Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
drall bis drang (Bd. 2, Sp. 1332 bis 1333)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) drall, m.dralle,f. die drallen pl., franz. rayures, sind die geraden oder gewundenen reifen, vertiefungen in einer büchse, welche im letztern fall einer schraubenlinie gleichen. das wort gehört wie das adj. drall zu drillen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
dram tram, m. balke trabs, mhd. drâm pl. dræme starkes m. und drâme pl. drâmen schwaches m. Ben. 1, 391b. niederd. traam Brem. wörterb. 5, 95, in Baiern tram traum Schmeller 1, 489, in Östreich dram Castelli 113. böhm. tram. wie dremel von dem verlornen drim dram drâmen gedromen abzuleiten; vergl. Gramm. 2, 55. von dem 16ten jahrhundert an drom droum trom.

nach der sterke heb den tramen
Wittenweiler Ring 28d, 5.

trawm Voc. 1445. der obriste tram superliminare Diefenbach Wörterb. v. 1470 sp. 265. tram trabs Voc. incip. teut. y 2. drom trome balk, trabs, lacunar Dasypod. 96b. 280a. 316c. 444c. dram balk tignus Serranus Synon. 53b. tachrafen, tram, tillbaum, dachsparren Junius Nomenclator 195b. träm cantherii Maaler 406a. balk, troum Altenstaig Vocab. 1508. s. 31b. trabs ein groszer trom, eigentlich in einem gebeuw Fries 1319. balk dram Frischlin Nomencl. 329. drom trabs Schönsleder L 4. dram drom Henisch 741. drom Rädlein 202a. tram trom Stieler 2300. was siehestu ein dorn in dem aug deines bruders? aber den trom in deinem aug merkestu nicht Keisersb. Postille 123b. er legte thramen auszen am hause umbher 1 Könige 6, 6. glatter trom daruf die oberbüne ligt Dasypod. 444c. die tröm oder balken oben, eingang und thor guldin Frank Weltb. 188a. im MCIII jar erschien ein ungewonlicher stern umb vesperzeit. dem lief ein groszer balk oder trom entgegen ders. Chronik. darnach machet der schultheisz ein galgen in der statt, stiesz nur ein trom ausz einem hausz in das ander uber die gassen und liesz den priester daran henken Pauli 54. das kind gieng die stiegen hinauf und stiesz es (das tuch) hinder ein trom under das dach das. sondern man find hin und her grosze balken, tröm, mastbawm, wurzeln Sebiz 19. die vordersten gemach und säle waren mit güldinen trämen und balken geschmucket Petr. 86a.

von schelm gar dicke lange thramen
auf ihn häufig geflogen kamen.
Fuchs Mückenkr. 3, 757.

grosz wie ein tram Schönsleder Gg 5. aus trämen gemacht das. d'weit zwischen zwei träm intertignium das. da man ihn auf einen wagen gebunden, hat er als ein wahnsinniger mensch die tramen (die querhölzer) aus der leiter (des wagens) gebissen Hamelmann Oldenburg. Chronik 367. die schlachten (beim brückenbau) sind mit starken tiefeingesenkten pfälen und groszen starken dramen und bäumen zu versichern Hohberg 1, 67a. vor diesen läden oder brettern sind (beim taubenhause) um und um gleich vor den nestern hölzerne drämme eingemauert 2, 353b. ob man das holz zu schwellen, balken, durchzügen, rigeln, drämen oder latten bedörfe 2, 579a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
drambaum trambaum, m. in den bergwerken ein balken acht ellen lang und drei viertel ellen ins gevierte dick, der die dramseulen zusammen hält Frisch 2, 380c.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
drämel, s. DWB dremel.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
dramen tramen, mit balken, pfeilern stützen Stieler 2300. so auch abdramen balken ablösen, andramen balken anfügen, bedramen mit balken befestigen, eindramen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
dramrecht, n. das recht einen balken in die wand des nachbars zu schieben, jus tigni immittendi, eine servitut.

[Bd. 2, Sp. 1333]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dramkopf, m. balkenkopf. tromenköpfe, proceres, die köpfe an den gebäwen die für ausz gehn Dasyp. 194c. 444c. tramkopf, proceres, capita trabium quae portant trabes Schönsleder Gg 5.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
dramseule, f. dramseulen, auf welchen der drambaum liegt und sie zusammenhält, fulcra magnae trabis Frisch 2, 381a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
dran, s. DWB daran.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
drane, f. fucus. s. DWB drone.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
drang, m. pressura, mhd. dranc Ben. 1, 395. niederd. drang Brem. wörterb. 5, 354 und in afdrang, indrang 1, 246. niederländ. drang, ags. þrang, engl. throng, altnord. þraung, dän. trang, schwed. trng, isl. þraungvi. trang Maaler 406b. Schönsleder Gg 5. drang gedrang Henisch 741. Stieler 337. es stammt von dringen. treng n. Frisch 1, 207b. s. DWB gedrang. gedränge.
1. wie andrang, zudrang, er konnte im drang der geschäfte darauf nicht achten. es ist das treng um sie, die freier drengen sich nach ihr Frisch 1, 207b. daar is even nig veel drang na man gibt sich nicht sonderlich mühe darum Brem. wörterb. 5, 354.

wir schlafen gerne beide lang,
der arbeit thun wir keinen drang (wir drängen uns nicht dazu).
Rollenhagen Vom reichen manne F iija.

um mädchen ohne heirathsgut ist kein drang Musäus Volksmärchen 3, 82.

wie auch das dach zu sichern vor des regens drang.
Göthe 41, 201.


2. gedränge, groszer ungeordneter haufe, turba.

der meister rief die bruoder an,
sie solden kêren ûf den plân.
er was in doch ein teil ze smal
daz sie vor drange ûf dem wal
mochten sich niht wol gescharn Livl. reimchronik 10622.

wie auch die fröschlein allesamen
mit grossen drang heranher kamen
Rollenhagen Froschm. D ij.

in dem ganzen weiten drang um Golgatha her.
Klopstock Mess. 9, 429.

er muste folgen, und bald stand
er in der seelen dichtestem drang, und wurde gerichtet. 14, 136. 16, 136.

schaaren trinken, im dichten drang Werke 2, 55.

du selbst, mein könig, hast sie unbekannt
im wilden drang der jagd um dich gesehen
Göthe 9, 254.

so viel
konnt ich bemerken, eh der menge drang
sie mir verdeckte 9, 257.

unglaublich und wirklich die sinne verwirrend war der drang der menge die dem wagen nachstürzte 24, 33.

bei festes drang im saal,
geräumiger vaterburg, zu rüsten dir das mahl 41, 289.

in des tanzes drange
küszt er mir die wange
Voss 4, 260.

der grosze lärm und drang
macht einen krieger kund vom ersten rang
Schiller 580b.

wenn die schlacht mislingt,
sind wir verloren! éine brücke nur
zum rückzug, die vom drang zusammen kracht.
Uhland Ludwig d. Baier 66.

'wie will sie in den himmel kommen', sagte ein landprediger in Holstein zu einer bauersfrau, 'da sie so unwissend ist.' 'ach eerwürden' sagte die matrone 'ik haap dörn drang' ich hoffe im gedränge mit durchzuschleichen Schütze Holstein. idiot. 1, 246.
3. anreizung, innerer trieb, impetus, impulsus. er empfindet einen unwiderstehlichen drang zu reisen. der innere drang trieb ihn zu reden.

ach, mache dich doch auf und hilf mir ärmsten armen,
wenn deines Sionsdrangs du dich noch kanst erbarmen.
Fleming 25.

elegien aber mehren
unzufriedner herzen drang
Gökingk Lieder zweier liebenden 80.

bescheidenheit verbeut oft der innern stimme zu folgen, die uns mit drang der seele zu den füszen der schönheit führen will Iffland Dramat. werke 11, 80.

auch lehrte sie mein herz die menschen lieben
und edlen drang erbarmen auszuüben
Gotter 1, 2.

des aufblühns drang 2, 11.

im drang der dankbarkeit
Wieland Oberon 8, 35.

im schönen kreis der blätter drang
und wohlgeruch das leben lang
und alle tausend farben
Göthe 1, 191.

[Bd. 2, Sp. 1334]



eine welt von liebestrieben,
die in ihrer fülle drang
ahndeten schon Bülbüls lieben,
seeleregenden gesang 5, 137.

ein guter mensch in seinem dunkeln drange
ist sich des rechten weges wol bewust 12, 25.

bin ich denn abermals betrogen?
verschwindet so der geisterreiche drang? 12, 78.

aufwärts durch die tausendfachen stufen
zahlloser geister die nicht schufen,
waltet göttlich dieser drang
Schiller 8a.

der leidenschaften wilder drang 24a.

deiner heiligen zeichen, o wahrheit, hat der betrug sich
angemaszt, der natur köstlichste stimmen entweiht,
die das bedürftige herz in der freude drang sich erfindet 76b.

denn mich triebs mit mächtgem drang
aus der seele tiefsten tiefen,
als sie zu der hora riefen,
hinzuknien an heilger stätte 498b.

die brust von leisem drang gehoben,
der noch zum wunsche nicht gedeiht
Uhland Ged. 17.

singst du nicht dein ganzes leben,
sing doch in der jugend drang 54.

dennoch in verliebtem drange
wandl ich durch das grause dunkel 191.

es wallt ein pilger hohen dranges,
er wallt zur selgen gottesstadt 249.

es ist vergebliche arbeit, menschen etwas verständlich zu machen, was zu verstehen sie gar keinen drang haben Schelling Weltseele 293.

ich mit meinem düstern drange,
du in deiner jugend schöne
Platen 8.

da hüpft der gieszbach froh in schnellerm drange.
A. Grün Ged. 330.

erkrankt (wie mag sie je genesen?)
ist selbst der dichter sangesbrust,
verzehrt vom drang verhaltner lust,
taubstummem schreiben drucken, lesen.
W. Wackernagel Neuere Ged. 158.


Die sogenannte sturm- und drangzeit, die in den siebziger jahren des 18ten jahrhunderts begann und in Göthes Götz und Werther ihren glanzpunct zeigte, liesz auch in der poesie nur die unmittelbare eingebung, den innern, heftigen trieb des freien, von keiner regel beschränkten genius gelten. in dieser beziehung wird dann sturm und drang gebraucht. ich schrieb damals im drange nach thätigkeit ein neues schauspiel, dem der von Lavater zur bekehrung der welt abgesandte apostel mit gewalt den titel Sturm und drang aufdrang, an dem später mancher halbkopf sich ergötzte Klinger an Göthe.

wann in diesem sturm und drange
keuchend meine seele wallt
Bürger.

er war blosz in Baireut dem freundschaftlichen sturm und drang seines Leibgebers mit seinem sonst wahren herzen gegen einen freund erlegen J. Paul Siebenkäs 4, 56. unter dem essen sprach der lektor mit wahrem geschmack über die liebliche gegend, aber mit wenig sturm und drang ders. Titan 1, 19.
4. die aus einstürmenden ereignissen erwachsene not, res trepidae, afflictae, angustiae, wie bedrang, bedrängnis, drangsal.

als der held merken kund und sach
das im drang vom klein geschütz geschach,
kert er widerumb ins leger Theuerdank 79, 58.

also das diser künig dem künig von Pego vil drang und not macht Frank Weltb. 206b. warumb verbirgestu dein andlitz, vergissest unsers elends und drangs? Psalm 44, 25.

hilf mir in diesem drang
Soltau 2. 367, 12.

sie werden in der welt gleichwol trang und zwange haben Wernstreit 27. drang tribulatio Frisch 1, 207a.

und wenn die wittwe brodlos sich
mit ihren waisen sieht,
bin ich (der reiche) dann auch der edle, ich,
der sie dem drang entzieht?
G. W. Burmann Auswahl vermischter gedichte 53.

dasz nicht des lebens bedingender drang mich, den menschen,
verändert
Göthe 1, 330.

von äuszerm drang unangefochten
bleibt freunde so in eins verflochten 47, 119.

der muth wächst mit der gefahr, die kraft erhebt sich im drang Schiller 108a. damit ich nicht die schändliche thorheit begehe und im drange der noth den götzen des pöbels anrufe 138b.

götter, wozu bringt
ihr mich in diesem fürchterlichen drange? 220b.

sie (die kunst) sieht den menschen in des lebens drang
und wälzt die gröszre hälfte seiner schuld
den unglückseligen gestirnen zu 319a.

[Bd. 2, Sp. 1335]



zeigt einen weg mir an aus diesem drang,
hülfreiche mächte 365b.

lange genug hat in thränen sich baden
kümmernis müssen in furchtbarem drang (wegen misratener ernte)
Rückert 215.

doch die befreiten lande tragen
noch manches vor'gen dranges spur
Uhland Ged. 111.

bald scheint sie (die stadt Reutlingen) zu erliegen vom heiszen drange matt 449.


5. drang thun, einem drang thun, fügen schaden thun, leid zufügen, not und gewalt anthun. er thet mir so trang daz ich mich sein nit erwehren kund Pauli 131a. wenn die juden sehen das man einen sollichen trang und gewalt an ir hailigkeit thete Reuchlin Verstentnus 12a.

vil wünschen das sie leben lang
und dnt der sel doch also trang
mit schlemmen prassen im winhusz,
das sie vor zit msz faren usz.
Brant Narrensch. 26, 14.

das schlosz Newenhaus hat e. majest. underthanen groszen drang und schaden zgefuegt Lanz Staatspapiere 236. doch welcher sein erkaufts gt nit wider geben wolt, dem thet er darumb kein trang Frank Chron. 139b.

falsch wahren thnd auch groszen drang
Wickram Pilger 69

nun ker, held, wider zu der stand
durch aller risen ehre,
du thust mir mit den baumen drang:
ich fürcht die este sere,
sie stechen mich zum helm ein Sigenot 74 Schade.

die schildkröte klagt über ihre schale, oben thät der last ihr trang Fischart Ehezuchtbüchlein 57. Flöhhatz 50b. thet ir groszen drang, bisz er sie gewan Henisch 741.

der drang den krieg uns thät, der war also gethan
dasz die vergessenheit ihn nicht vergessen kan.
Logau 3. 9, 35 (161).

einem allen drang anthun cruciatum alicui inferre Stieler 337. quocunque modo aliquem premere Steinbach 1, 299. drang und zwang anthun Rädlein 200.
6. gewaltthätigkeit, besonders im krieg. s. DWB überdrang. wo der feindt drang oder uberfall thun wolte Fronsperger 3, 125a. dessen sind die hauptleute nicht benügig gewesen, sondern sich für mein schlosz Flügelsberg gelagert, dasselbe mit drang erobert Krenner Bair. landtagshandlungen 11, 104.

als sie den drang achäischer gewalt
auf unser heer vernahm
Bürger 173b.

als Ihr euch ungehorsam, undankbar,
erhobet gegen euern herrn und vater,
damals habt ihr, vom bösen geist gespornt,
selbst nicht geweihtes eigenthum verschont.
der heilge Gallus und das fromme stift
von Reichenau erseufzten euerm drang.
Uhland Ernst v. Schwaben 39.


7. wie stuhldrang stuhlzwang, durchfall, man sagt mich drängts zum stuhl; vergl. Stalder 1, 297. s. dringen n.
8. kleine blasen die bei dem schmelzen des mit silber vermischten bleies auf dem treibherde sich an den rand drängen.