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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnattbaum bis schnatterente (Bd. 15, Sp. 1194 bis 1195)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnattbaum, m. grenzbaum, grenzpfahl: wenn einer einen schnatbaum abhauet, wie hoch derselbe solle gestrafet werden? weisth. 3, 285, 24; der den heiligen schnatbaum fället, und solchergestalt nicht den marktfrieden, sondern den gottesfrieden bricht. Möser osnabr. gesch. 1, 16. das wort gehört zu schnat, schnatte 3 und ist wol eigentlich nd.: snâtbôm Schiller-Lübben 4, 269b. Grimm rechtsalterth. 545. ähnliche bezeichnungen sind snaatpahl, grenzpfahl Strodtmann 218, snaatsteen ebenda. Woeste 245a, snaathage, grenzhecke. brem. wb. 4, 883, snëdweg, snâdweg, waldgrenze, forstgrenze Schambach 199b. schnadenzug ist in Westfalen der feierliche umritt um die flurgrenze, die grenzbeschauung, heute meist in ein kirchliches fest umgewandelt. Gengler stadtrechtsalterth. 275.
 
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schnattelarbeit, f. bergmännisch gewinnungsarbeit mittelst eisernen werkzeugs, schlägel-, eisenarbeit Veith 424. vgl. DWB schnatten, verb.
 
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schnatteln, verb., s. das folgende und schnattern.
 
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schnatten, verb. scindere, bei Butschky bezeugt im compositum einschnatten, s. dieses oben theil 3, 282. kärnt. heiszt tâsn schnâtn mit der schnâthàcke fichtenzweige abhauen, die dann zerkleinert zu streu verwendet werden Lexer kärnt. wb. 223, nassauisch in gleichem sinne schnaden, schnaren Kehrein 1, 358. als deminut. begegnet nd. snatelen, de tellighen besniden, ramescere Dief. 4b (von 1425). nov. gl. 3b. Schiller-Lübben 4, 269b, snateln, schälen, z. b. kartoffeln Woeste 245b, nassauisch schnadeln, die untern äste der fichten, kiefern abhauen Kehrein 1, 358, als collectivbildung dort schnadsel, das abgehauene holz. ebenda. man vermutet zusammenhang mit schneiden Lexer a. a. o. vgl. schnatte 1 und 2 und düring. schnédle, beschneiden Hertel sprachsch. 217, schnteln Jecht 48b, schnädeln Albrecht 204a, hess. schneiteln Vilmar 362, so auch als technischer ausdruck im forstwesen Jacobsson 4, 27b, nd. sneteln brem. wb. 4, 891, snêteln, schälen Woeste 246a.
 
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schnatten, verb., nebenform zu schnattern, s. dieses.
 
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schnatter, m. f. , zu schnattern gehörig.
1) im sinne von 3
a) als m. geschwätz, vgl. mndl. snater, garrulitas, loquacitas inepta Kilian:

wann böser zungen schnatter
hat weder trum, noch endes zil. Hätzlerin 2, 58, 320;

die sperber hettens einen schnader;
darausz enstund ein groszer hader.
Waldis Esop 3, 22, 1.


b) als fem. plappermaul, auch maul, mund überhaupt, nd. snater brem. wb. 4, 884. ten Doornkaat Koolman 3, 240b, sneter Woeste 246a, hochd. schnatter Frischbier 2, 302b, schnattern Schm.2 2, 584, holl. snater, m.: de snater holden. brem. wb. 4, 884; de snater steit em nig een ogenblikk. ebenda. sprichwörtlich: water is un blift water, man wîn rörd de snater. ten Doornkaat Koolman 3, 240b. in übertragenem sinne auch von schwatzhaften personen Schm.2 2, 584, so dann auch als m., schnâter Kleemann 19c, schnâder Hertel sprachsch. 216.
2) im sinne von 4.
a) schnatter, m. knack, knacks, knistern Tobler 393b.
b) snatter, f. klapper Zingerle 52a, snatara cimbr. wb. 233b.
c) in Vorarlberg heiszt der rückwärts vorspringende theil der latte an einem leiterwagen, auf der das wagengerüst befestigt ist,

[Bd. 15, Sp. 1195]


die schnätterâ, wegen des schnatternden geräusches, das er beim fahren macht. Frommanns zeitschr. 3, 299.
 
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schnatter, f. narbe, s. DWB schnatte 1.
 
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schnatterbrettlein, n. in östreich.-schles. redensart: a îs ofs schnoat'r-brâtla kumma, er hat zu ende gewirtschaftet, es ist bald aus mit ihm. Wander 4, 288. ebenda wird vermutet, dasz das wort ursprünglich dasselbe bedeute wie das vorarlbergische schnättera. s. das vorige 2, c.
 
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schnatterbüchse, f. plappermaul, schwatzhafte person; besonders oberd., schnatterbüchsen Schm.2 2, 584, schnatterbüchs' Schöpf 638, schnaderbüxen Hügel 141b, schnatterpüxl Lexer kärnt. wb. 223. vergl. DWB schnattern 3: Josephine, eine rechte schnatterbüchse, sagte ihm vor er müsse von turnieren und fechten sprechen. Arnim kronenw. 1, 70.
 
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schnatterei, f. zu schnattern, im sinne von 3: mhd. snaterîe, geschwätz Lexer mhd. handwb. 2, 1026, schnatterey, schnatterung, das schnattern, garrulitas, loquacitas, facundia odiosa, stolida, et vecors Stieler 1888, schnaderey 1886. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 617a, schnatterei Campe, sowol das schwatzen selbst als was geschwatzt wird: wenn ich nur ein wort verstanden hab von der ganzen schnatterei, so bin ich ein schlechter mann. Raimund (1891) 2, 169; daher auch pluralisch gebraucht:

du warst so glücklich Rom einst zu salviren,
durch deine schnatterei'n.
Blumauer bei
Campe.


 
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schnatterente, f. schnatternde ente, besonders als bezeichnung einer entenart, die stärker schnattert als die gemeine ente, die schnarrente, anas strepera. Adelung. Nemnich 1, 283. Oken 7, 462.