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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnalzen bis schnapp (Bd. 15, Sp. 1165 bis 1168)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnalzen, verb. , intensivbildung zu schnallen, noch bei Stieler 1889 als nebenform unter dem stichwort schnallen aufgeführt, vgl. Weigand4 2, 611; im 15. jahrh. in obscöner bedeutung belegt: snalzen mit dem fisel, futuere voc. von 1482 bei Lexer mhd. handwb. 2, 1023.
1) von schnellender bewegung (in der ausgebildeten neueren schriftsprache ungewöhnlich), transitiv und intransitiv; schnellend schleudern:

[Bd. 15, Sp. 1166]


und ihn (den wust) ein hüpsche weil im maul herumber waltze,
darnach ihn allererst zu gottes boden schnalze.
Scherffer Grob. 234;

zu tode schnalzen:

wo kriegen wir den artzt, der den vergiften pfeil
dem Venus-märterer aus seinem hertzen waltze,
eh ihn zu tode gar der kleine lekker schnaltze. ged. 607.

mit einer schleuder werfen:

hn î an guaden kieselstoan
in meiner hirtentaschen.
den schnlz i eam mit da schling an kopf.
Hartmann - Abele volksschausp. 65.

mit springen verbunden, intransitiv: schnalzt und springt er (der salpeter) aber mit dunkelem rauchenden feuer, so ist viel salz bei ihme. Furtenbach büchsenm. (1643) 3. elastische bewegungen bei thieren; fische schnalzen, wenn sie sich aus dem wasser heraus in die luft schnellen, aber auch wenn sie auf das trockene geworfen krampfhaft und schnappend springen und sich winden:

und warffen die (die gefangenen fische) in das grün gras,
darinn thetens schnaltzen und springen.
H. Sachs 3 (1579), 315c.

schnalzen, wie die fische, wann sie aus dem wasser kommen, exsultare in arido aquam quaerendo Frisch 2, 211b; unmittelbar hinter dem sattel (ein kunstwerk wird beschrieben) schlängelt sich der leib des fisches aufwärts als ob er mit dem schweif in die lüfte schnalzte. Bettina briefe 1, 65. häufig findet sich das wort in diesem sinne bei J. Paul: jener schnalzt als eine weiche schleimige goldschleie empor mit den bauchfloszfedern des jabots, mit den seitenfloszfedern der manschetten und mit den schwanzfloszfedern des an drei hermelinschwänzchen hängenden trinomischen würzelchens oder zöpfleins. Titan 1, 104; die fische schnellen sich aus dem wasser, um des sonnenscheins sich zu erfreuen: als die armen menschen in diesem sonnenschein des schicksals, wie die fische im andern, aus ihrem naszkalten elemente aufschnalzten. Quint. Fixlein 176. sonderbar mit fischen verbunden: in den perlenbächen der freude fischen und schnalzen. briefe 97. ins leben schnalzen: der tropfe wassers, womit ein jahre lang vertrocknetes räderthierchen wieder erwacht und lustig ins leben schnalzet. leben Fibels 18. verblaszt: unter dem ausschütten schnalzte immer mehr nach. 80. transitiv, scherzhaft: das thier schnalzte nur blosz einen kurzen schweif-abhub empor. doppelheerschau 191.
2) durch elastische bewegung einen gewissen laut hervorbringen (vgl. DWB schnallen 2).
a) mit einer peitsche, gerte oder ähnl. schnalzen Kramer teutsch-ital. dict. (1702) 2, 618a. Frisch 2, 211b: Bellona schnaltzet mit der erschrockenlichen geisel. Franck kriegb. d. friedes 73a; auch ohne solchen zusatz:

dort unt bei der lz
wo d küubua ht g'schnlzt.
Hartmann - Abele volksschausp. 152.

durch schnalzen begrüszen die alpenhirten den frühling. Schm. 2, 574. sprichwörtlich: einem alten fuhrmann thut noch's schnalzen wohl, das alter spricht und hört noch immer gern von dingen, die ihm versagt sind (z. b. von liebesfreuden). Schmeller a. a. o.; ein alter fuhrmann hört gern schnalzen. Schöpf 636. zu einem dummen sagt man: du hast nöt recht schnalzen ghört. idiot. austr. 119, s. DWB schnalzer. die peitsche schnalzt: seine peitsche wacker schnaltzen lassen, sich rühmen und grosz thun. Kramer a. a. o. einen mit der peitsche schnalzen, schlagen Frommanns zeitschr. 4, 47 (Niederösterreich). schnalzen mit einer gerte: das schlanke bürschchen schnalzte mit der reitgerte. Eichendorff 3, 88 (1864); mit castagnetten: (mädchen, die) mit den castagnetten schnalzten. 75. im oberdeutschen in allgemeinem sinne von klatschen, knallen Schöpf 636. Klein prov.-wb. 2, 132; der kusz schnalzte nur so.
b) mit den fingern schnalzen, ein schnippchen schlagen, sowol von der geberde wie von einem wirklichen leichten schlage Kramer teutsch-ital. dict. (1702) 2, 618a. Frisch 2, 211b: dessen finger der rechten hand den im alterthum, als ausdruck von sorgseligkeit, so beliebten act des schnalzens auszuüben bewegt sind. Göthe 39, 72. einem unters gesicht schnallen, schnaltzen Kramer a. a. o.; einem in die augen schnalzen, ihn durch list oder betrug abtreiben. Schmeller 2, 574.
c) vom lockruf einzelner vögel: fänget er (der auerhahn) nun wieder an zu schmaltzen (lies schnaltzen) und zu faltzen. Döbel jägerpr. 2, 171b; er (der fasan) hat einen starcken laut, dasz man ihn gar weit hören kan, doch nicht viel an einander, sondern er schnaltzet immer kurtz ab. 1, 47a. doch

[Bd. 15, Sp. 1167]


auch von lauten anderer thiere: die fledermaus ... schnalzte. Freytag handschr. 3, 196.
d) vom menschen: 'mit der an den gaumen gedrückten und schnell zurückgezogenen zunge einen hellen laut hervorbringen, welcher mit dem knalle einer peitsche ähnlickeit hat'. Campe. fast ausschlieszlich in dieser bedeutung wird das wort in der ausgebildeten neueren schriftsprache gebraucht: ein schnalzender laut, mit schnalzender zunge sprechen, dem pferde schnalzen, um es anzutreiben u. ä. Campe. schnalzen als signal: pfeift, oder schnalzt, oder schreyt wie ein specht. Fr. Müller 3, 111. lockend:

er schnalzt und klopfet wohl sanft auf's knie,
lockt freundlich sie (die hunde)
durch alle gefälligen töne.
Bürger 82b;

es schnalzen seine gnaden,
und Joli packte an.
Schiller 1, 208.

scherzend von einem inbrünstigen seufzer:

ein schnalzend seufzerlein an deine buhle.
Uhland ged. (1864) 138.

als zeichen des beifalls, der freude, des wolbehagens, der lüsternkeit:

schnaltzet und lecket mit lustigen zungen.
Logau 2, 31, 7;

die alten bassen schnalzen
den takt dazu.
Wieland 22, 216 (Oberon 5, 47);

und alles schnalzt, beklatscht den kauz.
Immermann 13, 90 Boxberger;

schnalzte freudig mit der zunge und nickte billigend mit dem kopfe. J. Paul Siebenk. 1, 133; in dieses haus trat Itzig, indem er einem geputzten dienstmädchen an der thür schnalzend einen kusz zuwarf. Freytag soll u. haben 1, 44. doch auch als verächtliche geberde: schnalzte verächtlich mit der zunge und sprach 'das sind kleinigkeiten'. Arnim kronenw. 1, 169;

indem er pfeift, wenn and're beten,
und schnalzt, wenn er sie höflich grüszen sieht.
Hebbel (1891) 5, 191;

ein leicht geschnalzter fluch (halb unterdrückter und unmutig hervorgebrachter). J. Paul flegelj. 1, 6. auf ähnliche laute übertragen: durch schnalzen auf lindenblättern und andere artige kunststücke. Eichendorff 2 (1864), 375; so hörte man doch deutlich, wie die wellen am schifflein unten schnalzten. Mörike ges. erz. (1878) 44 (schriften bd. 2).
3) besonderes.
a) schwatzen, prahlen (vgl. DWB schnallen 2): was schnalzestu viel, quid blateras, te ostendis et jactas Stieler 1890. anschnalzen, increpare, impetuose alloqui Wachter 1447: einen an-, abschnalzen, grob anfahren, abfertigen Schm. 2, 574;

das man offt uber mich thet schnaltzen.
H. Sachs 1 (1558), 541b.

vgl. schnalz.
b) schmoren, bräteln:

da hört ich die hellküchlein schnaltzen. 359b.


c) schnalzen, ructare Stieler 1889.
 
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schnalzer, m., zum vorhergehenden gebildet: schnaltzer, talitrum Dief. 572a, nasenschnalzer Adélung unter schnalzen (s. DWB schnalzen 2, b); einen schnaltzer thun mit der peitsche. Kramer teutsch-ital. dict. (1702) 2, 618a. Hügel 141b (schnalzen 2, a), dann auch knall, krach Schöpf 636. Schmeller 2, 574; zu einem dummen: du hast den schnalzer überhört (doch wol der peitsche). idiot. austr. 119, vgl. Schöpf a. a. o.; da hab ich auf einmal, wie die Tyroler den schnalzer gehört, bin gescheit geworden. Schm. 2, 574. ein schnalzer mit der zunge Campe (schnalzen 2, d). possen, alberner oder lustiger einfall (zu grunde liegt schnalzen, schnellen, vgl. DWB schnall und DWB schnalle 6); verblaszt: er wil uns mit aller gewalt zum lachen zwingen; wir wollen ihm den possen thun, und allzeit sauer sehen, so offt er einen schnaltzer fahren läst. Weise erzn. 169 neudr. persönlich, ein schelm: es war aber ein schnaltzer von dieser gesellschafft, ein aichbruder, ein storger, ein schurck. Philander 2 (1650), 587.
 
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schnalzkraut, n. silene inflata Pritzel - Jessen; sieh schnalle 7, c.
 
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schnälzlein, n.: die alt thuet im ain schnelzlein nach (ein verächtliches schnippchen). H. Sachs fastn. sp. 7, 25 neudruck; s. DWB schnalz.
 
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schnalzung, f., belegt bei Stieler 1889.
 
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schnäpel, m. fisch salmo lavaretus. s. DWB schnepel.
 
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schnäper, m. in Pommern der fisch cyprinus nasus, die nase. Nemnich 2, 1365.
 
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schnapf, für schnapp (s. d.), beutegang, raub (s. d. 4): mit seidenen strickleitern, welche .. die so auf solchen schnapf ausgehen, gemeiniglich bei sich führen. Mandelslo bei Olearius pers. reisebeschr. 94.

[Bd. 15, Sp. 1168]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnapfen, verb. für schnappen, in der bedeutung schwatzen, plaudern:

schnapfen, klaffen, lellen, schnallen. renner (Frankfurter druck 1549) 82;

clevisch als snaffen, sneffen, garrulare Dief. 258a; für gierig zufahren: (der hai) wirft sich auf den rücken und schnapfet von unten hinauf. Mandelslo bei Olearius pers. reisebeschr. 105; in der bedeutung niederlage, schlappe erleiden: ich denck, er hab mich darum bey sich gehalten, dasz er vielleicht sorg für mich gehabt, weil ich nemlich Thalackers reitern anhieng, und mit ihnen ritt, dasz ich irgend darüber möcht schnapfen. Götz v. Berl. 48.
 
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schnapp, m. handlung des schnappens, einmaliges schnappen, nach den verschiedenen bedeutungen des verbums; erst im späten mhd. als snap auftretend (Lexer mhd. handwb. 2, 1023).
1) plötzliches öffnen des mundes unter gleichzeitigem zufahren; besonders von gierigen thieren: der walfisch verschluckt jn ains schnaps. S. Münster cosmogr. 1420; einen schnapp nach etwas thun, auf éinen schnapp, von hunden Adelung; daher der hund selbst als ein schnapp bezeichnet:

zunächst am ofen sasz, mit seinem groszen schnapp,
ein Nimrod.
Schmidt kom. dicht. 263;

der fisch geht auf den schnapp (versucht den köder an der angel zu schnappen). Krünitz 13 (1786), 598;

der hai that einen schusz und schnapp,
doch am gebisz vorüber knapp
ist ihm der kühne held geschwommen.
Lenau 331;

auch von menschen:

den halt man für ein praffen mann,
der ein paar viertl in eim schnapp auszsauffen kan.
Sutor latinum chaos (1716) 219;

auf das was durch den schnapp erfaszt wird, bezogen; schnapp (neben schnapps) quantum hianti ore una vice capitur, auf einen schnapp, una oris captura Frisch 2, 211b.
2) von dingen, plötzliches zusammenklappen: einen schnapp mit der schere thun; mit dem schnapp des schlosses ist die thüre zu. niederd. auch der von der geöffneten und dann gleich wieder zugemachten thüre ausgehende luftstosz: den snap krîgen, von diesem luftstosze getroffen werden. Schambach 199a.
3) bild für plötzliche geschwindigkeit in der formel im schnapp: in einem schnap hierüber alsbald viel votiert und zu end geschlossen. Birlinger augsb.-schwäb. wb. 400a; auch niederd.: mit enem snapp, in der gröszten eilfertigkeit, sehr geschwind brem. wb. 4, 879; mit ên snap, in einem augenblick, sofort ten Doornkaat Koolman 3, 237b.
4) schnapp für plötzlichen räuberischen überfall, straszenraub: dann ob er gleich wol die schlösser und stettle also im schnap nit konte überziehen, so verbrennt er doch die dörfer. Zimm. chron. 22, 209, 9.
5) besonders in der sprache des 16. jahrh. einen schnapp nehmen, leiden, räuberischen oder kriegerischen überfall, schlappe, niederlage erleiden: die Römer wolten solchs rechen, da namens den schnap darob. Aventin bair. chron. 1, 384, 31; es namen mêrgenant brüeder, dieweil si miteinander kriegten, noch mêr ein schnap, verlurn auch alle land, so ehem des wasserfluesz Tygris ligen. 416, 6; daran der feind musz ein schnapp oder nachtheil leiden, dar ausz jm das hertz entfellt. Fronsperger kriegsb. 1, 134b; in freierer anwendung: man handelt sie (die prediger) ubel, darumm werden wir in kürtz erfaren, wie unsere kirchen werden ein schnap nemmen. Luther tischr. 183a; nimet er aber einen schnap, dasz er erschepft wirt. 339a;

so mein ehr hat ein schnap genumen,
und bin auch umb mein gut schir kumen.
H. Sachs 1 (1558), 319d;

das nit etwan nemest ein schnap,
das dir werd ein volle kap (strafe, züchtigung).
Wickram Obsop. L 4b;

noch jetzt in Düringen schnapp kriegen, ungemach bekommen, etwas wegkriegen, auch empfindlichen verlust erleiden durch sinken des preises. vgl. auch das fem. schnappe 4.
6) schnapp, bezeichnung des rotzes, nasenflusses, in Hamburg und Holstein. brem. wörterb. 4, 880. Schütze 4, 138; ebenso in Pommern: snapp, der rotz aus der nase Dähnert 436b; gehört nicht zu dem vorhergehenden, sondern entspricht dem mnd. snop, snoppe (das auch als snap, snappe vorkommt Schiller-Lübben 4, 278) und hochdeutschem schnupfen, s. d.
 
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schnapp, interjection, aus dem vorigen subst. entwickelt, zur bezeichnung einer hastig zufahrenden mit einem laut verbundenen bewegung: schnapp fuhr die thür zu, schnapp kippte das bret

[Bd. 15, Sp. 1169]


um, schnapp sprang das schlosz zu, schnapp hatte er es weg Adelung; in niederd. mundarten: snapp hadde he 't weg! brem. wb. 4, 880; snapp sprung dat slot to. ebenda; ebenso ostfriesisch ten Doornkaat Koolman 3, 237b; oberdeutsch in adverbialer verwendung zur bezeichnung höchster schnelle: schnapp flux darauf. Schöpf 637. im ablautspiel schnipp schnapp; als name eines kartenspiels schnipp schnapp schnurr Andresen volksetym. (1889) 304, erweitert auch schnipp schnapp schnurr apostolorum, verderbt bostelorum, bastelorum Vilmar 363; snip snap snur baselorum (in Fallersleben) Frommann 5, 294; vgl. unter schnipp.