Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnäpel bis schnappe (Bd. 15, Sp. 1167 bis 1169)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnäpel, m. fisch salmo lavaretus. s. DWB schnepel.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnäper, m. in Pommern der fisch cyprinus nasus, die nase. Nemnich 2, 1365.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnapf, für schnapp (s. d.), beutegang, raub (s. d. 4): mit seidenen strickleitern, welche .. die so auf solchen schnapf ausgehen, gemeiniglich bei sich führen. Mandelslo bei Olearius pers. reisebeschr. 94.

[Bd. 15, Sp. 1168]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnapfen, verb. für schnappen, in der bedeutung schwatzen, plaudern:

schnapfen, klaffen, lellen, schnallen. renner (Frankfurter druck 1549) 82;

clevisch als snaffen, sneffen, garrulare Dief. 258a; für gierig zufahren: (der hai) wirft sich auf den rücken und schnapfet von unten hinauf. Mandelslo bei Olearius pers. reisebeschr. 105; in der bedeutung niederlage, schlappe erleiden: ich denck, er hab mich darum bey sich gehalten, dasz er vielleicht sorg für mich gehabt, weil ich nemlich Thalackers reitern anhieng, und mit ihnen ritt, dasz ich irgend darüber möcht schnapfen. Götz v. Berl. 48.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnapp, m. handlung des schnappens, einmaliges schnappen, nach den verschiedenen bedeutungen des verbums; erst im späten mhd. als snap auftretend (Lexer mhd. handwb. 2, 1023).
1) plötzliches öffnen des mundes unter gleichzeitigem zufahren; besonders von gierigen thieren: der walfisch verschluckt jn ains schnaps. S. Münster cosmogr. 1420; einen schnapp nach etwas thun, auf éinen schnapp, von hunden Adelung; daher der hund selbst als ein schnapp bezeichnet:

zunächst am ofen sasz, mit seinem groszen schnapp,
ein Nimrod.
Schmidt kom. dicht. 263;

der fisch geht auf den schnapp (versucht den köder an der angel zu schnappen). Krünitz 13 (1786), 598;

der hai that einen schusz und schnapp,
doch am gebisz vorüber knapp
ist ihm der kühne held geschwommen.
Lenau 331;

auch von menschen:

den halt man für ein praffen mann,
der ein paar viertl in eim schnapp auszsauffen kan.
Sutor latinum chaos (1716) 219;

auf das was durch den schnapp erfaszt wird, bezogen; schnapp (neben schnapps) quantum hianti ore una vice capitur, auf einen schnapp, una oris captura Frisch 2, 211b.
2) von dingen, plötzliches zusammenklappen: einen schnapp mit der schere thun; mit dem schnapp des schlosses ist die thüre zu. niederd. auch der von der geöffneten und dann gleich wieder zugemachten thüre ausgehende luftstosz: den snap krîgen, von diesem luftstosze getroffen werden. Schambach 199a.
3) bild für plötzliche geschwindigkeit in der formel im schnapp: in einem schnap hierüber alsbald viel votiert und zu end geschlossen. Birlinger augsb.-schwäb. wb. 400a; auch niederd.: mit enem snapp, in der gröszten eilfertigkeit, sehr geschwind brem. wb. 4, 879; mit ên snap, in einem augenblick, sofort ten Doornkaat Koolman 3, 237b.
4) schnapp für plötzlichen räuberischen überfall, straszenraub: dann ob er gleich wol die schlösser und stettle also im schnap nit konte überziehen, so verbrennt er doch die dörfer. Zimm. chron. 22, 209, 9.
5) besonders in der sprache des 16. jahrh. einen schnapp nehmen, leiden, räuberischen oder kriegerischen überfall, schlappe, niederlage erleiden: die Römer wolten solchs rechen, da namens den schnap darob. Aventin bair. chron. 1, 384, 31; es namen mêrgenant brüeder, dieweil si miteinander kriegten, noch mêr ein schnap, verlurn auch alle land, so ehem des wasserfluesz Tygris ligen. 416, 6; daran der feind musz ein schnapp oder nachtheil leiden, dar ausz jm das hertz entfellt. Fronsperger kriegsb. 1, 134b; in freierer anwendung: man handelt sie (die prediger) ubel, darumm werden wir in kürtz erfaren, wie unsere kirchen werden ein schnap nemmen. Luther tischr. 183a; nimet er aber einen schnap, dasz er erschepft wirt. 339a;

so mein ehr hat ein schnap genumen,
und bin auch umb mein gut schir kumen.
H. Sachs 1 (1558), 319d;

das nit etwan nemest ein schnap,
das dir werd ein volle kap (strafe, züchtigung).
Wickram Obsop. L 4b;

noch jetzt in Düringen schnapp kriegen, ungemach bekommen, etwas wegkriegen, auch empfindlichen verlust erleiden durch sinken des preises. vgl. auch das fem. schnappe 4.
6) schnapp, bezeichnung des rotzes, nasenflusses, in Hamburg und Holstein. brem. wörterb. 4, 880. Schütze 4, 138; ebenso in Pommern: snapp, der rotz aus der nase Dähnert 436b; gehört nicht zu dem vorhergehenden, sondern entspricht dem mnd. snop, snoppe (das auch als snap, snappe vorkommt Schiller-Lübben 4, 278) und hochdeutschem schnupfen, s. d.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnapp, interjection, aus dem vorigen subst. entwickelt, zur bezeichnung einer hastig zufahrenden mit einem laut verbundenen bewegung: schnapp fuhr die thür zu, schnapp kippte das bret

[Bd. 15, Sp. 1169]


um, schnapp sprang das schlosz zu, schnapp hatte er es weg Adelung; in niederd. mundarten: snapp hadde he 't weg! brem. wb. 4, 880; snapp sprung dat slot to. ebenda; ebenso ostfriesisch ten Doornkaat Koolman 3, 237b; oberdeutsch in adverbialer verwendung zur bezeichnung höchster schnelle: schnapp flux darauf. Schöpf 637. im ablautspiel schnipp schnapp; als name eines kartenspiels schnipp schnapp schnurr Andresen volksetym. (1889) 304, erweitert auch schnipp schnapp schnurr apostolorum, verderbt bostelorum, bastelorum Vilmar 363; snip snap snur baselorum (in Fallersleben) Frommann 5, 294; vgl. unter schnipp.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnappab, adv.: meine regulen werden kurtz und guet seyn, und damit schnappab. Schwabe tintenf. 17. angelehnt an den imperativ von abschnappen in der bedeutung im reden einhalten (theil 1, sp. 106), zum abschneiden eines widerspruchs gebraucht.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnappangel, f. art angeln mit kurzer schnur und auf dem wasser schwimmenden haken, nach dem die fische schnappen, auch schwimmangel. Krünitz 13 (1786), 569.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnappbein, n. ein bein, welches kürzer als das andere ist. Campe. vgl. unten schnappen, hinken.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnappbissen, m. bissen zum schnappen, gelegentlich zu schnappender, erlangender bissen, eigentlich und bildlich: da sehen sy auff dem marckt vor jhnen die gueten schnappissen hangen, darnach jhnen das maul wässert, und haben kain ruhe, sondern trachten wie sy es in jr kuchen bringen. Ferdinand ii von Tirol specul. vitae humanae 22 neudruck; mittit crystallum suum sicut buccellas: er sändet herunter das klare crystall gleich einem schnapp - büssen. Zachers zeitschrift 17, 235 (17./18. jh.); dim. schnappbiszlein: schnappbiszlein, cupedia, quae in parvis bolis deglutiuntur Frisch 2, 211c; (indem er ihnen) todte äser ... für köstliche schnappbiszlein fürstellet. Simpl. 1 (1713), 175; dem das maul von schnapbüesseln alleweil so schmutzig wär, wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnappe, f. schnappende person oder schnappendes ding; erst im nhd. erscheinend.
1) schwatzende person (vergl. DWB schnappen 1, sp. 1170): die schnappe, schnapperinn, loquacula Stieler 1894.
2) maul, als schnappendes gedacht: die schnappen, maul, schnauze Schm. 22, 577; etwas auf die schnappe geben, auf die schnappe schlagen Campe als wort der niedrigen rede.
3) schnappendes, schnell zufallendes gerät; bei jägern ein tuch, welches in kloben oder rollen geht, damit es geschwinde auf- und niedergezogen werden kann, auch falltuch. Jacobsson 1, 653a; bei fischern starke lange netze, zum fangen der lachse oder salmen am Mittelrhein gebraucht; in Nürnberg breche ohne zunge, hanfbrechel. Schm. a. a. o.
4) schnappe, seit dem 16. jh. nebenform zum masc. schnapp 5, in den dort angeführten formeln: die münch haben ein solche schnapp genommen und fall gethan. Luther tischreden 265b; schnappe leiden, damno affici Schottel 1405; schnappe leiden, sive bekommen, damno affici, in fraudem incurrere, schnappe wieder herein bringen, resarcire damna Stieler 1893, vgl. auch ehrenschnappe;

das allenthalb gab weidliche kappen,
und mancher krieg ein gute schnappen,
das hinpurtzelt beid mann und rosz. froschmäus. A aa 5b (3, 3, 9);

gedacht, er wollte kappen
dem Tilly theilen aus,
leidt doch selbst eine schnappen,
zog wider ab mit graus.
Opel - Cohn 172;

mundartlich hessisch noch schnappe, verlust, nachtheil, niederlage Vilmar 360; an den der vorstellung zu grunde liegenden sinn des plötzlichen überfalls scheint auch angelehnt die oberpfälzische redensart: etwas auf die schnappen schlagen, entwenden, auf dem bair. walde das maul auf die schnappen schlagen, ihm manchen erlaubten genusz versagen Schm. 22, 577.
5) schnappe, äuszerster rand, äuszerste ecke (eines tisches). hessisch Vilmar 360, bairisch Schm. a. a. o. vgl. dazu schneppe.
6) mundartlich verbreitet auch schnappe als schnappendes, klatschendes ding: hessisch ein künstliches papiernes gefalte, das beim schlagen in die luft mit lautem schalle auseinander fährt; auch eine fliegenklatsche, endlich schmitz an der peitschenschnur Pfister nachträge 262; am Unterharze bedeutet das fem. schnâpe schläge Liesenberg 198, was hessisch als masc. plur. schnappe schmisse, wichse verzeichnet Pfister a. a. o. die bair. bedeutung schnappe kappe (Schmeller) wird hierher gehören, sie ist gedacht wie die klatsche an einem kleidungsstück, vgl. th. 5, 1011, 2.

[Bd. 15, Sp. 1170]



7) schnappe, name der stinknessel, stachys silvatica: schnappen in Schlesien Pritzel-Jessen 388b.