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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnarcher bis schnarf (Bd. 15, Sp. 1182 bis 1184)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnarcher, m. qui stertit, item qui minas jactat. Frisch 2, 211c; mnd. snorker s. Schiller - Lübben 4, 279b, niederländ. snorcker, miles gloriosus, thraso, jactator Kilian.

[Bd. 15, Sp. 1183]



1) die bedeutung ist gewöhnlich die übertragene, schnarchen 6 entsprechend, in verschiedener nuancierung: schnarcher, m. ronfo, ronfio, ronchio, ronco. Kramer dict. 2, 620a, und: bronfatore, soffione .. v. pocher, trotzer, praler, aufschneider. 620b; ronchissans, stertens, it. imperiosus, minitabundus. Stieler 1887; man musz kargen gegen den kargen, — arg thun gegen den argen, — gegen den schnarcher musz man schnarchen. Rückert (1882) 11, 250 (4. makame); lauter tadler: unwissender schnarcher und tadler. quelle bei Birlinger 400a; o! sagt mancher schnarcher mit dem Iscarioth! poterat unguentum istud vendi, et dari pauperibus. Abr. a S. Clara Judas 3, 122;

freund, sterb ich einst, so wird ein bösewicht,
der itzt noch schweigt, mir keinen nachruhm gönnen,
und über mich und meinen werth erkennen.
es mag geschehn! den schnarcher fürcht ich nicht.
Hagedorn 1, 130;

die schnarcher schnauzen zwar das elend an.
Göthe 41, 142 (Faust II, 2).

schnarcher, raufbold, belegt bei Kindleben stud. lexicon (1781) s. Kluge stud. sprache 123a; ähnlich: siehe das ist der gottlose verfluchte mann, der schnarcher, der tyrann, der unbarmhertzige hund, der sein weib und kinder so übel tractiret. Creidius 2, 314; solche meutmacher unnd schnarcker. Kirchhof milit. discipl. 34; doch wolt der schnarker sich gar mit nicht abschrecken lassen, und sagt darz, jener müszt von seinen henden den tag sterben, wolt ihn auch z kleinen stücken hauwen. wendunm. 1, 274 Österley (1, 222);

vorhin schewten die vollen schnärcker
kein wunden, eysen und kärcker,
dasz sie still wern und balgten nit. 2, 311 (3, 42, dafür weiter oben haderkatzen);

als manchem schnarcher widerfehrt,
der seines bruders blut begehrt,
und jn vermant zum uberflus,
das er sich mit jm schlagen mus.
Ringwaldt lauter warh. 119;

nit soltu rühmen für ein starcken,
der sich kan grawsam stellen und schnarcken,
solchs hat die frommen eydgenoszen
und ander reichstätt auch verdroszen;
sie aber kamen als noch starcker
und zahlten redlich diesen schna(r)cker (herzog Karl von Burgund).
Kirchhof wendunm. 3, 53 Österley (4, 45).

schnarcher und pocher: mnd. puchger unde snorcker. Schiller-Lübben 4, 279b; und sein solche bocher und schnarcher gemeiniglich nur kesselreiber, so mit gelbem crippel die mössine becken bey einem balbierer jrgendts geriben und glantz gemacht. Minderer kriegsarznei 51; nur in der ältern sprache auch in dem sinne 'prahler, aufschneider': thraso, miles gloriosus, bochhans, schnarcher, der den grossen dingen redt, und ist nichts darhinder. Golii onomast. (1582) 243; schnarcher, m. fanfaron, magnamine, faux brave. Rondeau 505; ich war kein ehrbarer domine worden .. sondern ein disputirer und schnarcher, der sich einbildete, er verstehe trefflich viel und sey superklug! Simpl. 1, 430, 25 Kurz;

Lenee, Ligyreu, du schnarcher, du groszsprecher,
du mörder aller pein, du wunderstarcker gott.
Opitz 1, 445;

er ist ein mann von ehren,
der, was den krieg betrifft, kan manchen schnarcher lehren
der sich durch schneiden nur hat hoch ans brett gebracht.
Rist Parn. 234.

der protzig auftritt, schnauzt und herrisch redet: kommt aber einer mit trutzen und nimmt die einkehr bey mir gleichsam mit bochen und einer herrischen bottmässigkeit, so .. tractire ich .. die schnarcher aber mit allem, das sie begehren. Simpl. schriften 3, 52, 32 Kurz.sprichwörtlich: ein schnarcker find allzeit seinen meister. Petri 2, Y 3b.
2) snerker oder snarker als bezeichnung eines vogels ist wol nicht als dasselbe wort zu betrachten, vgl. DWB schnarre, DWB schnarrdrossel, schnarchhuhn: mhd. snerker Lexer handwb. 2, 1033; furfarius dorndrail, -dregil, -droschel, snerker, schmerck Dief. gl. 253a; ulula .. snerker nov. gl. 384b (voc. von 1420); snerker droanse Nesselmann preusz. voc. 749; jetzt noch mundartlich, helgolandisch snarker misteldrossel Frommann 3, 32b, schlesisch schnerker wachtelkönig 4, 184, ebenso ungarisch schnörker Schröer 203b.
3) mundartliche besonderheiten:
a) preusz. schnarker leichtfertiger schwätzer Frischbier 2, 302a (zu 1).
b) schweiz. schnarcher, zwerchschnur an den netzen zu hechten und aalen. Stalder 2, 339.
 
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schnarcherei, f.: geschnarche, n. schnarcherey, f. ronfamento, ronfeggiamento, it. met. bravura, braverie, bravate, fanfaronerie ò fanfaronate, sbracciare, sgherrate. Kramer teutschital.

[Bd. 15, Sp. 1184]


dict. 2, 620a; ausz dem cholerischen temperament entstehen eyffer, jäher zorn .. ausz diesen entstehen alle effecta cholerica, als krieg, empörung, tyranney, trotz, widersetzlichkeit, schnarckerey, stoltz, ubermuht. Linemann delic. calendariogr. (1654) Aaa 2b bei Frischbier 2, 302a.
 
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schnarchhaft, s. schnarchicht.
 
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schnarchhans, m.: schnarchhans, bochhans, böcher, un rodomont Hulsius 286b, minas intonans Stieler 766, superbus Scherz - Oberlin 1424; (man findet) leichtfertige under den Frantzosen, .. schnarchhansen under den Teutschen. Fischart groszm. 137 (kloster 8, 656);

aber ich denck, verrhater Nas,
das den schnarchhansen guter mas,
wie du bist, wol zergang der kützel,
sie dencken nicht viel an scharmützel. dicht. 1, 244 Kurz (Domin. leb. 4450).

vgl. DWB schnarcher 1.
 
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schnarchicht, et schnarchhaft, adj. et adv. stertens, ronchissans: it. insolens, ostentans, minax, et: gravius, sonantius dormiens, adv. minaciter, insolenter, arroganter. Stieler 1880. vgl. Kramer dict. 2, 620b.
 
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schnarchkauz, m., der schleier-kautz, die schleiereule, strix flammea. Naumann vögel Deutschlands 1, 483.
 
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schnarchler, m., schnarcher, un ronfleur Hulsius 286b.
 
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schnarchlung, f.: sternutatio .. schnarchlunge Dief. gl. 552a; sternutatio, schnarchelung Gersdorf feldbuch der wundarznei 100b.
 
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schnarchpost, f. im felde eine schildwache, die ein auf einem detachierten posten stehender officier rückwärts ausstellt, um ihn bei unerwarteter annäherung eines generals du jour u. ähnl. zu avertieren; oder eine schildwache, die im kriege nachts ausgestellt wird, um das vorhaben des feindes zu beobachten, und die sich gewöhnlich auf den bauch legt, um unbemerkt zu bleiben. Eggers kriegslex. 2, 829. Jacobsson 4, 15a.
 
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schnarchung, f.: sternutatio snarkunge, snorkunge,- inge, -en, hd. schnarckunge, schnarchunge, schnarchlunge, scharchunge Dief. gloss. 552a; stertatio snarchunge ebenda; schnarchung des schlaffenden, ronchus Dasypod.; schnarchung, die, et das schnarchen, ronchus: it. ostentatio, gloriatio, insolentia Stieler 1888, rhonchus Steinbach 2, 473; nl. snorckinghe rhonchus, stertentium sonus: et iactantia, iactatio. Kilian.
 
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schnarf, m. schiffsvordertheil: als einn schiff dann zwey ort hatt. das forderteil, der schnarpff, oder das vorend, heiszt prora im latin. Keisersberg post. 1, 28b. vgl. Scherz-Oberlin 1424. Lexer handwb. 2, 1025. Höfer 1, 232. vgl. schweizerisch schnärf, die vorn in die höhe gekrümmten hölzer bei einem schlitten. Stalder 2, 339 und schnarre.