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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnauber bis schnauen (Bd. 15, Sp. 1204 bis 1205)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnauber, m. schnaubender:

mit gewalt bezähmte der löwe endlich den schnauber.
Stolberg 12, 158 (ἀσθμαίνοντα Ilias);

prahlender, trotziger gesell (s. DWB schnauben 7, b): meutmacher, schnauber, stampffer, friedbrecher. Kirchhof mil. disc. 221; schnauber, fremebundus, stomachosus Stieler 1896. hessisch schnäuber, einer der im essen wählerisch ist Vilmar 361. nd. snwer, eine art von schornstein Woeste 247b; einer der viel tabak schnupft Dähnert 440a (s. DWB schnauben 5).
 
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schnaubern, verb., iterativbildung zu schnauben, s. DWB beschnaubern theil 1, sp. 1587.
 
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schnaubicht, adj. anhelus, spirabilis, spiritalis. Stieler; s. die beiden folgenden wörter.
 
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schnaubig, adj. schnaubend: schnaubig wild Opitz bei Campe. nd. snuvich, snovich von pferden, mit rotz behaftet Schiller-Lübben 4, 281b. hess. schnäubig, wählerisch im essen Vilmar 361; vgl. unter schnauber.
 
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schnaubisch, adj. wie das vorhergehende. dem nd. snövisk, -isch (Richey 277. brem. wb. 4, 907. Schütze 4, 152. Dähnert 439b. Danneil 199), snüwesk (Woeste 247b) würde ein hochd. schnäubisch entsprechen.
 
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schnaubtuch, n. ein leinenes tuch, in das man die nase entleert (s. DWB schnauben 1), taschentuch; nur in älterer sprache und hier oft schnauptuch geschrieben (ebenso ich schnaupte),

[Bd. 15, Sp. 1205]


in neuerer sprache durch schnupftuch (s. dieses) verdrängt: caesitium, rein dünn leinwad, oder schweyszthuch, schnaubtuch Alberus dict. J 2a;

das schnauptuch ist gleich wie die nas.
Fischart 1, 130, 281 Kurz.

mundartlich bei Schmidt 203; hierzu das dim. schnaubtüchlein: hand unnd schnauptüchlein. Garg. 74a; ein schönes schnauptüchlein oder fatzennetlin. Wickram goldfaden G 2b; schnaubtüchleinhändler: hembdkröszler, krauszhöltzleinträher, schnauptüchlinhändler. Fischart groszm. (kloster 8, 611).
 
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schnaubung, f. Stieler 1896.
 
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schnaude, m.(?) zu schnauden, beschwerlich athmen, schnauben, schnaufen gebildet, katarrh, schnupfen: columbrina vertreibt dy huesten und dy snauden. Schmeller 2, 568; thür. schnauten hann, schnupfen haben Jecht 97b; schnude, schwaches m. Hertel thür. sprachsch. 219; vgl. schnuder, schnoder, schnudel, schnodel, rotz und die sonstigen hierher gehörenden bildungen wie schnudeln, schnudern u. s. w.
 
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schnauden, verb. schnauben, schnaufen, schwer athmen, schon bei Notker, hier in dem sinne von 'verächtlich durch die nase schnaufen': sanna ist sonus naris pertinens ad derisionem, dannan ist derivatum subsanno (ih snudo). ps. 34, 16; subsannabit eos, nasesnûdet an sîo. 2, 4; subsannatio, nasesnûda. 78, 4. vgl. Graff 6, 845 (hier auch schon schnuder, flegma). Noreen urgerm. lautl. 164 vergleicht ags. snott, nasenschleim. vgl. ferner altn. snuðra, snoðra, schnüffeln (von hunden), vgl. snyðian in gleicher bedeutung. mhd. snûden, mit beschwerde athmen, schnaufen, schnarchen. mhd. wb. 2, 2, 452a. Lexer mhd. handwb. 2, 1043. nachtr. 367. ob das verb. als stark anzusehen ist, ist zweifelhaft. im älteren nhd. begegnet das wort noch mehrfach, so bei H. Sachs im sinne von keuchen, schnaufen:

jetzt geht er hinter jener stauden
mit blasen, schwitzen und mit schnauden. fastn. sp. 2, 112, 210 neudruck;

so ich nun heim kumb wider spadt
ins hausz mit schnauden und mit schwitzen. 3, 92, 163;

Petrus mit echzen, plassn und schnawdn
muest imer nach drollen der gais. fabein u. schwänke 1, 443, 98;

beim essen:

nach dem isz züchtigklicher masz,
nit schnaude oder sewisch schmatz. ged. 1 (1558), 430a;

vgl. Schmeller 2, 568. Stieler 1906 führt schnauden als gleichbedeutend mit schnoden, schnuden, schnodern, schnuppern an im sinne von fluxu narium laborare, stridulum sonare naribus. in den hoch- und md. mundarten finden sich eine reihe von hierher gehörigen bildungen wie schnoder, schnuder, schnodel, schnudel, nasenschleim, schnodern, schnudern, schnodeln, schnudeln, den rotz aus der nase laufen lassen u. s. w., s. Stalder 2, 344. 527. Tobler 395b. Hunziker 228. Seiler 261a. Lexer 224. Zingerle 52a. cimbr. wb. 234a; vgl. schles. schnôdern, schnûdern Weinhold 87b; schnûdern Kramer Bistritzer dialect 120. Schröer 204a. Frommanns zeitschr. 2, 464. 3, 133 (fränk.-henneb.). 5, 462 (Iglau); nd. sind snodder, snudder u. s. w. schnaudern: schnupffen (schnaudern oder strauchen) ist insgemein eine verstopffung des haupts. Hohberg 3, 1, 230b.
 
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schnaue, f. (so bei Adelung und Campe), schnau, nld. eine snauw, schwed. dän. snau, engl. snow, franz., span., port. senau, eine schiffsart geringerer grösze, mit besonderer bemastung und segelführung (daher schnaumast, schnausegel), nähere beschreibung bei Bobrik 607b; vgl. ferner Apin. gloss. (1728) 486. Jacobsson 4, 16. 7, 258a; ursprünglich vielleicht ein spitzgebautes fahrzeug, und zu nd. snau, schnabel, schnauze, maul gehörig: von schiffen, die vorn spitz zulaufen, sagt man, sie seien up de snau gebaut. über nd. snau vgl. Richey 272. brem. wb. 4, 884. Schütze 4, 139. Stürenburg 228b. ten Doornkaat Koolman 3, 241a. vielleicht aber ist an eine beziehung zu ags. sneówan, goth. snivan eilen zu denken; vgl. auch oben naue th. 7, sp. 472, lat. navis.
 
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schnauen, verb. schwer, heftig athmen, schnauben, schnaufen, schnarchen; einen anschnauen, einen anfahren (s. th. 1, sp. 447); ausschnauen, ausschnaufen, sich erholen. Schm. 2, 563; schnauern, schnarchen 579; schnauig, geschnauwig, mit worten anfahrend, beiszig, schnau, unwilliges wort Stalder 2, 340; vgl. Seiler 259b. Schmid 473. Frommanns zeitschr. 4, 245, 36 (Oberösterreich). Spiesz 222 (hier die wendung: er schnaut nicht danach, etwas ist einem gleichgültig, er begehrt nicht danach, vgl. schnau, m. gelüste Frommanns zeitschr. 6, 18 Eifel). im nhd. entspricht snâwen (für snouwen), schnauben, schnaufen, keuchen. mhd. wb. 2, 2, 436a. Lexer mhd. handwb. 2, 1026, vgl. auszerdem snöuwen mhd. wb.

[Bd. 15, Sp. 1206]


2, 2, 450b. Lexer a. a. o. 1043. einige belege vom ausgange des mittelalters sind: die fraw wolt im nichtz geben, und schnawet in an. Pauli schimpf u. ernst 203 Österley;

(wer) umb sich schnawet als eyn hunt.
Brant narrensch. 35, 3;

schnauwt mich doch nit so groblich an,
so ich kum her zu beichten gon.
Murner Badenf. 11, 11.

die nhd. schriftsprache kennt das wort nicht, dagegen haben es die nd. mundarten; im sinne von schnappen:

do schot he up unde snauwede na my. Reinke de vos 3388;

vgl. Schiller-Lübben 4, 280a; snauen, belfern; snauisch, beiszig, zänkisch Richey 272; snauen, schnappen, beiszen, keifen; übertragen: de balke snauet een beten to'r rechten, er wendet sich mit dem vorderen ende etwas nach rechts. snauhaftig, snauisk, beiszig, zänkisch; hannöv. snaueln, keifen. brem. wb. 4, 885. Schütze 4, 139. snauern, nach eszwerk herumspüren Dähnert 437b; schnauen, um sich beiszen; schnauachtig, schnausk, abschnauzend, beiszig Stürenburg 228b; vgl. ten Doornkaat Koolman 3, 241b. ebenso nld. snauwen op iemanden, latrare in aliquem, impetere aliquem maledictis Kilian. das wort ist wurzelverwandt mit schnauben, schnauden.