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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
drechslerbude bis dreckaufstöszig (Bd. 2, Sp. 1352 bis 1357)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) drechslerbude, f. werkstatt des drechslers Beil 150.
 
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drechslerdocke, f. wie drechslerpuppe. ein baar datscherl hat die gehrt jungfer wie ein christkindl, ein paar häkerl wie ein drexlerdockn Schwabe Tintenfasz 59.
 
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drechslereisen, n. s. drechseleisen, dreheisen.
 
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drechslerhandwerk, n.
 
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drechslerkunst, f. dreherkunst. drehkunst.
 
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drechslerpuppe, f. von holz gedrehte puppe. uneigentlich ein steifer oder gezierter mensch. und wenn die soldaten paradieren, ja freilich scheinen sie da mehr drechslerpuppen als männer Lessing 1, 573. s. DWB drechslerdocke.
 
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drechslerwaare, f. wie drechslerarbeit.
 
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drechslerwerkzeug, n. franz. affûtage du tourneur Beil 150.
 
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dreck, m. den pl. drecker bemerkt nur Stieler 345. coenum, lutum, limus; das gleichbedeutende kot ist minder derb und gilt für anständiger. ahd. und mhd. drec Graff 5, 253. Ben. 1, 388b. niederd. drek Brem. wörterb. 1, 244. niederl. drek, engl. dregs, isländ. þreckr, schwed. und altdän. träck, dän. dräk. das wort ist dunkler abkunft und kommt im ahd. und mhd. sehr selten vor, wie das gleichbedeutende kât kôt; man gebrauchte horo hor. auch im dänischen ist skarn, dynd dafür üblich. im engl. heiszt dregs eigentlich bodensatz, hefe und für die allgemeinere bedeutung wird dirt gebraucht.
1. unreinigkeit, schmutz. dreck am leib sordes. papier mit dreck bestrichen oder beschlirpet, besupplet Maaler 92b.

die kleider wurden im vol schaben (ungeziefer),
das ich im sie im dreck liesz liegen Fastnachtsp. 565, 26.

in des lief der ein hund hinwegk
das er von augen wusch den dreck
und seine wunden liesz verbinden
Rollenhagen Froschm. Qv.

vergl. dreckig. bedrecken bedreckern inquinare.
2. weiche erde, der vom regen flüssig gewordene staub auf wegen und straszen, schlamm auf dem grund des wassers, lehm, thon, verfaulter unrat. der begriff des widerlichen und ekelhaften liegt nicht notwendig darin wie in unflat. man kehrt den dreck auf der gasse zusammen und führt ihn in wagen weg.

darumb pit ich euch vast und ser,
ir steurt mich armen auf den weck,
ee in dem april kum der dreck,
das ich vor kot nit wandern müg Fastnachtsp. 35, 4.

ich (der sich im kot gewälzt hat) was mit dreck also überzogen
das ich het ab ze keren mit aim pesen 333, 14.

(ich) stiesz den jungen lappen inn dreck 756, 20.

also thnt die schmeichler, sie seind frösch die kracken (quaken) allwegen und sitzen in dem treck Keisersberg Sünden des munds 33b. du thst wie ein sau, die gat mit den füszen in den trog und hat den trüssel auch darin und leit (liegt) also in dem trecke zwülen 82a. aber das erst das du thst, so kotzest du das bet vol von nechtiger füllerei, und ist dir das maul vol schaums, und es stinkt dir als hettestu treck fressen 82a. die vierd eigenschaft eines wisen vernünftigen bilgers ist daz er hab einen gten groszen starken stab, an dem er sich müg heben uf, das er nit in den treck fall, und ob er gefallen wäre, das er sich an dem stab wider uf züg und

[Bd. 2, Sp. 1353]


uf heb usz dem treck ders. Bilger 21b. (Witzel) scht den unflat herfür, wie ein saw die lieber dreck reucht weder (als) muscaten oder lavendelblumen Alberus widder Jörg Witzeln F 8a.

und brucht die holzsch uf der gassen,
do er ein pfeningwert (ein wenig) drecks möht fassen.
Brant 44, 20.

den dreck bei den thüren dannen thun Maaler 92b. kriegsleut müssen in nassen kleidern und schuhen auf der harten erden und im dreck, dasz sie auch oftermal nicht einen saubern stein haben unders häupt zu legen, sich behelfen Kirchhof Milit. discipl. 116.

denn sie (die papisten) haben zu höchsten auf ihrs anhanges macht vertrawt,
der grosze vesten aus dreck und stein gebawet. Lustig gesprech der teufel (1542) 64a.

auf das du hoffest ist nichts, ist kat und erdtrich, zu dreck und aschen würd es wider werden, dar von es genommen ist Petr. 103a. da er in dem walde ein hütlin anfieng zu bawen, mit stro zu bedecken, mit dreck und kat die wende auffüren und kleiben 115a. und würt ihm ergehen wie es allwegen groszen stetten ergangen ist, endlich in der aschen, dreck und kat ligen 219b. (sie) diesen vortheil haben, das sie weder stümpf (strümpf) noch mentel betreppen, sondern den treck uber den kopf auszschlaudern Fischart Garg. 41a. (sie) mag ihrs mausols aschen und treck saufen 69b. hie ligt er im treck in aller sau namen, en jacet in trexis qui modo palger erat 94b.

und (Ulysses) fand im hofe ligen im dreck
ein grosze dicke schwarze saw,

er spricht zu ihr

'liegst bisz an den ohren im dreck
und bald friszt ein ander dein speck.'
Rollenhagen Froschm. E iii.

wenn man die stül uf benk wil setzen,
die saw uf eines königs stul,
die sonst gehört in dreck und pful
Eyering 1, 466.

häfen, krüg und deck
sind all von einem dreck 3, 5.

wie man der kinder oft musz lachen,
wann sie aus dreck thun küchlein backen 3, 360.

und sprach 'ist das nichten ein schand
dasz der alt mann hie geht im dreck?' 3, 500.

das wasser hat ein faulen geschmack
gleichwie ein treck in einem sack
Philander v. Sittew.

einen im dreck umsülen, umwenden in luto pervolvere aliquem Henisch 745. Stieler 345. einen mit dreck bewerfen Frisch 1, 204c.

wär ich nur ein dorn der hecke,
welche schlau ihr röckchen ritzt,
nur ein tröpfchen von dem drecke
der an ihre wade spritzt.
Hölty Petrarchische bettlerode im Almanach der deutschen musen 1779 s. 237.

zieh, schimmel, zieh
im dreck bis an die knie Wunderhorn 2, 87.

da liegt nun (im grab) der esel die queer und die lenge,
der oftmals gesteckt hat in liebesaffairen,
zu drecke musz werden Volkslied.

du spottgeburt von dreck und feuer
Göthe 12, 185.

ihr non plus ultra jeder zeit
war 'gott zu lästern und den dreck (die materie) zu preisen'. 56, 22.

bildlich. also stoszestu dein zung auch in den treck der wüsten schamperen wort die du redest, so doch gott dir die geben hat darumb das du in loben soltest Keisersberg Sünden des munds 82a. als ob alles das, das da geschickt ist, sich in dem treck der zeitlichen ding solt sudeln 83b.
3. mist, excrementum. ein gefroren dreck stercus congelatum Diefenbach Wörterb. von 1470 s. 257. dreck merda, stercus Voc. incip. teut. d 4. mist, kat, dreck Dasyp. 232a. 317d. Maaler 92b. dreck treck, mist, kot, unflat Henisch 744. dünn dreck foria Dasypod. 316d. Maaler 92b.

ich hœre nâch der wîsen sage
daz er ein swære bürde trage,
der rîfen drec verhaben sol Lieders. 3. 493, 31.

weicher dreck foria Stieler 345. Frisch 1, 204c.

sag, dreck, was gelucks hast vor in allen?
ich hab kein kraut im pauch: was ist mir nur enpfallen?
ir habt gar wol kennt mein complex:
ich pin ein vater dises drecks Fastnachtsp. 216, 18.

ein dreck mit dem andern lassen farn 216, 35.

von stund satzt sich der dreck zu haufen 217, 20.

[Bd. 2, Sp. 1354]


nit darumb das es in deinem bauch z dreck würde Keisersb. Sieben schwerter und scheiden ee 5d. alles was die welt thut, arbeit, scherz, geiz, finanz, leib und seel wehe thut, gschicht alles umb eines drecks willen, das man damit dem bauch dient, zu essen und trinken hat, das ubernacht zu dreck wirt Henisch 745. die katzen verscharren ihren dreck Frisch 1, 204c. s. DWB gänsedreck. hundsdreck. hühnerdreck. geiszdreck. kuhdreck. mäusedreck. mückendreck. pferdsdreck. prophetendreck. schnepfendreck. taubendreck. teufelsdreck. vergl. bienendreck.
4. bildlich, etwas unbedeutendes, schlechtes, nichtswürdiges, quisquiliae. um einen dreck sich zanken. um jeden dreck sich bekümmern.

und gebt uns hindennoch (nach den verheiszungen) ein dreck. Fastnachtsp. 185, 21.

ich red, wär mir das maul verschoben (zugestopft),
das du dein dreck (schlechte waare) wol kannst loben 477, 30.

sprich ich (zu meiner frau) 'richt an', si spricht 'der dreck
ist noch nicht gar gesotten' Meisterlieder Berlin. handschr. f. 23. nr. 89.

so wird er doch zu letzt umbkomen wie ein dreck Hiob 20, 7. und acht es für ein dreck Phil. 3, 8.

da sehen sie mich von herzen gern.
als käm in ein dreck von Salzburg her.
Mart. Montanus Titus und Gisippus E ij.

tragen ein dreck auf eim küssen herum Fischart Garg. 51a. je, du diebischer kopf, hast du den dreck denn gar müssen vergessen! Andr. Gryphius 733. er thut etwas drauf (rem hanc concacat), er achtet es für dreck Frisch 2, 373c. siehst du (Göthe), im vergleich mit dem was du in der welt sein könntest und nicht bist, ist mir alles was du geschrieben hast, dreck Mercks Briefe 1, xvii. in Straszburger mundart,

müszt nit glich alle dreck rus sagä,
wenn ihr nit wöllt d'schellenkapp tragä.
H. L. Wagner Prometheus, Deukalion und seine rezensenten (Göttingen 1775).

das ist doch nur der alte dreck,
werdet doch gescheiter!
tretet nicht immer denselben fleck.
so geht doch weiter!
Göthe 4, 355.

religion, empfindsamkeit
's ein dreck, ist lang wie breit 57, 254.

du nächstens im Mercurius
wirst finden was von meiner musz',
und freut mich recht von herzens grund,
wenn dir der dreck gefallen kunt
Gotter bei
Göthe 56, 69.


5. gar nichts. gesteigert, du bist einem dreck sein dreck Schmeller 1, 413.

mîn lîp, mîn muot eins dreckes wert.
Stolle MSHag. 3, 7a.

du kanst ain dreck von puolschaft gatzen. Fastnachtsp. 338, 16.

du solt ein dreck fur zucker han 478, 17.

wo er das nicht thut, ist sein ding ein dreck Luther 3, 34. stellen sich als gäben sie einen dreck auf iren natürlichen erbherrn und landesfürsten 3, 48. wie den papisten bisher an mir so mancher ruhm ist zu dreck worden 3, 337. (ich) gestehs dasz ich ein dreck das lob und den ruhm verdient hab, den ich mir durch mein wenige lobberedtsamkeit zwegn bracht hab Schwabe Tintenf. B 4b. pro primo hat uns der herr Breitinger aus Zurich ein dreck zu befeln 11. macht es (ihr) ein büebel oder ein mädel drausz, liegt mir ein treck dran 30. ich kan bei meiner sechs kein treckl dafür 40. 's wird einen dreck nutzen H. Leop. Wagner Kindermörderin (1776) 11. einen dreck soll er kriegen Bernd Deutsche sprache in Posen 42. keinen dreck ist es wahr Tobler 150b.
6. in diesem sinn auch eine ausrufung, eine gemeine abweisung.

ein drek! was hastu do zu naschen!
Hans Folz in Haupts zeitschr. 8. 513, 112.

Steffl Löll, potz dreck! du nimbst mirs eben
auszm maul
H. Sachs 4. 3, 25a.

der dieb, potz dreck! kost uns vor mehr
dann zehen kreuzer die acht tag 25b.

botz dreck! ich mein es nicht also 69a.

Helkia sagt zum Johann Claus narren ein dreck auf deine nase! du bist ein wunderlicher mensch das du so von einem auf das andere fellest Hibeldeha D iiij. diese abweisung hört man noch jetzt bei dem gemeinen volk H. Leop. Wagner Kindermörderin 93. K. und aus dem reime wird confect. P. dir einen dreck auf den confect! schimpfiere die sprache nicht

[Bd. 2, Sp. 1355]


(durch den undeutschen ausdruck) Chr. Weise Poetenzunft 12. 'ha, gesell, das hat hie nicht blatz, spars auf ein andermal'. 'ein treck!' sagt Kampfkeib, 'ich hab gefelet, ich will den sprung verbessern' Fischart Garg. 230b. 'treck! treck!' sprach Picrochol 264b. ein dreck auch! Bernd Deutsche sprache in Posen 42.
7. redensarten. einen zu dreck schlagen exossem aliquem reddere, wie einen zu brei schlagen, s. oben 354.

ich schlüg dich schier zwischen die orn
das du furpas dein maul hieltst uber ein dreck mit dem gesicht auf den dreck fielst Fastnachtsp. 88, 16.

weil die bösewichter nicht wöllen büszen, sondern dazu das evangelium verdammen, gottes wort lestern und schenden und sich putzen, so sollen sie auch iren dreck widerumb riechen aufs aller schendlichst Luther 5, 283a. denn als michs ansiehet, so wills dreck regen (regnen), es steht unglück und strafe bevor, denn unsere sünde will gott heim suchen Luther Briefe 5, 400. 584. dreck fressen unzüchtige worte und lieder vernehmen Henisch 745.

wenn eim das glücke thut entlaufen,
schlegt jederman dreck auf mit haufen (verhöhnt ihn jedermann):
wer schaden und den unfall hat,
der darf nicht sorgen für den spott
Wolgemut 2, 343.

in den dreck treten etwas unangemessenes, unrechtes thun und es damit bei jemand verderben, sich in ungunst setzen. er hat bei seiner partei in den dreck getreten, und sie will nichts mehr von ihm wissen.

ich sag dir es hebt sich schier ein schimpfen
das man euch paid umbzeuht im dreck schmäht, beschimpft. Fastnachtsp. 788, 8.

sie wöllen nit leiden das man in iren dreck under das antlütz werf Keisersberg Has im pfeffer Ee 1b. und wenn gleich tages darauf zehn troszbuben sich aufmachen mich auf offenem markte mit dreck zu werfen Wieland in Mercks briefsammlung 1, 195. etwas mit einem dreck versiegeln schlecht bewähren. bapst Julius liesz auch das sacrament in drei theil teilen und mit dem keiser Maximilian und dem könige zu Frankreich ein ewige verbundnis machen, gleich wie gott der vater, son, heiliger geist ein gott ist, so fest solt solche einigkeit auch sein: aber es hiesz gar bald hernach 'den brief mit dreck versiegelt' Luther 6, 164a.

sein wort sind mit eim dreck versigelt
Eyering 2, 57.

er wil den dreck mit dreck versigeln 2, 436.
Henisch 745.

damit es nit nun erst das letzte mit eim dreck versiegele und dem kübel den boden auszstosze Eselkönig 148. der durchlauf hat den landgraf hier weg gejagt, also seine reis mit verlof mit einem dreck besigelt worden Elisab. v. Orleans 48. dreck am stecken (stock in der hand) haben böses im schilde führen, es ist dreck am stecken es sind böse absichten dahinter verborgen Weigand.
Häufig bezeichnet dreck einen niedrigen, hilflosen, armseligen, verächtlichen zustand. er ist endlich aus dem dreck heraus in einer bessern lage. du ligst im treck bitz über die oren. wenn man ein frösch uf ein küssen setzt, so springt er glichs wider herab in treck; er mag auf dem küssen nit bliben. also auch bist du im treck gelegen und gott hat dich gesetzt uf ein sammeten küssen Keisersb. Postill 3, 79b. bei Rollenhagen lautet das sprichwort

der frosch hüpfet widder in pfuel,
säsz er gleich auf eim gülden stuel Froschmeus. Gv 3.

auf das hiemit des Carlstads lügen im dreck lige Luther 3, 72b. und ligt also das schlesische tuto ja so tief im dreck 3, 495b. 503b. der satan gedacht durch seine augspurgische confession (das interim) unser augspurgische confession untertrucken, aber unsere stehet noch und seine ligt im dreck, gott sei lob in ewigkeit Eras. Alberus widder die verfluchte lere der Carlsstadter (Newenbrandenburg 1594) vorr. bl. 13b.

ich solt euch allen obgesiegen,
wiewol mein sach im dreck musz liegen
H. Sachs 3. 3, 17.

so lieget sturm und streit und aller trotz im drecke.
Logau 1, 199, 16.

da zerbrach der topf und der honig und all seine anschläge lagen im dreck Schuppius 246. der karren ist einmahl in dreck geführt (die sache ist verdorben), nun wird mich mein sehen viel helfen Chr. Weise Comödienprobe 251. im dreck stecken bis über die ohren sagt man von einem der viel schulden hat. er sitzt im dreck es geht ihm schlecht, er lebt in armut. er steht also tief im dreck als ich in eodem haesitat luto, idem nos morbus tenet Henisch 745.

[Bd. 2, Sp. 1356]


ich thät euch eseln eine ehr an,
wie mein vater Jupiter vor mir gethan:
wollt eure dummen köpf belehren
und euren weibern die mücken wehren,
die ihr nicht gedenkt ihnen zu vertreiben;
so mögt ihr denn im dreck bekleiben.
Göthe 13, 105.

eine klage gegen den schuldner kann nichts helfen, denn er hat nichts, die kosten wären also in den dreck gefallen verloren. diese menschen die also den berg ablaufen, die werden viel böser dann die menschen die allwegen in sünden gelegen seind, wann si fallen tiefer in den dreck hinab Keisersberg Has im pfeffer Aa 4c. ein jeder will seine beschwerung auf den bundeskragen laden und damit seinen vortheil gewinnen, und dadurch geschiehet dasz oft einer mit dem andern in dreck fällt Schuppius 46.

nur eitel ehr felt bald in dreck geht zu grund.
Soltau 1, 477.

der mann ist mit der nase in dreck gefallen Siegfr. v. Lindenberg 2, 162.

wir wollen den kerl gewaltig curieren
und über die ohren in dreck 'nein führen
Göthe 13, 66.

sahen aber nicht das das tuto würde sie bei dem kelch augenblicklich in dreck treten Luther 3, 68. man hat mich in den dreck getretten und gleich geacht dem staub und aschen Hiob 30, 19.

wirft uns der wein schon in treck nider,
gehn wir doch morgen zu ihm wider.
Fischart Garg. 98b.

ich dachte damals weil der grosze mann bisz in den tod sich mit der logic schleppe, so sei es unmüglich dasz ich armer pennal aus dem dreck herfür kriechen könne Schuppius 817. das ist so übrig wie dreck zu weihnachten Weinhold Schles. wörterb. 15b. ich schämte mir den dreck aus den augen das. der kerl thut als wäre dreck sein vetter, von einem hochmütigen das. er hat dem dreck ein schmätzerlein gegeben ist in den koth gefallen und hat sich beschmutzt Frommann Mundarten 3, 358. der narr meint ich werde eine komische oper schreiben, und so gerad auf ungewis, auf glück und dreck Mozart an seinen vater bei Jahn 2, 149.
8. sprichwörter.

ie mer man den dreck rurt, ie fester er stinkt. Fastnachtsp. 527, 17.
Eyering 3, 88.

den dreck soll niemand rütteln, er stinkt nur desto mehr Henisch 745. man soll den dreck ungerürt lassen, das ist, die (l. die nicht) erzürnen die schaden mögen, crabrones non sunt irritandi das. man sol einen alten dreck nicht wieder aufrühren in erinnerung bringen. wiewol es nicht zu rathen ist, den dreck weiter zu rütteln Luther 6, 326. und was ist nütz das ich allen dreck des teufels rüre? 3, 456.

was soll ein dreck, wann er nit stinkt?
Brant 67, 77.

ir hangt an mir wie dreck am rad
H. Sachs 2. 4, 59.

der dreck will immerdar mit am rad hangen Henisch 745. der dreck ligt ihm nahend bei dem herzen Frank Sprichw. 2, 72a. Henisch setzt hinzu den jähzornigen 746.

dem sprichwort nach, wer mit dreck ficht
der bleibt von ihm nicht unbeschissen
H. Sachs 4. 2, 118a.

treck lescht auch fewer Agricola Sprichw. wer kein wasser hat, der löscht mit dreck Henisch 746. wer mit einem dreck rammelt, er gewinne oder verliere, so geht er beschmissen davon Chyträus Hundert fabeln 33. wer mit einem dreck ringet, er gewinn oder verliere, so bekompt er doch beschissen hend, hoc scio pro certo, quod si cum stercore certo, vinco vel vincor, semper ego maculor Henisch 746. er gleist wie ein dreck in einer latern Frank Sprichw. 1, 25b. der fäulsten saw gehört alweg der gröszte dreck 26a. Henisch 745. dieser musz gewis groszen lust zu treckkauen tragen, der auch den sack davon friszt und noch an den zipfeln will nagen Fischart Garg. 82a.

wer zu hoch fliegen wil, felt zuletzt gar in dreck.
Eyering 3, 551.

einem hörer an der wand
gibt man einen dreck in die hand
Petri Sprichw. T iij.

er meint sein dreck sei muscate. aus Henisch 745. 746. er will könig oder dreck sein victor aut victus. wir sind alle eines drecks ab uno omnes principio sumus et idcirco ne efferamur. zwischen zweien stülen mit dem hindern im dreck sitzen. sich mit dreck waschen, sich mit kolen weisz machen. ich hab kein prophetendreck gessen Davus sum, non Oedipus. der dreck musz den misthaufen mehren, das ist, gleich gesellet sich zu gleichem, ein unflat zum andern. ein dreck weschet den andern ab. kindes will ist eines dreckes wert.

[Bd. 2, Sp. 1357]


wenn man zu viel auf einen bissen nimpt, so bricht er und felt wol gar in den dreck. wem dreck wol gefelt, der ist nicht ehren wert. aus Kirchhofer. es ist nichts, wenn einer aus einem armen hintern einen reichen dreck scheiszen will 249. man mags anfangen wie man will, so musz man sieben pfund dreck zum jahr fressen 253. aus Simrock. der hat seinen dreck nicht weggethan, der ihn unter sein fenster fegt 1695. wenn der dreck mist wird, will er gefahren sein 1697. er denkt nicht dasz dreck sein vetter ist 1698.

wenn es schneit in den dreck,
so friert es dasz es bäckt 1700.

wenn es friert in den dreck
ist der winter ein geck 1701.

schneit es in den dreck,
so geht man drüber weg 1702.

in Nürnberg sagt man, wenn jemand bei einer unternehmung nicht glücklich gewesen ist, sich auch wol lächerlich gemacht hat, er hat dem dreck eine maulschelle gegeben d. h. er ist in den dreck gefallen Frommann Mundarten 3, 358. Simrock 1696.
9. der überrest der bei dem auslassen der butter zurückbleibt (s. DWB schmalzdreck), bei dem auspressen der wachsscheiben im tuch oder beutel (s. immendreck).
10. im hüttenwesen der kupferrauch, wenn er, zerstückt und mit warmem wasser übergossen, mit eisernen haken durcheinander gezogen wird.
 
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dreckamsel, f. in der Wetterau ein schmutzig aussehender mensch, einer der den schmutz liebt, weil die amsel ihr nest inwendig mit erde (dreck) ausbaut Weigand.
 
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dreckaufstöszig, adj. wann es sich begab das er zornig, rasend, hirnbrünstig, treckaufstöszig, unsinnig ward Fischart Garg. 111b.