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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schneckengleich bis schneckenhorn (Bd. 15, Sp. 1218 bis 1219)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schneckengleich, adj. und adv. einer schnecke gleich wegen der langsamen bewegung: schneckengleich davon gehen; mit beziehung auf die windungen des schneckenhauses:

mit perlen, glänzender als thau,
wird schneckengleich ihr schwarzes haar durchflochten.
Wieland 22, 199 (Ober. 5, 16).


 
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schneckengraber, m.: biersauffer, rubenschreyer, brotmaier, scherenschleyffer, thurnpfeiffer, schneckengraber, lederschaber. Fischart groszm. 15 neudr.
 
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schneckengrube, f. grube, in der eszbare schnecken aufbewahrt werden. Adelung.
 
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schneckenhaft, adj. und adv. nach art der schnecken, schneckengleich:

paar an paar
schleicht leis' und schneckenhaft ganz Pafos und Cythere
zum saal hinein.
Wieland 5, 248 (verkl. Amor 4, 8).


 
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schneckenhändler, m. der mit eszbaren schnecken handelt: ich bin der Martin Haugerle und bin schneckenhändler aus dem reich. Raimund 1, 243 Glossy-Sauer.
 
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schneckenhanf, m. name einer langen, starken hanfsorte. Nemnich.
 
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schneckenhaus, n. haus, gehäuse einer schnecke; mhd. sneckehûs, sneckenhûs; coclea, schneckhausz, schneckenhausz, snegkenhus, snighenhus, sniggeshus Diefenb. 129b; cocleare, sneckenhus o. sneck ebenda; concha, sneckenhus, sneckhus, schneckenhus, schneckhus, schnegenhus 140a; conchile, sneckenhus, sneckhus, niederdeutsch sniggenhus, snighenhus ebenda; testa sneckenhusz 581a; man hat auch glintzerne und weisze kiszling unnd spat gepochet, und nach sand gesuncken, wie man etwan schneckenheuser zu asche gebrant, wie ausz unser frawen eisz sparkalck gebrant wird. Mathesius Sar. 194b; nimb ayerschalen und grosze schneckenheuser, eines so vil als des andern. Seuter roszartzn. 157;

das kleine schneckenhaus
hat weder holz noch stein;
der strausz an dem wirthshaus
hat keine blümelein. wunderhorn 2, 266 Boxberger.

übertragen: der erhabenste säulengang ist ihm (dem Italiener) nichts mehr als ein immondezzajo, der marmortempel ein schneckenhaus, in welches er bei wind und wetter kriechen, oder in dem er seine kürbisse aufstapeln darf. Gaudy 19, 96;

die waffensäle ringsum aufgeräumt;
da standen sie zu fusz, zu pferde,
als wären sie noch herrn der erde;
sonst waren's ritter, könig, kaiser,
jetzt sind es nichts als leere schneckenhäuser,
gar manch gespenst hat sich darein geputzt,
das mittelalter lebhaft aufgestutzt.
Göthe 41, 274.

[Bd. 15, Sp. 1219]


sprichwörtlich: aus einem schneckenhaus kommt kein leu heraus. Wander 4, 291; in einem schneckenhause hat kein löwe platz. ebenda. mit beziehung auf eine beschäftigung der kinder, für kinderspiel treiben, unnützes thun, schneckenhäuser sammeln. Wander 4, 291.
 
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schneckenhäuschen, n., dim. zum vorigen; übertragen auf die wohnung eines zurückgezogen lebenden: dasz sie, lieber sohn, sich alles und jedes antheils an politischen verhältnissen, also à plus forte raison, aller einmischung in partheyen, cabalen und intrigen gänzlich enthalten, sich ganz in ihr schneckenhäuschen zurückziehen, ihren geschäften mit möglichstem fleisz obliegen, .. ist, meiner überzeugung nach, das beste. Wieland bei Zolling Kleist in der Schweiz 168.
 
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schneckenhäusig, adj. und adv.: wenn ihn der unstern zwischen eigene langeweile und fremdes ärgernisz gutmüthiger aber schneckenhäusiger seelen stellte oder vielmehr setzte. Benzel-Sternau bei Campe.
 
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schneckenhäuslein, n. kleines schneckenhaus, mhd. snecken-hiuselîn: die alten haben schneckenheuszlein an der löffel statt gebraucht. Mathesius Sar. 192b; dann sie (die meerkrebse) wohnen in den lären häusern etlicher meerthieren, welche sich den schneckenhäuszlein etlicher gestalt vergleichen. Gesner fischb. 123a; man sagt, seine, des grafen, amptleut haben die pauren gleichwol scharpf und grim genug regiert, und haben schneckenheusle in fron lesen müesen. Zimm. chron.2 2, 523; etliche haben glatte, andere rauhe, etlich auszgezogene, andere eingezogene, etlich gehörnte, andere schneckenhäuszlin. Garg. 115b;

die pauren zogen wider haim, sie wolten sich basz besinnen,
da muesten sie erdbern und die morachen gewinen.
sie zogen wider heim und waren nit lang auszgewesen,
da muesten sie auch schneckenheusle lesen. Zimm. chron.2 2, 523.

übertragen, kleine aus zinn gegossene gefäsze, in denen die gekochten eszbaren schnecken aufgetragen werden. Jacobsson 7, 258a; s. DWB schneckenfäszchen.
 
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schneckenhorn, n. 1) das fühlhorn einer schnecke; sprichwörtlich: ein schneckenhorn stöszt keine beulen. Wander 4, 291; wem ein schneckenhorn beulen stöszt, giebt einen schlechten büffelkämpfer. ebenda. 2) schneckenförmig gewundenes horn; auch ein aus einer meerschnecke hergestelltes horn.