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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schneckenartig bis schneckendeckel (Bd. 15, Sp. 1216 bis 1217)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schneckenartig, adj. und adv.
1) die art und weise der schnecken habend: dieses ungeheure schneckenartige thier (die grosze bisam-sprutte) hat veranlassung zu noch ungeheureren fabeln gegeben. Oken 5, 537.
2) der gestalt eines schneckenhauses entsprechend. bildlich: der zirkel unserer ideen zieht sich schneckenartig, immer in engere kreise, nach einem unmerklichen punkt hin. Sturz 1, 199.
 
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schneckenauge, n.
1) das auge einer schnecke, im vergleich: wer ihn in seinem nachlässigen aufzuge, einen breiträndigen schwarzen hut auf das kahle haupt gestülpt, schlottrigen ganges durch die straszen rennen sah, die augen vom beständigen suchen und spähen wie schneckenaugen rund vorgequollen, als ob sie alles sichtbare zu betasten strebten .. Heyse kinder der welt 2, 76.
2) in übertragener bedeutung, der mittelpunkt einer schneckenlinie, einer nach art einer schneckenlinie gebildeten verzierung, franz. oeil de volute. Jacobsson 4, 17b.
 
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schneckenberg, m. kleiner berg oder hügel, auf dem die eszbaren schnecken aufbewahrt und gemästet werden. Jacobsson 7, 258a; colliculus ad nutriendas cochleas. Frisch 2, 212c.
 
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schneckenblut, n. das blut oder der saft einer schnecke: die alte fromme sage, dasz die hand, die den saamen dazu ausgestreuet, sich siebenmal bey jedem wurfe in schneckenblute waschen müssen. Lessing 10, 38; in den nachklängen der lügenmärchen:

nembt ein loth blawes von den wolckn,
dasz durch ein steinbock sey gemolcken,
und nembt auch ein halb pfund krebsfaist!
dasselb in schneckenblut eynbeist!
Ayrer 2544, 4 Keller.

sprichwörtlich, von einem langsamen menschen: er hat schneckenblut. Wander 4, 291. gewöhnlich von dem saft der purpurschnecke gebraucht, aus dem die purpurfarbe hergestellt wird:

lasts seyn, dasz wir bereits das theure schnecken-blut,
den ewigen asbest und reiches glasz vermissen!
Günther 654;

dir (Theodosius) musz das schnecken - blut in Tyrus kessel schäumen. 975;

der wände zierrath war getäffelt ceder-holtz,
disz stand mit teppichen und seidnen decken stoltz,
die noch von schnecken-blut und scharlach-saffte trieffen. 1070;

zumal an einigen (blättern der weinrebe), die aus der maszen schön,
vermogt mein auge sich nicht satt zu sehn,
die gantz zinnober-roth, wie reines schnecken-blut.
Brockes 1 (1739), 218;

kein dunckel rother sammt, kein purpur-schnecken-blut
ist voller, kräfftiger, gläntzt prächtiger und flammt
in so gefüllter zier. 3 (1739), 560.


 
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schneckenbohne, f. phaseolus caracalla. Nemnich 5, 515.
 
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schneckenbohrer, m. bohrer mit schneckenförmig gewundener spitze, terebra cochleatim in ligna penetrans. Frisch 2, 212c.
 
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schneckenbrecher, m. name für den fisch sparus ovis. Oken 6, 234.
 
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schneckenbrühe, f. brühe von gekochten schnecken, jusculum, saporem coctarum cochlearum referens. Frisch 2, 212c.
 
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schneckenbrut, f. brut der schnecken; auch schnecken überhaupt:

[Bd. 15, Sp. 1217]


zu wissen was dem bär die starken knochen füllt,
was in dem elend zuckt, was aus dem ochsen brüllt.
was in dem ocean für scheuszlich unthier schwimmet,
und welche schneckenbrut an seinem ufer glimmet.
Lessing 1, 175.


 
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schneckenbund, m. schneckenartiger bund von feuerwerkskörpern. Jacobsson 1, 331a.
 
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schneckendeckel, m. 1) deckel, mit welchem manche schneckenarten ihre gehäuse im winter schlieszen. 2) die versteinerung operculites. Nemnich 4, 772.