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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
dote bis dotter (Bd. 2, Sp. 1312 bis 1313)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dote tote tot, töte töt, m. und f. die person die jemand aus der taufe hebt, gevatter, gevatterin, dann auch der täufling, susceptor, susceptrix und susceptus, suscepta e sacro lavacro. ahd. toto patrinus, tota admater Graff 5, 381. mhd. tote. das gleichbedeutende, ebenso den taufzeugen als den täufling bezeichnende pate stammt von pater. kann tote auch mit ätti (oben 1, 595) zusammenhängen? das griech. τάτα τέττα, schwäb. datte dätte (Schmid 116), niederd. teite damit in verbindung zu bringen, ist wegen der mangelnden lautverschiebung bedenklich. Walefried Strabo (de rebus eccles. c. 7) bemerkt als eigene deutsche ausdrücke für genitor und genitrix atto und ama, todo und toda. dotte patrinus oder gevatter oder stetmeister Voc. theut. 1482 f ib. tot patrinus, compater, qui levat puerum de fonte Vocab. incip. teut. X 4. tod gevatter Schönsleder Gg 3. dod alter pater, pater spiritualis qui puerum e baptismo suscepit. Henisch 722. dott dotle pat propater, pater lustricus: dott dotle profilius, profilia: filius lustricus, filia lustrica 738. dot susceptor, susceptrix: susceptus e baptismo oder suscepta, herr dot, frau dot, auch das kind heiszt dot, dotlein, dötlein Frisch 1, 203c. s. dotin und vergl. gött. tott und töttle oder töttchen filius spiritualis, filia lustrica Stieler 2276. dod m. susceptor Steinbach 1, 279. der tott (casus obliq. totten), die totten oder die tott, tauftott, firmtott. in altbair. mundart mit umlaut der tött (gen. des tötten), der töttel und ohne umlaut der, die tott (gen. der totten), die tottel, die totten Schmeller 1, 464. der döte taufpate, das dötle taufkind, die dotte weibliche pate, in Ulm auch die hebamme Schmid 116.
1. der taufzeuge, taufpate, der an vaters statt für den täufling zu sorgen verspricht.

er wart getoufet jâ,
her Dietrîch wart dô sîn tote Laurin bei Nyerup 46b.

es wirt ouch von mir Reinbot
genant gevater unde dot Georg 2849.

dar nâch vil schiere toufter in
vil werde in gotes namen drin.
dô wart ze vater ime erkorn
sîn kint daz von im was geborn,
dô wart sîn vater und sîn tote
sîn fleischlich kint in gote.
Rudolfs Barlaam 355, 17—21 Pfeiffer.

es solten des kindes totten daz kint den glouben und daz paternoster lêren, sô ez siben jâr alt würde. wan sie sint ez im schuldic, wan sie sint geistlîche vater und muoter Berthold 230.

der bischof, der vil guote man,
toufte in lieblich in gote
und wart in aller trûwe ein tote. Passional 497, 74 Köpke.

der bischof
toufte in und wart sîn tote 557, 65, 6.

der bischof der herre guot
toufte mit sîn selbes hant
daz jüdelîn und wart im zuhant
nâch der kristenheit gebote
ob der toufe ein holder tote Marienleg. 258, 541—46.

ez sî sîn mâc oder sîn gevatter oder sîn tote Augsb. stadtbuch bei Schmeller 1, 465.

über mînes toten sât
sach ich in eines rîten Helmbrecht 1132.

daz er dem lieben toten mîn
alsô zertrat sîn arbeit 1138.

die fürstin nâch ir lieben toten bet,
des gast si nam zuo ir und wîsete in sitzen Lohengr. s. 26.

die fürstin sprach 'doch dûht mich guot,
lieber tote, ob ir es hetet in iuwerm muot
daz ir got morgen sunget ein messe zêren' s. 27.

bildlich.

ouch trage ich hazzes vil gein gote,
wand er ist mîner sorgen tote (förderer),
die hât er alze hôhe erhabn:
mîn freude ist lebendec begrabn
Wolfr. Parz. 461, 9—12.

ir welt se (die stange) habn als iweren totn (beschützer).
Wolfr. Wilh. 275, 23.

man nimmt an auf den täufling giengen einige eigenthümlichkeiten und tugenden des pathen über: man sagt 'er hat die

[Bd. 2, Sp. 1313]


neunte ader von seinem pathen.' der glaube ist alt, schon im Helmbrecht wird er erwähnt,

man liset ze Rôme an der phaht (in dem gesetz)
ein kint gevâhe in sîner jugent
von sînem toten éine tugent 482.

von dem erbet mich daz an
unde ouch von dem toten mîn
(die bêde müezen sælic sîn)
daz ich alle mîne tage
mînen muot sô hôhe trage 1378—82.

in seiner firmung von Carolo, dem frankreichischen künig, seinem döten oder pfettern, nach im Carolus genant Frank Chronicon 195a.

mein dot gester abendt spat
den wilden mann bekommen hat
Jac. Ayrer 2, 277a.

hein! (wird mein hochgertister hr. döt und frau dot sagn) ists nit gnue dasz mir (wir) den bueben ausz der tauff gehoben und ausz ein haiden zu ein christen gemacht habn Schwabe Tintenf. A 3b. liebwertister her döt und frau dot A 3a. meinem insonders liebwertisten herr döten als auch meiner herzliebwertisten frau dot A 2a. auch das war eine gloriose zeit, als der herr döte stadtschreiber noch regierte Wildermuth Bilder aus dem schwäbischen leben (1853) s. 150.
2. der täufling, der von dem taufzeugen ebenfalls pate, patchen genannt wird.

ich wil hiute mîme toten geben
daz er dester frôer müge leben. Laurin bei Nyerup s. 47a.

sie (die das kind aus der taufe gehoben haben) sülnt sprechen zu sînem (des kindes) vater oder muoter 'gevater, ir sült mir mînen toten das paternoster und den glouben lêren, oder ir lât in zuo mir gên, sô lêre ich ez Berthold 230.

Malfer wirt mîn tote
durch die hêren trinitât
Türheims Wilhelm pfälz. hs. 235b.

gevater mîn, sô ist ez wâr,
sam mir daz heilige jâr,
und dar zuo sêle unde lîp.
mîn kint, dîn tote, und mîn wip
müezen des tiuvels eigen sîn,
sî mir niht der bache hin
Haupts zeitschr. 7, 104, 93—96.


 
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dotel, dimin. s. DWB dote.
 
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dotenbeutel, m. führt Schmeller 1, 465 an mit dem folgenden wort, das wahrscheinlich gleichbedeutend ist. vergl. dote 2 die stelle aus Laurin.
 
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dotengeld, n. das geschenk das der täufling bei der taufe von dem pathen erhält. ebenso
 
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dotenpfennig, m. taufpfennig munus lustricum Henisch 738. ebenso
 
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dotenzeug, n. Schmid 117.
 
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dotin, f. neben dote. dottin matrina vel noverca Vocab. theut. 1482 f ib. dottin frawenperson die ein kind ausz der tauf hebt promater, mater lustrica Henisch 738. dodin susceptrix Steinbach 1, 279. frau dotin Köln. zeitung 1855 nr. 337.
 
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dotschdötsch,m.
1. wie datsch ein weiches oder nicht aufgegangenes, teigiges backwerk.
2. was auf der geschmolzenen butter oben schwimmt Schmeller 1, 407. tötsch schaum der schmelzbutter Reinwald Heneb. idiot. 2, 126.
3. bildlich, ein fetter mensch Schmeller 1, 406. totsch ein dummer, plumper kerl Tobler 143b. daatsch dätsch dootsch ein unbehilflicher, ungeschickter Schmid 117. s. dotz.

was für ein dotsch ist dieser man,
ach wär er etwas ringer!
o feister dotsch! was solle dich
das schmeer und speck, hoch über sich
geschwollen, am leibe nutzen
Balde Lob des magern.

und will dem dötschen ein sorg einstecken.
H. Sachs 3. 3, 42b.


 
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dötschenkarren, m. an dem die narren ziehen.

denn wöll wir zusehen der that
durchs fenster, bei des monnes schein,
wie in der gassen ziehen rein
dise zwen allergrösten narren,
gespannt an den dötschenkarren
H. Sachs 5, 227a.


 
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dötschkappe, f. ein schallender schlag, ein klapps an den kopf. dötsch wie datsch. sie wollen ihm den brief nemen, er gibt jedem eine dötschkappen J. Ayrer Trag. 186a.
 
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dotter, m. eigelb, vitellus, ahd. tutarei totoro dodero Graff 5, 384, mhd. toter doter totter schwm., alts. dodro, ags. dydring, niederl. dooier, bair. dottern Schmeller 1, 405, östr. dotta Castelli 112. vom 14 ten jahrhundert bis zum 16 ten zeigt

[Bd. 2, Sp. 1314]


sich neben dem masc. dotter totter tutter mit schwacher und starker decl. auch das neutrum und der pl. dötter, wie noch jetzt in Sachsen und, neben dem fem., auch in Thüringen. auffallend wegen der endung ei ist das ahd. tutarei, aber es könnte eine zusammensetzung mit ovum sein, etwa dem windei gegenüber. in den verwandten sprachen erscheint das wort weiter nicht, die niederd. gebraucht döl Brem. wörterb. 1, 223, die englische und dänische dodder, wie die schwed. dodra, nur für dotterkraut myagrum sativum; für eidotter gilt im engl. yolk. das span. tuetano und das ital. tuorlo gehören vielleicht hierher. die abstammung ist dunkel: mit dutte dütte mamilla, ahd. tutto dutto, griech. τιτθός bringt es Wackernagel in verbindung, wol in beziehung auf die runde form.
1. früherhin ward die erde gerne mit dem dotter verglichen. daz wîze alumb den tottern, daz sint die lüfte. sô ist der totter in mitten drinne; daz ist diu erde Berthold 28. als in eime eige daz lûter umbe den duttern gât, also umbegât daz wazzer die erde Meinauer naturlehre s. Wackern. Lesebuch 1, 760, 15. die welt ist sinwel und umbeflozzen mit dem wendelmer, dar in swebt die erde als daz tutter in dem wizen des eiies ist Wackernagel Basel. handschr. s. 20; vergl. die anmerkung. Hugo von Trimberg findet in dem ei die vier elemente,

der toter in im hât flures zunder Renner 19672.

also mache auch ander milich, ob du totern dorzu tun wilt Buch von guter speise cap. 10. also soltu die tötter nemen von den airen Kochbuch aus dem 14 ten jahrh. in Haupts zeitschr. 9, 372. tutter vitellum Voc. opt. xxxvii, 62. toter Diefenbach 1470 sp. 285. totter in einem aie Voc. theut. 1482 gg 7a. Voc. incip. teut. y.

so nemet warme dirletei,
getemperirt mit einem ei,
des weiszen vil und mit den duttern.
Herm. v. Sachsenheim Mörin 43.

des muost das totter rinnen hin
Wittenweiler Ring 37c, 8.

und igklichs (ei) ein solhen tottern het Fastnachtsp. 212, 22.

kan man auch essen das ungesalzen ist? oder wer mag kosten das weisze umb den totter? Hiob 6, 6. der dotter im eierklar Fischart Garg. 196b. mit einer schalen umbgeben, in welcher weis das dotter und das gelbe gesehen wirt, als in den hünereiern Forer Fischb. 74a. ein lügner erzählt von einem groszen ei,

und sagen auch auf guten trawen
das man von seim geln dotter schon
etlich füder gefürt darvon
Eyering 2, 62.

das dutter oder gäl im ei luteum ovi Maaler 95d. dotter Schönsleder L 3. dotter, eierdotter Henisch 738.

sie weissagt, wenn zu morgen
der specht die tanne hackt, und wenn ein einigs ei
zwei dotter hat, weisz sie was ihre deutung sei
Rachel.

dotter doter pl. doter. die jungen haben ihre nahrung vom doter Steinbach 1, 286. s. eidotter eierdotter.
2. bildlich, ich war vorher schon jurist, mithin die knospe eines doctors utriusque, und folglich ein edelmann, da im doctor der ganze rogen und dotter zum ritter steckt J. Paul Titan 1, 63.
3. sprichwörter. groszer herren hennen legen air mit zweien dottern Henisch 738. man nimpt allzeit den dotter für die schalen ein ders. wer vil aier hat, der macht vil dotter oder döpfe ders. besser einen dotter als die eitle schale Simrock 1679.