnatte 3.
2) schnaid, der einschnitt des visiers am büchsenlauf Sartorius 181.
3) schneid in Baiern vagina muliebris; bei der schneid sein Schm. 2, 571. 572, vgl. oben erstes schneide 2, d:

du scholt uns nicht versweygen,
mocht sey es derleyden? (was ihr in der brautnacht widerfuhr)
gevelts dir an der sneiden?
Wittenweiler ring 43c, 17.


4) in passivem sinne:
a) das abgeschnittene, die beim schneiden entstehenden oder abfallenden theile, namentlich als ausdruck der gärtnerei und forstwirtschaft, altengl. snd Bosworth-Toller 890b, altnord. sneið Cleasby-Vigfusson 574a, ahd. âsneita, sarmenta, surculum Graff 6, 844, mhd. gesneite n., abesneite f., ramentum, quisquiliae mhd. wörterb. 2, 2, 443a, nhd. mundartlich schneiten, plur., der abfall von den bäumen Höffr 3, 104, schneid, schnäd, das von bäumen abgehauene und zum reisigmachen bereit gelegte holz Reinwald 2, 113. daneben erscheint in einigen mundarten die form schneisze, s. d., vgl. auch DWB schnat, DWB schnatte 2.
b) in der jägersprache sprenkel, dohnen. der bedeutungsübergang ist wol so zu erklären, dasz die von den bäumen abgeschnittenen dünnen zweige, schneiden, die den wesentlichsten bestandtheil der fangvorrichtung bilden, dieser ihren namen gegeben haben. schneude neben schneisze, avium captura Stieler 1904; schneide, schnaide, in Sachsen und benachbarten gegenden aucupium in fruticibus Frisch 2, 214b. Scherz 1425; sächsisch

[Bd. 15, Sp. 1249]


schneiten, schneisen plur., dohnen Höfer 3, 103. eine ganze reihe solcher aufgestellter dohnen heiszt geschneide Adelung; schneide auch den waldweg bezeichnend, der zum aufhängen der dohnen dient, hessisch schnede, schneise Vilmar 361, schnaid, schnäd, ausgehauener waldweg zum vogelfang Reinwald 2, 113, niederd. snête, snëte, snëse Schambach 199b. vergl. DWB schnat, DWB schnatte 4.