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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
drang bis dranggefühl (Bd. 2, Sp. 1335 bis 1339)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) drang, adj.drange,adv. eng, fest, klamm, aneinander gedrängt, mhd. drange Ben. 1, 395b, niederd. drange Brem. wörterb. 1, 246. Schütze Holstein. idiot. 1, 246. Groth 286. drang Schmeller 1, 414. Stalder 1, 296. trang Tobler 150. altnord. þrangr, þraungr, schwed. trng, dän. trang. der schuh sitzt zu drang. das kleid ist zu drang. eine drange thür die schwer in den angeln sich bewegt. der verband der wunde ist zu drang. das rad geht drang ist nicht geschmiert. der zapfen geht drang läszt sich kaum bewegen. das schlosz geht drang ist schwer aufzuschlieszen. er ist gar drang in seinen sachen beängstigt, in groszer verlegenheit. man brachte es drange (mit mühe) heraus. wie gerne hette ich da (zu Rom durch lesen einer messe) meine mutter selig gemacht: aber es war zu drange, und kundte nicht hinzu komen Luther 5, 125a. aber bei leib, scheusz nicht, du habest dann zuvor zum wenigsten einen gewis, sonst würden sie dir zu trang thun Fronsperger 176b.

besser übel gessen
denn alzu drang gesessen
Henisch 741.

es siehet Agrican wie schon die flucht genommen
sein volk hat, und kan ihm doch nicht zu hülfe kommen,
weil ihm Orlando es so eng und drange macht
dasz er nur ganz allein auf ihn mus haben acht.
Dietr. v. d. Werder Ariost 23, 138.

gar zu drang bei tische sitzen Wieland.

[Bd. 2, Sp. 1336]


wir sitzen drange
fast wang an wange
Voss 4, 234.

s. DWB gedrange.
 
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drangeld, n. s. DWB darangeld.
 
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drängeln, ein nur im gemeinen leben gebräuchliches iterativum von drängen, in einem haufen menschen, zumal bei einem eingang oder ausgang andere zur seite oder weiter fortdrängen. 'drängeln Sie nicht!' ruft man einem solchen vordringenden zu. auf, drängelt ihn hinaus (den fremden aus dem saal)! Volksblatt. man sagt auch andrängeln, abdrängeln, aufdrängeln, sich durchdrängeln, hindrängeln Bernd Sprache in Posen 42.
 
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drängen , dringen mit verstärkter bedeutung, mit gewalt, mit heftigkeit forttreiben, drücken, urgere, premere, angere, violenter cogere, ahd. drangôn Graff 5, 262, mhd. drangen Ben. 1, 396a, niederl. bedrangen Teutonista 79a, engl. throng, altnord. þrengja, dän. tränge, schwed. tränga. eine andere wurzel hat das gothische gleichbedeutende þreihan. nicht drängen nur dringen zeigt sich im altsächsischen, niederd., ags. und niederl. im mhd. ist es selten, auch findet es sich nicht bei Dasypod., Schönsleder, bei dem Wolkensteiner und Suchenwirt; der Vocab. predicantium übersetzt urgere durch tringen f iiij. doch Maaler führt 406c trengen an und Fries 1054, auch Luther gebraucht es nicht selten, dringen drengen als gleichbedeutend bei Henisch 752, drängen bei Stieler 337. Frisch 1, 207a. Steinbach 1, 299. der umlaut erscheint zuerst im 14ten jahrhundert.

so man den wolf nennet,
so er zu drenget
Wackernagel Leseb. 835, 17.

es steht allein oder in verbindung mit einer präposition, einem adverbium, oder es folgt ein nachsatz.
1. intransitiv.
a. eigentlich.

ein jeder fragt und drängt und eilt,
die fidel stockt, der tänzer weilt
Göthe 12, 57.

er mit streben, drängen, drücken,
arme straff, gekrümmt den rücken 41, 13.

da freut uns jeder, wie er schiebt und drängt,
und mann für mann der säle raum verengt 41, 269.

und mit ungewissem fechten
drängen sie nach ihrer rechten 41, 278.

wie drängend voll mags jetzt in Pyrmont sein!
Schiller 27.


b. uneigentlich, die zeit drängt, ich musz forteilen. die not, die gefahr drängt zu einer entscheidung. Demetrius drängt in ihn sich deutlicher zu erklären Schiller 678b.
2. transitiv.
a. in eigentlichem sinn. man drängte ihn zur seite, an die wand. die brandung drängte das schiff an den felsen. das pferd drängte ihn an die mauer. eine welle drängt die andere. die schuhe drängen mich sind zu eng Stalder 1, 297. und haben die flüchtigen bei dem thor dermaszen einander getrenget dasz sie in die graben hinein gefallen sein Götz v. Berlichingens lebensbeschreib. 57.

wie du den schwarm der freier hinwegdrängst aus dem palaste.
Voss Odyss. 1, 271.

gern überschreit ich die gränze mit breiter kreide gezogen,
macht sie Bottegha das kind, drängt sie mich artig zurück.
Göthe 1, 360.

den sohn zur schwarzen pforte des Aïs
drängend 4, 350.

ach kann ich nie
ein stündchen ruhig dir am busen hängen
und brust an brust und seel in seele drängen? 12, 183.

drängt ungesäumt von diesen mauern
jetzt Menelas dem meer zurück 41, 222.

schneebälle die er alle in seiner hand gedrückt und gedrängt hatte Hippel Lebensl. 4, 412. sie machte sich die orangerie zu nutze und drängte ihr beseeltes angesicht in die pomeranzenblüten J. Paul Hesperus 1, 606.

der Grieche
befreit ihn von der jungfrau (Amazone) die ihn drängte.
Heinr. v. Kleist 1, 27.


b. uneigentlich. heftig antreiben, die kinder drängten den vater ihren wunsch zu erfüllen. leidenschaft drängt ihn zu dem äuszersten. einen von seiner meinung trengen oder stoszen Maaler 406c. einen trengen, zwingen facere necessitatem alicui 406c. wie bedrängen, bedrücken, belästigen, unterdrücken, zwängen, in not versetzen.
werdet ir aber die einwoner des landes nicht vertreiben fur ewrem angesicht, so werden euch die so ir uberbleiben laszt, zu dornen werden in ewren augen und zu stachel in ewrn seiten und werden euch drengen auf dem lande, da ir innen wonet 4 Mos. 33, 55. in der angst und not damit dich

[Bd. 2, Sp. 1337]


dein feind drengen wird 5 Mos. 28, 53. 55. 57. das es (mein volk) die kinder der bosheit nicht mehr drengen wie vorhin 2 Samuel 7, 10. darumb verwarf der herr allen samen Israel und drenget sie und gab sie in die hände der räuber 2 Könige 17, 20. und laszt über sie regirn einen heuchler das volk zu drengen Hiob 34, 30. warumb mus ich so traurig gehen, wenn mein feind mich drenget Psalm 42, 10. dein grim drücket mich und drengest mich mit allen deinen fluten 88, 8. der schlaf trengt mich und tht mir vil zu leid Maaler 407a.

wie hart wir jetzt getrenget sein
von dem Jabin
H. Sachs 3. 1, 32d.

dieweil der herr das gt, das ist die freiheit, den burgern genommen hat, sie also trengt und pfrengt nach seinem willen Petr. 75b. was drängst du mich viel? quid arctas me? Steinbach 1, 299. die feinde sehr drängen hostes acrius premere das. eine gedrängte erklärung abgenötigte Opitz. die seele spricht,

und wie soll ich anders thun in der langen marterhöhle,
in dem kerker meiner freiheit, in dem leibe der mich drängt,
und mich bei vergebnem weinen fast bis zur verzweiflung kränkt?
Günther 845.

unser volles gedrängtes herz will indesz zerspringen Dusch. jede klage scheint mein gedrängtes herz zu entlasten ders.

dränget regen den wandrer, wie ist uns des ländlichen daches
schirm willkommen! wie sanft ruht sichs in finsterer nacht!
Göthe 1, 370.

ist es nicht staub was diese hohe wand
aus hundert fächern mir verenget:
der trödel der mit tausendfachem tand
in dieser mottenwelt mich dränget?
Göthe 12, 41.

mir wird so eng!
die mauernpfeiler
befangen mich!
das gewölbe
drängt mich! 12, 201.

wir gebrauchen gedrängt auch für bündig, kurzgefaszt, gedrängte rede, schreibart, übersicht.
3. reflexiv. a. eigentlich. er drängt sich durch das volk. die menschen drängen sich haufenweis aus dem thor. die blüte drängt sich aus der knospe. die kinder drängten sich um den vater. und da die eselin den engel des herrn sahe, drenget sie sich an die wand 4 Mos. 22, 25. sich zur arbeit drängen certatim ad opus currere Steinbach 1, 299.

im lindenthal drängt sich in kreisen,
vom dach der zweige bedeckt, die wollenherde um stämme.
Ewald v. Kleist 31.

jeder kleine knabe, der schiffer, der höker, der bettler
drängt sich (herbei) und freut sich bei dir dasz er ein kind ist wie du
Göthe 1, 361.

in dickichtsschauer
drängt sich das rauhe wild 2, 65.

lieblicher als alles dieses habe
stäts vor augen wie sich kleiner gabe
dürftge hand so hübsch entgegen dränget,
zierlich dankbar was du reichst empfänget 5, 68.

sie drängen sich, so gut sie können, zwischen die übrigen wagen hinein 29, 250.

als man bei hofe vernahm es komme Reineke wirklich,
drängte sich jeder heraus, ihn zu sehn, die groszen und kleinen. 40, 59.

also durch wagen sich drängend, durch menschen und thiere. 40, 285.

ja delphine drängen gleitend
zu der schaar sich, der bewegten 40, 421.

wie in engen winterklausen
bienen um den honigseim
drängen wir uns dicht und schmausen
so behaglich und geheim
Voss 4, 151.

aber die welle entführet der strom, durch die glänzende strasze
drängt eine andre sich schon, schnell wie die erste zu fliehn.
Schiller 89b.

strasze die, wie der Rhein, sich durch grünende felsen voll epheu drängte J. Paul Titan 2, 49. b. uneigentlich. die gedanken drängten sich in seinem kopf. das glück drängte sich ihm entgegen.

ha! Ihr wiszt nicht wie viel fester
ich nun mich an euch drengen werde
Lessing 2, 249.

wenn der innere kummer sich bis zu den verschlossenen lippen drängt Dusch.

mein busen drängt
sich nach ihm hin
Göthe 12, 178.

anmaszung zu tadeln, sagt man er drängt sich überall ein, er drängt sich in das vertrauen seiner bekannten. die freier drängten sich nach dem mädchen. gnädiger herr, ich halte es in allen fällen für unanständig sich zu seinem fürsten zu

[Bd. 2, Sp. 1338]


drengen Lessing 2, 180. schnell auf einander folgen, die ereignisse drängen sich.

denn wer gestern und heut in diesen tagen gelebt hat,
hat schon jahre gelebt, so drängen sich alle geschichten.
Göthe 40, 287.

es drängt sich aber so viel zusammen dasz ich kaum einen augenblick finde dir dies zu schreiben ders. an frau v. Stein.
4. unpersönlich. es drängt mich dir das geheimnis mitzutheilen.

mich drängts den grundtext aufzuschlagen
Göthe 12, 65.

tauchen dann hervor die sterne,
drängt es mächtig mich hinan
Uhland Ged. 77.

es drängt mich ich spüre stuhlzwang Stalder 1, 297. s. dringen n.
5. s. DWB abdrängen. andrängen. aufdrängen. ausdrängen. bedrängen. durchdrängen. eindrängen. hindrängen. nachdrängen. verdrängen. vordrängen. wegdrängen.
 
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drängen, n. mhd. drangen Ben. 1, 396a. im eigentlichen und uneigentlichen sinn. das drängen und treiben der menschen. alle zustände der gesellschaft von der gröszten einsamkeit bis zum gröszten lärm und drängen, und jetzt wieder zur einsamkeit habe ich erlebt Göthe an fr. v. Stein 3, 399.

äuszerm sturm und innerm drängen
widersteht Rudell nicht länger
Uhland Ged. 316.

den friedlichen bürger verschlingt
des marktes drängen und tosen
A. Grün 264.


 
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drängend, adj. und adv. drückend, forttreibend. die drängende gewalt trieb ihn fort.

lastende traube
stürzt ins behälter
drängender (pressender) kelter
Göthe 12, 76.

schauten nicht alle völker in jenen drängenden tagen
nach der hauptstadt der welt 40, 290.

durch das umwölkte staubende tosen
drängender krieger hört ich die götter
fürchterlich rufen 41, 13.

drängende arbeit dringende J. Paul Titan 2, 49. ach, sagte ihm denn nicht jede drängende blutwoge, jeder sehnsüchtige athemzug, jeder lerchenton, jedes verirrte lüftchen, sagte nicht alles zum bangenden menschen 'gedulde dich' ders.
 
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dränger, m. wie bedränger, dringer.
1. unterdrücker, der bedrückt, quält, peinigt, afflictor, coactor, executor. drenger dringer Henisch 740. Stieler 337. Frisch 1, 207a. Steinbach 1, 299. im Teutonista bedranger 79b. da haben doch mit einander fride die gefangenen und hören nicht die stimme des drengers Hiob 3, 18.

eh fänd er sie (rettung) vor des drängers
schwert
Fr. Müller 3, 256.

verwandelt erst thut Philomele
die unthat ihres drängers kund
Salis 137.

köstlich unschäzbare
gewichte sinds, die der bedrängte mensch
an seiner dränger raschen willen band
Schiller 336a.

die blinde wuth der mit keulen bewaffneten bauern wandte sich gegen alle ihre dränger Dahlmann Dän. geschichte 1, 414. die dänisch redende bevölkerung sollte nicht den deutschen drängern anheim fallen 2, 49.

da unten winkt die dunkle tiefe,
wo ich vielleicht gesichert schliefe,
und unerreicht von meinem dränger
der mich verfolget immer bänger
Lenau Faust 127.


2. gewaltherscher, zwingherr, despot.

es ist derselbe sänger
der auch die Hermannsschlacht
sang, eh vom neuen dränger
geknickt ward Deutschlands macht
Rückert 168.

stellt mir ihn her, den dränger dieses landes.
Uhland Ged. 217.

nicht weils ein volk von andrem namen,
von andrer sitt und andrer sprache,
nein, weil sie uns als dränger kamen,
drum sucht sie heim jetzt unsre rache
A. Grün 241.

und wenn er betend fleht dasz die Minerve
die jetzt des volks olympschem haupt entsprungen,
nie gen den vater die geschosse werfe,
nie sei von seiner dränger sold gedungen! 248.


 
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dranger, m. taubenfalle, decipulum columbarium, weil die tauben darin eingeschlossen, eingeengt werden Henisch 741. 750. Stieler 338.
 
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drängerei, f. gewaltherschaft.

gepriesen sei der wackre schütz,
er ist für manches raubthier nütz;
sein aug ist hell, sein sinn ist frei,
feind aller schmach und drängerei.
A. W. Schlegel Tells kapelle.

[Bd. 2, Sp. 1339]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) drängerin, f. coactrix, femina angustans Stieler 337. s. dringerin.
 
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dranggefühl allmächtiger natur Fr. Müller 1, 350.