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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schneegebirgt bis schneegewand (Bd. 15, Sp. 1233 bis 1234)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schneegebirgt, adj. als schneegebirge geformt; bildlich:

ihr brüste kämpfft für mich, ihr schnee-gebürgten brüste,
aus derer gipffel glutt mit rothen flammen schlägt.
Lohenstein blumen (1680) 71;

man sih't auf unser (der menschen) brust den herbst mit äpffeln prangen;
die schnee-gebirgte schoosz des winters bildung sein.
ja früling, sommer, herbst und winter theil'n das leben. 80.


 
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schneegefieder, n. schneeweiszes gefieder:

wohl sahen mich auch Latiums nymphen, mich
an jenen schilfgestaden, wo vormals oft
im weichen thau sein schneegefieder
singend Venusiums schwan gebadet.
Kosegarten rhapsod. (1801) 3, 47;

nicht so der schwan. er schwieg und fuhr den strom
hinunter in des selbstbewusztseyns ruh.
sein schneegefieder glänzte durch die nacht
der frevler rings um ihn, wie durch die welt
voll bosheit eine gute seele glänzt. dicht. (1825) 11, 256.


 
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schneegefilde, n. mit schnee bedecktes gefilde:

doch ein nordwind, den die anmuth,
die er sahe, zum zephyre
wandelte, liesz, ihr (einem mädchen) zu huld'gen,
weil er in dem schneegefilde
keinen platz dazu gefunden,
rosen ihrer wang' entsprieszen.
Rückert (1882) 5, 60;

der hufschlag flieh'nder rosse, die das schneegefild durchirren.
Gaudy 7, 120.


 
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schneegefüllt, adj. mit schnee gefüllt: schneegefüllte schluchten, wege.
 
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schneegeriesel, n. geriesel des schnees: der sturm risz die stehenden an hüten und mänteln und schlug mit eignen und fremden haaren und kleiderzipfeln nach ihnen und warf sie mit seinem schneegeriesel, das in dem schein der blitze wie glühender funkenregen an ihnen herniederstäubte. O. Ludwig 1, 363;

ich neigte meine reifbehangnen locken,
da stob ihr schneegeriesel auf die kränze,
und auf das kind, das drunter lag im schlafe.
Rückert ged. (1841) 90.


 
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schneegespiegelt, adj. vom glänzenden schnee gespiegelt, zurückgeworfen: im schein' des schneegespiegelten mondlichts. Baggesen bei Campe.
 
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schneegestalt, f.
1) schneeweisze form:

des kinnes weiche perl, der hals aus marmel-steine,
der achseln blancke milch, der stirne schnee-gestalt,
der adern warmer türcks, der leib aus helffenbeine,
sind tempel süszer lust, der seelen auffenthalt.
Lohenstein blumen 71.


2) schneeweisze menschengestalt: auf der hohen schneelinie des griechischen statuenprofils standen sämmtliche künstler,

[Bd. 15, Sp. 1234]


und pflanzten da glänzende glatte schneegestalten und folglich auch seine auf. J. Paul komet 3, 153.
 
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schneegestöber, n. stöbernder schneefall: schneegestüber, tempestas nivosa Frisch 2, 213a; allein statt dessen, wurde ich vielmehr durch die trübe witterung, so mit schnee-gestöber vermischet war, gantz blind. Plesse 1, 209; er schlenderte einige gassen in dem schneegestöber auf und ab. Eichendorff 2, 185; der sturm trieb ihm plötzlich ein so heftiges schneegestöber ins gesicht, dasz er mund und augen eine weile schlieszen muszte. P. Heyse kinder der welt 1, 321;

am sechsten tag im februar
hab ich halb fürchterlich, halb schön,
des strengen winters weisze pracht,
nicht sonder anmuth, mit bedacht,
ein schnee-gestöber, angesehn.
Brockes 7, 561;

zwar streute der weichende winter
bey nächtlicher wiederkehr oft von kräftig geschüttelten schwingen
reiff, schneegestöber und frost, und rief den unbändigen stürmen.
E. v. Kleist 2, 5;

in die wette mit einander wehen
alle winde: schneegestöber füllt
erd' und himmel; wie die leichen stehen
thürm' und meilenzeiger eingehüllt.
Göckingk lieder zweier lieb. 36;

jüngst als der märz
sich mit dem frost herumgebalgt,
doch schneegestöber, reif und hagel ihm
wild auf den wunden nacken fielen,
dasz er zu boden sank.
Fr. Müller 2, 367;

wen du nicht verlässest, genius,
wirst im schneegestöber,
wärmumhüllen.
Göthe 2, 71;

welch ein schneegestöber!
was für dichte flocken!
Platen 22a;

bildlich: ich bin recht leidlich auszer dem hals und mag gerne allerley thun. solang das geht werd ich in meinem schneegestöber aushalten, und schreiben und zeichnen, hernach komm ich und fahre mit ihnen ins conzert. Göthe briefe 5, 46 Weim. ausg.; durch dieses Eden (eine mondscheinnacht), worüber ein doppeltes schneegestöber von funken und von tropfen zwischen einem staubregen von blütendüften spielte und wirbelte. J. Paul Hesp. 1, 118.
 
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schneegestöbersflocke, f. flocke des schneegestöbers:

blumenkelche, blumenglocken
folgen deinem reiselauf,
unter schneegestöbersflocken
suchst du mir was liebes auf.
Göthe 47, 181.


 
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schneegetümmel, n.:

ich bin im frein
behaust am besten, so im schein
der sonne wie bei schneegetümmel.
Immermann 13, 104 Boxberger.


 
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schneegewand, n. schnee als gewand gefaszt:

kaum risz der merz das schneegewand
dem winter von den hagern seiten. d. j.
Göthe 1, 271;

gehöret hab' ich, dasz hinauf am pol
es geben soll ein kühles winterland,
wo, alsobald dem schützen nahet Sol,
die ganze erde deckt ein schneegewand.
Rückert (1882) 5, 90.

übertragen, ein schneeweiszes gewand:

doch wer sind diese in des haines nacht
im schneegewand', umsäumt mit veilchenbläue?
Kosegarten 1, 209;

hoch auf der klippe, deren stolze braue
ernst niederschaut auf Conways hohlen strand,
stand Leofric der hagre, grause, graue.
in langen falten flosz um ihn sein schneegewand. 9, 204;

weisz und schwellend, wie des schwans gefieder,
wallt' ihr (der geliebten) schneegewand die hüften nieder,
in der abendsonne gold getaucht. 10, 31.

bildlich: feyerlicher als das gewand ihres leibes wird das schneegewand der ungekränkten unschuld ihre seele kleiden. rhapsodien 1, 200;

zarter jüngling, reifendes mädchen — auf dasz du der wonne
keuscher eh'-umarmung theilhaftig werdest — so wahre
wahre der unschuld schneegewand! sey keusch und sey züchtig! dichtungen 6, 194;

doch blickt sie (die unschuld) würd' und ruh; der spürhund argwohn wittert,
die dogge klatschsucht bellet um sie her.
ihr schneegewand bleibt weisz. ihr stuhl bleibt unerschüttert,
und ihre stirne wolkenleer. 12, 61.