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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
dragun bis drahtblume (Bd. 2, Sp. 1327 bis 1329)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dragun, m.
1. dragon, niederd. dragunten Brem. wörterb. 1, 238, das gemeine schlangenkraut, kaisersalat, artemisia dracunculus, franz. l'estragon Nemnich 1, 704.
2. achillea ptarmica, wilder dragun, wiesendragun Nemnich 1, 38. s. DWB dragant 2.
 
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drahle, m. falco communis Nemnich Wörterb. 113.
 
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draht [drat], m. faden filum tortum, ahd. drât Graff 5, 239 für drahad Gramm. 2, 233, mhd. drât Ben. 1, 387b. draat Henisch 738. altfries. thred, neufries. tried Richthofen 1077a niederd. und niederl. draad, ags. þræd, engl. thread, isl. þrâdr, schwed. trd, dän. traad, böhm. drat. es stammt von drâjan torquere

[Bd. 2, Sp. 1328]



1. ursprünglich zusammengedrehter flachs, hanf, wolle, baumwolle. ahd. drât spacus sparcus ist soviel als ellychnium, lampendacht. noch später wird drat durch licineum, spacus erklärt Diefenbach (1470) 169. 254, auch durch wiecke (charpie), meisel in die wunden Kirschii cornucopiae (Nürnb. 1723). ein drat oder dochtgarn Gemma gemmar. dann ein mehr oder minder fein gesponnener faden. daher draden draen einreihen, faden durchziehen Brem. wörterb. 1, 234. leinendrat Stieler 330. nach dem draht (nach dem faden nähen) sorgfältig, sauber Groth.

fein zum staat
spinnt den drat,
fein und fest und eben
Voss 4, 231.

und trägt ein kleid von gutem drat,
und wohnt und schläft gemächlich 6, 185.

hanfdraht, hänfen drat (Stieler 330) ist ein stärkerer faden und man nennt so den schuh- oder schusterdraht (poln. dratwa), oder, weil er noch mit pech steif und stark gemacht wird, pechdraht; daher die zusammensetzungen absatzdraht, bestechdraht, einstechdraht, doppeldraht. drat desz schuesters Schönsleder L 3. schusterdraat Henisch 738. der schuster spricht zur jungfrau

wo ich erbeit mit meim drot,
so kum ich ausz meiner not.
die puntschuch und die stifal
helfen mir ausz manchem fall.
und künt ir mir neur trot spinnen,
so wil ich uns genug gewinnen. Fastnachtsp. 617, 21—26.

daher bildlich den draht pechen eine sache bös machen, unheil anstiften.

mir ist verleid mein junges leben,
o herr, das mir solch weib hat geben.
jedoch, bitt ich, gib mir gedult,
dann dein ist nit, gleub ich, die schult:
mein schwiegermutter pecht den draht.
Schmiddr Das new morgenfell C via.

einen mit draht peitschen übel zurichten, schlecht behandeln. er soll nicht noch einmal so kommen, oder er soll mit draht gepeitscht werden Mercks Briefsammlung 2, 72.
2. aus metall gezogene fäden. schon im mhd. goltdrât.

daz (blonde) hâr ûz im (dem gestrickten haarnetz) schein und bran
in liehter varwe stæte
als ob dâ goldes dræte
dur kleiniu löcher glizzen
Konrad v. Würzb. Troj. kr. 7485.

mit eime goltdrâte
den sie bereitet hâte,
want sie die rôsen ûf den reif Gesamtabent. 3. 605, 233.

ein goldnes hauptnetz flechtend erst mit kluger hand,
die feinsten drähte wirkend, strickend mannigfach.
Göthe 40, 403.

so auch bleidraht, eisendraht, silberdraht, kupferdraht, messingdraht, zinkdraht Stieler 329. 330. Scheuchenstuel Idiot. 57. eisern draat Frischlin Nomencl. 254. sich zu drat ziehen lassen Henisch 738. drat ziehen tirer du fil Rädlein 200. die drähte in dem fortepiano, an den formen in der papiermühle. der draht an dem man die marionetten hält und bewegt. wir sind die marionetten die er am drahte zieht Gotter 3, 367. s. abdraht.
3. bildlich. es ist das nichts das an eim seiden draat im Geckenland hangt Fischart Bienenkorb 86.

lebt wohl, behaltet eure feste,
wo langeweile nur die gäste
am draht der etikette zieht
Gotter 1, 447.

aber schade nur dasz die zürnende liebe dem drahte nicht so gehorsam blieb wie deine hölzerne puppe Schiller 213a. der hielt nun fest was ihm der zufall an drähten von der groszen weltkomödie in die hand gespielt hatte Gutzkow Ritter v. geiste 2, 266.
4. sprichwort,

langer draht
gibt faule naht
Simrock 1680.


5. längere stricke von zusammengedrehtem stroh, womit man verschiedenes, wie z. b. bienenkörbe, flicht.
 
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drahtarbeit, f. was aus draht verfertigt, geflochten ist, besonders versteht man darunter feine, durchbrochene arbeit von gold- und silberdraht, franz. filigrane.
 
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drahtarbeiter, m. franz. ouvrier en filigrane Beil 149.
 
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drahtbank, f. werktisch der drahtzieher für die met alldrähte, ziehbank; bei den grobdrahtziehern die schiebebank. franz. argue, banc à tirer Beil 149.

[Bd. 2, Sp. 1329]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) drahtband, n.
1. von gold- oder silberdraht gewirkt.
2. ein langes, breites und dickes blech, woraus man die zeine zu dem drahtzug schneidet.
 
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drahtbaster, m. bei den sammetwebern eine hauptabtheilung der sammete, die weiter abgetheilt wird je nachdem die faden des zeugs aus vier, fünf oder sechs einzelnen fäden zusammengedreht sind.
 
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drahtbauer, m. vogelkäfig aus draht Stieler 105. dän. traadbauer, franz. cage de fil d'archal Beil 149.
 
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drahtbinder, m. die durch die halbe welt ziehenden drahtbinder Morgenblatt 1839 s. 1246.
 
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drahtblume, f. wie dotterblume, butterblume caltha palustris Nemnich 1, 764. dratblum, goldblum chrysanthemum Henisch 738.