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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnäbelung bis schnäblein (Bd. 15, Sp. 1149 bis 1151)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnäbelung, f. das schnäbeln, rostrorum mutua conjunctio, osculatio, basiatio, amplexus Stieler 1895.
 
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schnabelwäscher, m. jemand, der den schnabel, den mund wäscht; verächtlich für barbier, bader: sonderlich die in der wundartzney erfahren, und jhre kunst auff den universiteten erstmals gelernet, und folgends in kriegen und heerzügen geübet, und nicht, die jhre kunst in der scheerstuben

[Bd. 15, Sp. 1150]


und bey den zahnbrechern gelernet haben, wie unsere bartscherer und schnabelwäscher, die sich fälschlich vor wundärtzt auszgeben, und auch viel leut verderben. Tabernaemontanus 245a; es werden von dem gliedkraut und allen seinen geschlechten, von den rechten wahren chirurgis und wundärtzten (ich meyne nicht scherenschleiffer, schnabelwäscher oder baderhütmacher) heylsam gute wundträncke bereitet. 371a.
 
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schnabelweide, f. weide für den schnabel, mhd. snabelweide.
1) in komischer rede für gutes, reichliches futter, fressen: esculenta, vesca, schnabelweid Frischlin nomencl. 403; der vögel: derowegen kluckerte er (der haushahn) durch seine sprach, die ich eben nicht austrücken kan, seine hüner zusammen, und sagte zu ihnen: potz 1000 säck voll regen - würm und allerley kräuter-samen! die garten-thür ist offen, kompt, es wird ein treffliche schnabelweid setzen. Simpl. 3, 659;

ein kluger stieglitz pfiff sie aus,
und sprach: ihr herrn! ihr irret beide
mit eurer schlechten schnabelweide,
ich weisz wohl einen bessern schmaus.
er sollte distelköpfe kosten,
das ist ein essen für starosten.
Lichtwer fab. 3, 23.

übertragen auf das fressen anderer thiere: dise heyligkeit bestund also ein zeytlang, da begundt dem gten Reinharten der bauch schmal z werden und das maul nach der gten schnabelweyd z stincken. Kirchhof wendunm. 1, 82 Österley;

der wurm gienc von dem loche,dâ er aber der weide phlac.
durch sîne snabelweidegie er von dem neste dan. Wolfdietrich A 582;

ich (ein floh) sprach: o muter, trautes herz,
es ist mir fürwar gar kain scherz,
dan ich an orten war gerait,
da sah ich ander schnabelwaid.
Fischart 2, 29 Kurz;

besonders ist die schäferey
ein werck vor seine (des bären) schnabel-weyde;
er schleichet sich des nachts herbey,
und findt ein loch in das gebäude.
Picander (1734) 2, 367.

futter, gutes essen der menschen: würde er (ein fürst oder kriegsoberster) aber zu geschwindt ubereylt, so sol er doch alle gelassene schnabelweyd also wercklich kuttiniren und spicken. Fronsperger kriegsb. 1, 176a; der leute datum stund auff guter schnabelweide, drumb beflisz sich Zilla, die köstliche köchin auff gute gerichtlein unnd naschbiszlein. Mathesius Sar. 9b; weil mir die schneider die kleider mit fleis zu weit machen musten, um der hoffnung willen, die man hatte, ich würde in kurtzer zeit zulegen, in welcher gefaszten hoffnung sie auch nicht betrogen wurden, sintemahl ich bey so guter schnabelweid und maulfutter augenscheinlich zunahme. Simpl. 1, 73 Kurz; aber der teutsche knecht sagte mir, dasz er (ein hase) uns nicht an die zähne brennen würde, dann sein herr hätte den kostgängern ausgedingt, dasz er so keine schnabelweide speisen dörffte. 351;

des weinent dicke mîniu kint,
bœs' ist ir snabel weide. minnes. 2, 259b Hagen;

wer es so gt, ein urtheil fellen,
als bancketirn mit gten gsellen
und trachten nach der schnabelweyd.
Kirchhof wendunm. 1, 193 Österley;

sprichwörtlich: man musz nicht neue schnabelweide schütten, es sei denn die alte verdaut. Wander 4, 283. dazu: wann er sich nun also uberworffen und purkratzet het, nach der regel (schüt nicht ein newe schnabelweid, du hast dann vor die alte verdäut, welche wird vernummen, an dünnem speichel, unnd magenprummen) so nam er als dann die morgensup ein. Fischart Garg. 160a; bezeichnung von feinerem schlachtvieh: obengedachte zahme schnabelweid. Simpl. 1, 176 Kurz (vorher hüner, gänsz, enten, spanferkel, geiszen, hämmel); für eine gegend, welche gute schnabelweide bietet: schnabelweyd, regio amoena et fertilis Maaler 358d; schnabelweid, name eines adelichen gutes im fürstenthum Bayreuth, weil schöne jagd, fischerei und andere bequemlichkeiten für einen herrn da sind. Frisch 2, 210c.
2) in bildlicher sprache, vom kusz:

ihr kusz ist mir
die schönste schnabelweide:
kein bock hüpft so voll freude,
als mir das herz bey ihr.
Weisze kom. op. 1, 11.

vom geschlechtlichen verkehr: wer gern mit dieser schnabelweid umgehet, kan wohl gedencken, wie mir ums hertz wurde, vornehmlich wann er erachtet, dasz ich damal noch vom trunck erhitzt und noch lang nicht durch den schlaff widerum zu meiner rechten vernunfft gelangt war. Simpl. 3, 415 Kurz;

[Bd. 15, Sp. 1151]


glück zu, vergnügte braut! die haut ist nun verkaufft,
das hertze weggeschenckt, doch nicht zu deinem leide;
dein täuber ladet dich auf eine schnabel-weide,
und kühlt den heiszen brand, der dir zum hertzen laufft;
dein schenckel wird nicht mehr den grimm des winters fühlen,
da dich und deine brust dein schöner vogel wärmt.
Günther 540.


 
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schnabelwerk, n. scherzhaft von gutem, schmackhaftem essen: das (die gebratenen staare) gibt darnach gegen und im winter ein gut schnebelwerk. Colerus hausb. 480.
 
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schnabelwetzung, f. wetzung, wetzen des schnabels; in komischer rede für küssen:

ich sag euch, wie ich heisze, frey,
meine, dasz es (das weibliche geschlecht) geschaffen sei
den männern nur zur schnabelwetzung
und zur gelegentlichen letzung.
Ludwig 3, 568.


 
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schnabelwinkel, m. der zwischen den beiden theilen des unterkiefers am schnabel eines vogels liegende winkel. quelle bei Campe.
 
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schnabelzange, f. mit schnäbeln versehene zange. Jacobsson 4, 13b.
 
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schnabelzuckend, part. mit dem schnabel zuckend:

und die taube, schnabelzuckend,
pickt die schale schnell hinunter.
Cl. Brentano ges. schriften (1852) 3, 389.


 
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schnabelzumpe, f. die pflanze penthorum sedoides Oken 3, 1963.
 
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schnaben, verb., vgl. unter schnappen.
 
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schnäblein, schnäbelein, n. kleiner, zierlicher schnabel, mhd. snebelîn: ein schnäbelein, rostellum Frisch 2, 210b; sie aber zwitscherte wie eine grasmücke, die am bache das hälslein wäscht und das köpfchen herum wirft und die federn sträubt und wieder glättet mit dem schnäblein. Grillparzer 11, 286;

nachtigall, ich seh dich laufen,
an dem bächlein thust du saufen;
du tunkst dein klein schnäblein ein,
meinst, es wär der beste wein. des knaben wunderhorn 1, 132 Boxberger;

und käm alle jahr ein vögelein
und nähm nur ein schnäblein voll erden,
so wollt ich doch die hoffnung haben.
dasz ich könnt selig werden. 2, 82;

wacht auf, ihr schönen vögelein,
ihr nachtigallen kleine,
die ihr auf grünem zweigelein,
noch eh die sonn recht scheine,
anstimmt die tönend schnäbelein,
gedreht von helfenbeine! 524.

übertragen auf den mund der geliebten:

dû auserweltes schöns mein hertz,
dein buniklîcher schertz,
hât benomen mir besunder schmertz.
ey myniklîches valkentertz,
wie süesz ist dir dein sneblein wolgevar!
O. v. Wolkenstein 37, 1, 5.