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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
dragge bis draht (Bd. 2, Sp. 1327)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dragge, s. DWB drache 5 d.
 
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dragoman, m. türkischer dolmetscher, mhd. tragemun (fahrender man), mittellat. dragumanus drogamundus, in den romanischen sprachen eine doppelte form, ital. dragomanno und turcimanno, span. dragoman und trujaman, franz. drogman und trucheman truchement. es stammt von dem arab. tarǵomân ausleger und dieses von taraǵa verhüllt, schwierig sein; s. Diez Roman. wörterb. 127.
 
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dragon, s. DWB dragun.
 
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dragoner, m.
1. leichter reiter, der ein feuergewehr hat und auch zu fusz fechten musz: ursprünglich ein fuszsoldat der sich des pferds blosz zum schnellen fortkommen bedient. franz. dragon, ital. dragone, dän. dragon, böhm. dragon dragaun. ohne zweifel findet eine beziehung auf drache statt, die aber nicht bekannt ist. die draconarii des Vegetius, auf deren standarte sich ein drache befand, sollen anlasz zu der benennung gegeben haben. im Jüngeren Titurel heiszt das rosz des Schionatulanders drakûne 1255. 2704. 3435. 3436. 3654. als die ersten dragoner betrachtet man die landsknechte und fuszsoldaten, welche der prinz von Parma, als er 1582 die schlacht bei Gent liefern wollte, auf packpferden mit der reiterei voraus gehen liesz, um die nachhut des feindes anzugreifen. andere glauben graf Ernst von Mansfeld habe sie im dreiszigjährigen krieg erfunden. könig Wilhelm III nahm als statthalter von Holland im jahr 1672 ein regiment dragoner vom herzog Casimir von Kurland in sold. Micrälius in der ersten hälfte des 17 ten jahrhunderts sagt schon wie unsere heutige draguner 1, 9. Stieler 328 leitet das wort von dem franz. dragon ab und meint man könne auch duppelsoldner dimacha, hippotoxota dafür sagen, ebenso übersetzt Steinbach 1, 286 eques desultatorius, dimacha.

federbüsche, tiefer ehrfurcht werth,
für dragoner und für mädchenköpfe
Sturz 2, 287.


2. uneigentlich nennt man im gemeinen leben ein wildes mädchen oder ein plumpes grobes weib einen dragoner. dieses weib sieht aus wie ein dragoner, franz. cette femme a un air à la dragonne. im böhmischen wird drgaun überhaupt von einem groszen menschen gebraucht.
3. bildlich die pflastersteine die man in der not aus mörsern schieszt.
 
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dragonerfisch, m. callionymus dracunculus Nemnich Wörterb. 113.
 
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dragonermäszig, adj. und adv. uneigentlich für derb, plump, roh. diese bauersfrau hat ein dragonermäsziges aussehen. ein fremder mann der sich mir schon von weitem, wenn er in mein haus tritt und bei meinen domestiken nach mir fragt, durch sein geschrei ankündigt, hernach mit einem dragonermäszigen gange zur treppe heraufstürmet Bürger 134b.
 
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dragonermütze, f. uneigentlich, patella antiquata, matrosenmütze, schuppichte narrenkappe, niederl. dragondermuts. Nemnich 2, 876.
 
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dragonnade, f. bekehrung durch zwangmittel, wobei dragoner angewendet werden, wie bei den verfolgungen der protestanten unter Ludwig XIV, die man daher dragonnades des Cévennes nennt. uneigentlich, jede durch soldatengewalt ausgeführte regierungsmaszregel.
 
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dragun, m.
1. dragon, niederd. dragunten Brem. wörterb. 1, 238, das gemeine schlangenkraut, kaisersalat, artemisia dracunculus, franz. l'estragon Nemnich 1, 704.
2. achillea ptarmica, wilder dragun, wiesendragun Nemnich 1, 38. s. DWB dragant 2.
 
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drahle, m. falco communis Nemnich Wörterb. 113.
 
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draht [drat], m. faden filum tortum, ahd. drât Graff 5, 239 für drahad Gramm. 2, 233, mhd. drât Ben. 1, 387b. draat Henisch 738. altfries. thred, neufries. tried Richthofen 1077a niederd. und niederl. draad, ags. þræd, engl. thread, isl. þrâdr, schwed. trd, dän. traad, böhm. drat. es stammt von drâjan torquere

[Bd. 2, Sp. 1328]



1. ursprünglich zusammengedrehter flachs, hanf, wolle, baumwolle. ahd. drât spacus sparcus ist soviel als ellychnium, lampendacht. noch später wird drat durch licineum, spacus erklärt Diefenbach (1470) 169. 254, auch durch wiecke (charpie), meisel in die wunden Kirschii cornucopiae (Nürnb. 1723). ein drat oder dochtgarn Gemma gemmar. dann ein mehr oder minder fein gesponnener faden. daher draden draen einreihen, faden durchziehen Brem. wörterb. 1, 234. leinendrat Stieler 330. nach dem draht (nach dem faden nähen) sorgfältig, sauber Groth.

fein zum staat
spinnt den drat,
fein und fest und eben
Voss 4, 231.

und trägt ein kleid von gutem drat,
und wohnt und schläft gemächlich 6, 185.

hanfdraht, hänfen drat (Stieler 330) ist ein stärkerer faden und man nennt so den schuh- oder schusterdraht (poln. dratwa), oder, weil er noch mit pech steif und stark gemacht wird, pechdraht; daher die zusammensetzungen absatzdraht, bestechdraht, einstechdraht, doppeldraht. drat desz schuesters Schönsleder L 3. schusterdraat Henisch 738. der schuster spricht zur jungfrau

wo ich erbeit mit meim drot,
so kum ich ausz meiner not.
die puntschuch und die stifal
helfen mir ausz manchem fall.
und künt ir mir neur trot spinnen,
so wil ich uns genug gewinnen. Fastnachtsp. 617, 21—26.

daher bildlich den draht pechen eine sache bös machen, unheil anstiften.

mir ist verleid mein junges leben,
o herr, das mir solch weib hat geben.
jedoch, bitt ich, gib mir gedult,
dann dein ist nit, gleub ich, die schult:
mein schwiegermutter pecht den draht.
Schmiddr Das new morgenfell C via.

einen mit draht peitschen übel zurichten, schlecht behandeln. er soll nicht noch einmal so kommen, oder er soll mit draht gepeitscht werden Mercks Briefsammlung 2, 72.
2. aus metall gezogene fäden. schon im mhd. goltdrât.

daz (blonde) hâr ûz im (dem gestrickten haarnetz) schein und bran
in liehter varwe stæte
als ob dâ goldes dræte
dur kleiniu löcher glizzen
Konrad v. Würzb. Troj. kr. 7485.

mit eime goltdrâte
den sie bereitet hâte,
want sie die rôsen ûf den reif Gesamtabent. 3. 605, 233.

ein goldnes hauptnetz flechtend erst mit kluger hand,
die feinsten drähte wirkend, strickend mannigfach.
Göthe 40, 403.

so auch bleidraht, eisendraht, silberdraht, kupferdraht, messingdraht, zinkdraht Stieler 329. 330. Scheuchenstuel Idiot. 57. eisern draat Frischlin Nomencl. 254. sich zu drat ziehen lassen Henisch 738. drat ziehen tirer du fil Rädlein 200. die drähte in dem fortepiano, an den formen in der papiermühle. der draht an dem man die marionetten hält und bewegt. wir sind die marionetten die er am drahte zieht Gotter 3, 367. s. abdraht.
3. bildlich. es ist das nichts das an eim seiden draat im Geckenland hangt Fischart Bienenkorb 86.

lebt wohl, behaltet eure feste,
wo langeweile nur die gäste
am draht der etikette zieht
Gotter 1, 447.

aber schade nur dasz die zürnende liebe dem drahte nicht so gehorsam blieb wie deine hölzerne puppe Schiller 213a. der hielt nun fest was ihm der zufall an drähten von der groszen weltkomödie in die hand gespielt hatte Gutzkow Ritter v. geiste 2, 266.
4. sprichwort,

langer draht
gibt faule naht
Simrock 1680.


5. längere stricke von zusammengedrehtem stroh, womit man verschiedenes, wie z. b. bienenkörbe, flicht.