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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnarchung bis schnarreisen (Bd. 15, Sp. 1184 bis 1186)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnarchung, f.: sternutatio snarkunge, snorkunge,- inge, -en, hd. schnarckunge, schnarchunge, schnarchlunge, scharchunge Dief. gloss. 552a; stertatio snarchunge ebenda; schnarchung des schlaffenden, ronchus Dasypod.; schnarchung, die, et das schnarchen, ronchus: it. ostentatio, gloriatio, insolentia Stieler 1888, rhonchus Steinbach 2, 473; nl. snorckinghe rhonchus, stertentium sonus: et iactantia, iactatio. Kilian.
 
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schnarf, m. schiffsvordertheil: als einn schiff dann zwey ort hatt. das forderteil, der schnarpff, oder das vorend, heiszt prora im latin. Keisersberg post. 1, 28b. vgl. Scherz-Oberlin 1424. Lexer handwb. 2, 1025. Höfer 1, 232. vgl. schweizerisch schnärf, die vorn in die höhe gekrümmten hölzer bei einem schlitten. Stalder 2, 339 und schnarre.
 
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schnarfen, verb. bezeichnung eines knarrenden oder knirschenden geräusches; weiterbildung von schnarren, wie auch schnarchen; so tirol. schnarfn schnarchen, schnarren Lexer 223. Frommann 6, 203; würzb. schnärfa schnarren, schlecht geigen Sartorius 111; thüring. schnarpfen knirschend in harte gegenstände beiszen Hertel sprachsch. 216, auch schnarpen, schnurpen Liesenberg 199, oder mit weiterbildung schnarpeln (der laut, der beim durchschneiden von knorpeln entsteht) Albrecht 204a und schnarpsen ebenda. Bernd 270: siehst du? .. Conrädchen, da ist das pferd! .. izt friszt es! horch wie es mit den zähnen schnarpt! Salzmann Conrad Kiefer (1796) 38. da alle diese wörter schallbezeichnungen sind, so ist zusammenhang mit goth. snarpjan (vgl. J. Grimm kl. schr. 5, 229) oder mhd. snerfen, sich biegen, einschrumpfen, jedenfalls abzuweisen, vgl. schnerfen und DWB schnurfen. ebenso ist von obigem schnarfen zu trennen ein schnarpfen coire: zwiro des tages isz, zwiro des nahtes pisz, zwiro die wehha snarphe, zwiro des jares zapfe, so belibis wola sundir lahhi. quelle bei Schm. 2, 582.
 
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schnarflung, f. das schnarchen: sternatio schnarfflung Dief. gloss. 551c.
 
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schnargarkisch, adj. der gerne trinkt, schlemmt: jr meine schlampampische gute schlucker .. jr schnargarkische angsterträher (becherdreher, s. theil 1, 361), kutterufstorcken, birpausen. Fischart Garg. s. 15 neudr.; dazu schnargarkusz, m. trinklied: laszt uns singen, sauffen ein gesetzlin, trincken ein mutet: dasz dieser schnarckgarkusz darzu geht: nun bisz mir recht wolkommen, du edler rebensafft. s. 125; vgl. auch sich erschnargarcken, sich im trinken gütlich thun, s. 382 und theil 3, 968. die dort vorgeschlagene erklärung des sonderbaren wortes wie auch beziehung zu schnarren würde die angezogenen ableitungen nicht erklären; die grundbedeutung musz wol 'trinken' oder 'schlemmen' sein.

[Bd. 15, Sp. 1185]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnarpen, schnarpfen, schnarpsen, s. DWB schnarfen.
 
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schnarr ,
1) interjection, lautmalend: alle männer einem falschen instrument gleich. zieh saiten auf, wie du willst, sie antworten dem angeschlagnen ton nicht. im innern liegt's. schnarr! da fällts zusammen, was vor so harmonisch klang. Klinger theater 2, 214 (d. neue Arria 3, 4).
2) als subst. mhd. snar, m. das schnarren, schmettern, z. b. pusûnen snar Lexer handwb. 2, 1024. nachtr. 367. vgl. schnarre.
3) als adj., nd. snarr enge, dat klêd sitt snarr. Dähnert 437a. Mi 82b; strenge, schneidend Danneil 199a; snâr schnurgerade, schlank; quitt, im reinen, fertig Schambach 199a; snar, snarre hurtig, geschwind brem. wb. 4, 881, märk. snr schnell Frommann 5, 167, 146. Woeste 245b, ebenso siebenbürgisch snar, snarre 179, 185. dagegen nordthür. schnâr dünn, schlank, von menschen, vögeln, wenn sie die federn an sich drücken; auch von bäumen Kleemann 19c. Liesenberg 198. Hertel sprachsch. 216.
 
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schnarrbasz, m. ein schnarrender basz Campe.
 
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schnarrdrossel, f. misteldrossel, turdus viscivorus, so genannt wegen ihrer schnarrenden stimme. Adelung. Behlen 5, 511. vgl. DWB schnarre 3, a.
 
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schnarre, f.
1) ein hölzernes werkzeug, bestehend aus einem rädchen und einem beweglichen bret, gegen das die zähne des rades beim umdrehen schlagen und dadurch ein rasselndes geräusch hervorbringen; es dient kindern als spielzeug, dem nachtwächter an stelle des hornes, wie auch in katholischen kirchen in der charwoche an stelle der glocken und wird auch ratel, ratsche, klapper genannt. Adelung. Jacobsson 4, 15b, niederd. snarre Schiller-Lübben 4, 268b. Woeste 245b. vgl.: schnarr, f. crembalum Golii onomast. col. 224. maul-trummel, brumm-eisen. Frisch 2, 212a. — im niederd. auch bezeichnung der garnwinde Abelung, nd. snarre brem. wb. 4, 882.
2) in der ältern sprache die saite: mhd. snar (starkes fem.) strick, saite Lexer handwb. 2, 1024, vgl. ahd. snare, sner fidis Graff 6, 849:

want got selve ruret dines hercen snar. zeitschrift für d. alterthum 10, 75, 4.

dazu: monaludium (cf. monochordium) est ludus unius corde ein snar vel alio nomine ein rummelscheyt ludus qd. cordarum. Dief. gl. 366b; so noch im älteren nhd.: schnaer, sive schnär, die, fides, chorda, diciturque per crasin à schnader, sed Belgic. et Sax. est, nobis effertur schnarre, et notat chordam seu nervum majorem. Stieler 1887; geigenschnarre, lautenschnarre, fides pandurae, chorda testudinis. Stieler 1887, schnarre, chorda Wachter 1448. ebenso nl. snaar: snare, fides, chorda, nervus, nervia Kilian; dazu wol auch mnl. snare in dem von Schiller-Lübben 4, 268b beigebrachten liede:

den sanck wil he (Christus) allene,
de komet uth eynen herten reine,
boven alle snaren und klyngen;

ferner:

dair die engelen syngen
di nova cantica,
dair hoirt men snaren clingen. liederb. d. Anna von Köln 9a, s. zeitschrift für d. phil. 21, 141b, 3.

jetzt noch im ostfries. als snare, snâr saite ten Doornkaat Koolman 3, 239. das einfache r im nd.-nl. wie im ältern hd. zeigt, dasz das wort nicht zu schnarren gehört, sondern im ablaut zu schnur steht, während das nhd. schnarre erst auf nachträglicher falscher anlehnung beruht. eine weiterbildung zu snar ist ahd. snarahha, laqueus Graff 6, 849, vergl. altn. schwed. snara, dän. snare, schlinge.
3) bezeichnung gewisser vogelarten, wegen ihres schnarrenden gesanges.
a) die misteldrossel, turdus viscivorus, auch schnärre, schnerre, schnerrer, schneer, scharre. Nemnich, vergl. DWB schnarrdrossel: schnärre, die, avis est, nomine turdus viscivorus, alias ziemer, sive zeimer. Stieler 1887; die schnarren sind schier wie die drosseln, aber doch sind sie was gröszer und leibiger ... ἰξιφάγος viscivorus ist eigentlich, das die Märcker eine schnarre nennen. Colerus hausb. (1680) 619a; die mistel-drossel, turdus viscivorus, mistelziemer .. groszer krammetsvogel, gemeiner krammetsvogel; schnarrdrossel, schnarrziemer, schnarre, schnerre, schnerrer, schnaar, scharre, zwitzer .. in hiesiger gegend (Anhalt) schnärre oder schnärrziemer. Naumann vögel Deutschlands 2, 248; vgl.: ihre lockstimme ist ein sonderbarer, ziemlich weit hörbarer, schnurrender ton und klingt wie: schnärrrr! .. wenn sie recht eifrig locken, moduliren sie die schnarrende stimme, und sie klingt dann: schnärrrata ta tärrr! s. 254. so noch schles. schnarre Frommann 4, 183. — dasselbe meint wol auch schnarre, krammetsvogel Klein 2, 133

[Bd. 15, Sp. 1186]


(im Harz); schnarre, f. turdus maximus, der an andern orten mistler heist, der gröste unter den arten von krammetsvögeln. Frisch 2, 212a, ebenso öconom. lex.2 2617.
b) eine wachtelart mit langen beinen, auch schnarrwachtel, schnarrichen genannt Adelung. öconom. lex.2 2617. wol dasselbe wie rallus crex, ralle, .. schnarwachtel, schnarrichen, schnarker, schnerker, schnarf, schnerz, schnärz .. schnarre. Nemnich.
c) schnerf oder thau-schnarre, heist man den so genannten wachtelkönig, eine art von wasser-hünern, das sich bey der nacht im sommer hören läst, mit einem schnarrenden geschrey, gallina aquatica, ὀρτυγομῆτρα. Frisch 2, 212a; auch schnerker, schnerz, heckschnarre. Campe.
d) niederd. snarre, der baumhacker, certhia familiaris Schambach 199a.
4) weitere besonderheiten.
a) schnarre, die, in navibus est puppis Stieler 1887, dagegen bei Maaler 359b: der schnarren, das hinderteil oder der hinder gransen desz schiffs, puppis, vgl. Frisch 2, 212a; man musz die proram oder gransen nit so schwär beladen, puppim oder die schnarren nit so lähr lassen. quelle bei Schm. 2, 579. — an andern stellen dagegen vom schiffsvordertheil: die schnarren, puppis acroteria, tigna ad ornatum prorae puppisque eminentia. voc. von 1618 bei Schm. 2, 579; dafür auch die weiterbildung schnarf, s. daselbst. eine andere ableitung liegt vor in ahd. snarken, rostrata naves (plur.) Graff 6, 849 (vgl. DWB schnorre, schnurre?).
b) schnärre quoque, aliàs etiam schnarre, et schnorre, est suscitabulum quoddam, fremitus et strepitus, quod pueri conficiunt scarabaeis in gyrum circumvolantibus animi causâ. Stieler 1887.
c) mnd. snare, snâr steht auch für 'schnur, schwiegertochter' (neben snôr) Schiller-Lübben 4, 268b. 279a. vgl.snarre, snurre, sax. fris. sicambr. holl. nurus. quaede snarre, mulier maledica, rixosa. Kilian.
d) nd. auch eine alte kuh. brem. wb. 4, 882. Schütze 4, 139. Strodtmann 218. Campe.
 
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schnarreisen, n. ferro frombante ò frombolo da orefice Kramer dict. 2, 620c; bei den goldschmieden eine dünne eisenstange, die an dem einen ende im winkel gebogen, am andern in einem klotz befestigt ist; sie wird zum treiben gebraucht da wo man mit dem bunzen nicht hinkommen kann, indem man die stange durch draufschlagen in starkes zittern versetzt und das winklige ende als bunzen verwendet. Jacobsson 4, 15b. Adelung.