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schnabelmieder bis schnabelstiefel (Bd. 15, Sp. 1148 bis 1149)
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[Bd. 15, Sp. 1148]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnabelmieder, n. mit einem schnabelartigen zipfel versehenes mieder. Tobler 393b. vergl. schnabelbrüstlein und schnabel 5, p.
 
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schnabelmöhre, f. die pflanze scandix pecten Veneris Nemnich 4, 1233. vgl. DWB schnabelkerbel, -kraut.
 
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schnabelmücke, f. die mückenart rhingia rostrata Oken 5, 815.
 
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schnabeln, verb. , erst nhd. bildung zu schnabel, mit dem schnabel eine thätigkeit vornehmen.
1) im boden kratzen, wühlen:

fengt er (der hahn) an dem boden zu schnabeln,
scharret mit den zween mistgabeln,
und rufft guck, guck, currith, merck auff.
Rollenhagen froschm. II 4b.


2) als zeichen der liebe gegenseitig den schnabel berühren, von den vögeln auch auf menschen übertragen (vgl. DWB schnäbeln), nd. sik snaveln, sich schnäbeln, wie die tauben, sich küssen brem. wb. 4, 886;

und dasz den täublein gleich wir nun einander schnabelen,
mit küssen nectar-gleich begabelen, erlabelen.
Weckherlin 769.


3) mit dem schnabel speise zu sich nehmen, besonders wolschmeckende, reichliche und gute bissen; sprichwörtlieh, um die arbeit und mühe zu bezeichnen, die zur erlangung eines guten bissens oft nötig ist: wer will schnabeln, musz erst gabeln. Wander 4, 283.
4) schnabeln, niederd. snabeln, in der schifffahrt, mit einem ausschnitt dergestalt auf etwas fassen, dasz die sache innerhalb des schnabelnden ausschnittes fällt, und von derselben umfaszt wird. Jacobsson 7, 255a.
 
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schnäbeln, verb. mit dem schnabel berühren, früher als die vorige unumgelautete form und schon im späteren mhd. als snäbeln nachgewiesen (vgl. nachher).
1) von vögeln gebraucht, liebe, zärtlichkeit durch berühren der schnäbel kund geben: schnäbeln, primario dicitur de columbis rostra sua jungentibus, lusitare labellis morsicatim. Stieler 1894; transitiv:

komm (anrede an eine taube), hüpfe schön
auf meine brust,
komm, wölb' die seidnen flügel
und schnäble mich!
Fr. Müller 2, 358.

sich schnäbeln, einander schnäbeln: sich miteinander schnäbeln, ora oribus insertare Stieler a. a. o.;

allein die dame sah,
bis sie vorüber war, zur linken im gebüsche
zwey schönen gehaubten täubchen, die dort sich schnäbelten, zu.
Wieland 5, 20;

siehe, wie bey seinem bette
selbst die tauben traurig sind,
die sich sonst so fröhlich schnäbeln! Göttinger musenalm. 1771 83 neudruck.

subst. infinitiv: diu taub enzünt ir lieb mit snäbeln sam die menschen mit küssen. Megenberg 180, 2;

wie buhlen dort die turteltauben!
wer kann ihr girren nicht verstehn?
die liebe macht es doppelt schön,
und will und soll uns auch erlauben,
das schnäbeln ihnen abzusehn.
Hagedorn 3, 35.


2) übertragen auf menschen,
a) durch zärtliches küssen seine liebe zeigen: schnäblen, küssen, labra labellis componere, einanderen schnäblen, collabellare Maaler 358d; ich schnäbele, columbor, collabello oscula, sie schnäbeln sich wie die tauben, columbatim conferunt oscula labris Steinbach 2, 471; reiche deinen hals mir her und deine augen, dasz ich dich schnäbeln kann. Gesner 3, 39; und kann nicht genug sagen wie sich mein erdgeruch und erdgefühl gegen ... die zuckende, krinsende, schnäbelnde, und schwumelende mägdlein, und gegen die hurenhaffte, strozzliche, schwänzliche und finzliche junge mägde ausnimmt. Göthe briefe 3, 46 Weim.; sobald sie aufhörten sich zu schnäbeln. Keller werke 7, 52;

er schleicht stets mit jhr in ein eckn
und thun die mäuler zammen reckn,
schnebeln mit einander wie taubn.
Ayrer 2737, 22 Keller;

wo gleich und gleich sich sucht, und gleich und gleich sich findet,
da wird so lang' geschnäbelt und gegirrt,
bis dasz feins liebchen sich die schürze höher bindet.
Kl. Schmidt kom. dicht. 57;

subst. infinitiv:

die stunde, worinnen umarmung und schmeicheln,
behägliches schäckern, empfindliches heucheln,
und stärckender athem, und brünstiger wind,
und redliches schnäbeln verschwenderisch sind.
Günther 925;

[Bd. 15, Sp. 1149]



unser gott ist nicht die liebe;
schnäbeln ist nicht seine sache,
denn er ist ein donnergott
und er ist ein gott der rache.
H. Heine 1, 472 Elster.

die lippen schnäbeln, berühren sich im kusse: halt deine lippen doch auf meine lippen, dann, Damon! schnäbeln beyde. Gesner 3, 39.
b) schwatzen, plaudern: fiengen sie an auff gut parisich zubetten, zufluchen und zuschweren, dasz es donneren möcht, ... schnatterten, tadderten, kläpperten, unnd schnäbelten zusammen, wie die vögel wann sie dem garn entwischen, und etlich gesellen dahinden lieszen. Fischart Garg. 1, 233 neudr.; niederd. snäbbeln, schwätzen Woeste 244b.
3) mit einem schnabel versehen; gewöhnlich im particip prät.: geschnäbelt, als ein schiff oder dergleichen, rostratus Frisch 2, 210c; secht wie schön der geschnäbelt könig gutterschnatteret. Fischart Garg. 1, 150 neudruck; der knabe schien seine flöte versuchen zu wollen, ein instrument von der art, das man sonst die sanfte, süsze flöte zu nennen pflegte; sie war kurz geschnäbelt wie die pfeifen. Göthe 15, 323.
 
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schnabelresch, adj. und adv. rasch mit dem schnabel zur rede bereit, vorlaut, s. DWB resch theil 8, 818:

ein jüngling denck und red gar wenig,
geb nicht antwort auff all gewesch,
sonst spricht man, es sey schnabelresch
und bleibt der nam ihm klappertesch.
Kirchhof wendunm. 3, 121 Österley.

vgl. DWB schnabelschnell.
 
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schnabelrinke, m. eiserner ring an der hinterachse eines wagens (vgl. rinke 3, th. 8, 1017): die hinter-achse, an welcher die zwey grossen räder umlauffen, hat einen schnabel von zwey spitzig zusammen lauffenden höltzern, welche mit einem eisernen rincken, der schnabel - rincken genannt, zusammen gebunden sind. öcon. lex. 2567; in der form schnabelringe, der eiserne ring womit der schnabel (am wagen) zusammengebunden wird. Jacobsson 4, 13b.
 
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schnabelschall, m.:

da pfiffen amsel, drossel, staar,
und gümpel, und die ganze schaar
versprach sich auch des adlerohres
gehör bei ihrem schnabelschall.
Karschin ged. 275.


 
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schnabelschnell, adj. und adv. schnell mit dem schnabel, unüberlegt und vorlaut redend (vgl.schnabelresch): wan wenn du dinen hunt das ist dinen ernst nit von jugent uffrecht gewent und erzogen hest, das du z gehe und zorn wehe und schnabel schnell bist on mosz und bescheidenheyt dinen nechsten stroffest mit sölcher grymme und ungestymme in anschnauwest. Keisersberg bilg. 146a; die weiber haben im paradies ererbet, das sie noch schnabelschnel sind, geben bald antwurt, z zeiten ehe man sie recht gefragt. Wickram irr reit. bilger 12b; und man sagt, es sei die jung domals ganz schnabelschnell gewest. Zimm. chron.2 3, 267, 21.
 
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schnabelschuh, m. vorn spitz, schnabelartig zulaufender schuh, wie er bis gegen ende des mittelalters in Deutschland vielfach getragen wurde (s. Schultz höf. leben2 1, 296 und schnabel 5, l): in dieser zeit war grosze hoffart im lande, sonderlich mit den schnabel schuhen, einer hatte einen schnabel vorn an den schuhen, eines fingers lang, der ander einer spannen lang, der dritte einer halben elen lang, dar nach als einem gefiel, auch trugens weiber an den korcken, item reuter hattens an den stieffeln. Hennenberger preusz. landtafel 278;

die dünnen schürtzen, flohrne röcke,
schnabel-schuh und krausen löcke,
und was vor allamoden-sachen
die staats-welt sonst pflegt mehr zu machen.
Brodtkorb teutsche wahrheit (1700) 107.


 
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schnabelstiefel, m. vorne schnabelartig auslaufender stiefel, s. DWB schnabelschuh: warum könnte nicht unsern zeiten der fang zufallen, dasz ihnen das glück einen incroyable mit pulsierenden hutkrempen und schnabelstiefeln und fleischernen cravatten - zacken bescherte, frag' ich? J. Paul Katzenbergers badereise 31.