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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
dösig bis dotenbeutel (Bd. 2, Sp. 1311 bis 1313)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dösig, adj. wie däsig; s. oben 809. lösig und dösig träge und unlustig Schütze Holst. idiot. 2, 241. der dösigste dösbartel Kosegarten.
 
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dösigkeit, f. wie döserei Schütze 2, 241. düsigkeit Brem. wörterb. 1, 276. als krankheit narcosis und sopor Nemnich Lex. nosol.
 
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dostdosten,m.
1. was sich buschig ausbreitet, büschel in allgemeiner bedeutung, mhd. doste Ben. 1, 386a, niederd. tost; vergl. DWB dosche. ein pflanzer der sein pflanzbaum verwundet und steckt ihm zweig ein, der heilet durch sein kraut dieselbigen wunden wider zu: nicht dasz sein kraut oder tost den er drüber legt, solcher natur sei, aber dasz er behüte vor der auszwendigen luft Paracelsus 338b.
2. in besondern beziehungen.
a. dosten, strausz, blumenstrausz Schmeller 1, 403.

si truog ein tosten in der hand Hätzlerin 2, 18. 134.


b. helmbusch.

und Atreus sohn
zog aus sein silberbucklich schwert und hiebs
hoch schwingend auf des helmes tost herab
Bürger 155, 457.

dem haupte setzte sie den goldnen helm,
geziert mit buckeln und vier tosten, auf 167, 926.

das starke
haupt beschirmt er mit künstlichem roszbuschhelme, von welchem
fürchterlich der tost herunter winkte 210, 337.


c. der schopf auf dem kopf eines lammes.

Atreus sohn
ergriff sein messer, welches immerdar
an seines groszen schwertes seite hieng
und schor den tost von jedes lammes haupt.
Bürger 154, 351.

der busch auf dem kopf des kutschpferdes Brem. wörterb. 5, 90.
d. quast, trottel im niederd. auch die nächstfolgenden wörter gehören hierher.
 
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dost, m. moos muscus, weil es in büscheln wächst, in Nordfranken Schmeller 1, 403. Reinwald Henneberg. idiot. 1, 21.
 
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dost doste dosten,m. origanum vulgare, silvestre; er heiszt so, weil er in büscheln blüht. braune, rothe, gemeine doste, dostenkraut, walddosten, wilder majoran, wolgemut Nemnich 2, 788. ahd. dost dosto dosta Graff 5, 232, mhd. doste Ben. 1, 386. schwed. dosta, dän. tost. tost oder wolgemut, origanum oder roszmynz Voc. theut. 1482 gg 7a. tosten oder kosten Gersdorf 104. dosten, wilder wolgemut und hoher dost Maaler 92. dosten Frischlin Nomencl. 77. Henisch 737. Rädlein 199a. Schnurr 228. Hohberg 1, 239. aus den blumen des gemeinen dosten werden dampfbäder gemacht Tabernämont. 727.

nicht weit vom fewr stund der tisch
der war ein geiszlorber gar frisch
gepfürcht, nahend darbei im dost
lag ein gut fasz mit newen most,
das fasz was nichts denn ein weinbeer.
Fuchs Mückenkr. 2, 369.

man legte ihm besondere kräfte bei, vor dorant und dosten fliehen wichte und nixen; s. Deutsche myth. 1164. man pflegt zu sagen

heb auf dein gewand,
dasz du nicht fallest in dosten und dorant.
hättest du nicht dorant und dosten,
wollt ich dir das bier helfen kosten.

an einigen orten hängt man, wie Nemnich bemerkt, die frische pflanze in die wein- und bierfässer, um das umschlagen oder sauerwerden des getränks zu verhindern.
der dosten oder wolgemut seind unterschiedliche gattungen Hohberg 3. 1, 447b. weiszer dost Stieler 327. kleiner dost oder wirbeldoste, wilddost, hauptdost clinopodium vulgare Nemnich 1, 1067. blauen dosten nennt man auch die in schönen büscheln blühende syringa vulgaris Nemnich 2, 1414. sprichwort,

dost, harthau und weisze haid
thun dem teufel viel leid
Simrock 1678a.


 
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dostblume, f. Luther nennt eine blume die morgens mit der sonnen aufgehet, mit ir wieder untergehet, eine tostblume Tischreden 237b.
 
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dostenkraut, n. s. DWB dost origanum.
 
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dostig, adj. ausgebreitet, aufgeschwollen. Schönsleder erklärt es durch corpus repletum, obesum L 3. dostig, aufgedunsen,

[Bd. 2, Sp. 1312]


von einem dicken schweren körper Höfer Östreich. wörterb. 1, 162. dosti auszerordentlich dick und fett, besonders mit einem dicken kurzen hals. den trifft aml da schlg, ear is zdosti Castelli 112. in Baiern döstig vom boden der schwer, zäh, nicht locker oder trocken genug ist, dann von einem menschen der vor hitze, vor traurigkeit matt, niedergeschlagen ist Schmeller 1, 403.
 
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dote tote tot, töte töt, m. und f. die person die jemand aus der taufe hebt, gevatter, gevatterin, dann auch der täufling, susceptor, susceptrix und susceptus, suscepta e sacro lavacro. ahd. toto patrinus, tota admater Graff 5, 381. mhd. tote. das gleichbedeutende, ebenso den taufzeugen als den täufling bezeichnende pate stammt von pater. kann tote auch mit ätti (oben 1, 595) zusammenhängen? das griech. τάτα τέττα, schwäb. datte dätte (Schmid 116), niederd. teite damit in verbindung zu bringen, ist wegen der mangelnden lautverschiebung bedenklich. Walefried Strabo (de rebus eccles. c. 7) bemerkt als eigene deutsche ausdrücke für genitor und genitrix atto und ama, todo und toda. dotte patrinus oder gevatter oder stetmeister Voc. theut. 1482 f ib. tot patrinus, compater, qui levat puerum de fonte Vocab. incip. teut. X 4. tod gevatter Schönsleder Gg 3. dod alter pater, pater spiritualis qui puerum e baptismo suscepit. Henisch 722. dott dotle pat propater, pater lustricus: dott dotle profilius, profilia: filius lustricus, filia lustrica 738. dot susceptor, susceptrix: susceptus e baptismo oder suscepta, herr dot, frau dot, auch das kind heiszt dot, dotlein, dötlein Frisch 1, 203c. s. dotin und vergl. gött. tott und töttle oder töttchen filius spiritualis, filia lustrica Stieler 2276. dod m. susceptor Steinbach 1, 279. der tott (casus obliq. totten), die totten oder die tott, tauftott, firmtott. in altbair. mundart mit umlaut der tött (gen. des tötten), der töttel und ohne umlaut der, die tott (gen. der totten), die tottel, die totten Schmeller 1, 464. der döte taufpate, das dötle taufkind, die dotte weibliche pate, in Ulm auch die hebamme Schmid 116.
1. der taufzeuge, taufpate, der an vaters statt für den täufling zu sorgen verspricht.

er wart getoufet jâ,
her Dietrîch wart dô sîn tote Laurin bei Nyerup 46b.

es wirt ouch von mir Reinbot
genant gevater unde dot Georg 2849.

dar nâch vil schiere toufter in
vil werde in gotes namen drin.
dô wart ze vater ime erkorn
sîn kint daz von im was geborn,
dô wart sîn vater und sîn tote
sîn fleischlich kint in gote.
Rudolfs Barlaam 355, 17—21 Pfeiffer.

es solten des kindes totten daz kint den glouben und daz paternoster lêren, sô ez siben jâr alt würde. wan sie sint ez im schuldic, wan sie sint geistlîche vater und muoter Berthold 230.

der bischof, der vil guote man,
toufte in lieblich in gote
und wart in aller trûwe ein tote. Passional 497, 74 Köpke.

der bischof
toufte in und wart sîn tote 557, 65, 6.

der bischof der herre guot
toufte mit sîn selbes hant
daz jüdelîn und wart im zuhant
nâch der kristenheit gebote
ob der toufe ein holder tote Marienleg. 258, 541—46.

ez sî sîn mâc oder sîn gevatter oder sîn tote Augsb. stadtbuch bei Schmeller 1, 465.

über mînes toten sât
sach ich in eines rîten Helmbrecht 1132.

daz er dem lieben toten mîn
alsô zertrat sîn arbeit 1138.

die fürstin nâch ir lieben toten bet,
des gast si nam zuo ir und wîsete in sitzen Lohengr. s. 26.

die fürstin sprach 'doch dûht mich guot,
lieber tote, ob ir es hetet in iuwerm muot
daz ir got morgen sunget ein messe zêren' s. 27.

bildlich.

ouch trage ich hazzes vil gein gote,
wand er ist mîner sorgen tote (förderer),
die hât er alze hôhe erhabn:
mîn freude ist lebendec begrabn
Wolfr. Parz. 461, 9—12.

ir welt se (die stange) habn als iweren totn (beschützer).
Wolfr. Wilh. 275, 23.

man nimmt an auf den täufling giengen einige eigenthümlichkeiten und tugenden des pathen über: man sagt 'er hat die

[Bd. 2, Sp. 1313]


neunte ader von seinem pathen.' der glaube ist alt, schon im Helmbrecht wird er erwähnt,

man liset ze Rôme an der phaht (in dem gesetz)
ein kint gevâhe in sîner jugent
von sînem toten éine tugent 482.

von dem erbet mich daz an
unde ouch von dem toten mîn
(die bêde müezen sælic sîn)
daz ich alle mîne tage
mînen muot sô hôhe trage 1378—82.

in seiner firmung von Carolo, dem frankreichischen künig, seinem döten oder pfettern, nach im Carolus genant Frank Chronicon 195a.

mein dot gester abendt spat
den wilden mann bekommen hat
Jac. Ayrer 2, 277a.

hein! (wird mein hochgertister hr. döt und frau dot sagn) ists nit gnue dasz mir (wir) den bueben ausz der tauff gehoben und ausz ein haiden zu ein christen gemacht habn Schwabe Tintenf. A 3b. liebwertister her döt und frau dot A 3a. meinem insonders liebwertisten herr döten als auch meiner herzliebwertisten frau dot A 2a. auch das war eine gloriose zeit, als der herr döte stadtschreiber noch regierte Wildermuth Bilder aus dem schwäbischen leben (1853) s. 150.
2. der täufling, der von dem taufzeugen ebenfalls pate, patchen genannt wird.

ich wil hiute mîme toten geben
daz er dester frôer müge leben. Laurin bei Nyerup s. 47a.

sie (die das kind aus der taufe gehoben haben) sülnt sprechen zu sînem (des kindes) vater oder muoter 'gevater, ir sült mir mînen toten das paternoster und den glouben lêren, oder ir lât in zuo mir gên, sô lêre ich ez Berthold 230.

Malfer wirt mîn tote
durch die hêren trinitât
Türheims Wilhelm pfälz. hs. 235b.

gevater mîn, sô ist ez wâr,
sam mir daz heilige jâr,
und dar zuo sêle unde lîp.
mîn kint, dîn tote, und mîn wip
müezen des tiuvels eigen sîn,
sî mir niht der bache hin
Haupts zeitschr. 7, 104, 93—96.


 
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dotel, dimin. s. DWB dote.
 
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dotenbeutel, m. führt Schmeller 1, 465 an mit dem folgenden wort, das wahrscheinlich gleichbedeutend ist. vergl. dote 2 die stelle aus Laurin.