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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
drecksack bis dreckstat (Bd. 2, Sp. 1359 bis 1360)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) drecksack, m.
1. der menschliche leib, der madensack. den drecksack, den leib, mit einem gürtel binden Pauli 160b. wie kanns immer sein dasz du dich nicht gescheut hast deinen stinkenden drecksack und aufenthaltung alles unflats in meine gegenwart zu bringen? Simpliciss. 2, 387. s. dreckwanst.
2. der mensch selbst. ah, was wöllen wir armen drecksäcke, maden und unflat für dem rühmen, der gott schöpfer ist himels und erden? Luther 8, 51b.
3. ein schmutziger mensch, zumal wenn er den schmutz liebt. er ist von kind an ein drecksack gewesen.
4. drecksäcke pl. die speierlinge, früchte von sorbus domestica, vielleicht weil die beeren sonst gegen durchfall und ruhr gebraucht wurden (s. Adam Lonicerus Kräuterb. 67b), vielleicht auch weil die früchte erst morsch werden müssen, bevor man sie genieszen kann.
5. in der Wetterau wird drecksäck auch als name des baums gebraucht, für drecksäckbaum Weigand. drecksäcke pl. sorbus sativa, legitima Nemnich.
 
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drecksau, f.
1. sus lutulentus.
2. ein schimpfwort für einen unreinlichen menschen, eine schmutzige schlampe. s. DWB dreckhammel, DWB dreckmatz.
 
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drecksaum, m. wie dreckkante, kotrand der sich beim gehen auf nassen wegen an frauenkleidern unten ansetzt.
 
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dreckschlauch, m. uneigentlich wie drecksack, der unterleib, alvus.

wenn ich die salb streich an seinn pauch,
dem fegt sie innen seinn dreckschlauch. Fastnachtsp. 768, 26.


 
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dreckschleuder, f. in Sachsen und Thüringen wie in Schlesien sagt man ein maul wie eine dreckschleuder Weinhold Schles. wörterb. 15. ihr maul geht wie eine dreckschleuder, sie raisonniert, schwadronniert, schimpft meisterlich. die kinder machen sich mittelst eines löffels dreckschleudern, ein spielzeug womit sie schmutz und kot werfen. das ist nachahmung von einem groszen instrument der art, das man früher bei belagerungen verwendete um erde schlamm und kot zu werfen. von zänkischen eheleuten, die hat der teufel mit der dreckschleuder zusammen geschmissen.

[Bd. 2, Sp. 1360]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dreckschlündig, adj. uneigentlich ein scheltwort,

du loser, dreckschlündiger mann
H. Sachs 2. 4, 33b.


 
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dreckschnecke, f. die larve des lilienkäfers die sich mit ihrem eigenen unrat bedeckt und herumkriecht Nemnich Wörterb. 113.
 
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dreckseele, f. bildlich eine gemeine und niederträchtige denkungsart. die Kielmansegge hat von N. gesagt dieser hätte eine dreckseele Göthe und Werther (1854) 89. so wollt ich doch dasz du im kloak ersticktest, dreckseele du! Schiller 121.
 
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dreckstadt, f. deren straszen kotig sind, daher bei Cäsar Lutetia Parisiorum. dann eine unbedeutende, schlechte stadt. es hat dennoch schöne heuser hie. Wittemberg ist eine rechte dreckstadt gegen Leipzik Alberus widder Jörg Witzeln K 6b. s. DWB dreckdorf.
 
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dreckstädtlein, n. das (dasz) nu anfahen etliche junkern, stedte, ja auch kleine dreckstedlein, dörfer dazu, und wollen iren pfarherrn und predigern wehren das sie nicht sollen auf der canzel die sünde und laster strafen Luther Vermanung zum gebet wider den Türken (Wittenb. 1541) B ia.
 
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dreckstat, f. sterquilinium, cloaca Voc. incip. teut. d 4.