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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schneegebirge bis schneegetümmel (Bd. 15, Sp. 1233 bis 1234)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schneegebirge, n. mit schnee bedecktes gebirge: schneegebirg, montes perpetuis nivibus obsiti Frisch 2, 213a; wenn in sehr hohen und gähen schneegebirgen durch den wind, oder durch einen vogel, oder auch nur durch den schall eine kleine handvoll schnee los wird. Hebel 2, 51; den duftigen kranz von schneegebirgen. G. Keller werke 1, 33;

Carl! — so tönts vom schneegebirge nieder!
Schubart ged. (1787) 2, 10;

im rosenschleier lächelt die sonne noch
von schneegebirgen freundlich ins quellenthal,
und kühler abendwinde fittig
kräuselt die fläche des stillen seees.
Stolberg 1, 107;

blicktest du (Homer) schon mit dichtergefühl
der sinkenden sonne,
die vom thrazischen schneegebürg',
über purpurne wallungen des Helläspontos,
dich begrüszte, in ihr flammendes gesicht! 121;

im winter tief im schneegebirg'
muszt' er (Spekbacher) umirren geh'n.
Rückert (1882) 1, 96;

bildlich:

die süszen flammen sind in meinem schnee vergraben.
der brüste schnee-gebirg' hat in sich Etnens brand.
und gleichwol kwillt hier milch, mit der sich seelen laben.
Lohenstein blumen (1680) 58.


 
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schneegebirgt, adj. als schneegebirge geformt; bildlich:

ihr brüste kämpfft für mich, ihr schnee-gebürgten brüste,
aus derer gipffel glutt mit rothen flammen schlägt.
Lohenstein blumen (1680) 71;

man sih't auf unser (der menschen) brust den herbst mit äpffeln prangen;
die schnee-gebirgte schoosz des winters bildung sein.
ja früling, sommer, herbst und winter theil'n das leben. 80.


 
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schneegefieder, n. schneeweiszes gefieder:

wohl sahen mich auch Latiums nymphen, mich
an jenen schilfgestaden, wo vormals oft
im weichen thau sein schneegefieder
singend Venusiums schwan gebadet.
Kosegarten rhapsod. (1801) 3, 47;

nicht so der schwan. er schwieg und fuhr den strom
hinunter in des selbstbewusztseyns ruh.
sein schneegefieder glänzte durch die nacht
der frevler rings um ihn, wie durch die welt
voll bosheit eine gute seele glänzt. dicht. (1825) 11, 256.


 
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schneegefilde, n. mit schnee bedecktes gefilde:

doch ein nordwind, den die anmuth,
die er sahe, zum zephyre
wandelte, liesz, ihr (einem mädchen) zu huld'gen,
weil er in dem schneegefilde
keinen platz dazu gefunden,
rosen ihrer wang' entsprieszen.
Rückert (1882) 5, 60;

der hufschlag flieh'nder rosse, die das schneegefild durchirren.
Gaudy 7, 120.


 
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schneegefüllt, adj. mit schnee gefüllt: schneegefüllte schluchten, wege.
 
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schneegeriesel, n. geriesel des schnees: der sturm risz die stehenden an hüten und mänteln und schlug mit eignen und fremden haaren und kleiderzipfeln nach ihnen und warf sie mit seinem schneegeriesel, das in dem schein der blitze wie glühender funkenregen an ihnen herniederstäubte. O. Ludwig 1, 363;

ich neigte meine reifbehangnen locken,
da stob ihr schneegeriesel auf die kränze,
und auf das kind, das drunter lag im schlafe.
Rückert ged. (1841) 90.


 
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schneegespiegelt, adj. vom glänzenden schnee gespiegelt, zurückgeworfen: im schein' des schneegespiegelten mondlichts. Baggesen bei Campe.
 
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schneegestalt, f.
1) schneeweisze form:

des kinnes weiche perl, der hals aus marmel-steine,
der achseln blancke milch, der stirne schnee-gestalt,
der adern warmer türcks, der leib aus helffenbeine,
sind tempel süszer lust, der seelen auffenthalt.
Lohenstein blumen 71.


2) schneeweisze menschengestalt: auf der hohen schneelinie des griechischen statuenprofils standen sämmtliche künstler,

[Bd. 15, Sp. 1234]


und pflanzten da glänzende glatte schneegestalten und folglich auch seine auf. J. Paul komet 3, 153.
 
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schneegestöber, n. stöbernder schneefall: schneegestüber, tempestas nivosa Frisch 2, 213a; allein statt dessen, wurde ich vielmehr durch die trübe witterung, so mit schnee-gestöber vermischet war, gantz blind. Plesse 1, 209; er schlenderte einige gassen in dem schneegestöber auf und ab. Eichendorff 2, 185; der sturm trieb ihm plötzlich ein so heftiges schneegestöber ins gesicht, dasz er mund und augen eine weile schlieszen muszte. P. Heyse kinder der welt 1, 321;

am sechsten tag im februar
hab ich halb fürchterlich, halb schön,
des strengen winters weisze pracht,
nicht sonder anmuth, mit bedacht,
ein schnee-gestöber, angesehn.
Brockes 7, 561;

zwar streute der weichende winter
bey nächtlicher wiederkehr oft von kräftig geschüttelten schwingen
reiff, schneegestöber und frost, und rief den unbändigen stürmen.
E. v. Kleist 2, 5;

in die wette mit einander wehen
alle winde: schneegestöber füllt
erd' und himmel; wie die leichen stehen
thürm' und meilenzeiger eingehüllt.
Göckingk lieder zweier lieb. 36;

jüngst als der märz
sich mit dem frost herumgebalgt,
doch schneegestöber, reif und hagel ihm
wild auf den wunden nacken fielen,
dasz er zu boden sank.
Fr. Müller 2, 367;

wen du nicht verlässest, genius,
wirst im schneegestöber,
wärmumhüllen.
Göthe 2, 71;

welch ein schneegestöber!
was für dichte flocken!
Platen 22a;

bildlich: ich bin recht leidlich auszer dem hals und mag gerne allerley thun. solang das geht werd ich in meinem schneegestöber aushalten, und schreiben und zeichnen, hernach komm ich und fahre mit ihnen ins conzert. Göthe briefe 5, 46 Weim. ausg.; durch dieses Eden (eine mondscheinnacht), worüber ein doppeltes schneegestöber von funken und von tropfen zwischen einem staubregen von blütendüften spielte und wirbelte. J. Paul Hesp. 1, 118.
 
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schneegestöbersflocke, f. flocke des schneegestöbers:

blumenkelche, blumenglocken
folgen deinem reiselauf,
unter schneegestöbersflocken
suchst du mir was liebes auf.
Göthe 47, 181.


 
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schneegetümmel, n.:

ich bin im frein
behaust am besten, so im schein
der sonne wie bei schneegetümmel.
Immermann 13, 104 Boxberger.