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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnällelein bis schnallenputzer (Bd. 15, Sp. 1163 bis 1165)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnällelein, n., dim. zum vorhergehenden worte Stieler 1890, mhd. snellîn.
 
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schnallen, verb.
1) zu schnalle, fibula gebildet: schnallen, fibulare, figere, firmare fibulatione Stieler 1889 (häufiger auch freier dem sinne von schnüren sich nähernd): die halsbinde fester, lockerer schnallen. Adelung; ein band um den hut, die bücher in den riemen schnallen. Campe. etwas um den leib, über den rock, auf den tornister, schlittschuhe unter die sohlen schnallen u. ä. häufig in zusammensetzung: an-, auf-, ein-, zu-, um-, zusammen-, los-, abschnallen u. s. w. einen kurz schnallen, ihn einschränken Wander sprichwörterlex. 4, 285; das verbum gehört erst der neueren sprache an: nahm er eine grosze am throne hängende brille und schnallte sie um mein haupt. J. Paul aus d. teufels pap. 1, 20; ich schnallte in Grimma meinen tornister, und wir gingen. Seume werke (1826) 2, 3;

spielweise macht herr Amor ihn kapot,
und schnallt den raub (eine schnalle) zurück an die verwaiste hose.
Schmidt kom. dicht. 239;

und schnallt den goldnen helm sich los
und reicht dem könig ihn.
Uhland ged. (1864) 206;

er ist vom wirbel bis zur sohl'
in harten stahl geschnallt. 307;

nicht straff ihre gürtel schnallten sie.
Rückert Firdosi 1, 377.

freier: an die schwester hatte sich der arme hauspudel geschnallet (Apollonia), d. h. sich in ihren arm eingehängt. J. Paul Hesp. 2, 22. im bilde:

doch ist gewisz, er kann
den wild empörten zustand nicht mehr schnallen
in den gurt der ordnung. Shakespeare Macbeth 5, 2.

bair. ist schnalnen neben schnallen bezeugt Schmeller 2, 574; neben snallen umgelautetes snellen cimbr. wb. 233b.
2) von diesem verbum ist ein älteres schnallen (hiervon abgeleitet ist schnalzen) zu trennen, das zu einem starken verbaltypus snëllen, snal, snullen, gesnollen gehört (gramm. 2, 58, 579) und mit schnellen und schnalzen sich vielfach in der bedeutung

[Bd. 15, Sp. 1164]


berührt. es begegnet in älterer sprache und ist mundartlich erhalten. schnallen, einen foppen, prellen. schnallung, deceptio, fraudatio Stieler 1890, vgl. DWB schnalle 6. schnallen, sich elastisch bewegen (vergl. DWB schnellen). fränkisch von der bewegung eines fisches oder einer schlange Frommanns zeitschr. 6, 422, 32. 528, 15 (dann auch zappeln, sich schnellen, mit den beinen ausschlagen); von worten:

swaʒ in kumet in den muot,
eʒ sî übel oder guot,
sie lâʒenʒ her ûʒ snallen
und ûʒ dem munde vallen. ges. abent. 3, 357, 5.

nutare, vacillare, wanckelen, swenckeln, wagken, slottern, snallen, zittern. Diefenbach 385c. mit dem kopfe nicken: und sprachen: ist das euer sun? aber sie (die eltern) waren als frumm und schnalten und sagten ja. Keisersberg evangelia (1517) 68a; die fraw wolts nit sagen, doch schnalt sie einmal. Pauli schimpf u. ernst 224. schnellend schlagen, so dasz ein bestimmter laut entsteht (vergl. schnalzen): mit der peitsche schnallen. Kramer deutsch-italien. dict. (1702) 2, 618a. die luft durch die lippen einziehen, wodurch man z. b. thiere anruft oder antreibt: mit dem maul schnallen zu dem pferde. Kramer a. a. o.; geräuschvoll schlürfen:

sô t wir gleich der wetter genss
die teglîch wasser schnallet.
O. v. Wolkenstein 117, 6, 8.

vielleicht ist von hier aus wasserschnalle, -schnalze, wassersuppe zu erklären, vgl. DWB schnullen, saugen Schm. 2, 576. der schnalzende laut ist ein zeichen des wolbehagens, daher schnallen, schnullen, sich mit essen gütlich thun Liesenberg 198, vergl. Spiesz 221. schnippen mit den fingern: die knöchel schnallen lassen, mit den fingern schnallen, einem unters gesicht schnallen. Kramer a. a. o.;

der donner Sinai wird kaum so hoch geacht
als wann ein thönend ertzt vom hammerschlage schallet
und ein gebrechlich mensch mit seinen fingern schnallet.
Logau 1, 231, 66.

einen beschnallen, ihm übers maul fahren Schm. 2, 574. vom begriffe des entstehenden geräusches aus entwickelt sich das wort in anderer richtung (klappern mit dem schnabel), schwatzen:

slotern, smetern, snarren, kallen,
snappen, klaffen, lellen, snallen
heiʒet man höflîcheʒ tihten. renner 16202;

mit dem nebensinne des falschen, verläumderischen:

zem vürsten sie gespringent,
ir einer im zuo snallet
'wie der sîn guot verschallet,
lieber herre âne nôt.' Seifr. Helbling 15, 403

(minnes. 3, 351a ist wol mit irem valschen snallen zu lesen, so dasz diese stelle hierherzuziehen wäre). krachen, knallen (so noch oberdeutsch, s. Schöpf 636. Lexer 222):

von püchsen, kloczen und auch pfeiln
hub sich ain grasseʒ schnallen,
rummeln, prasteln und schallen.
M. Beheim buch v. den Wienern 73, 12;

von stiefelsohlen, die beim biegen knarren:

so brent er (der schuster) die solan, das si tuond krachen
und hin und her tuond schnallen:
das tuot den geburen wol gefallen. teufels netz 10626;

schnallen, coire erklärt sich aus schnalle 5: dä lätt sik snallen. Woeste 245b.
 
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schnallenband, n. band, das durch eine schnalle an oder um etwas befestigt wird.
 
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schnallenbürste, f. bürste von kurzen starken borsten zum putzen von schnallen. Jacobsson 4, 13b.
 
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schnallendorn, m. acicula fibulae Frisch 2, 211a; der spitze, bewegliche theil der schnalle, der stechend eingreift und festhält.
 
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schnallendrücker, m., oberdeutsch einer, der thürklinken auf- und zudrücken musz (s. DWB schnalle 2, a); schnallendrucker, handwerksbursche, der nach dem zehrpfennig umhergeht; spöttisch 'das letzte frequentierende magistratsglied, das zunächst an der thür sitzt und den pochenden bescheid gibt' Schm. 2, 574, schnallendrücker, der letzte, der aus der schule geht Schmid 473; schnallendrucker, bettler Lexer 222; schnallendrücker, schmeichler (Baiern) Klein prov.-wb. 2, 132 (vgl. Wander sprichwörterlex. 4, 285); in der gaunersprache schnallendrücker oder -trecker, bettler Avé - Lallemant d. gaunerthum 4, 602. schnallendrücken, auf schnallendrücken gehen, als bettler einherziehen, aber auch: auf den strich gehen (s. DWB schnalle 5).
 
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schnallenfutteral, n.: schob sich etwas dazwischen, das ich für ein schnallenfutteral hielt. Thümmel reise 6 (1794), 53,

[Bd. 15, Sp. 1165]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnallengieszer, m.: der schnallengieszer will die meereslänge erfinden (jeder unternimmt am liebsten, was nicht seines berufes ist). Lichtenberg verm. schriften 1, 160.
 
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schnallenlochzeug, n. werkzeug, womit die schnallen zu den sporen verfertigt werden. Jacobsson 4, 13a.
 
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schnallenmacher, m. fibularius Frisch 2, 211a.
 
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schnallenputzer, m. Campe.