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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnarrstimme bis schnarzen (Bd. 15, Sp. 1190 bis 1191)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnarrstimme, f. rauhe, schnarrende stimme. Campe.
 
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schnarrung, f., et das schnarren, stridor linguae, balbuties, sonus inconditus, et acutus, adhaesio, sive adhaesus linguae. Stieler 1887. mnd. snarringe, lärm, gebrumm, aufruhr: item welck broder unsture edder snarringe maketh up der kumpenie. quelle bei Schiller-Lübben 4, 269a.
 
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schnarrwachtel, f., s. DWB schnarre 3, b. Adelung. Frischbier 2, 302b: wie viel mal die schnarrwachtel (zur zeit der roggenblüte nach einander) ruft, so viel gulden kostet der roggen (in dem jahre, nach Ermländischem volksglauben). Wander 4, 288; gleich am fusze (des gebirges) bewillkommten mich rohrsperlinge, schnarrwachteln und nachtigallen. Seume 10, 90.
 
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schnarrwächter, m. nachtwächter, der eine schnarre (s. das. 1 und schnarren 1, a) führt. Hertel sprachsch. 216.
 
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schnarrwerk, n.
1) bei orgeln pfeifenwerk mit messingener zunge in einem cylindrischen mundstück, eine hauptart der orgelpfeifen, wozu u. a. die trompete, posaune und vox humana gehören. Jacobsson 4, 15b: schnorr- sive schnarrwerk in der orgel, fistulae, sonitum streperum, seu stridulum, et subraucum reddentes. Stieler 2557; schnarr-werk, unter den orgel-pfeiffen, die mit einem meszingenen blech gemacht, dasz im blasen an die röhre anschlägt, worauf es liegt und einen schnarrenden ton von sich gibt, fistularum raucioris toni ordo. Frisch 2, 212a; bildlich: 'gutes weib!' sagte Stiefel mit dem sanftesten pianissimo aus dem grobgetakt (gedactflötenregister) und schnarrwerk der männlichen brust. J. Paul Siebenk. 1, 131.
2) bei flügeln ein registerzug, der den saiten einen schnarrenden ton gibt. Jacobsson a. a. o.
3) als collectivbezeichnung für schnarrende musik- (blas-) instrumente:

schnarrwerk und flöten,
mit geigen, raköten,
zinken, posaunen, trompeten, klarin,
wollen mit schallen das werder durchziehn.
Scherffer ged. 88.


4) in scherzhafter übertragung von dem geräusch des schnarchens oder hustens: der ehe- und säemann fiel jetzt immer mehr in den sphärengesang der nacht mit dem schnarrwerk seines hustens ein. J. Paul Hesp. 1, 56; der schloszherr stellte sich vor das zimmer seines gastes und hörte wirklich ein ungemein kräftiges schnarrwerk dadrinnen. Immermann Münchh. 3, 129. vgl. auch schnorrwerk.
 
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schnarrziemer, m., s. DWB schnarre 3, a.
 
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schnarz, m. , mhd. snarz, lautmalendes wort, vgl. DWB schnarzen.
1) nordthür. als interjection von dem geräusch, wenn leinen oder zeug aus einander reiszt, oder als subst. von einem solchen risz. Jecht 97b. Kleemann 19c.
2) mhd. vom zwitschern der schwalbe:

ir arme kwittel zwitter schürfen snarz ouch sange lûget,
si wil mit listen aller vogele dœne prüeben. minnes. 2, 369b Hagen.


3) wachtelkönig, rallus crex Schm. 2, 583. Germ. 6, 90, vgl. DWB schnarre 3, c. jetzt gewöhnlich als schnerz, schnarrwachtel Frischbier 2, 304a: von schnertz oder wachtel-könige. Döbel 1, 58. s. auch Heppe wohlred. jäger 268b.

[Bd. 15, Sp. 1191]



4) bei menschen, ein schnarrender ton, meist als ausdruck des spottes: schnarz, der, et schnärz, ronchus futilis, superciliosus, acerbus, it. vilis rei aestimatio. Stieler 1888; schnarz, scomma Frommann 3, 449 (idiotic. Bernense); daher auch geradezu für 'spott, hohn', s. Lexer handwb. 2, 1025. — schweizerisch schnarz, schnärz das brummen Stalder 2, 340, nd. snart furz brem. wb. 4, 883.
5) rotz Schm. 2, 583, im Lesachthale schnorz, rotz, muncus Frommann 6, 204; so auch von der lichtschnuppe (?):

der tôt dem lîbe ende gît, alsam dem liehte tuot der snarz. minnes. 3, 13b Hagen;

vergl. Lexer handwörterb. a. a. o.; daher auch bildlich, unrat, schmutz (?), s. ebenda:

got ist der obrist artzt,
daz er aim der sünden snartz
wenden kan der sündig ist.
Laszberg lieders. 1, 632, 62.


6) über ein ferneres mhd. snarz, nacsnarz, das eine art kopfputz bedeuten könnte, s. Germ. 17, 41—43.
 
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schnarz, adj. rauh, barsch (vergl. DWB schnarzen 3): ist sein tochter sampt jrer lieben Florina hinein gangen, dem graffen ein seligen tag gewünschet, der jn beiden keinen danck gesagt, sondern mit schnartzen worten sein tochter Angliana angefaren. Wickram goldfaden Q 3a.
 
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schnärzchen, n., deminutiv zu schnarz 4: schnärtzlein, schnärtzchen oder schnürtzchen, roncheggio, ronco ò frullo tale, met. cosa da nulla. Kramer 2, 621a; spasz, scherz Hertel sprachsch. 216. in der sprichwörtlichen wendung: nicht ein schnärzlein, schnärzchen, ne hilum quidem, ne minimam quidem rem, ne guttulam quidem aut bracteolam. ich gebe nicht ein schnärzchen, seu schnürzchen auf ihn, non teruncii illum facio, pro nihilo duco, omnibus minoris illum aestimo. Stieler 1888.
 
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schnarze, f. , nur mundartlich.
1) schweiz. schnârza böses, streitsüchtiges maul Tobler 394b.
2) in Basel astknopf, knorre Seiler 259b; vgl. elsäss. schnatze, schnarze, geschlitzte zweigtheile Frommann 5, 114, 9.
3) thüring. schnârze, schnärzchen, kurzweilige, spaszhafte geschichte, schnurre.
 
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schnarzen, verb. , lautmalendes wort, weiterbildung zu schnarren in ähnlicher bedeutung, vergl. auch DWB schnarchen, DWB schnarfen. neben schnarzen findet sich schnärzen und schnerzen.
1) schnarzen, susurrare, ridiculum sonum edere Stieler 1888; so besonders vom schnarchen: schnarzen, ein verbum von allerhand laut gemacht, den die menschen durch schnarchen machen. Frisch 2, 212a; schnartzen, schnürzen, roncheggiare, frullare con un suono ridicoloso per il naso, a bella posta aprendo la bocca e attirando il fiato. Kramer dict. 2, 621a. vgl. engl. snort, das dort an stelle von schnarchen gilt. ähnlich: so geklemmt und fein gurgelnd, so schnarzend, oder, wie soll ich es nennen? Tieck der j. tischlerm. 2, 294.
2) für pedere: vulg. gebraucht man es für den laut eines furzes. Frisch 2, 212a, vgl. Campe, nd. snarten brem. wb. 4, 883, snurten Dähnert 440b:

das schnorcken, fartzen,
gumpen (springen) und mit dem hindern schnartzen.
B. Waldis Esop 2, 82, 14.


3) von einer heftigen, aufgeregten oder zornigen redeweise: schnartzen, umbhinschnartzen oder bäfftzen, als die thnd (? hund? vgl. Frisch 2, 212a), die man schlecht, gannire. das schnartzen und widerbäfftzen, gannitus. Maaler 359b; schnärze, aculeatis verbis uti erga aliquem. Schmidt idiot. Bern. (18. jh.) s. Frommann 3, 449b. so in neuern mundarten: schweizerisch schnärzen, schnerzen, schnörzen brummen Stalder 2, 340; schnârza auffahrend, schnaubend reden Tobler 394a, elsässisch schnerza schnarrend, aufgebracht reden Frommann 6, 256, 6, ebenso mansfeldisch schnärzen, auch einen anschnärzen, anfahren Jecht 97b. ähnlich: mein widerwille gegen dies geheul und schnarzen. Tieck nov. dr. 4, 36.
4) thüringisch, (zer)schnârze, wenn zeug hörbar zerreiszt, vgl. DWB schnarz 1 Jecht 97b. Kleemann 19c; ähnlich preusz. schnörtzen, reiszen, bei engen kleidern Schemionek 36.