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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
dort bis dortheim (Bd. 2, Sp. 1304 bis 1307)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dort , räumliches, demonstratives pronominaladverbium, ibi illic, ahd. darot dorot doret deret Graff 5, 65, mhd. dort dart dert Ben. 1, 385b, wo mit unrecht auch doert für Konrad v. Würzb. angenommen wird, das im Troj. kr. auszerhalb des reims sich zeigt, anderwärts reimt dort auf wort, mort, hort Troj. kr. 22356. 23595. Schwanr. 1357. dem schreiber der spätern handschrift war wol ein mundartliches dört geläufig, wie es in Wittenweilers Ring (21, 9. 45b, 7) auf hört reimt, bei Keisersberg vorkommt und bei Maaler 92b angesetzt ist. dort Dasyp. 316c. Alberus Novum diction. BB ij. Henisch 737. Stieler 327. Rädlein 1, 199a. Frisch 1, 203b. Steinbach 1, 285. s. DWB dorte und DWB dorten. das wort kommt in den nahverwandten sprachen nicht vor, im niederd. und niederl. gebraucht man dafür daar, im engl. there, auch im schwed. und dän. ist es nicht bekannt. das ahd. darot hatte früher wahrscheinlich die bedeutung von dahin eo illuc (Gramm. 3, 174), wie sie dem alts. tharod eigen ist und dem altfries. thard Richthofen 1068a, aber im mhd. sich nicht mehr zeigt.
1. hinweisend auf einen ort. es hat gröszern nachdruck als da, welches öfter dafür stehen kann, noch nachdrücklicher ist alldort. näher bestimmend kann durch, her, hin, hinab, hinunter, oben, unten folgen. was will er dort? was macht er dort? welchen weg ist er gegangen? dort durch, par là. er kommt dort her. dort geht er hin. er steigt dort hinab, hinunter. er sitzt dort oben. er steht dort unten.

zwar mich dünkt ir stee auch einer dort Fastnachtsp. 650, 18.

und sicht den hafen mit dem linsinms dort ston Keisersberg Sünden des munds 11a. das ist der karr von dem dort (an der bewuszten stelle) der weis spricht 18b. dann er het in gesehen sitzen dort in seiner groszen kappen die er ann hals gestreift het, als dann gewonheit ist der küning in Frankreich 46a. und sprach zu Balak 'tritt also bei dein brandopfer, ich wil dort warten' 4 Mos. 23, 15. dort aber schawe ich, aber da ist niemand Jesaia 41, 28. der ich sie haben lassen unter die heiden wegfüren und widerumb in ir land versamlen, und nicht einen von inen dort gelassen habe Hesek. 9, 28. stehe du dort, oder setze dich her zu meinen füszen Jac. 2, 3. dort da, an jenem ort Henisch 737.

wir rüttelten, wir pochten fort,
da lag die morsche thüre dort
Göthe 41, 311.

[Bd. 2, Sp. 1305]



was weben die dort um den rabenstein? 12, 236.

ja die (vergiszmeinnicht) sind schön an jedem ort,
aber nicht wie dort
Mörike Ged. 60.

sieh dort!

dort! er taucht in fluthen mitte
schon hervor der starke schwimmer
Göthe 40, 420.

es kann mit nachdruck wiederholt werden, dort dort ist die gefahr! dort eile hin, dort zeige deinen mut! dort habe ich ihn gesehen, dort.

o dort nur, o dort
ist zum ruhen der ort
Göthe 40, 377.


2. mit näherer bestimmung des orts; ist dieser vorher genannt, so steht es wie daselbst. dort hinten liegt das haus. dort hinunter, dort hinab flieszt der bach. dort abwärts geht der knabe. dort oben steht der thurm. der ists der dort in das schiff steigt, der dort neben dem baum steht. sie wandelt dort auf der wiese. er steigt dort über die mauer. er reist nach London und will dort längere zeit verweilen. Noe ward trunken und lag dort in dem tabernakel entblöszt, anderst dan er ligen solt Keisersberg Sünden des munds 73a.

unsre feinde bleiben all
dort in Polen sitzen
Soltau 2, 432, 8.

schau was sich dort vor angst noch in der wiege reget.
Günther.

dort, wo der schwarze tannenwald steht, dort rieselt ein bach aus stauden hervor Geszner.

berge schauen dort herüber,
leuchten schön und jauchzten lieber
Göthe 4, 92.

dort (bei dem tempel) erblickt ihn die kluge, gewandte Kypris, die göttin 40, 357.

dort ragen felsen weit hinaus
nach land und see, dort stürzen billig wir hinab 40, 396.

dort weint am grabe seiner schäferin
ein schäfer
Schiller 16b.

auch hört man überall das Karlsbad preisen,
husch ist sie dort! 27a.

ach, wie schön musz sichs ergehen
dort im ewgen sonnenschein 48a.


3. in verbindung mit der präpos. von. der weg ist von dort nicht weit. von dort kommt das gewitter. von dort will er weiter reisen.

von dort herab kann ihn mein pfeil erlangen
Schiller 544a.


4. in dem zukünftigen leben.

ob dort di sel icht chummers dol
Suchenwirt vii, 202.

wir werden got loben. das ist das letst das dort unser übung wirt sein Keisersberg Sünden des munds 83b. die weisheit der heiligen ist zeitlich leiden und dort ewigklichen leben ders. Narrensch. 95b. z kum uns dein reich, mach uns dort selig 84a.

der tod macht sterbens hören auf.
darümb des tods mich nit verdreuszt,
der ewigs leben dort geneuszt
Schwarzenberg 151b.

dort im andern leben Henisch 737.

wo sich nicht mehr trennt was sich verbunden,
dort, wo keine thräne wird geweint
Schiller 84b.

dort ist auch der vater frei von sünden das.


5. im gegensatz.
a. da — dort. s. DWB da 6.
b. dort — dort. dort steht weizen, dort gerste. dort hört man lachen, dort weinen.

durch die gefilde
dort zu sprengen und dort
Voss Il. 5, 223.


c. hier — dort, wie hier — da (oben sp. 449). hier sonnenschein, dort regen.

entweder dort (im andern leben) oder hie
Hartmanns Credo 2588.

ich weiz ein teil des hie geschiht,
waz dort geschiht, des weiz ich niht
Freidank 18, 14. 15.

ebenso Walther

wan âne si (Maria) kan niemen
hie noch dort genesen 6, 3. 4.

andere beispiele bei Ben. 1, 385b.

ich han von recken streit gehört,
von Alexanders hie und dört
Wittenweiler Ring 45b, 6.

und der Römer dort und hie 10.

es ist nicht ein wunder das got solliche lesterer straft hie und dort Keisersberg Sünden des munds 20b.

aus sölchem neid thet er (Cain) das mort,
wölches gestrafet hi und dort
Schwarzenberg 100, 1.

es musz doch aller trewer dienst hie und dort bezahlt werden, wer nur mit geduld auszwarten könte Henisch 737.

[Bd. 2, Sp. 1306]


der mensch dort nie zu gnaden kam,
der armen leuten hie war gram.
hie kurzes leid, dort ewig frewd
wirt han die liebe christenheit das.

hier und dort in hac et illa altera vita Stieler 327. hier und dort glücklich sein Steinbach 1, 285. ich bin hier und er ist dort longe separati sumus Stieler und Steinbach.

hier such ichs nur, dort werd ichs finden
Gellert 1, 181.

kaum heb ich meine hand empor,
so steigt hier ein palast und dort ein thron empor ders.

dort hätte sie gelauscht, hier hätt ich lauschen wollen ders.

dort duften blum und gras, hier grünen berg und flächen.
Hagedorn 3, 87.

falsch gebild und wort
verändern sinn und ort!
seid hier und dort! zauberspruch des Mephist.
Göthe 12, 117.

also giengen die zwei entgegen der sinkenden sonne
die in wolken sich tief, gewitterdrohend, verhüllte,
aus dem schleier, bald hier bald dort, mit glühenden blicken
strahlend über das feld die ahnungsvolle beleuchtung 40, 316.

hier sind die starken wurzeln deiner kraft,
dort in der fremden welt stehst du allein
Schiller 526a.

hier ein dörfling, dort ein städter
gaft uns wundernd an
Voss 5, 221.

ich habe geklopft (an die thüre) bald dort, bald hier.
Kotzebue Dramat. spiele 1, 285.

getrennt im dunkel hier und dort
Rückert 225.

wandre immer hier und dort umher Gutzkow Ritter v. geiste 2, 72.
 
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dort, n. das zukünftige, das andere leben, das jenseits.

ob es gott geliebt, wär der beste handel,
dasz sich hier in dort ehstes frölich wandel
Logau.

das ersehnte dort Tiedge. ein entferntes dort ders.

wenn uns die erd entläszt
und sich das dort entschleiert ders.

den himmel stürmt ein heitres wort (lied),
zur erde zwingt es ihn hernieder
und macht zum hier das schöne dort
Platen 28a.


 
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dorte, adv. eine unorganische form neben dort, die sich vom 15 ten bis zum 18 ten jahrhundert zuweilen zeigt, aber jetzt nur noch landschaftlich vorkommt, wie auf dem lande um Leipzig.

dorte get der monde uf Osterspiel aus dem 15. jahrhundert in
Wackernagels Leseb. 1. 1021, 41.

besser ists in sark begraben
als den bauch zum vasse haben.
dorte wird man sünden los,
hier erwächst sie noch so grosz
Logau 1, 4, 68.

dem nächsten nütze sein, den höchsten recht verehren,
kan geben dorte heil und hier den segen mehren 1, 4, 87.

mit warnen warstu gut, sei ferner gut mit warnen,
so wirstu dorte glanz und segen hier erarnen 1, 10, 66.

endlich sagt er diese worte,
'wie? soll ich die vaterstadt,
mein geliebtes Danzig dorte,
welches mich gebohren hat,
gleichsam wie undankbar fliehen?'
Neumark 103.


 
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dorte, f. s. DWB torte.
 
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dorten, m. s. DWB dort unkraut.
 
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dorten, adv. wie dorte eine unorganische form für dort, die schon im 16 ten jahrhundert vorkommt und sich bis jetzt erhalten hat. Stieler erklärt sie (s. 327) für einen misbrauch, Frisch führt sie nicht an, wol aber Steinbach 1, 285. in Baiern auch mit der bedeutung damals Schmeller 1, 399.
1. auf einen ort hinweisend.

und heisz aufsitzen dorten
den hüter meiner ehrenporten
H. Sachs 4. 1, 27a.

wann du befalchst mir endtlich dorten
einzukaufen das allerbest 4. 3, 71b.

dorten sagt Kant (1747) 8, 55. dorten gründet ein groszer geist ein reich Leisewitz Rede eines gel. 110. mit dem vorsatz dorten fabriken anzulegen Karl August herzog v. Weimar in Mercks briefen 1, 373. den professor Garve habe ich auch dorten kennen lernen 2, 186. und die dorten liegen erschlagen am boden Tischbein in Mercks briefen 1, 516.

liebe und lieble dorten nur, dorten!
Göthe 10, 306.

die bude die man dorten schaut 13, 55.

denn nicht die gestalt die in der kunst ruht, gelangt in den stein, sondern dorten bleibt sie, und es gehet indessen eine andere geringere hervor 23, 245.

dorten zeigt sich das meer und das land und die inseln der ferne 40, 361.

die dorten wohnen sind dir alle viel zu jung 41, 192.

und frage mir die knechte dorten
ob sie gethan nach meinen worten
Schiller 68a.

[Bd. 2, Sp. 1307]



denn dorten fand ich die ich nie gesucht 502a.

dompfaff Gimpel predigt dorten
A. Grün 274.

Göthe in eifriger rede sagt dort dorten,

nein nein, mein herr, dort dorten ist ihr platz 57, 230.


2. mit angabe des orts.
ich fand in der beschreibung von Mähren dasz es dorten eine art leoparden geben soll Karl August herzog v. Weimar in Mercks briefen 1, 39. eine antwort von Rom — weil man dorten das alte weder aufheben noch das neue verhindern wollte Göthe 45, 377.

wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten du habest
uns hier liegen gesehn, wie das gesetz es befahl.
Schiller 76a.

quacken mag im sumpfe dorten
jenes tückische gelichter
Platen 56.


3. von dorten illinc.

von dorten soll sie in das fernste land
Göthe 9, 304.

das wort klingt immer gut von dorten her
Schiller 397.


4. im andern leben. es ist besser hier gelitten als dorten dermaleines: dann hier zeitlich, dort ewig Schuppius 684.

dorten wirst auch du uns wieder finden,
wenn dein lieben unserm lieben gleicht
Schiller 84b.


5. im gegensatz.
da — dorten. s. DWB da 6.

bald da, bald dorten hin
Wieland 10, 19.

hier — dorten.

und es rauschte hier, und rauschte dorten
Göthe 2, 103.

hie und dorten, früh und spat
bin ich nach dem schein gezogen
Rückert 22.


 
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dortaus, adv.
1. dorthinwärts istorsum. ein schlang darnach sie gat krums, wan sie mit dem kopf da hinusz gat, so wil sie dort uszhin, und weisz niemans wahin sie wil Keisersberg Sünden des munds 29a. spricht Salomon 'wan einer mit einem bengel under die fögel würft, sie werden von ein ander zerstreüt, also das einer fleücht da usz der ander dort usz' 37b.
2. von dortaus inde, von dem ort. von dortaus habe ich einen brief geschrieben. von dortaus kam die nachricht. von dortaus giengen sie weiter.

von dortaus zogen einst die helden
Uhland Ged. 344.


 
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dortdroben, adv. supra, wie dortoben. subst. dortdroben n. o das dortdroben werden auch Sie umschiffen J. Paul Anhang zum Titan 2, 46.
 
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dortdrüben, adv. jenseits, verstärktes drüben.
 
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dortdurch, adv. illac istac, gegensatz zu dadurch, Dasypod. 316c. Schönsleder L 3. Henisch 737. Frisch 1, 203b.
 
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dortheim, adv. domi, wie daheim.

ich hab ein essen guter fisch,
die stehn dortheim auf meinem tisch
Wolgemut 2, 322.