Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
doppelmensch bis doppelnacht (Bd. 2, Sp. 1266 bis 1268)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) doppelmensch, m. wie doppelmann. doppelmensch homo duplex, versipellis, aliud loquens et aliud sentiens Henisch 730.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
doppelmesse, f. dieser bischof leret mich das in der kirchen eitel duppel messen sind Luther 3, 529.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
doppelmops, m. eine art schnupftaback, so genannt von dem wappen einer alten holländischen fabrik, auf dem zwei möpse abgebildet waren Herforts Waarenlexicon 590.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
doppelmord, m. ein zwiefacher.

es musz ihr doppelmord durch recht beschönet sein.
Gryph. 1, 277.

[Bd. 2, Sp. 1267]



als ein denkmal muszt du (kreuz) ragen
für so grausen doppelmord
A. Grün Ged. 164.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
doppelmütze, f.

wir tollten fort in jugendlicher hitze,
bis überdrüssig noch zuletzt
wir dem Parnass als eine doppelmütze
die beiden berge frevelnd aufgesetzt
Göthe 41, 138.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
doppelnduppeln, duplicare geminare wie doppel machen, duplieren. gewöhnlicher ist jetzt verdoppeln. engl. to double, franz. doubler. im ahd., mhd., altsächs., altfries. und angels. kommt es in dieser bedeutung nicht vor, auch nicht im niederd., niederl. und dän. es zeigt sich erst im 16ten jahrhundert.
1. es doppelt das laster, wer wider die natur das gleisend der tugend einführt S. Frank Trunkenheit 13. ich doppel Alberus Nov. diction. Aa iij. dopplen duplare Dasyp. 318b. doppeln etwas zwürend auf einandern thun congeminare, ingeminare Maaler 91d. doppelen dupliren doppel machen geminare duplicare Henisch 729.

wenn Pharao die ziegel doppelt
und das volk selbst zur arbeit stoppelt,
gemeinklich umb dieselbe zeit,
sagt man, sei Moses auch nicht weit 730.

darumb auch unsre feind, zu dopplen ihre rach u. s. w.
Weckherlin 164.

die zugesäten felder
die duppeln alle lust
Fleming 65.

mit trauriger und zweifelhaftiger erwartung das künftige unglück doppeln Schuppius 695. führen es hinder und fürsich, doplen also das schifflohn 751.

nun sieht
sie uns und doppelt ihre schritte
Lessing 2, 243.

gedoppelt wird jetzt als selbständiges adj. gefühlt. rette mich von dem gedoppelten meineid Göthe 10, 102.

ein gutes glas von dem bekannten saft,
doch musz ich euch ums ältste bitten;
die jahre doppeln seine kraft 12, 128.

gedoppeltes vertrauen gebührt diesem unternehmen 43, 384. sie doppeln die blutigen streiche auf den feind Wieland.

den streich zu doppeln fühlt er keinen trieb.
Gries Tassos befreites Jerusalem 20, 43.

der naturtrieb bestürmt das empfindungsvermögen durch die gedoppelte macht von schmerz und vergnügen Schiller 1120.
2. sich doppeln.

ein mancher der fast nie des weins entrathen kan,
beredt die leut und schwert der schönen geister kraft
verstärk und dople sich durch disen süszen saft.
Rompler 80.


3. technische bedeutungen. stiefel, schuhe doppeln neu besohlen, versohlen Frisch 1, 202a. Schmeller 1, 387, und so wird auch das englische to double gebraucht. mit tanzen thut man wahrhaftig die schuch nit dopplen Abrah. a S. Clara. der mag wissen ob seine stiefelsohlen von Sachsen bis Syrakus halten, oder ob er sie neu doppeln lassen musz Holtei Lammfell 5, 60. mit zwei schuhdräten so gegen einander durch gezogen werden, die schuh nähen Frisch 1, 202a. s. DWB aufdoppeln. ebenso strümpfe doppeln resarcire lacerata tibialia Frisch 1, 202a.

ja du verstehst nicht recht den schimpf,
ich will dir doppeln deine strimpf (dir füsze machen, dich jagen):
du solst dich fort nicht unterstehn
zu frenden weibern zu bulen gehn
Jac. Ayrer Fastnachtsp. 85d.

kleider doppeln das tuch der kleider mit leinen belegen. ein schiff doppeln ihm eine doppelte verkleidung geben. eine wand doppeln von beiden seiten auskleiben, auszen und innen mit lehm belegen Frisch. die glieder in der schlachtordnung doppeln ders. das pferd doppeln auf der reitbahn das pferd gegen die mitte des reitplatzes wenden und es gerade an die andere wand leiten, ohne die hand zu wechseln.
4. uneigentlich.

sie ruft die strafen ganz zusammen
und doppelt ihre grimme flammen
Opitz 3, 185.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
doppeln, an eine thüre klopfen, mit dem hammer schlagen, so auch eindoppeln einschlagen z. b. einen nagel Stalder 1, 290. wol in beziehung auf die wiederholten schläge. mit den füszen doppeln (trampeln) oder mit den händen klopfen zu einem zeichen einer gunst oder guten willens Fries Diction.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
doppeln, n.

weiland war das hände dupeln (ineinanderlegen)
also viel als herzen einen:
nunmehr, wann sich hände kupeln,
bleibt es auch bei duplem meinen
Logau 3. 5, 51.

[Bd. 2, Sp. 1268]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) doppeln, mit würfeln spielen. in dieser bedeutung, die vorzugsweise im nördlichen Deutschland sich verbreitete, erscheint es am frühsten, hernach ward es auch auf andere gefährliche, verderbliche glücksspiele angewendet, woran sich der begriff des betrügerischen und verächtlichen spieles knüpfte, der auch an dem doppeler haftet. im holsteinischen heiszt dubbeln im allgemeinen karten spielen (Schütze 1, 164). es ist eine abgeleitete bedeutung von duplicare und bezeichnet die verdoppelung des satzes beim spiel, wie Schütze annimmt; auch Frisch (1, 202a) erklärt es durch doppelt setzen, einander überbieten im würfel- und kartenspiel (1, 290), durch doppelt bezahlen, beim spiel zum zweitenmal einsetzen. andere, wie Wackernagel (glossar zum Lesebuch dxxv), beziehen es auf den pasch, den wurf mit gleichen augen, franz. doublet. im ahd. erscheint es noch nicht, aber schon im altfries. dobbela doblia (Richthofen 688). mhd. toppeln immer mit der ten. (Ben. 3, 48), niederd. dobbeln dabeln (Brem. wörterb. 1, 217), niederländ. dobbelen, isl. dubla, schwed. dubbla dobbla, dän. doble. bei Wolfram uneigentlich,

umbe den wurf der sorgen
wart getoppelt Parzival 248, 11.

manec unsueze schande
wart getoppelt dâ der heidenschaft Wilh. 415, 17.

wir hân êrste umbe den wurf
getopelt der grôzen sorgen.
Ulrichs Wilh. 174c. pfälz. hs.

ir sült ouch dar umbe nit tanzen an dem ruowetage oder spiln oder toppeln Berthold 64. toppeln ludere cum taxillis Voc. theut. 1482 gg 6b. spilest und doppelst mit ihnen wie ein erzlotterbube Mathes. 130b. lasz uns eins toppeln, der minst (der den geringsten wurf hat) ist knecht Fischart Garg. 88b. ist niemands hie, der doppeln will? 90a. denn es von allerlei losem gesinde ein zu hauf gesammeltes volk war, welche nichts anders thaten denn in den tabernen doppelten, spielten und soffen Henneberger 377. doppelen ludere aleis, jacere talos, aleas, tesseras, duplo ludere Henisch 730. spielen und dopplen Phil. v. Sittewald 1, 441. er doppelt über die maszen gern Stieler 325. sogar um leib und leben doppeln ders. dieser mensch hat ganz und gar keinen geschmack am tanzen und beredet den spieler unvermerkt in ein seitenzimmer mit ihm zu gehen, um eine viertelstunde mit einander da zu doppeln Lessing 4, 393. doppeln heiszt auch den doppel (s. oben 1260) erlegen beim schieszen Stalder 1, 290. sprichwort, wer im finstern doppelt, verliert die würfel Simrock 2460. so auch ausdoppeln aufhören zu spielen Stieler 325. s. DWB erdoppeln. verdoppeln. vergl. DWB doppelhaus. doppeltasche.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
doppeln, n. das doppeln (spielen) hat ihn zum armen mann gemacht Stieler 326. beim doppeln musz man aufsetzen exercens aleam pecuniam in ludum deponat ders.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
doppelnacht, f.

funkenblicke seh ich sprühen
durch der linden doppelnacht
Göthe 41, 309.

übrigens gibt nicht eine polar- oder doppelnacht an sich einen Herkules, wenn der Jupiter fehlt und blosz der Heraklide da ist J. Paul.