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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schneewasser bis schneewirbel (Bd. 15, Sp. 1242 bis 1244)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schneewasser, n. wasser aus geschmolzenem schnee: das schneewasser, undae nivales Maaler 359c; dâ von koment dike grôʒ güʒʒ auʒ den pergen, ân regenwaʒʒer und auch ân snêwaʒʒer. Megenberg 113, 21; wenn ich mich gleich mit schneewasser wüsche, und reinigte meine hende mit dem brunnen. Hiob 9, 30; die helle nimpt weg die da sündigen, wie die hitze und dürre das schneewasser verzeret. 24, 19; hüte dich den winter durch, dasz du kein schneewasser trinckest. Schnurr wunderbuch 302; diese persohn brachte mir einen becher mit kaltem schneewasser, so mit wein und zucker vermischet war. Olearius pers. rosenth. 5, 15; hier nun, an diesem schon genugsam wilden angebirge, wo die Reusz aus schrofferen felsklüften hervordrang und das frische schneewasser über die reinlichen kiesbänke hinspielte. Göthe 48, 122; er (Lessing) ist heisz, wie es schneewasser ist, von dem die kinder klagen, es brenne sie an die haut. Ludwig 5, 362;

lest denn die kält nach ausz genadn,
so thun die wassergüsz grosz schadn,
das erdrich das schnewasser schlicket,
dasz es werd widerumb erquicket.
H. Sachs (1590) 1, 282b.


 
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schneewebe, f.:

doch sieh, für deine hand spinnt eine fremde,
der winter selber spinnt für dich, der eisige;
schneeweben wird er bald zum hochzeitschleier
gesponnen haben und zum hochzeithemde.
Rückert (1882) 1, 311.


 
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schneewehe, f. heranwehen des schnees; vom winde auf einen haufen gewehter schnee: einmal blieben sie in einer schneewehe stecken. Freytag ahnen 5, 358.
 
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schneeweisz, adj. weisz wie schnee. mhd. snêwîʒ; nividus schnyweisz, schneewisz Dief. 381b, schneeweisz, niveus Frisch 2, 213b; vielfach in poetischer sprache, auch in übertragener bedeutung angewandt.
1) eigentlich von theilen des menschlichen körpers, namentlich von hand oder arm; die 'schneeweisze hand' formelhaft im volksliede: schneeweysze arm, brachia candidiora nive Maaler 359c; auch eine schneeweisze haut haben;

er (Alphart) kust die juncvrouwen,im was von dannen gâch.
er wolt die wart dô suochen.dô segent ime nâch
diu herzogîn vrou Uotemit ir snêwîʒen hant. Alpharts tod 113, 3;

Elsâny diu juncvrouwe in güetlîch enphie
mit süeʒen worten gar gezogenlîche,
unt reihte im die hende dar, lanc snêwîʒ unde linde. Lohengrin 787;

darumb ich niemants anders haben wil,
wenn des mairs tochter Heuslein genant.
die für mir her pei ir schneeweiszen hant! fastn. sp. 585, 1;

er nam sie bey der hende,
bey ihr schne weiszen hant. bergreihen 98 neudruck;

es fuhr ein mägdlein übern see,
wollt brechen den feiel und grünen klee
mit ihren schneeweiszen händen,
der sommer hat schier ein ende. wunderh. 1, 84 Boxberger;

er nahm sie bei ihrer schneeweiszesten hand
und führt sie auf Ulm zu dem tanz. 2, 136.

vom haar des alters und dem alter selbst: das schneeweissz alter, alba senectus Maaler 359c;

und alsbald, wie der könig dieses wort
gesprochen, löst der fremde seinen helm:
und siehe! wie er ab ihn nimmt, so kraust
schneeweiszes haar sich rings um seine scheitel,
und offenbar in aller herrlichkeit
des ungeschwächten hohen alters steht
der edle da, ein schöner alter mann.
Wieland 18, 22;

[Bd. 15, Sp. 1243]



wer so durch manche arbeitvolle jahre
des wohlthuns lust in vollen zügen trinkt,
und endlich thatensatt und in schneeweiszem haare
zufrieden in die grube sinkt ...
Kosegarten dichtungen 9, 234.

vom antlitz in schrecken oder furcht:

schneeweisz ward Jutta's angesicht,
schweisz troff ihr von der stirne. 1, 230.

von kleidungsstücken oder zeug: und der alte setzet sich, des kleid war schnee weis. Dan. 7, 9; sagte die wirthin: 'mit erlaubnisz', und deckte eine schneeweisze serviette vom feinsten gebilde auf den tisch. Hebel 2, 183;

er hete ouch einen langen bart,
ein mantel was um ihn geschart
von snêwîʒer varwe. passional 42, 65 Köpke;

denn nicht diese, nicht geborgte reize
sichern euch (den mädchen) die huldigung der welt.
nur das lächeln, nur das huldgekose,
nur im unbestäubten haar die rose,
nur der flor, der schneeweisz um euch schwillt.
Kosegarten dichtungen 1, 87;

bereitet
ist dir dein bettchen daheim schneeweisz, weich, warm und gemächlich. 2, 60;

sieh, er kleidet die braut in schneeweisz schimmernde seide. 3, 147;

schneeweisze linnen, dunkle seiden
umziehen seines bettes flaum.
Immermann 13, 155 Boxberger.

von dem gewande der toten oder gespenster:

darauf (nach dem morde der geliebten) er thäte gehen nach haus, ach hört mein Christ,
schneeweisz sie ihm erschienen wo er gegangen ist.
wohl an dem abend noch vor furcht that er erbleichen,
das gewissen wacht ihm auf.
Lenz 3, 238;

oft auch, sagen sie, habe, wer etwa geboren am sonntag,
wandeln die mägdlein gesehn verschränketen armes im mondschein.
schneeweisz schlüpfen die bleichen hervor aus dem dämmernden
laubgrün,
schweben die alten gemäuer entlang, und verschwinden am kreuzweg.
Kosegarten dichtungen 5, 49.

vom gewande der engel:

ja, freund, ein schwarm
schneeweiser engel,
in jedem arm
ein lilienstängel,
umzog — erstieg
der götter felsen.
Thümmel reise (1791) 2, 92.

übertragen auf das gewand der winterlichen erde: vier priester stehen im weiten dom der natur und beten an gottes altären, den bergen, — der eisgraue winter, mit dem schneeweiszen chorhemd. J. Paul uns. loge 1, 41; von fell und federn der thiere: denn mir sind die musen gewogen, und jene schneeweisze ziege ist ihnen zum opfer bestimmt. Gesner 3, 23; er sah nun, wie sie über die wiese dahinging, von mehreren reichgeschmückten dienern empfangen wurde, und in einem schnell umgeworfenen schimmernden jagdkleide einen schneeweiszen zelter bestieg. Eichendorff 3, 135;

ein snêwîʒe tûbe ich sach
vil dicke ûf sîme houbete. passional 212, 4 Köpke;

fahr hin, gewild, in waldeslust,
ich will dich nimmer schrecken
und jagen dein schneeweisze brust. des knaben wunderhorn 1, 197 Boxberger.

von blumen, blüten:

und dasz der erd-kreisz recht mög unser bündnüs wissen,
wie sonn' und rose sind einander zugethan,
solln rosen solcher arth in morgen-land aufschüssen,
die, wie der tag, schneeweisz den morgen fangen an.
Lohenstein blumen (1680) 5;

kaum hatten wir
von diesem holden lust-revier
den rück-weg wiederum genommen,
auf dem beschatteten, und mit so manchem stamm
von esch- und pappeln rings umher bepflantzten damm,
auf welchem hin und wieder
die lieblich blühenden schnee-weiszen flieder,
wie weisze rosen, stehn.
Brockes 4, 153.

bildlich:

hoch über unserm thal hängt der lawine
schneeweisze ros' an dorn'gem gletscherkranz.
Gaudy werke 11, 11.

von steinen, andern gegenständen: gelasius ist ain stain snêweiʒ sam ains hagels oder ains schaurn korn. Megenberg 447, 33; absyntus ist ain swarzer stain durchmischet mit snêweiʒen æderleinn. 435, 13; dyonisia ist ain stain in den landen gegen der sunnen aufganch. der ist tunkelvar und ist

[Bd. 15, Sp. 1244]


besprengt mit snêweiʒen tröpfleinn. 444, 18; zu Schlackawald bricht jetzt guter zwitter in einen schneweissen unnd hellen quartz, oder spat. Mathesius Sar. 99a;

wodurch wir, da bey so viel höhen
die ein schnee-weiszer glantz bestrahlt,
auch eben so viel tieffen sehen,
die ein fast ja so weisz- und heller schatten mahlt.
Brockes 4, 91;

gefügt von steinerner schuppe
trägt er das panzerkleid,
es glänzt der helmes-kuppe
schneeweisze feder weit.
Gaudy werke 17, 30;

und auf des herbstwindes thaubenetztem flügel
schwebt einher der felderumwebenden Arachne
flockiges, schneeweiszes, duftig-zartes gespinnst.
von neuem verkettend halme und zweige —
ein leichenschleier des gestorb'nen sommers. 33.


2) übertragen, von flecken ganz rein, lauter, edel, sündlos: entsündige mich mit isopen, das ich rein werde, wasche mich, das ich schnee weis werde. ps. 51, 9; wenn ewer sünde gleich blutrot ist, sol sie doch schneweis werden. Jes. 1, 18; so sihestu, wie es alles ligt an gottes wort, das, was darin gefasset ist, und gehet, das mus alles rein, lauter, und schneeweis heiszen, gegen gott und menschen. Luther 5, 358a; allein gotsleer ist gantz schneeweisz, lauter unnd rhein. Hedio übers. des Josephus, vorr.; ich halte es für etwas ganz ausgemachtes, erwiederte ich, dasz — (nur sehr wenige schneeweisze seelen, die ich für grosze seltenheiten in der menschlichen natur ansehe, allenfalls ausgenommen) — die allermeisten von einem geheimen bestreben, weniger unvollkommen scheinen zu wollen als sie sind, nicht frey gesprochen werden können. Wieland 15, 146;

mich (Malcolm) selber mein' ich — mich,
dem aller laster mannichfache keime
so eingepfropft sind, dasz, wenn die gewalt
sie nun entfaltet, dieser schwarze Macbeth
schneeweisz dastehen, und der wütherich
mit mir verglichen, als ein mildes lamm
erscheinen wird!
Schiller 13, 115.


 
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schneeweiszarmig, adj. schneeweiszen arm habend:

also gab ihm (Achilles) ins herz die schneeweiszarmige Here,
welche sich, da sie die sterbenden sah, der Griechen erbarmte.
Stolberg 11, 6.


 
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schneeweisze, f. schneeweisze beschaffenheit, helle: die schneeweysze, candor nivalis Maaler 359c.
 
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schneeweiszschimmernd, adj.:

als nun der vater den spruch aufhub von der alten Arkona:
vom vierhauptigen gott und den schneeweiszschimmernden rossen,
fiel sie ihm schnell in die red'.
Kosegarten dicht. 2, 207.


 
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schneewetter, n. tempestas nivosa Frisch 2, 213b: im winter soll er (der meyer) schnewetter hierausz abnemmen, wann er sihet das die tunckele wolcken gleichsam weiszelecht werden, sonderlich wann der nordwind wähet. Sebiz feldbau 42.
 
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schneewiesel, n. mustela nivalis Nemnich 3, 675: des winters ganz weisz, und dann pflegt man es schneewiesel zu nennen. Oken 7, 1497.
 
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schneewind, m. von schnee begleiteter wind, ventus nivem effundens Frisch 2, 213b: mädel, drauszen pfeift der schneewind! rief ihr die mutter zu. Spindler jude 1, 313; was soll man wünschen! rief er vor sich hin, indem er fühllos gegen den schneewind am geländer des flusses stehen blieb. Heyse kinder der welt 1, 321.
 
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schneewirbel, m. wirbelnder schnee: ich trank dabei dem dauernden im wechsel ein glas nach dem andern zu und recitirte mehrere stellen aus Göthe's Faust, die mir mit den schneewirbeln alle auf einmal eiskalt auf kopf und herz zuflogen. Eichendorff 2, 188.