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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
dräuen bis drauschelich (Bd. 2, Sp. 1346 bis 1347)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dräuendrohen,n. wie dräuung. uf die erst frag waz tröwen sei, antwurt ich und sprich das da sei dreierlei tröwen. es ist z dem ersten ein unbescheiden tröwen, z dem andern ein bös tröwen, und zu dem dritten ein gt tröwen Keisersberg Sünden des munds 63a. daz ein mensch ausz forcht des tröwens ein ding tht und nit ausz der forcht gots 64a. wan die menschen thnd me ausz solchem tröwen wann von der furcht gottes das. wan nach schelten, flchen und tröwen kümpt blt vergieszen das. dasz jegliche ein messer trug ihn zu tödten, doch ward nichts ausz ihrem dräuwen Buch der liebe 290, 3. ich wolt von ihrem drauwen appeliren eben auf dasselb concilium Luther 5, 116a. mit zornigem drewen Psalm 30, 30. es ist nichts gesundes an meinem leibe fur deinem drewen 38, 4. denn ich esse aschen wie brot und mische meinen trank mit weinen fur deinem drewen und zorn 102, 11. darum bin ich des herrn drewen so vol das ichs nicht lassen kan Jerem. 6, 11. fur seinem zorn bebet die erde und die heiden können sein drewen nicht ertragen 10, 10. ir drewen sol in Egyptenland zum spot werden Hosea 7, 16. aber solch drewen ist zu weit aus den augen Sirach 16, 21. gedenk an das gebot und las dein drewen wider deinen nehesten 28, 8. und nu, herr, sihe an ir drewen Apostelg. 4, 29. und ir herren, thut auch dasselbige gegen inen und lasset das drewen Ephes. 6, 9. trutzliches tröuwen eines stolzen menschen, rictus Maaler 409c. einen mit dräwen stillen Bocc. 1, 88a.

und wenn er selbst nicht ist der mann,
oder zur rach nicht kommen kan,
so kült er doch sein muth mit drawen
Wolgemut 2, 440.

erfrewt sich stets und hofft das best,
mit keim drawen sich schrecken läszt 2, 477.

der Rodomont erschien allhier mit starkem dröwen,
er führt in rother fahn auch einen groszen löwen.
Dietr. v. d. Werder Ariost 14. 90, 1.

sieh, wie voll sanfter unschuld er das jugendliche haupt dem drohn des beils darbeut Joach. Wilh. v. Brawe Trauerspiele (1768) 43.

der göttin dräun
zwang sie sich einzuschlieszen
Wieland 10, 138.

ihr wähnt dasz euer dräun ihn schrecke?
Gotter 1, 360.

sie fürchtet der mutter drohen nicht mehr
Göthe 1, 214.

doch eingefaltet sitzt die unbewegliche,
nur endlich rührt sie auf mein dräun den rechten arm. 41, 186.

und selbst gefahr erschiene nur als eitles dräun 41, 221.

durch deiner feinde starkes drohen
ist er im tiefsten aufgeregt 41, 276.

ein adler schwebt im himmelhohen,
ein greif ihm nach mit wildem drohen 41, 277.

[Bd. 2, Sp. 1347]



bis, befruchtet von Jehovas hauche,
gräber kreisen auf sein mächtig dräun
Schiller 6b

das sind nur leere schrecken, Zeus, mir bangt
vor deinem drohen nicht 18b.


Sprichwörter.

hastu zu thun mit freien leuten,
so thu in nicht durch dräwen deuten
Henisch 744.

dräwen schreckt narren wie kinder der donner Brem. wörterb. 1, 242. man stirbt nicht ab dem dräwen Jac. Meier Hortulus adagior. 41. Petri Sprichw. R v. wer von drawen stirbt, ist ein blöder gesell Lehmann 154.
 
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drohend, adj. und adv. drohende felsen Klinger 5, 365. drohende mienen, blicke. drohende worte. eine drohende stimme. eine drohende gefahr. eine drohende stellung annehmen. eine drohende ahnung hielt ihn zurück.

doch es ziemet königinnen, allen menschen ziemt es wohl
sich zu fassen, zu ermannen, was auch drohend überrascht.
Göthe 41, 197.

doch hoher ahnen kette zieht bedächtgen blick
aus rascher strebsamkeit ins drohende zurück 41, 292.

ein ungewitter zieht sich über Ihnen
zusammen, noch weit drohender als jenes
das Sie vordem in Regensburg gestürzt
Schiller 338b.

die flucht der kaiserlichen, deren drohende gegenwart den entschlieszungen der fränkischen stände bisher zwang angethan hatte Schiller 940a.
 
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dräuerdroher,m. drouwer minator Voc. incip. teut. d 4. s. bedräuer.

einen greiner, einen schreier,
einen praler, einen dräuer u. s. w.
hat in dem man zu erkennen,
den man kan versoffen nennen.
Logau 1. 10, 11.

droher dreuer minax, ostentator Stieler 331. der droher Gotter 3, 405.

der droher flieht durch dunkle gänge
vor seinem tod
Seume.

bildlich,

der dreuer, der comet
Opitz 2, 41.


 
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drauf, s. DWB darauf. drauf und dran als verstärkung.

bei hofe keinem trauen, wer diese regel kan,
der kan den hofeglauben und ist ein hofemann:
der hofecatechismus steht meistens drauf und dran.
Logau 3. 4, 59.

(kaiser Konrad) umlagert es (Weinsberg) mit rosz und mann
und schosz und rannte drauf und dran
Bürger 25b.


 
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draufbohr, m. der an einem krummem holz oder eisen umgedreht wird, und auf dessen obern theil man mit der brust drückt, auch windelbohrer, brustleier genannt, franz. villebrequin, engl. brace Beil 150.
 
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draufgeld, n. angeld, aufgeld, als unterpfand für einen abgeschlossenen handel. dann auch was über den gewöhnlichen preis noch zugelegt wird. hier unterbrach mich Bastian mit der nachricht, die wasserkutsche sei sammt dem draufgelde für den guten platz, während meinem verhöre, ab- und davongefahren Thümmel Reise 10, 224.
 
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dräuigdräuwig,adj. und adv. droiger minax i. e. iracundus Voc. theut. 1482 f 3a. trauwig, auf trauwige weis Dasyp. 137c. tröuwig, iemerdar tröuwende Maaler 409c. ebenso
 
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dräulich, adj. und adv. als hätten wir uns hören lassen mit dräulichen worten Luther Briefe 3, 382. dennoch solch dräulich edict hat ausgelassen 4, 236. s. drohlich, bedrohlich.
 
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dräurede, f. wie drohrede.

der dreurede was genuoc Passional 360, 88 Hahn.


 
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draus, adv. s. DWB daraus. drausz. in Schwaben heiszt draus kommen sowol etwas begreifen, den sinn fassen als die gedankenreihe verlieren, er ist ganz draus kommen hat den faden der rede verloren Schmid 137.
 
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drauschelichdrauschlicht,drauschelichtig drauschicht, adj. und adv. henneberg. trauschelig träuschelig Reinwald 1, 170. schwäb. drauschlecht Schmid 137. 141. von beeren die traubenartig, von pflanzen oder blumen die in büscheln oder dolden wachsen. im niederl. ist tros wie bos ein bausch, büschel, man sagt een groote tros druiven trauben. der baumwermuth wächst von einer holzechten wurzel drauschelecht gleichwie ein kleines bäumlein hervor Tabernäm. 26. darauf im brachmonat sich erzeigen vil schöner, kleiner drauschelechtiger blümlin 302. die blümlin wachsen drausselechtig und gedrungen in einander 536. seine blumen sein weisz und zart, vast (sehr) dräuschlecht 855. oben auf dem stengel (der tussilago petasites) erscheint eine drauschechte

[Bd. 2, Sp. 1348]


und leibfarbe blume, anzusehen wie ein blühender traube 1127. ein samreichs, treuschelechtig und mit kleinen linsenblettlein bekleidet kräutlein Thurneisser Von wassern 227. die stämmlein (der zisererbsen) sind ganz drauschlicht, elenhoch, ohne allen zinken und fäden Hohberg 3. 1, 403b. augentrost, ein schön drauschichtes kräutlein, wächset einer spannen hoch 3. 1, 413a. sehinan (woraus die Araber asche zur seife verfertigen) ist ein drauschelechts dickes gewächs Rauwolf. uneigentlich, und hettest nit so vil groszer not, wie du dich ziertest und dinen lip feistig und gedrungen und dritschlecht gemachtest Keisersberg Bilger 148d. s. DWB dreuschen, drauschen herabfallen, in den blumenbüscheln senken sich die einzelnen blumen häufig herab.