Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnabelschall bis schnabelwinkel (Bd. 15, Sp. 1149 bis 1151)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnabelschall, m.:

da pfiffen amsel, drossel, staar,
und gümpel, und die ganze schaar
versprach sich auch des adlerohres
gehör bei ihrem schnabelschall.
Karschin ged. 275.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnabelschnell, adj. und adv. schnell mit dem schnabel, unüberlegt und vorlaut redend (vgl.schnabelresch): wan wenn du dinen hunt das ist dinen ernst nit von jugent uffrecht gewent und erzogen hest, das du z gehe und zorn wehe und schnabel schnell bist on mosz und bescheidenheyt dinen nechsten stroffest mit sölcher grymme und ungestymme in anschnauwest. Keisersberg bilg. 146a; die weiber haben im paradies ererbet, das sie noch schnabelschnel sind, geben bald antwurt, z zeiten ehe man sie recht gefragt. Wickram irr reit. bilger 12b; und man sagt, es sei die jung domals ganz schnabelschnell gewest. Zimm. chron.2 3, 267, 21.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnabelschuh, m. vorn spitz, schnabelartig zulaufender schuh, wie er bis gegen ende des mittelalters in Deutschland vielfach getragen wurde (s. Schultz höf. leben2 1, 296 und schnabel 5, l): in dieser zeit war grosze hoffart im lande, sonderlich mit den schnabel schuhen, einer hatte einen schnabel vorn an den schuhen, eines fingers lang, der ander einer spannen lang, der dritte einer halben elen lang, dar nach als einem gefiel, auch trugens weiber an den korcken, item reuter hattens an den stieffeln. Hennenberger preusz. landtafel 278;

die dünnen schürtzen, flohrne röcke,
schnabel-schuh und krausen löcke,
und was vor allamoden-sachen
die staats-welt sonst pflegt mehr zu machen.
Brodtkorb teutsche wahrheit (1700) 107.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnabelstiefel, m. vorne schnabelartig auslaufender stiefel, s. DWB schnabelschuh: warum könnte nicht unsern zeiten der fang zufallen, dasz ihnen das glück einen incroyable mit pulsierenden hutkrempen und schnabelstiefeln und fleischernen cravatten - zacken bescherte, frag' ich? J. Paul Katzenbergers badereise 31.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnabelthier, n. name für das säugethier ornithorhynchus paradoxus Oken 7, 834.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnäbelung, f. das schnäbeln, rostrorum mutua conjunctio, osculatio, basiatio, amplexus Stieler 1895.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnabelwäscher, m. jemand, der den schnabel, den mund wäscht; verächtlich für barbier, bader: sonderlich die in der wundartzney erfahren, und jhre kunst auff den universiteten erstmals gelernet, und folgends in kriegen und heerzügen geübet, und nicht, die jhre kunst in der scheerstuben

[Bd. 15, Sp. 1150]


und bey den zahnbrechern gelernet haben, wie unsere bartscherer und schnabelwäscher, die sich fälschlich vor wundärtzt auszgeben, und auch viel leut verderben. Tabernaemontanus 245a; es werden von dem gliedkraut und allen seinen geschlechten, von den rechten wahren chirurgis und wundärtzten (ich meyne nicht scherenschleiffer, schnabelwäscher oder baderhütmacher) heylsam gute wundträncke bereitet. 371a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnabelweide, f. weide für den schnabel, mhd. snabelweide.
1) in komischer rede für gutes, reichliches futter, fressen: esculenta, vesca, schnabelweid Frischlin nomencl. 403; der vögel: derowegen kluckerte er (der haushahn) durch seine sprach, die ich eben nicht austrücken kan, seine hüner zusammen, und sagte zu ihnen: potz 1000 säck voll regen - würm und allerley kräuter-samen! die garten-thür ist offen, kompt, es wird ein treffliche schnabelweid setzen. Simpl. 3, 659;

ein kluger stieglitz pfiff sie aus,
und sprach: ihr herrn! ihr irret beide
mit eurer schlechten schnabelweide,
ich weisz wohl einen bessern schmaus.
er sollte distelköpfe kosten,
das ist ein essen für starosten.
Lichtwer fab. 3, 23.

übertragen auf das fressen anderer thiere: dise heyligkeit bestund also ein zeytlang, da begundt dem gten Reinharten der bauch schmal z werden und das maul nach der gten schnabelweyd z stincken. Kirchhof wendunm. 1, 82 Österley;

der wurm gienc von dem loche,dâ er aber der weide phlac.
durch sîne snabelweidegie er von dem neste dan. Wolfdietrich A 582;

ich (ein floh) sprach: o muter, trautes herz,
es ist mir fürwar gar kain scherz,
dan ich an orten war gerait,
da sah ich ander schnabelwaid.
Fischart 2, 29 Kurz;

besonders ist die schäferey
ein werck vor seine (des bären) schnabel-weyde;
er schleichet sich des nachts herbey,
und findt ein loch in das gebäude.
Picander (1734) 2, 367.

futter, gutes essen der menschen: würde er (ein fürst oder kriegsoberster) aber zu geschwindt ubereylt, so sol er doch alle gelassene schnabelweyd also wercklich kuttiniren und spicken. Fronsperger kriegsb. 1, 176a; der leute datum stund auff guter schnabelweide, drumb beflisz sich Zilla, die köstliche köchin auff gute gerichtlein unnd naschbiszlein. Mathesius Sar. 9b; weil mir die schneider die kleider mit fleis zu weit machen musten, um der hoffnung willen, die man hatte, ich würde in kurtzer zeit zulegen, in welcher gefaszten hoffnung sie auch nicht betrogen wurden, sintemahl ich bey so guter schnabelweid und maulfutter augenscheinlich zunahme. Simpl. 1, 73 Kurz; aber der teutsche knecht sagte mir, dasz er (ein hase) uns nicht an die zähne brennen würde, dann sein herr hätte den kostgängern ausgedingt, dasz er so keine schnabelweide speisen dörffte. 351;

des weinent dicke mîniu kint,
bœs' ist ir snabel weide. minnes. 2, 259b Hagen;

wer es so gt, ein urtheil fellen,
als bancketirn mit gten gsellen
und trachten nach der schnabelweyd.
Kirchhof wendunm. 1, 193 Österley;

sprichwörtlich: man musz nicht neue schnabelweide schütten, es sei denn die alte verdaut. Wander 4, 283. dazu: wann er sich nun also uberworffen und purkratzet het, nach der regel (schüt nicht ein newe schnabelweid, du hast dann vor die alte verdäut, welche wird vernummen, an dünnem speichel, unnd magenprummen) so nam er als dann die morgensup ein. Fischart Garg. 160a; bezeichnung von feinerem schlachtvieh: obengedachte zahme schnabelweid. Simpl. 1, 176 Kurz (vorher hüner, gänsz, enten, spanferkel, geiszen, hämmel); für eine gegend, welche gute schnabelweide bietet: schnabelweyd, regio amoena et fertilis Maaler 358d; schnabelweid, name eines adelichen gutes im fürstenthum Bayreuth, weil schöne jagd, fischerei und andere bequemlichkeiten für einen herrn da sind. Frisch 2, 210c.
2) in bildlicher sprache, vom kusz:

ihr kusz ist mir
die schönste schnabelweide:
kein bock hüpft so voll freude,
als mir das herz bey ihr.
Weisze kom. op. 1, 11.

vom geschlechtlichen verkehr: wer gern mit dieser schnabelweid umgehet, kan wohl gedencken, wie mir ums hertz wurde, vornehmlich wann er erachtet, dasz ich damal noch vom trunck erhitzt und noch lang nicht durch den schlaff widerum zu meiner rechten vernunfft gelangt war. Simpl. 3, 415 Kurz;

[Bd. 15, Sp. 1151]


glück zu, vergnügte braut! die haut ist nun verkaufft,
das hertze weggeschenckt, doch nicht zu deinem leide;
dein täuber ladet dich auf eine schnabel-weide,
und kühlt den heiszen brand, der dir zum hertzen laufft;
dein schenckel wird nicht mehr den grimm des winters fühlen,
da dich und deine brust dein schöner vogel wärmt.
Günther 540.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnabelwerk, n. scherzhaft von gutem, schmackhaftem essen: das (die gebratenen staare) gibt darnach gegen und im winter ein gut schnebelwerk. Colerus hausb. 480.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnabelwetzung, f. wetzung, wetzen des schnabels; in komischer rede für küssen:

ich sag euch, wie ich heisze, frey,
meine, dasz es (das weibliche geschlecht) geschaffen sei
den männern nur zur schnabelwetzung
und zur gelegentlichen letzung.
Ludwig 3, 568.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schnabelwinkel, m. der zwischen den beiden theilen des unterkiefers am schnabel eines vogels liegende winkel. quelle bei Campe.