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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnapf bis schnappen (Bd. 15, Sp. 1167 bis 1170)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnapf, für schnapp (s. d.), beutegang, raub (s. d. 4): mit seidenen strickleitern, welche .. die so auf solchen schnapf ausgehen, gemeiniglich bei sich führen. Mandelslo bei Olearius pers. reisebeschr. 94.

[Bd. 15, Sp. 1168]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnapfen, verb. für schnappen, in der bedeutung schwatzen, plaudern:

schnapfen, klaffen, lellen, schnallen. renner (Frankfurter druck 1549) 82;

clevisch als snaffen, sneffen, garrulare Dief. 258a; für gierig zufahren: (der hai) wirft sich auf den rücken und schnapfet von unten hinauf. Mandelslo bei Olearius pers. reisebeschr. 105; in der bedeutung niederlage, schlappe erleiden: ich denck, er hab mich darum bey sich gehalten, dasz er vielleicht sorg für mich gehabt, weil ich nemlich Thalackers reitern anhieng, und mit ihnen ritt, dasz ich irgend darüber möcht schnapfen. Götz v. Berl. 48.
 
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schnapp, m. handlung des schnappens, einmaliges schnappen, nach den verschiedenen bedeutungen des verbums; erst im späten mhd. als snap auftretend (Lexer mhd. handwb. 2, 1023).
1) plötzliches öffnen des mundes unter gleichzeitigem zufahren; besonders von gierigen thieren: der walfisch verschluckt jn ains schnaps. S. Münster cosmogr. 1420; einen schnapp nach etwas thun, auf éinen schnapp, von hunden Adelung; daher der hund selbst als ein schnapp bezeichnet:

zunächst am ofen sasz, mit seinem groszen schnapp,
ein Nimrod.
Schmidt kom. dicht. 263;

der fisch geht auf den schnapp (versucht den köder an der angel zu schnappen). Krünitz 13 (1786), 598;

der hai that einen schusz und schnapp,
doch am gebisz vorüber knapp
ist ihm der kühne held geschwommen.
Lenau 331;

auch von menschen:

den halt man für ein praffen mann,
der ein paar viertl in eim schnapp auszsauffen kan.
Sutor latinum chaos (1716) 219;

auf das was durch den schnapp erfaszt wird, bezogen; schnapp (neben schnapps) quantum hianti ore una vice capitur, auf einen schnapp, una oris captura Frisch 2, 211b.
2) von dingen, plötzliches zusammenklappen: einen schnapp mit der schere thun; mit dem schnapp des schlosses ist die thüre zu. niederd. auch der von der geöffneten und dann gleich wieder zugemachten thüre ausgehende luftstosz: den snap krîgen, von diesem luftstosze getroffen werden. Schambach 199a.
3) bild für plötzliche geschwindigkeit in der formel im schnapp: in einem schnap hierüber alsbald viel votiert und zu end geschlossen. Birlinger augsb.-schwäb. wb. 400a; auch niederd.: mit enem snapp, in der gröszten eilfertigkeit, sehr geschwind brem. wb. 4, 879; mit ên snap, in einem augenblick, sofort ten Doornkaat Koolman 3, 237b.
4) schnapp für plötzlichen räuberischen überfall, straszenraub: dann ob er gleich wol die schlösser und stettle also im schnap nit konte überziehen, so verbrennt er doch die dörfer. Zimm. chron. 22, 209, 9.
5) besonders in der sprache des 16. jahrh. einen schnapp nehmen, leiden, räuberischen oder kriegerischen überfall, schlappe, niederlage erleiden: die Römer wolten solchs rechen, da namens den schnap darob. Aventin bair. chron. 1, 384, 31; es namen mêrgenant brüeder, dieweil si miteinander kriegten, noch mêr ein schnap, verlurn auch alle land, so ehem des wasserfluesz Tygris ligen. 416, 6; daran der feind musz ein schnapp oder nachtheil leiden, dar ausz jm das hertz entfellt. Fronsperger kriegsb. 1, 134b; in freierer anwendung: man handelt sie (die prediger) ubel, darumm werden wir in kürtz erfaren, wie unsere kirchen werden ein schnap nemmen. Luther tischr. 183a; nimet er aber einen schnap, dasz er erschepft wirt. 339a;

so mein ehr hat ein schnap genumen,
und bin auch umb mein gut schir kumen.
H. Sachs 1 (1558), 319d;

das nit etwan nemest ein schnap,
das dir werd ein volle kap (strafe, züchtigung).
Wickram Obsop. L 4b;

noch jetzt in Düringen schnapp kriegen, ungemach bekommen, etwas wegkriegen, auch empfindlichen verlust erleiden durch sinken des preises. vgl. auch das fem. schnappe 4.
6) schnapp, bezeichnung des rotzes, nasenflusses, in Hamburg und Holstein. brem. wörterb. 4, 880. Schütze 4, 138; ebenso in Pommern: snapp, der rotz aus der nase Dähnert 436b; gehört nicht zu dem vorhergehenden, sondern entspricht dem mnd. snop, snoppe (das auch als snap, snappe vorkommt Schiller-Lübben 4, 278) und hochdeutschem schnupfen, s. d.
 
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schnapp, interjection, aus dem vorigen subst. entwickelt, zur bezeichnung einer hastig zufahrenden mit einem laut verbundenen bewegung: schnapp fuhr die thür zu, schnapp kippte das bret

[Bd. 15, Sp. 1169]


um, schnapp sprang das schlosz zu, schnapp hatte er es weg Adelung; in niederd. mundarten: snapp hadde he 't weg! brem. wb. 4, 880; snapp sprung dat slot to. ebenda; ebenso ostfriesisch ten Doornkaat Koolman 3, 237b; oberdeutsch in adverbialer verwendung zur bezeichnung höchster schnelle: schnapp flux darauf. Schöpf 637. im ablautspiel schnipp schnapp; als name eines kartenspiels schnipp schnapp schnurr Andresen volksetym. (1889) 304, erweitert auch schnipp schnapp schnurr apostolorum, verderbt bostelorum, bastelorum Vilmar 363; snip snap snur baselorum (in Fallersleben) Frommann 5, 294; vgl. unter schnipp.
 
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schnappab, adv.: meine regulen werden kurtz und guet seyn, und damit schnappab. Schwabe tintenf. 17. angelehnt an den imperativ von abschnappen in der bedeutung im reden einhalten (theil 1, sp. 106), zum abschneiden eines widerspruchs gebraucht.
 
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schnappangel, f. art angeln mit kurzer schnur und auf dem wasser schwimmenden haken, nach dem die fische schnappen, auch schwimmangel. Krünitz 13 (1786), 569.
 
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schnappbein, n. ein bein, welches kürzer als das andere ist. Campe. vgl. unten schnappen, hinken.
 
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schnappbissen, m. bissen zum schnappen, gelegentlich zu schnappender, erlangender bissen, eigentlich und bildlich: da sehen sy auff dem marckt vor jhnen die gueten schnappissen hangen, darnach jhnen das maul wässert, und haben kain ruhe, sondern trachten wie sy es in jr kuchen bringen. Ferdinand ii von Tirol specul. vitae humanae 22 neudruck; mittit crystallum suum sicut buccellas: er sändet herunter das klare crystall gleich einem schnapp - büssen. Zachers zeitschrift 17, 235 (17./18. jh.); dim. schnappbiszlein: schnappbiszlein, cupedia, quae in parvis bolis deglutiuntur Frisch 2, 211c; (indem er ihnen) todte äser ... für köstliche schnappbiszlein fürstellet. Simpl. 1 (1713), 175; dem das maul von schnapbüesseln alleweil so schmutzig wär, wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5a.
 
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schnappe, f. schnappende person oder schnappendes ding; erst im nhd. erscheinend.
1) schwatzende person (vergl. DWB schnappen 1, sp. 1170): die schnappe, schnapperinn, loquacula Stieler 1894.
2) maul, als schnappendes gedacht: die schnappen, maul, schnauze Schm. 22, 577; etwas auf die schnappe geben, auf die schnappe schlagen Campe als wort der niedrigen rede.
3) schnappendes, schnell zufallendes gerät; bei jägern ein tuch, welches in kloben oder rollen geht, damit es geschwinde auf- und niedergezogen werden kann, auch falltuch. Jacobsson 1, 653a; bei fischern starke lange netze, zum fangen der lachse oder salmen am Mittelrhein gebraucht; in Nürnberg breche ohne zunge, hanfbrechel. Schm. a. a. o.
4) schnappe, seit dem 16. jh. nebenform zum masc. schnapp 5, in den dort angeführten formeln: die münch haben ein solche schnapp genommen und fall gethan. Luther tischreden 265b; schnappe leiden, damno affici Schottel 1405; schnappe leiden, sive bekommen, damno affici, in fraudem incurrere, schnappe wieder herein bringen, resarcire damna Stieler 1893, vgl. auch ehrenschnappe;

das allenthalb gab weidliche kappen,
und mancher krieg ein gute schnappen,
das hinpurtzelt beid mann und rosz. froschmäus. A aa 5b (3, 3, 9);

gedacht, er wollte kappen
dem Tilly theilen aus,
leidt doch selbst eine schnappen,
zog wider ab mit graus.
Opel - Cohn 172;

mundartlich hessisch noch schnappe, verlust, nachtheil, niederlage Vilmar 360; an den der vorstellung zu grunde liegenden sinn des plötzlichen überfalls scheint auch angelehnt die oberpfälzische redensart: etwas auf die schnappen schlagen, entwenden, auf dem bair. walde das maul auf die schnappen schlagen, ihm manchen erlaubten genusz versagen Schm. 22, 577.
5) schnappe, äuszerster rand, äuszerste ecke (eines tisches). hessisch Vilmar 360, bairisch Schm. a. a. o. vgl. dazu schneppe.
6) mundartlich verbreitet auch schnappe als schnappendes, klatschendes ding: hessisch ein künstliches papiernes gefalte, das beim schlagen in die luft mit lautem schalle auseinander fährt; auch eine fliegenklatsche, endlich schmitz an der peitschenschnur Pfister nachträge 262; am Unterharze bedeutet das fem. schnâpe schläge Liesenberg 198, was hessisch als masc. plur. schnappe schmisse, wichse verzeichnet Pfister a. a. o. die bair. bedeutung schnappe kappe (Schmeller) wird hierher gehören, sie ist gedacht wie die klatsche an einem kleidungsstück, vgl. th. 5, 1011, 2.

[Bd. 15, Sp. 1170]



7) schnappe, name der stinknessel, stachys silvatica: schnappen in Schlesien Pritzel-Jessen 388b.
 
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schnappeln, verb. hastig und anhaltend, ohne überlegung reden, schwatzen, iterativ zu folgendem schnappen; mundartlich weit verbreitet, alemannisch schnaple, schnappern, überschnell reden, sich im reden überstürzen, eilfertig hersagen Seiler 259a; mitteldeutsch auch als schnabbeln. vgl. DWB schnappern.
 
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schnappen, verb. mit dem munde oder sonst klappende bewegung machen; mhd. mnd. mnl. snappen, intensivbildung neben mhd. snaben, mnd. snaven, sneven, welches, zu schnabel und den dort (sp. 1142) genannten wortreihen gehörig, wie schnappen auf dem grunde einer hastigen und klappenden bewegung verschiedene bedeutungen entfaltet, so die des schwatzens, prahlens:

das sag ich dir on alles schnaben. fastn. sp. 907, 13;

des schnaubens, schwer oder gierig athemholens:

sô er iʒʒet, als ein swîn,
und gar unsûberlîche snabet. Tanhausers hofzucht, Haupts zeitschr. 6, 489, 43;

wer sich über die schüsseln habt,
und gar unsäuberlichen schnabt
mit dem mund, als ein schwein. Hätzlerin 2, 71, 94;

übertragen auf gieriges verlangen überhaupt:

manic furste hât gesnabt ...
nach ander liute guot.
Ottokar reimchron. 28981;

zu der bedeutung des darbenden verlangens umgeschlagen:

das ir vertopelt, was ir mügt haben,
und laszt da haim eur frauen schnaben. fastn. sp. 651, 1;

endlich im sinne des zu boden schnellens, strauchelns, stürzens: cespitare snaben, snaven Dief. 116a;

sô daʒ er viel und snabte
in sînir lâge stric.
Ottokar reimchron. 24643;

iʒ (das pferd) began starke snaben. Braunschweiger reimchron. 4417.

in allen diesen bedeutungen hält sich snaben nicht über das späte mittelalter hinaus; und das schon vorher sich zeigende snappen nimmt seine stelle ein, zum theil unter entfaltung auch besonderen sinnes.
1) seltener erscheint der laut der bewegung hervorgehoben, so bei einem eigenthümlichen tone der vögel mit dem schnabel: eulen schnappen. Katzipor. D 3a; schnappen, klatschen (des auerhahns in der balzzeit). Jacobsson 4, 15a; wenn der auerhahn in der palz sich rühret, so schnappet er anfangs dunkel, dann immer heller und geschwinder. Heppe wohlr. jäger 265a; von andern vögeln, und auch auf menschliches schwatzen, plaudern übertragen: garrire snappen l. kakelen Dief. 257c; altricari kyffen l. snappen 26c; altercari snappen, altricari schelten, chyfelen o. snappen unnücz nov. gloss. 18a; mit ablautspiel:

si (ecclesia) enkan nicht dan snippen und snappen. Alsfelder passionssp. 4536;

mundartlich bairisch schnappen, kurz abgebrochen reden Schm.2 2, 577; niederd. snappen, geschwind plaudern, eilfertig reden und die worte kurz abbeiszen, rasch im munde sein, sein naseweises klappermaul hören lassen. brem. wb. 4, 879; niederländ. snappen, garrire, blaterare, praerapide multumque loqui, intercipere verba alterius Kilian; vgl. DWB schnappern, DWB schnapper und schnepper.
2) auf diese bedeutung (1) ist bezogen die formel schnappen lassen, schwatzen, ausplaudern, die sonst im 16. jahrh. vom losdrücken (abschnappen) der armbrust ausgehend, zum folgenden (3) gehört: ehe er mit schrifften losgedrückt und schnappen lies, war es nicht on. Alberus widder Witzeln G 8b; sie standen in sorgen, er liesz schnappen. Kirchhof wendunm. 435; lapp, lasz nicht schnappen. Pauli schimpf 60a; wenn wir jemandt warnen, dasz er schweige, und sprechen: Lepsch, lasz nit schnappen. Agr. spr. 32a;

las nicht schnappen wo ich sey.
Hayneccius Hansoframea 1, 4.

vgl. auch verschnappen theil 12, 1128.
3) vorzüglich betont wird die bewegung, neben der der klappende laut nur nebensächlich oder auch gar nicht hervorgehoben erscheint, wenn schnappen schnellen, wippen heiszt; von der bewegung eines vogels: bachsteltzen die mit dem ars nicht schnappen (unter unauffindbaren dingen). Fischart groszm. 54;

der bachstelz thut oft schnappen und fängt der mücken viel. wunderhorn 2, 525 Boxberger;

von ähnlicher bewegung eines eiteln menschen: wir sehen, dasz ein schlechtes schreiberle auf hohen pantoffeln daher schnappt. Albertinus landleben (1610) 87a; von einer fingerbewegung: mit den fingern schnappen, crepitare digitis Stieler 1892; einem

[Bd. 15, Sp. 1171]


vor der nase schnappen, digitos conquassando aliquem provocare Steinbach 2, 472; dasz er .. mit der faust auf den tisch schlug, mit den fingern schnappte und grausam schwermte. Salinde 302; ich schwippe mit der gerte, ich schnappe mit den fingern, ich schnalze mit der zunge. H. Heine 1, 287; mit der kanne schnappen, klappern. Adelung als oberdeutsch;

ein junger gsell vor in her sapt
und fast mit eyner geysel schnapt.
H. Sachs 1, 508a;

von dingen: ein schlosz schnappt, wenn die feder den riegel mit schnellkraft fortstöszt. Adelung (vergl. auch ab-, ein-, zuschnappen); ein bret schnappt in die höhe. ebenda;

wie ein taschenmesser schnappt,
faszte sie mich in die locken,
und das bübchen war ertappt.
Göthe 3, 34;

bildlich: ach wie gerne wär ich darvon gewischt; aber weil ich sahe, wie der galgen hinden nach schnappte (hinter einen fahnenflüchtigen), mochte ich meinen hals auch nicht gern in dergleichen ungelegenheit bringen. Chr. Weise erzn. 40 neudruck; vgl. dazu schnappgalgen.
4) schnappen, auf plötzliches hervorbrechen, räuberischen überfall, straszenraub bezogen (vgl. dazu schnapp 4 und 5, schnappe 4, schnapphahn 1, und erschnappen theil 3, sp. 967 fg.); die bedeutung rührt auch an die unten 6 an: als ain groszer federhanns, ainer vom adel, in seinem land ob dem schnappen und uf der that ward ergriffen. Zimm. chron. 22, 394, 38;

ir drei ritten umb zu schnappen,
verbutzt gar wol mit jren kappen.
Wickram bilg. 58a.


5) eingeengt auf die hastig auf- und zufahrende bewegung des mundes, in welcher bedeutung das wort der neueren sprache beinahe einzig noch genehm ist; in mehrfacher weise.
a) intransitiv, vom gierigen zufahren, beute zu erhaschen:

nû snappe dar, ein hellehunt.
R. v. Zweter 489, 157 Roethe;

dô vûr ouch der unholde
umme snappin als ein hunt,
unz im ir (einer frau, bei einem kampfe) dûme in den munt
quam, den er ir abebeiʒ.
Jeroschin 14773;

absolut: ein fisch, hund schnappt; eine mücke durch ein schnelles schnappen der lippen erquetschen wie die fliegenfalle. J. Paul Tit. 2, 33; er litt nicht, dasz finger, an welche seine lippen mit allem schnappen nicht kommen konnten, sich um einen kalten messingleuchter legen sollten. Siebenk. 1, 42;

dem stummen schnappenden fisch den bauch aufzureiszen.
Zachariä tagesz. 26;

angel schwebte lockend nieder;
gleich ein fischlein streift und schnappt.
Göthe 3, 34;

der haifisch schnappt, die möwen schrein.
Eichendorff (1864) 1, 247;

mit präpositionen: der hund schnappt um sich; er (der hund) byszet ein wenig und schnappet umb sich. Keisersberg bilg. 138c;

auswärts reckt sie (die Skylla) die häupter hervor aus dem schrecklichen abgrund,
schnappt umher und fischt sich, den fels mit begier umforschend,
meerhund' oft und delphin'. Odyssee 12, 95;

nach etwas schnappen: alle bate helpet: de söge snappet na der muggen (parva iuvant: culicem deprehendere sucula tentat). Tunnicius 434; so schnappet denn der teufel nach den menschen. Luther tischr. 77a; ein narr lässet sich den äuszerlichen schein bethören, dasz er, wie des Esopi hund, das warhaftige stück fleisch ausz dem munde fallen läst, und nach dem schatten schnappt. Chr. Weise erzn. 223 neudruck; wann ein fisch an den angel kömmt, und nach dem köder am haacken schnappet. öcon. lex. 97; der adler schnappet nicht nach fliegen, aquila non captat muscas. Frisch 2, 211b; seeungeheuer .. schnappen nach fliehenden nymphen. Bettine briefe 1, 61;

(der fuchs) schnappte grimmig nach ihr (der krähe) und risz das haupt ihr herunter.
Göthe 40, 115;

da krochs heran,
regte hundert gelenke zugleich,
will schnappen nach mir.
Schiller 11, 225.


b) im besonderen, bei athemnot nach luft schnappen: nach der luft schnappen, aërem captare Stieler 1892; wenn er zusammen gedrückt an dem schreibtische sasz und nach luft schnappte. Thümmel 6, 210; hier sitze ich und schnappe nach luft, suche mich zu beruhigen. Göthe 16, 81; man bemerkt nicht, dasz kein hunger dadurch gestillt wird, wenn man nach der luft schnappt. 19, 341; er musz heraus an die himmelluft und beständig nach ihr schnappen. J. Paul Hesp. 1, 211;

[Bd. 15, Sp. 1172]


fast erstickt
vom übermasz der lust, schnappt er mit offnem munde
nach kühler luft.
Wieland 10, 179;

sie stürzte zusammen und schnappte nach luft.
Bürger 35a;

nach athem schnappen: die arme seelen so in der groszen hitz des fegfeurs nach jrem athem wie ein karpff nach dem wasser schnappen. Fischart bienk. 112b; nach dem letzten athem schnappen, im todeskampfe:

ein alter mann
ja nicht lange leben kan;
ey! er musz bald schnappen
nach dem letzten athem ja. Venusgärtlein 20 neudruck.


c) nach etwas schnappen, in mannigfachem bildlich gebrauch: nach einer erbschaft schnappen, inhiare haereditati Steinbach 2, 472; jeder schnappte nach seinem besitz und bekümmerte sich nicht um die einrichtung des ganzen. Herder zur theol. 3, 103; wie begierig der doktor nach diesem anlasz schnappt, seine belesenheit in den geistermährchen zu zeigen. Wieland 6, 59; die wiszbegierde schnappt begierig nach diesem entfernten gegenstande. Kant 8, 379; die geistlose leere schnappet nur aus noth .. nach frommen bildern. Möser phant. 4, 191; bruder, wahre dich nur gegen eheweiber. schnappe einmal zum spasze nach einem rothen schminkläppchen von ihnen, flugs schieben sie dir die angelhaken in die rückenhaut. J. Paul Tit. 2, 130;

der ehrsucht schwillt die brust
von wünschen nach der höh, und schnappt nach wind und rauche.
Günther 421;

hättest du mit krummen ränken nach des nachbars gut geschnappt. 866;

was hilft es auch, nach weisheit schnappen,
die oft dem wirbel wehe thut?
Hagedorn 3, 51;

diese landschmarutzer, die die füsze
beständig unterm tisch des kaisers haben,
nach allen benefizen hungrig schnappen.
Schiller hist.-krit. ausg. 12, 71 (Piccol. 1, 2);

auf etwas schnappen:

so fühl ich auch nicht hitz auff hofegunst zu schnappen.
Logau 1, 97;

von dingen, in gedachter belebung: dasz .. lauter fatale stachelschriften darin (in dem buche) leben und weben, die nach dem menschen beiszen und schnappen. J. Paul auswahl aus des teufels papieren 1, x;

das der rabenstein nach jm schnappet.
H. Sachs 3, 2, 118c;

(zunder) gierig nach dem funken schnappend.
Rückert 157.


d) transitives schnappen, schnappend erlangen oder verzehren: gib einen kappen, einen trappen, und vier klappen, dasz wir die schnappen, ausz einer baierischen gemalten schussel. Garg. (1590) 182, vgl. dazu minnes. 3, 310a Hagen, fliegen schnappen, venari muscas Stieler 1892; wie ein derberer trinker etwa aus versehen ein gläschen süszen liqueurs schnappt, das gerade dasteht. G. Keller werke 2, 213; da schnappte sie ihm das händlein in den mund und hielt es mit den lippen fest. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. (1831) 3, 44;

lief er nach hühnern, er wuszte den ort, und schnappte sich eines.
Göthe 40, 30;

mög' er senden einen haifisch, der dich schnappt und wieder speit!
Platen 284a;

frei:

so schnappt er ja an trankgeld baar
zehn blinde, ohne rändchen (Louisdor).
Bürger 40a;

luft schnappen, gern in scherzender rede auch für spazieren gehen; den letzten athem schnappen, vgl. dazu oben b a. e.:

das es (das maulthier) den letzten athem schnapp.
Rollenhagen froschmäus. k 8a;

mit adverbien: von Bock ... bringts (das strumpfband) der prinzessin und schnappt mir glücklich das kompliment weg. Schiller hist.-krit. ausgabe 3, 429 (kabale 3, 2);

es wirbelts (das schiff) die welle
dreimal umher, und hinunter schnappts der reiszende strudel. 1, 123;

vgl. auch aufschnappen theil 1, 727.
6) schnappen, auf hastiges bloszes zugreifen bezogen, wobei die beziehung des mundes sich verliert; die bedeutung greift nach der oben 4 aufgeführten über; mit nach: es wird ihm des nachts im schlafe vorkommen: er wird darnach schnappen und in die luft greifen. Wieland 8, 264 (Danischm. 31); transitiv:

(der landsknecht) det darmit hintern ofen weisen
auf den hangenden doten hon (hahn).
als der wirt der hel zw wart gon,
wolt den hon von dem nagel schnappen,
maint der dewffel, wolt nach im dappen.
H. Sachs fab. 1, 448, 79 Götze.

[Bd. 15, Sp. 1173]



7) schnappen, hinken, ist kein anderes wort, sondern die übertragung des schnellens (oben 3) auf die entsprechende bewegung des fuszes; die ältere bedeutung ist, wie bei snaben (vgl. im eingang dieses artikels) wanken, straucheln: cespitare snappen Dief. 106a; dis buch hats mit viel exempl gelernht, das man den heiligen nicht soll nachvolgen in allen werken, dan got lessit zcu zeytten die heiligen auch schnappen und strauchlen. Luther krit. ausg. 9, 586, 10; auch stürzen:

(der du) nun, ein blindenleiter, tapst,
und eh du meinst in dhellen schnapst.
Kirchhof wendunm. 358a;

die bedeutung hinken tritt jünger auf: schnappen, claudicare, hinkelen, boiter Schottel 1405; geht aber durch mehrere mundarten; in der Wetterau schnappen, mit einem kürzeren fusze gehen, was bei jedem tritte klappt Kehrein 359; hessisch schnappen hinken Vilmar 360; (der graf) ist mit 'nem giftigen pfeil im schenkel verwundet, kann dir kaum schnappen; läuft dir nicht weg, wenn du schon ein halb stündchen später kommst. Fr. Müller 3, 222.
8) schnappen, mundartlich auch nicken, ein schläfchen im sitzen machen, unterrheinisch Kehrein 359; in der grafschaft Katzenellenbogen schnappen oder schneppen Pfister nachträge 262; in der Schwalm flöhe, läuse schnappen, knicken ebenda; in der Wetterau es ist ihm etwas dawider geschnappt, er ist verdrieszlich, weil ihm etwas nicht nach wunsch gegangen ist Kehrein a. a. o.; an das letztere rührt auch das bei Steinbach 2, 472 als mundartlich verzeichnete schnappe, damno afficior.