Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
dratz bis dräuen (Bd. 2, Sp. 1341 bis 1343)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dratz, m. widerspenstigkeit, drohende feindseligkeit, aufreizung, die spätern formen trotz und trutz s. unten. mhd. tratz (Ben. 3, 84b), isl. trâss hat den richtigen vocal bewahrt; wohl aus dem deutschen trotz entstanden ist niederl. trots, schwed. trots, dän. trods. das ags. þrëat, engl. threat, correptio, minae zeigt die echte gestalt (Gramm. 3, 305). tratz insultatio, irritatio Maaler 406b. in der Schweiz bedeutet tratz spott, trotz mit worten Tobler 449b. im mhd. wird gewöhnlich tratz! trutz! und in verbindung tratz und trutz! als interj. minantis gebraucht, doch kommt es auch sonst vor, häufiger erst gegen das ende des 13ten jahrh. œdilîchen wart ûf mînen tratz (mir zum trotz) gesprungen Neidh. 2, 4. 21, 4. ze tratze MS. 2, 59b. 62b. Frauenlob s. 73. MSHag. 3, 263a. 289b. Ludwig v. Thüringen 5759. Liedersaal 1, 476, 70. ze trutze und ze tratze Schretel 326.

wâ sint si nû, die solhen tratz und solhez wunder billen?
Frauenlob Ettm. s. 98.

wê, armer übermüetic tratz,
wâ lît dîn tegelîchez brôt? s. 125.

des darf diu rehte liebe niht,
der traz zimt ir ûf lustic art s. 131.

es werdent alle schatze
von bôsheit und von tratze
in im verborgen,
der cristenheit ze sorgen Antichrist 444 (
Haupts zeitschr. 6, 381).

öfter im Renner.

herren gwalt vil tratzes hât 14195.

unzuht, tratz und freidikeit
hât der jungen vil verleit 16232.

swenne des tratzes wirt ze vil,
sô kürzt der herre diz kranke leben 24623.

die zusammensetzung widertratz 1019. auch als adj.

diu (kinder) noch nû vil tratzer sint
gên uns dan wir gên unsern alten 1023.

[Bd. 2, Sp. 1342]



friunde trôst, verborgen schatz
machet münche und nunnen tratz 3826.

nû dunkt sich maneger alse tratz 11478.

wir sehen oft daz kleiniu kint
an der strâze-tratzer sint
denne gewahsen liut hie vor:
ein tratz trit in des andern spor 12564—67.

nicht selten tratzer muot 915. 6986. 1002. 11484. 11967 (tretzic Neidhart 26, 3. tratzlich Frauenlob s. 29), dann die zusammensetzungen tratzmuot 12712 und tratzmuotec 1344. 3468. 6250. 12792. 14963. auch tratzic 16461, noch im 15ten und 16ten jahrhundert. in despectum tui faciam dir zu leide, zu dratze Vocab. predicantium. irritatio reizung, tratz Fries Diction. 735.

Wittich der sprach mit hohem tratz Laurin 1463 Schade.

mir ist leid der grosze dratz
den der pfenning hat bewisen dir Amor h iij.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
dratzen , insolenter repugnare, wie dretzen, trotzen, trutzen, mhd. tratzen mit der ten. wie twahen, twingen für dwahen, dwingen (Gramm. 1, 419), niederd. trotseren, niederl. trotsen, trotseeren. das ags. þrëatjan, engl. threat, threaten, drohen, scheint (Gramm. 3, 305) von dem einfachen þrea (minae) mittelst t abgeleitet, mithin würde ihm ein ahd. drowazan, verkürzt drazan entsprechen.
1. tratzen begegnet im mhd. selten; Ben. hat nur beispiele aus späterer zeit 3, 85.

den alten der iu alsô trazt,
den heizet iu her abe gân,
jô muoz er iuch mit fride lân
Stricker Daniel v. Blumental 6877.

ûf die tür ich ez (das gefäsz) dô sazt,
dâ mit ich in allen trazt MSHag. 3, 197 ein dem Neidhart beigelegtes späteres lied.

tratzen, schreien, übel sprechen,
morden, stürmen, triuwe brechen
sind des zornes drabeknehte Renner 14109.

Maaler führt es als gleichbedeutend mit dräuen an, tröuwen, tratzen minari, minas jactare 409b, auch Fries 822.
2. transitiv concitare, dretzen, zecken, raitzen Aventin Rudim. gramm. G iiiij. s. DWB dretzen. tratzen zu zorn reitzen, irritare, lacessere, incitare, verspotten Fries Diction. 735. Maaler 406b. einen tratzen und verspotten insultare alicui das. biderb leut tratzen und beleidigen das. doch sol sich ein jeder allweg züchtig beweisen und nieman überal trazen noch belaidigen Ulmer reformationsordnung (1531).

die Märker mit plotz (blotze bauernmesser) man fatzt,
die Pommern mit dem schlorg (?) man dratzt (neckt, foppt).
H. Sachs 4. 3, 92.

noch heute sagt man in der Schweiz und in Schwaben und Baiern einen tratzen, tretzen zum widerstand reizen, trätzeln necken, spotten Stalder 1, 300. Tobler 149b. Schmeller 1, 504. in der fasten mit speisen muthwillen treiben, andere tratzen und ärgern Schmid 137.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
dratzet, für getratzet tratzet, irritatus, dem leids beschehen Maaler 406b. s.ungetratzet.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
dratzlichdratzlichen,adj. und adv., tratzlich ding irritamen Maaler 406b. tratzlich pugnaciter ders.

hast Hohenkrän zebrochen,
gedemt ir dratzlich bochen
Uhland Volksl. 372.

Heine und Ride kamen
gar tratzlichen doher 477.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
dratzlied, n. tratzlied das einem heimlich und verborgen stich gibt, obliquum carmen Maaler 406b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
dratzung, f. tratzung irritamentum Maaler 406b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
dratzmutig, adj. trotzig gesinnt Aretins Beiträge 9, 1101. mhd. tratzmuot ist bei dratz bemerkt.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
dratzwort, n. in allem dem das er (der nachbar) uns antht, es si mit schmocheit, mit dratzworten, das dich bisset (beiszt), und mit allen anderen dingen, das er dir zfget, darin hab gedult Keisersberg Bilger 60a. tratzwort, tröuwort minae Maaler 406b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
drauche, f. falle womit man wilde thiere fängt, wolf-, fuchseisen. ahd. drûh f. Graff 5, 254, mhd. drûche drûch drû f. und m. Ben. 1, 401a. drauche domit man die wolf greifet oder vahet Voc. theut. 1482 f 3a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
dräu drawe drohe droh, f. minatio, wie drohung, ahd. drawa drowa drôa Graff 5, 246, mhd. drouwe drowe dröu drô Ben. 1, 398b. dreu Passional 24, 82. 384, 21 Köpke. drouw Jeroschin 139. niederd. drau Brem. wörterb. 1, 242. ags. drea. wegen des umlauts vergl. dräuen und Gramm. 13, 196.

hie dreuwe, dâ bete
Herbort 3425.

er sprach 'woltestu denn auch haben dein sinne,
nicht sprechen durch drew oder bitt' Ambras. liederb. 240, 30.

[Bd. 2, Sp. 1343]



darümb las wir uns treiben mit kainerlei dro. Fastnachtsp. 729, 12.

läszt sich nit trow noch forcht bewegen
H. Sachs.

der on die drawe auch dem heiligen euangelio glaubt Melanchthon Anweisung in die heil. Schrift deutsch von Spalatinus (Augsb. 1523) 125. mit angehengter dräu Cammergerichtsordn. v. 1527. § 6. das ist die drewe uber die ruchlosen verstockten sünder Luther 3, 233.

da sprang ich auf und flohe
die länder all hindurch,
wo vor des wütrichs drohe
ich fände sichre burg
Rückert 170.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
dräuen und drohen [droen] minari, ahd. drawjan drawan drouwan threwan Graff 5, 245, mhd. dröuwen, drôn und dreun Ben. 1, 399. dreuwen Passional 28, 57. 183, 24 Köpke. au aw entspricht dem gothischen áu, ou ist gemeinahd. mit dem umlaut öu, eu der umlaut von au, ô das zusammengezogene ou. alts. githroon, thregian, niederd. drauen drouwen Brem. wörterb. 1, 241—42. ags. þreagan þrean schelten, schmähen, dann auch bedrücken, quälen, strafen. engl. to threat. isl. þruga, schwed. truga, dän. true. bis zum 17ten jahrhundert wechseln noch die formen. drowen Voc. incip. teut. d 4. droen drowen Voc. theut. 1482 f 2a. f 3a, trauwen träwen Dasyp. 137c. tröwen trewen treun Keisersberg. drawen drauwen drewen Luther. tröuwen Maaler 409b, träwen Fischart. dräwen dröwen drewen Henisch 744. drohen drawen 754. trawen troen Schönsleder Gg 5. dreuen drohen Stieler 331. Frisch bemerkt dasz man drohen vordem auf vielerlei andere weise geschrieben habe, dräuen drauen. Steinbach setzt dräuen dreuhen und drohen an 1, 286. 290. gegenwärtig ist drohen gebräuchlicher, dräuen kommt noch in gesteigerter oder in dichterischer rede vor. s. DWB abdräuen, DWB abdrohen, DWB androhen, aufdrohen, ausdrohen, bedräuen, bedrohen. Wackernagel im glossar zum Lesebuch bringt damit das griech. τρώω und das lat. torvus in verbindung, wozu noch τορός anzuführen ist.
1. intransitiv. mit zeichen, gebärden, worten andeuten dasz man die absicht habe etwas feindliches, nachtheiliges zu thun, einen schaden zuzufügen, zu strafen, dasz etwas unheilvolles bevorstehe. man will damit schrecken oder furcht erregen, und kann es in guter absicht thun, wenn man warnen und von dem bösen abhalten will. drowen oder vorcht machen Voc. theut. 1482 f 3a. aber alwegen tröwen den ganzen tag und sunst nichts thn, das ist ein blatter (etwas böses) Keisersberg Sünden des munds 64a. wan ein mensch so vil tröwet das man nichtz mer dar uf gibt, so bringt es die verachtung das. ee daz du tröwest, so soltu vorhin (zuvor) strafen das. und ein streng schrecklich urteil drewet denen die da komen mit irer heiligkeit, als damit für gott zu bestehen Luther 6, 40b. fleiszig warnet mit dröwen ders. Tischreden 109a. drauen und sturmen ders. Briefe 2, 107. gott ist ein rechter richter und ein gott der teglich drewet Psalm 7, 12. strafe, drawe, ermane mit aller gedult und lere 2 Timoth. 4, 2. welcher nicht widerschalt, da er gescholten, nicht drewet, da er leid 1 Petr. 2, 23. vast oder heftig tröuwen Maaler 409b. träweten underwegen fast bei dem groszen und schweren gott von Schaffhausen allen kühhirten, geiszhirten, bangarten, raupen, weingartnern und taglönern Fischart Garg. 198b. grosz dräwen und schnarchen Henisch 744. wer drawet der warnet und begehrt kein schaden zu thun: wer schaden will thun und zuvor drawet, der thut sich selbst schaden Lehmann 153.

'so wehre dich', versetzt der falk und dräute.
Hagedorn 2, 138.

frommts den schleier aufzuheben
wo das nahe schrecknis droht?
Schiller 61b.

thu ich pünktlich was man mir befohlen,
so hör ich doch nichts als schelten und drohn.
Kotzebue Dramat. spiele 2, 279.


2. mit dem dativ der person, dagegen das gleichbedeutende bedräuen mit dem acc. beispiele aus der alten sprache sind Gramm. 4, 686 gegeben. du schneidest im sein eer ab, du fluchest im, du heiszest in böses thon und treust im Keisersberg Sünden des munds 38b. es ist z dem ersten ein gt tröwen das geschicht ausz gter meinung und rechter masz, als die mter dem kind tröwet, der schlmeister dem schler, der oberer dem underthonen. das sol und mss man thn, und ist recht, da vatter und mter dem sun und der tochter tröwen, so sie unrecht thnd Keisersberg Sünden des munds 63a. du solt dein sun ein ding vorhin (zuvor) gütiklichen heiszen, im ein ding tügentlichen sagen, wil es dan

[Bd. 2, Sp. 1344]


nit helfen, so straf in darnach, wil strafen auch nit helfen, so tröw im, wil tröwen auch nit helfen, so schlag in dan, schlag in an ein backen daz er umb tromlet (türmelt) das. 64a. da sagten sie dem spittelmeister wie daz er in (ihnen) getrowt het Eulenspiegel s. 23.

denn dro ich ihr, thue an die nasen klopfen,
so weist sie mich zum hindern theil. Meistergesänge Berlin. hs. f. 23. nr. 89.

der gottlose drewet dem gerechten und beiszet seine zeene zusamen vber in Psalm 37 12. aber sie draweten inen und lieszen sie gehen Apostelg. 4, 21. eim nachschreien und tröwen Maaler 409b. was? sind Marx Curio und Marx Colencarbo nicht mit zänen gleich auf erden kommen, als ob sie gleich dem (so ist statt dein zu lesen) brot träueten, es aufessen wollten? Fischart Garg. 106a. ebenso unser marckjunker (l. marktjunker) tröwet dem spanischen pfeffer ders. Groszm. 91.

ein wort das warnet mich, das ander dreuhet mir.
Hofmannswaldau.

einem heftig dreuhen Steinbach 1, 290.

du drohest den stürmen
Ew. v. Kleist 2, 34.

wenn ein teufel mir dräuet Leisewitz Jul. v. Tarent 24.

dort würgt er in der dürren zone
das ungeheuer das der nachwelt dräut.
Mercks Briefsammlung 1, xliii.

von falschen freunden droht dir nahes unheil steht bevor.
Schiller 401a.

was rauscht, was raschelt durch den wald?
ein mörder der mir droht?
Uhland Ged. 33.

auffallend der acc. der in Millers Siegwart vorkommt, mein vater hat mir geschrieben und mich fürchterlich gedroht 2, 349. es steht hier wie bedrohen, und so sagt auch Klopstock

das feuergebirg das sonst mit strömen und flammen
satans ankunft weit auf den überhängenden felsen
in den gedrohten, versinkenden thälern umher ankündet.


3. art und weise zu drohen. man droht mit dem finger, hält den zeigefinger in die höhe, mit der faust, mit dem stock, mit der rute, mit finsterm gesicht, mit heftigen worten. da wart der bapst erzürnt uber in, trewet im mit dem finger Keisersberg Sünden des munds 64b. dräuet mir einer mit der faust, so gebührt mir nach dem faustkolben zu sehen Schertlin Briefe xxxvii. da sitzt denn der hohe siegmann, der alle lewen zurissen, den hellischen hund gefangen, und läszt seine keule fallen, nimpt die spindel in die hand, und seine schöne Omphale drawet im mit der ruten, wo er nicht recht spinnt Luther 6, 158b.

der graf an dem merket allein,
troht er ihm mit dem finger sein
H. Sachs 4. 3, 56a.

mit dem finger tröuwen Maaler 409c. da träut er mit dem finger Th. Plater 144.
4. mit etwas drohen etwas androhen, gebräuchlicher als die construction mit dem acc., wovon unter 6 die rede sein wird. man droht mit einer klage, mit strafe, schlägen, gefängnis, mit krieg, mit dem tod. der himmel droht mit regen. der feind droht mit einer belagerung der stadt. scherzhaft droht man mit einem besuch, als sei er etwas lästiges. wenn er das kleinst leiden hat, so musz schreien beide himel und erden, alle engel und heiligen. greifet in eine sünde an, die das gewissen wil erschrecken, beiszen, drücken und mit dem teufel, tod und helle drawet, so sagt gott mit dem ganzen haufen 'liebe sünde, las mir in ungebissen, tod ungewürget, helle ungefressen' Luther 6, 200b. dröwet dargegen zu ewigem zorn Tischreden 109b.

denn bleibt ihr dahinten,
ist mit galgen und rad euch gedroht
Göthe 40, 21.

seit wenig monden drohete der greis
mit einer nahen ändrung ihres schicksals
Schiller 496a.

es war auch ein gewin für die patricier dasz sie ihren gegnern mit der hülfe der eidsgenossen dräuen konnten Niebuhr Röm. gesch. 3, 110.
5. häufig wird die nähere bestimmung durch einen infinitiv, seltner durch dasz hinzugefügt. trouwen ze töden interminari vitam Maaler 409b. alle ding tröuwend uns umzubringen oder haltend uns den tod für das. eim tröuwen etwas bös ze thun denuntiare alicui periculum aut pestem das. sie tröuwend euch mit dem schwerdt auszureuten und ze verbrennen 409c. er trouwt im zu henken crucem minatur illi das. er treuwet im darumb zu schlagen Eulenspiegel s. 5. träuten uns in die schul zu ziehen Th. Plater 45. sihe, dein bruder Esau drewet dir das er dich erwürgen wil 1 Mos. 27, 42. er drewet mein

[Bd. 2, Sp. 1345]


land zu verbrennen Judith 16, 6. ir das maul zu schlagen dräuwete Kirchhof Wendunmut 114a. welche ihme tröuet ihne zu verlassen Fischart Bienenkorb 226a.

doch Bragar stand mir unsichtbar zu seite
und stiesz hinweg den alten stamm
der mich in Helas reich zu fördern dreute
und so gewaltig kam
Hölty in dem musenalmanach von
Voss für 1779 s. 155.

aber sie, unkundig des steigs und der roheren stufen,
fehlte tretend, es knackte der fusz: sie drohte (war in gefahr)
zu fallen
Göthe 40, 320.

pflicht- und gesetzlos steht er gegenüber
dem staat gelagert, den er schützen soll,
und drohet gegen ihn das schwert zu kehren
Schiller 356b.

den truppen ist der sold noch nicht bezahlt,
sie drohen murrend abzuziehen 453a.


6. transitiv. wie andräuen, androhen. das wee tröwet der herr den lorbern durch Ezechielem Keisersberg Sünden des munds 34b. es treuwet inen got daz we we 44b. als da einer tröwet und ist im doch nit zeherzen das er thn will daz das er tröwet, damit gibt er sein narrheit für 64a. denn der herr Zebaoth der dich gepflanzt hat, hat dir ein unglück gedrewet Jerem. 11, 17. der kopf Holofernis der den gott Israel trotziglich gelestert hat und dir den tod gedrewet Judith 13, 27. denn untreglich ist dein zorn den du drewest den sündern Manasse 5.

es werden euch die sternen all
mit schieszen drawen ihren fall
Ringwaldt Evang. B ijb.

und mir auch darfest den tod drewen.
Rollenhagen Froschm. Aaa v.

auch sol mans vom unglück verstehn,
das oftmals uber ein sol gehn,
dem es heftig gedrewet wird,
der bleibt desselbigen quittirt
Eyering 2, 38.

die ewig straf so got den kindern Israel in Moyse gedräwet hat Ayrer Processus 1, 8.

vom Daniel hernach hat der getrate schad
durch dich sich abgewandt
Rompler 4.

unträglich ist dein zorn
den du den sündern dräuest
Fleming 28.

und die tyrannen, die den tod
nu andern tröwen, selbs verderben
Weckherlin 40.

dasz er mir nicht allein unterschiedene ohrfeigen gedräuet Chr. Weise Klügste leute 161. einem galgen und rad dreuhen, den untergang Steinbach 1, 290.

ich zittre vor dem zorn den uns die göttin dräuet.
J. E. Schlegel 1, 55.

die städterin droht
euch dirnen den krieg
Göthe 1, 33.

meinem haupte war
der streich gedrohet, und das eure fällt!
Schiller 428a.

der strafe denke die die heilge kirche
der mangelhaften beichte droht! 443b.

der mann welcher ihrer (der Katharina) herrschsucht beschränkung drohte 1074b. vergl. DWB abdrohen. sturzdrohend. verderbendrohend.
7. uneigentlich von einer leblosen sache oder einem abstracten begriff. das gewitter hat den ganzen tag gedroht. der himmel drohte mit regen. bei der misernte droht hungersnot dem land. das haus droht den einsturz läszt ihn befürchten. es droht ein krieg ist zu erwarten. das feuer drohte weiter um sich zu greifen.

das meer errüttet sich, eröfnet seinen schlund,
bedöcket allen lust, entdöcket den abgrund
und tröwet auch dem himmel
Weckherlin 63.

die lieblichen windspiele der spiegelhellen wellen drauet (l. drauen) den bald künftigen sturm Riemer Stockfisch 190.

ein wetter so mit blitz und hartem donner dreuhet.
Hofmannswaldau.

der himmel selbst, der früh mit segen dich bethauet,
zieht abends wolken an,
und richtet donner zu, der dir von ferne drauet
und dich leicht treffen kann
Canitz 50.

drauszen tobt der winter schon:
sturm und schneegestöber drohn
Miller Ged. 371.

was für ein finstrer sturm droht meiner zärtlichkeit.
Chr. Fel. Weisze.

so übersieht sie auf einmal die ungeheure gefahr
die ihrer tugend droht
Wieland 6, 15.

wenn stürme gegen stürme ringen
und wanderern verderben dräun
Gotter 1, 8.

der rauhe winter flieht:
kein nordwind drohet weiter
der zarten haut gefahr 1, 27.

ein wetter ziehet
drohend am Olymp empor 1, 102.

[Bd. 2, Sp. 1346]



wann ein sturm uns dräut 1, 429.

die brust droht zu zerspringen 2, 45.

sein blick musz die gefahr, wenn sie von ferne dräut,
schon sehn und wissen abzuwenden.
Mercks Briefsammlung 1, xlix.

welch ein gräuliches entsetzen
droht mir aus der finstern welt
Göthe 41, 309.

was also bei der geistigen empfindung das denken gethan hat, das thut hier diejenige modification in den thierischen theilen, die entweder ihre auflösung droht, oder ihre fortdauer sichert Schiller 688b. wie ein ausgelöschter groszer stern dräut das grimme feuerwesen (der comet) herunter Tieck.

und die dummheit den verdiensten dräut
Matthisson.

o brich nicht, steg, du zitterst sehr,
o stürz nicht, fels, du dräuest schwer
Uhland Ged. 84.

die wolken haben dräuend sich geballt,
von sturmesfurchen ist der see gekräuselt
Dingelstedt.


8. sprichwörter. vil trewen ist ein schilt des getrewten Bocc. aus Henisch 744. wenn gott dräwet, so wolt er gern schonen. wer einen beleidigt, drawet vilen. wer dräwet der wil nicht schlagen. wer von dräwen stirbt, dem sol man mit fürzen vorleuten (de van drauen starvt ward mit furten belut, wer von drohungen stirbt, dem läuten die esel zu grabe Brem. wörterb. 1, 242). aus Lehmann 153. 154 drawet einer mit der faust, so siehe zu deinem schwert. ein guter freunt ists, der zuvor drawet oder warnet. aus Simrock. es ist dir gedroht wie einer fetten gans 1684.

wer droht
macht dich nicht todt 1685.

die einem drohen, wollen einem nichts thun 1686. wer droht, warnt 1687. die besten feinde sind die zuvor drohen 1688. mancher droht und zittert vor furcht 1689. bedrohter mann lebt dreiszig jahr 1690.