Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnatterzunge bis schnatzig (Bd. 15, Sp. 1199 bis 1200)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnatterzunge, f., eine schnatterhafte zunge, femina cicalona, garrula Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 617a. vgl. DWB schnattern 3.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnattfisch, m., s. schnottfisch.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnättig, adj.
1) fränk.-henneb. schnettig, schneddig, schlank, gerade, gut gewachsen Spiesz 222. Reinwald 2, 112. in Frommanns zeitschr. 2, 170, 10 wird zusammenhang mit schnatte, reis vermutet. s. oben schnat, schnatte 2.
2) im bergbau wird schnättig, schnätig, schnetig neben schneidig gebraucht von gestein, das leicht bricht, leicht zu gewinnen ist Veith bergwb. 424, 425. vielleicht, wie dort angenommen wird, entstanden aus schneidig, schneitig oder verwandt damit. dann könnte das wort dasselbe sein wie 1. vgl. DWB schnatte 1: es wurde anders ein schnättiger gang gehawen, anders ein vester. Bechius übers. v. Agricolas bergwerksb. 82; ein schnättigen gang aber heisze ich diesen, der ausz der erden, unnd auch ausz weichen säfften zusammen gewachsen ist. ebenda; schnetig ist, wenn der gang oder gebirg gut zu gewinnen ist. quelle von 1616 bei Veith 425.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnättlein, n. junger pflanzentrieb, sprosz, deminutiv zu schnatte 2:

sie (die apfelkerne) fielen in nachbars gärtelein,
es wuchsen ein paar schöne schnättelein.
Mittler volksl. nr. 314, 7 (schlesisch).


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnatz, m. , zu schnatzen, schnätzen gehörig.
1) schnitz Hertel thür. sprachsch. 216. Frommanns zeitschr. 5, 114, 9 (elsäss.), deminutiv schnatzel, schnitzel Hertel a. a. o. daneben mit umlaut schnätz, schnitz Stalder 2, 340, schnetz, schnitt, schnetze, f., schnitte Lexer kärnt. wb. 229, schweiz. ist schnätz auch schnitzmesser Stalder 2, 340. vgl. schnätzer.
2) hess. das geflochtene und um die haarnadel gewickelte haar der frauenspersonen, in Oberhess. auch der kopfputz der bräute, gevatterinnen und zuchtmägde Vilmar 361: die braut sasze auf einem mit tannenzweigen ausgeschmückten wagen, sange und spanne; um sie saszen etwa 6 brautmädgens und sangen mit. alle im schnatze, das ist, blosköpfig mit band und rosmarien geziret, auch zween geflochtenen harzöpfen. quelle von 1757 ebenda.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnätzelchen, n. schmeichelwort für ein kleines mädchen (Caub) Kehrein 1, 359. vergl.g'schnetz, n. haufen plauderhafter, naseweiser, halberwachsener mädchen (Ulm) Schmid 472, schnatzig 1 und schnatzen 3.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnätzeln, schnatzeln, verb., s. das folgende.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnätzen, schnatzen, verb.
1) schnätzen, schnitzen, zerschneidend oder bildend Stalder 2, 340, schnétz'n Lexer kärnt. wb. 224, dazu als deminutiv oder frequentativ schnätzlen, sculpere, scalpere Maaler 359b, schnätzeln, schnitzeln Stalder 2, 340, schnätzle Seiler 260a, schnázln Schm.2 2, 590. Schöpf 638. Hügel 142a. 112a. übertragen ausschnätzen, -eln, ausschelten Stalder 2, 340, beschnázln, bekritteln Schm.2 2, 590. zusammenhang mit schnitzen ist wahrscheinlich. dazu schnätzlidecke, aus zeugschnitzeln genähte decke, schnätzesel, schnitzbank Stalder 2, 340, gschnazl, zerschnittenes, zerhacktes, quisquiliae Schm.2 2, 590. vergl. auch schnatz 1, schnätzer, schnatzig 1, 3 und schnätzlein.
2) schnatzen, aufschnatzen, prächtig putzen, zierlich ankleiden Schmidt 202. Kehrein 1, 360, das haar der frauenspersonen glatt kämmen, flechten und um die haarnadel wickeln Vilmar 361, mhd. snatzen, schmücken, mit umlaut schnetzen, rarum est vocabulum, notatque ornare, quasi omnia, quae supervacanea sunt, resecare Stieler 1903. nach dieser erklärung, die auch Weinhold 87a gibt, wäre das wort eng verwandt mit 1. in der mitte

[Bd. 15, Sp. 1200]


zwischen dieser und der vorigen bedeutung steht schnazen, schnäzeln, als bezeichnung des spinnens und zupfens von baumwollabfällen. Birlinger 400a. vgl. auch schnatz 2: das mägdlein hat sich wacker geschnetzet, puella haec insigniter sese exornavit Stieler 1903; die jungfer hat sich ja geschnatzt, aufgeschnatzt! Schmidt 202;

frouwe Gerdrut von Leinbach
durch fruntliches schouwen
quam zu der reinen frouwen,
ir kneht, ein jungelinc, mit ir
in gar uppeclicher gir,
gesnatzet unde wol bereit
zu werltlicher idelkeit. Elisab. 8455 Rieger.


3) östr. hschndseln, abküssen Castelli 247, könnte in beziehung stehen zu schnattern (s. dieses) oder durch übergang von m in n zu schmatzen. vgl. Weinhold bair. gramm. § 169. auch schnatzen ist in einer verbindung bezeugt, wo eine an schmatzen (s. dieses oben sp. 947) erinnernde bedeutung vorzuliegen scheint:

die Unseld in dem stocke lag,
si schnatzet ser alda in groszen nöten. quelle in der Germ. 13, 320.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnätzer, m., zu schnätzen 1, der schnitzt, dann im sinne von 'schnitzmesser' Stalder 2, 340, schnetzer Regel 265, übertragen, derber vorwurf Stalder 2, 340, lustiger streich, hinterlistiger anschlag Regel 265. ahd. snetzere, sculptor, snezzungo, segmenti Graff 6, 845. daneben zu schnätzeln schnätzler, sculptor, scalptor Maaler 359b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnätzer, adj., s. das folgende 2.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnatzig, adj.
1) vorwitzig Schm.2 2, 590. vielleicht durch übertragung von schnätzen, schnatzen 1 aus zu erklären, vgl. DWB schnätzelchen.
2) geschnatzig, schmuck, nett Weinhold 87a, zu schnätzen, schnatzen 2 gehörig. mit anderem suffix schnätzer, reinlich, ordentlich, nett Vilmar 361. vgl. gramm. 2, 134 ff.
3) schles. schnâzig, geschnatzet, mager, blasz Weinhold 87. ist zusammenhang mit schnätzen, schnatzen 1 anzunehmen? vgl. jedoch auch schnäderig unter schnatterig 2.