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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnauben bis schnaue (Bd. 15, Sp. 1200 bis 1205)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnauben, verb. den athem heftig durch die nase einziehen und ausstoszen (veraltet in der bedeutung 'schnarchen'), ursprünglich mit starker flexion (snûbe, snoup, snuben, gesnoben), vgl. mhd. wb. 2, 2, 452a. Lexer mhd. handwb. 2, 1043, snuben, stertere Hoffmann fundgr. 1, 391b (schlesische quelle des 14. jahrh.), snuben, emungere (md.) Dief. 201c, vgl. 520c unter screare; nd. snûven Schiller - Lübben 4, 281b, snuven, snoof, snaven brem. wb. 4, 905. Dähnrrt 441a. Schütze 4, 151. Richey 276. Strodtmann 220. Danneil 201a. Mi 83b; snûwe, snôf, esnôwen. Schambach 201a. Woeste 247b. Frommanns zeitschr. 3, 260, 29. Stürenburg 231a; snufen (= nld. snuffen, vgl. unser schnüffeln), snûfen, snuven ten Doornkaat Koolman 3, 249b; nnld. snoeven Oudemans bijdrage tot een middel- en oudnederlandsch woordenboek 6, 393; snoeven, snuyven Kilian; neunld. snuiven. verwandt mit schnauben sind schnupfen, schnüffeln, schnuppern u. s. w. zu vergleichen sind ferner bildungen anderer germanischer sprachen, altnord. snoppa, schnauze, maul, ags. snofl, mucus, snoflig, adj. (Bosworth - Toller), schwed. snufva, schnauben, engl. to snuff. die einführung des verbums schnauben in die deutsche schriftsprache wird durch Luther gefördert, der es in seiner bibelübersetzung mehrfach anwendet, der Basler Adam Petri glossiert seinen landsleuten schnaubet, das Luther auch im übertragenen sinne anwendet, durch trwet, anschnawbet (Kluge von Luther bis Lessing 89). Hulsius dict. (1616) verzeichnet schnauben, den athem tieff holen, unnd starck athmen. 286b; anhelare, keichen, schnauben, umb und umb von sich hauchen. Corvinus fons latin. (1660) 310b. vgl. Stieler 1895. Kramer teutsch-ital. dict. (1702) 2, 621a. Steinbach 2, 481. Frisch 2, 212a; den oberd. mundarten ist schnauben fremd (dafür schnauen und schnaufen) Schm. 2, 573; zum gebrauche md. gegenden vgl. Hertel thür. sprachsch. 217. Regel Ruhlaer mundart 266. Albrecht 204a. Bernd 271. Frischbier 2, 302b. 309b. die flexion des wortes ist ursprünglich die starke, die im nd. gut erhalten ist; doch bildet schon Luther ein schwaches präteritum: (die) mit grimmigem rauch schnaubeten. weish. 11, 19. Stieler 1895 hat neben einander schnob und schnaubete, geschnoben und geschnaubet. zu den starken präteritalformen hatte man ein präs. ich schniebe gebildet (s. schnieben); Steinbach 2, 481 führt schniebe, schnob, geschnoben als die schriftgemäszen formen, schnaube, schnaubete, geschnaubet als vocem ratione derivationis solum annotatam an. Frisch 2, 212b erklärt die

[Bd. 15, Sp. 1201]


starken formen für veraltet und gibt als starke präteritalform ich schniebe. auch Adelung verwirft die starke flexion. bisweilen findet sich die schreibung schnaupte, so bei Klinger unten unter 7, b. Rollenhagen bildet das starke prät. schnaub (snoup):

schnaub mit der nasn, schickt sich zum tantz (oder verdruckt für schnaubt?). froschm. Oo 7a;

daneben hat er aber das schwache prät.:

die naszlöcher schnaubten, und brausten. Cc 5b;

der ind. präs. des starken verbums flectiert regelrecht ich schnaube, du schnäubst, er schnäubt:

Jairus tochter schnäubet.
Fleming 5;

nd. snwest (snüwwst), snwet (snüfft), vgl. Dähnert 441a. Mi 83b. Schambach 201a. Woeste 247b; diese formen als schneubst, schneubt aufgefaszt befördern die bildung des präsenstypus ich schniebe (s. schnieben). in der neueren sprache hat sich der gebrauch herausgebildet, dasz die starken präteritalformen schnob, geschnoben nur bei der verwendung des verbums in gewählter, gehobener redeweise angewendet werden, z. b. er schnaubte sich geräuschvoll, nicht er schnob sich geräuschvoll (wol aber nd.), aber er schnob rache, daneben er schnaubte rache; dagegen sagt man nicht der sturmwind schnaubte heran, sondern nur schnob heran.
bedeutung. der neueren schriftsprache sind einige anwendungen fremd, die in der älteren periode vorhanden oder in mundarten noch üblich sind; dagegen hat sich seit dem 18. jahrh. das verbum durch freiere ausbildung einer eingeschränkten bedeutung ein groszes verbreitungsgebiet erworben.
1) vom putzen und reinigen der nase, durch ausstoszen der luft. snuben, emungere Dief. 201c; trans. utsnuuen de nasen. ebenda; die nase ausschnauben, nasum emungere Steinbach 2, 482, vgl. brem. wb. 4, 906. redensart: snuw erst de nese uth, sei nicht vorwitzig, werde erst erwachsen und verständig. Richey 276; auch ohne accusativ: schnaube nicht so laut. mit reflexivem dativ: sich die nase schnauben, auch hier mit auslassung des selbstverständlichen objects:

ok we syk lange tyd snuuen dot,
de werpet ok vaken van syck bloet. dat nye schip van Narragonien 81 Schröder;

vgl. Frommanns zeitschr. 6, 283, 722. Adelung erklärt diese anwendung des wortes für ungewöhnlich im hochd., doch ist es jetzt besonders auch im gebrauche md. gegenden völlig eingebürgert. das eigentliche hochd. wort ist schneuzen, s. dieses. die nase schnaubt, wenn sie auf die angegebene weise gereinigt wird:

o aller nasen nas'! (von einer langen nase) ich wollte schwören,
das ohr kann sie nicht schnauben hören.
Lessing 1, 8.

schnauben infolge eines reizes:

ein bisam-büchschen, das er ein um's andre
der nase reichte, und hinweg dann zog,
die zornig drüber, wenn sich's wieder nahte,
ins schnauben kam. Shakespeare Heinr. IV 1, 1, 3.


2) allgemeiner, mit geräusch die luft durch die nase ausstoszen, in die bedeutung von schnaufen übergehend: schnaub doch nicht so, athme doch nicht so geräuschvoll durch die nase; nd. snuf so nig brem. wb. 4, 905; he snuvt assen tunygel Strodtmann 220; schnauben als folge von erkältung ten Doornkaat Koolman 3, 249b; beim sprechen: se snvt, wenn se sprekkt, sie spricht durch die nase Dähnert 441a; auszer athem sein, hart athmen: snûwen, schnaufen, auszer athem sein Schambach 201a; schnauben für müdigkeit Kramer 2, 621a; kamen zu jrem schiff gelauffen, schnaubeten wie die bären. buch d. liebe 6a.
3) daher in älterer sprache im sinne von schnarchen: stertere, snûben fundgr. 1, 391b; der da schläfft der schnaubet oder schnarchet. Comenius sprachenth. übers. v. Docemius (1657) 352; da er nun hörete dasz ihrer zwey im bette lagen und schnaubeten. maulaffe 40; da derselbe aber sehr stille (schlafend im bette) lag und nicht das geringste schnauben von sich hören liesz. Felsenb. 2, 237;

du bist der ratzen arth, du schnaubst die gantze nacht.
Rachel sat. ged. 35;

edler, schweres athmen infolge eines bösen traumes:

herr! ruft ihm Scherasmin, da er sein banges schnauben
vernimmt, erwacht, erwacht!
Wieland Oberon 3, 64.


4) ebenfalls veraltet ist schnauben in dem sinne von athmen, schwer athem holen: da schnaubet (oscitavit Vulg.) der knabe sieben mal, darnach thet der knabe seine augen auff. 2 kön. 4, 35; so lange mein odem in mir ist, und das schnauben von gott in meiner nasen ist. Hiob 27, 3; denn das schnauben in unser nasen ist ein rauch. weish. 2, 2; nicht schnauben,

[Bd. 15, Sp. 1202]


animam comprimere, intercludere Stieler 1895. vgl. die oben aus Fleming angeführte stelle. ebenso schnieben: so lange man schneubt, so hofft man. Steinbach 2, 481.
5) im nd. und angrenzenden gebiete für schnupfen, tabak schnupfen: laat uns ins snuven, laszt uns eine prise tabak nehmen. brem. wb. 4, 906; ko't (kalt) schnuvve, mit langer nase abziehen. Müller-Weitz Aachener mundart 219, vgl. noch Mi 83b. Frischbier 2, 302b.
6) nd. auch im sinne von spüren, suchen, spähen: wat hest du hier to snuven, was hast du hier zu suchen? he kumt underwilen an snuven, er kommt bisweilen her um etwas neues zu erfahren. brem. wb. 4, 906. vergl. Dähnert 441a. Schütze 4, 152. ten Doornkaat Koolman 3, 249b.
7) die schriftsprache verwendet schnauben meist in gehobener redeweise. freie wendungen, übertragungen haben sich in mannigfacher weise entwickelt. das schnauben ist das heftige, laute athmen, besonders das heftige ausstoszen der luft bei erregten zuständen.
a) für die weitere bedeutungsentwicklung wichtig ist die anwendung von schnauben bei thieren; das verb. kann hier ohne jeden nebensinn gebraucht werden, meist aber tritt die vorstellung von inneren erregungen hinzu, die sich im schnauben äuszern. drachen und andere märchenthiere schnauben feuer oder gift, besonders wenn sie zornig sind und angegriffen werden: grimmige, unbekandte thier, oder die da fewr speieten, oder mit grimmigem rauch schnaubeten. weish. 11, 19; ein groszer geflügelter löwe, welcher bey jedem athemzuge so viel feuer aus seinen nasenlöchern schnaubte, dasz es heller als bey tage davon wurde. Wieland 12, 183 (Sylvio v. Rosalva 2, 6, 1); Venedigs löwe schnaubt vor unmut bei einer dogenwahl:

es schnaubte, da die glocke kündete
die wahl, Sankt Markus leu.
Ludwig 4, 284.

frei von einem zum angriff stürmenden löwen:

er kam zum Rachs (pferd) in schnaubendem lauf.
Rückert Firdosi 1, 329.

walfische: weil die wallfische mit groszem schnauben und wasser auszsprützen sich hin und wieder hören und sehen lieszen. Mandelslo reisebeschr. 107b; so oft er (der walfisch) schnaubte, ... so entstand ein kleiner sturmwind. Wieland 12, 251 (Sylvio v. Rosalva 2, 6, 2). von einer katze, die etwas widriges schmeckt:

denn als sie kaum darein den ersten bisz gethan,
so schnaubt und sprudelt sie, als wenn sie glas gefressen.
Lessing 1, 129.

in wuth: die katze schnaubet, fauchet. Kramer deutsch - ital. dict. (1702) 2, 621a; von rehen, die gefahr wittern: aber diesmal schnaubten sie auf einmal, und eh' ich mich's versah, waren sie plötzlich nach allen seiten zerstoben. Eichendorff (1864) 2, 551. spürende und verfolgende hunde: auch sie (junge jagdhunde) laufen hin und her, pelfern und schnauben, schnauben und pelfern selbst da, wo gar kein hase über das feld gelaufen ist. Klinger 12, 36;

es schnaubt der doggen spürkraft durch die wälder.
Schiller 6, 391

(vgl. oben 6). eulen:

abendlich pickte die uhr, und schnob die eul' in dem kirchthurm.
Voss 1, 73;

das käuzlein schnaubt im alten ritterbau.
Salis an ein thal.

besonders aber wird das wort in beziehung auf rosse gebraucht, wobei je nach dem zusammenhange verschiedene nebenvorstellungen obwalten und prägnante wendungen sich von selbst ergeben. schnauben als ausdruck der erregung nach heftigem laufe aber auch des kraftgefühls, muthes, der bewegungsfreude, kampfbegier, wollust, angst u. s. w.: die pferde schnauben, die gäule schnauben gewaltig. Kramer deutsch - ital. diction. (1702) 2, 621a; schnauben, als wilde pferde. Frisch 2, 212a; man höret, das jre rosse bereit schnauben zu Dan. Jer. 8, 16; von zeit zu zeit hörte man die pferde schnauben und die wachen anrufen aus der ferne. Eichendorff (1864) 2, 443; die prächtigen thiere schnaubten leise und reckten die ohren. Gutzkow ritter vom geist buch 1, cap. 5;

er kam, und schnaubt gleich wie ein gaul (trotzig).
Alberus fabeln 16, 15;

vor nichts entsetzte mehr sie sich, schnob sie so (die stute).
Klopstock 2, 35;

sie (die rosse) schnauben wollust und hitze.
E. v. Kleist 2, 27 (1760);

zitternd hör' ich ihr (der aufsteigenden sonnenrosse) schnauben.
Herder 27, 321;

wohin schnaubst du (mein hengstchen)?
wohin wirst du mich tragen? 25, 187;

[Bd. 15, Sp. 1203]



es (das ross) ruft: hui!
und schnaubt von fern in die schlacht,
ins kriegsgeschrei der führer, ins feldgeschrei. 11, 303;

laut wiehern, und schnauben und knirschen und strampfen
die rosse.
Schiller 1, 305;

's ist hier just, wie 's beim einhau'n geht,
die pferde schnauben und setzen an. Wallensteins lager 11;

sechs apfelschimmel schnauben am gespann.
Platen 177b.

in dichterischer sprache auf den reiter mit bezogen, von scharf jagendem laufe:

dasz rosz und reiter schnoben,
und kies und funken stoben.
Bürger 14b.

freier vom reiter allein: hier kommt einer zu pferde und schnaubt und stampft und spritzt vorbei. Ludwig 2, 15;

vor kamen und nach ihm reiter geschnaubt.
Rückert Firdosi 2, 437.


b) vom menschen, besonders als ausdruck der wuth, des verzweifelnden grimmes, des zornes, des trotzes, der überhebung, seltener des heftigen begehrens:

die nase schnaubt (eines riesen), dampf fährt aus seinem mund.
Wieland Oberon 3, 35;

bei heftigem begehren:

wie die nas' ihm schnaubt, und die gierigen augen ihm funkeln.
Voss 2, 262 (id. 15, 96);

vor wuth, vor zorn schnauben u. ähnl.: schnauben für zorn, wider jemand schnauben und wüthen; schnaubend für gifft (vor giftigem zorne). Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 621a; vor dreuungen schnauben. Steinbach 2, 481; schnaubend vor wuth. Schiller 4, 175;

er hörte kam und sah, und schnob vor rach und wuth,
so wie ein wilder bär vor hitz und durst nach blut.
Günther 707;

andere wendungen mit präpositionen: Saulus aber schnaubete noch mit drewen und morden, wider die jünger des herrn. ap.-gesch. 9, 1; (er) schnaubte in rache, angst und verzweiflung. Klinger 4, 240; durch ein adjectiv bestimmt: mochte für zornigklichem schnauben kaum seines erachtens bald gnug daheim sein. Kirchhof wendunm. 1, 521 Österley. leicht ergeben sich prägnante wendungen, sodasz schnauben den sinn annimmt: wüthen, trotzen, pochen, zornig und feindlich sich gebahren: wider einen schnauben, minas ac caedem adversus aliquem spirare, acerbe in aliquem invehi. Stieler 1895; schnaubend, fremebundus Frisch 2, 212b; schnaubende worte, verba inflata et anhelata gravius. ebenda; herr von deinem schelten, von dem odem und schnauben deiner nasen. ps. 18, 16; jhr vil auch schnaubeten, und schnarchten, unnd gern ein unlust hetten angericht. Mathesius Luther 147a; Faust, der während des verhörs schnaubte und glühte. Klinger 3, 202;

kan die deutsche sprache schnauben, schnarchen, poltern, donnern, krachen?
kan sie doch auch spielen, schertzen, lieben, gütteln, kürmeln, lachen.
Logau 3, 89, 67;

wider Satans zorn und schnauben.
Günther 15;

da ihr am ärgsten zaget,
wird dieser feind, der trotzt und schnaubt,
mit schrecken hingejaget. 49;

beschirme mich vor den haufen, — die da rauben und raufen, — die da schnauben und schnaufen. Rückert 11, 294. verächtlich:

und so verschmerz' ich euer pfäffisch schnauben.
Herwegh ged. eines leb. (1841) 162;

niederd. wat hest du to snuven, was hast du trotzig zu reden. Schütze 4, 152. einen schnaubend anfahren:

und fuhr ihn (denn dafür war er ein reicher mann),
bey jeder post gebietrisch schnaubend an.
Gellert 1, 162;

vgl. DWB anschnauben theil 1, sp. 447. schnauben allein im sinne von wüthend hervorstoszen:

wirft er vor ihr sich nieder,
und schnaubt: der knabe hier ..
... ist, wie er geht und steht,
ein schurke.
Wieland 5, 98 (d. neue Amadis 15, 21);

schnauben mit abhängigem accusativ, wuth, rache, verderben schnauben u. ähnl.:

drum schnaubt er rach und mord.
A. Gryphius 1, 12;

schnaubt eisen, büchs und mord. 299;

die rosse schnauben flammen,
die ritter tod.
Wieland 5, 106 (d. neue Amadis 15, 35);

da stürzet die raubende rotte
hervor aus des waldes nächtlichem ort,
den pfad ihm sperrend, und schnaubet mord.
Schiller 11, 287;

schnaubtest erst grimm, und nun so zagend.
Grillparzer 4, 216;

[Bd. 15, Sp. 1204]



der ruf des Schahs, der kriegswut schnaubt.
Rückert Firdosi 1, 364;

freier: indem er erhabene verse schnaubt, und sich in den wolken verirrt. Ramler dichtkunst d. Horaz 139; schnob einen seufzer und erhob den gesang. Rückert (1882) 11, 372. mit anderer wendung, zorn, rache schnaubt u. ä.: so höret ihn (den zorn) der morgenländer! höret ihn schnauben; höret ihn brennenden rauch, und stürmende funken sprühen. Herder 5, 70;

es schnob in der nas ihm
schnell der erbitterte muth.
Voss Od. 24, 318;

ein mächt'ger geist schnaubt aus der nasen.
Göthe 2, 92;

nicht dieses schnauben
verhaltner wuth!
Schiller 6, 140;

das schnauben ihrer
rache.
Hölderlin 1, 13 Köstlin;

nach etwas schnauben: ich schnaube nach seiner spur. Göthe 10, 115; einen jungen helden, der nach rache schnaubt. 19, 75; ich schnaupte nach blut. Klinger theater 3, 367;

geht hin, die ihr nach golde schnaubet.
Uz 51 Sauer;

siehe, da steht Vulkan
nach kriege schnaubend.
Herder 26, 216;

überhebung:

desz nase nur nach äther schnaubt.
Bürger 133b.

mit abhängigem infinitiv: er schnaubte, den mord Astarte's an dem kayser zu rächen. Klinger 5, 126;

die liebe wird mit feurigem betriebe
sich in sich selber zu verzehren schnauben.
Platen 103a.


c) auf unbelebtes übertragen. zur bezeichnung sausenden geräusches, brausenden einherfahrens, herankommens u. ähnl. der blasebalg, die maschine, das dampfrosz schnaubt. von wind und sturm:

der thauwind kam vom mittagsmeer,
und schnob durch Welschland, trüb' und feucht.
Bürger 36a;

im bilde: doch es schnob der sturm des leides. Rückert poet. werke (1882) 11, 236;

fürchtete sie, wie der glücksturm schnaubte,
dasz er die letzten zweige raubte
dem wankenden königsstamme. 12, 32;

in dieser zeit gewog,
da die stürme rastlos schnaubten.
Geibel 2, 93;

ungewöhnlicher:

ihrer flammen wallend licht
schnaubet, zischet, rauschet, sauset.
Brockes 7 (1746), 555;

wenn der blitz in deinen händen
von entbranntem zorne schnaubt.
Uz 1, 174;

das nd. verwendet snûven in ähnlichem sinne, so vom rauschenden laufe eines schiffes:

(sie) hebben gesen
den groten engel dorch de se snuven
met negentein schepen.
Liliencron hist. volksl. 3, nr. 263, 26;

idt geit'r herdör, dat idt snuft. brem. wb. 4, 905. Schütze 4, 152; vom sausen einer pfeffermühle Frommanns zeitschr. 3, 557; wie im hochd.: de wind snüwet recht ümt hûs. Woeste 247b. ungewöhnlich frei: das alte schlosz soll schnauben unter der last jubelnder gäste. Ludwig 3, 767.
 
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schnauber, m. schnaubender:

mit gewalt bezähmte der löwe endlich den schnauber.
Stolberg 12, 158 (ἀσθμαίνοντα Ilias);

prahlender, trotziger gesell (s. DWB schnauben 7, b): meutmacher, schnauber, stampffer, friedbrecher. Kirchhof mil. disc. 221; schnauber, fremebundus, stomachosus Stieler 1896. hessisch schnäuber, einer der im essen wählerisch ist Vilmar 361. nd. snwer, eine art von schornstein Woeste 247b; einer der viel tabak schnupft Dähnert 440a (s. DWB schnauben 5).
 
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schnaubern, verb., iterativbildung zu schnauben, s. DWB beschnaubern theil 1, sp. 1587.
 
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schnaubicht, adj. anhelus, spirabilis, spiritalis. Stieler; s. die beiden folgenden wörter.
 
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schnaubig, adj. schnaubend: schnaubig wild Opitz bei Campe. nd. snuvich, snovich von pferden, mit rotz behaftet Schiller-Lübben 4, 281b. hess. schnäubig, wählerisch im essen Vilmar 361; vgl. unter schnauber.
 
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schnaubisch, adj. wie das vorhergehende. dem nd. snövisk, -isch (Richey 277. brem. wb. 4, 907. Schütze 4, 152. Dähnert 439b. Danneil 199), snüwesk (Woeste 247b) würde ein hochd. schnäubisch entsprechen.
 
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schnaubtuch, n. ein leinenes tuch, in das man die nase entleert (s. DWB schnauben 1), taschentuch; nur in älterer sprache und hier oft schnauptuch geschrieben (ebenso ich schnaupte),

[Bd. 15, Sp. 1205]


in neuerer sprache durch schnupftuch (s. dieses) verdrängt: caesitium, rein dünn leinwad, oder schweyszthuch, schnaubtuch Alberus dict. J 2a;

das schnauptuch ist gleich wie die nas.
Fischart 1, 130, 281 Kurz.

mundartlich bei Schmidt 203; hierzu das dim. schnaubtüchlein: hand unnd schnauptüchlein. Garg. 74a; ein schönes schnauptüchlein oder fatzennetlin. Wickram goldfaden G 2b; schnaubtüchleinhändler: hembdkröszler, krauszhöltzleinträher, schnauptüchlinhändler. Fischart groszm. (kloster 8, 611).
 
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schnaubung, f. Stieler 1896.
 
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schnaude, m.(?) zu schnauden, beschwerlich athmen, schnauben, schnaufen gebildet, katarrh, schnupfen: columbrina vertreibt dy huesten und dy snauden. Schmeller 2, 568; thür. schnauten hann, schnupfen haben Jecht 97b; schnude, schwaches m. Hertel thür. sprachsch. 219; vgl. schnuder, schnoder, schnudel, schnodel, rotz und die sonstigen hierher gehörenden bildungen wie schnudeln, schnudern u. s. w.
 
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schnauden, verb. schnauben, schnaufen, schwer athmen, schon bei Notker, hier in dem sinne von 'verächtlich durch die nase schnaufen': sanna ist sonus naris pertinens ad derisionem, dannan ist derivatum subsanno (ih snudo). ps. 34, 16; subsannabit eos, nasesnûdet an sîo. 2, 4; subsannatio, nasesnûda. 78, 4. vgl. Graff 6, 845 (hier auch schon schnuder, flegma). Noreen urgerm. lautl. 164 vergleicht ags. snott, nasenschleim. vgl. ferner altn. snuðra, snoðra, schnüffeln (von hunden), vgl. snyðian in gleicher bedeutung. mhd. snûden, mit beschwerde athmen, schnaufen, schnarchen. mhd. wb. 2, 2, 452a. Lexer mhd. handwb. 2, 1043. nachtr. 367. ob das verb. als stark anzusehen ist, ist zweifelhaft. im älteren nhd. begegnet das wort noch mehrfach, so bei H. Sachs im sinne von keuchen, schnaufen:

jetzt geht er hinter jener stauden
mit blasen, schwitzen und mit schnauden. fastn. sp. 2, 112, 210 neudruck;

so ich nun heim kumb wider spadt
ins hausz mit schnauden und mit schwitzen. 3, 92, 163;

Petrus mit echzen, plassn und schnawdn
muest imer nach drollen der gais. fabein u. schwänke 1, 443, 98;

beim essen:

nach dem isz züchtigklicher masz,
nit schnaude oder sewisch schmatz. ged. 1 (1558), 430a;

vgl. Schmeller 2, 568. Stieler 1906 führt schnauden als gleichbedeutend mit schnoden, schnuden, schnodern, schnuppern an im sinne von fluxu narium laborare, stridulum sonare naribus. in den hoch- und md. mundarten finden sich eine reihe von hierher gehörigen bildungen wie schnoder, schnuder, schnodel, schnudel, nasenschleim, schnodern, schnudern, schnodeln, schnudeln, den rotz aus der nase laufen lassen u. s. w., s. Stalder 2, 344. 527. Tobler 395b. Hunziker 228. Seiler 261a. Lexer 224. Zingerle 52a. cimbr. wb. 234a; vgl. schles. schnôdern, schnûdern Weinhold 87b; schnûdern Kramer Bistritzer dialect 120. Schröer 204a. Frommanns zeitschr. 2, 464. 3, 133 (fränk.-henneb.). 5, 462 (Iglau); nd. sind snodder, snudder u. s. w. schnaudern: schnupffen (schnaudern oder strauchen) ist insgemein eine verstopffung des haupts. Hohberg 3, 1, 230b.
 
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schnaue, f. (so bei Adelung und Campe), schnau, nld. eine snauw, schwed. dän. snau, engl. snow, franz., span., port. senau, eine schiffsart geringerer grösze, mit besonderer bemastung und segelführung (daher schnaumast, schnausegel), nähere beschreibung bei Bobrik 607b; vgl. ferner Apin. gloss. (1728) 486. Jacobsson 4, 16. 7, 258a; ursprünglich vielleicht ein spitzgebautes fahrzeug, und zu nd. snau, schnabel, schnauze, maul gehörig: von schiffen, die vorn spitz zulaufen, sagt man, sie seien up de snau gebaut. über nd. snau vgl. Richey 272. brem. wb. 4, 884. Schütze 4, 139. Stürenburg 228b. ten Doornkaat Koolman 3, 241a. vielleicht aber ist an eine beziehung zu ags. sneówan, goth. snivan eilen zu denken; vgl. auch oben naue th. 7, sp. 472, lat. navis.